Ehemaliger Trockenspeicher (Idstein)
| Ehemaliger Trockenspeicher Idstein | ||
|---|---|---|
Ehemaliger Trockenspeicher in Idstein (2019) | ||
| Daten | ||
| Ort | Idstein | |
| Baujahr | 1816 | |
| Grundfläche | ca. 150 m² | |
| Koordinaten | 50° 13′ 14,3″ N, 8° 16′ 9,6″ O | |
| Besonderheiten | ||
| Denkmalschutz aus geschichtlichen, städtebaulichen und wissenschaftlichen Gründen | ||
Der ehemalige Trockenspeicher (auch altes Gerberhaus) in Idstein ist das letzte Beispiel eines der früher zahlreichen Trockenspeicher der Lederverarbeitung in der Stadt. Das Gebäude im südhessischen Rheingau-Taunus-Kreis stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert und steht unter Denkmalschutz.
Lage
Das Gebäude am westlichen Rand der Altstadt liegt am heutigen Löherplatz direkt an der Rückseite der Unionskirche. Bis zur Eröffnung des neu gebauten Löherplatzes 1994 hatte das Gebäude die Adresse Löhergasse. Die Bezeichnung Löher ist ein alter Name für die Gerber, da sie mit Gerberlohe arbeiteten.[1] Dort verläuft – heute an dieser Stelle unterirdisch kanalisiert – der Wörsbach, der seit dem Mittelalter von hier angesiedelten Gerbereien und der Lederverarbeitung in der Stadt genutzt wurde.[2]
Geschichte
Große wirtschaftliche Bedeutung erlangte die Lederverarbeitung in der Stadt ab 1781, die sich vor allem in der namensgebenden Löhergasse ansiedelte. Überregional bekannt waren damals insbesondere die Weißgerber, da sie statt der Lohe Alaun benutzten und bereits zu dieser Zeit eine der größten Weißlederfabriken in Deutschland betrieben. 1810 gründete Franz Xaver Deninger in der Löhergasse eine große Saffianfabrik, aus der später die Lederfabrik Landauer und Donner hervorging.[3] Die Lederverarbeitung wurde im 19. Jahrhundert zum wichtigsten Wirtschaftsfaktor der Stadt.[4]
In der Lederherstellung muss das Leder nach Färben und Fetten vor der Weiterverarbeitung zunächst getrocknet werden. Dazu wurde im 19. Jahrhundert die Lufttrocknung in den Trockenspeichern genutzt. In Idstein gab es rund 30 Gebäude dieser besonderen Baugattung.[5] Gemeinsames äußeres Merkmal der Trockenspeicher war die stufenförmig zurückweichenden breiten Schleppgauben.[6] Die Lüftung erfolgte über Holzlamellen.[5]
Als die anliegenden Lederfabriken das Gebäude nicht mehr benötigten, wurde der Trockenspeicher 1920 zu einer Schreinerei umfunktioniert.[5] Als nach dem Abriss der früheren Lederfabrik Landauer und Donner Planungen für den freien Platz vorgenommen wurden, wurde zeitweise auch der ehemalige Trockenspeicher einbezogen: Im Bebauungsplan von 1964 war der Abriss des Gebäudes zugunsten einer kleinen Grünanlage vorgesehen. Nachdem der Löherplatz 1980 in die Planung zur Altstadtsanierung einbezogen wurde, war auch der Abriss hinfällig.[7] Etwa um diese Zeit wurde das Gebäude aus geschichtlichen, städtebaulichen und wissenschaftlichen Gründen unter Denkmalschutz gestellt. Schließlich kaufte die Stadt Idstein das Gebäude 1993. Bis zum Jahr 2002 hatte sie es zu einer Kulturstätte umrichten lassen, in der seitdem Konzerte, Ausstellungen, Theateraufführungen, Lesungen, Kindertheater und ähnliches stattfinden.[8]
Beschreibung
Der Trockenspeicher ist ein zweigeschossiger gemauerter Bau mit Satteldach und drei dort stufig angeordneten Schleppgauben, die sich über die gesamte Gebäudelänge erstrecken. Er umfasst eine Grundfläche von ca. 12,70 Metern Länge und ca. 11,80 Meter Tiefe. Die Fassade wird durch symmetrisch angebrachte Fenster gegliedert. Diese sind mit einer dünnsprossigen Industrieverglasung versehen. Die Schleppgauben sind ebenfalls mit verglasten Lichtöffnungen versehen und weisen Holzlamellen zur optimalen Lüftung des Innenraumes auf. Die Bauform war einst durch ihre Häufigkeit stadtbildprägend und wurde daher wahrscheinlich Anfang der 1980er Jahre unter Denkmalschutz gestellt.[9]
Literatur
- Dagmar Söder: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen, Rheingau-Taunus-Kreis II: Altkreis Untertaunus. Hrsg.: Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Konrad Theiss Verlag, Aalen und Wiesbaden 2003, ISBN 3-8062-1649-5.
- Gerd Hermann Boettger: Idsteins Löherplatz. Von der Stadtgrenze zum Stadtzentrum. Eine lokalhistorische Dokumentation. hrsg. von Dietmar Bücher Schlüsselfertiges Bauen, Selbstverlag, Idstein 1994 (ohne ISBN).
Weblinks
- Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Löherplatz 13, Ehemaliger Trockenspeicher Idstein In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen.
- Alt Idstein. Historisches Idstein, abgerufen am 6. Dezember 2025
- Kunst und Kultur im Gerberhaus, bei idstein.de, abgerufen am 6. Dezember 2025
Einzelnachweise
- ↑ Boettger: Idsteins Löherplatz. Von der Stadtgrenze zum Stadtzentrum. Eine lokalhistorische Dokumentation, S. 3f.
- ↑ Löhergasse, bei alt-idstein.de
- ↑ Boettger: Idsteins Löherplatz. Von der Stadtgrenze zum Stadtzentrum. Eine lokalhistorische Dokumentation, S. 5ff.
- ↑ Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Löherplatz 13, Ehemaliger Trockenspeicher Idstein In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen.
- ↑ a b c Ehemaliges Gerberhaus, Idstein, auf Website der Kulturregion FrankfurtRheinMain unter krfrm.de
- ↑ Idsteiner Leder: Anfänge, unter alt-idstein.de
- ↑ Boettger: Idsteins Löherplatz. Von der Stadtgrenze zum Stadtzentrum. Eine lokalhistorische Dokumentation, S. 26
- ↑ Kunst und Kultur im Gerberhaus, bei idstein.de
- ↑ Söder: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen, Rheingau-Taunus-Kreis II: Altkreis Untertaunus, S. 366