Egidijus Bičkauskas

Egidijus Bičkauskas (* 29. Mai 1955 in Jieznas, Rajongemeinde Prienai) ist ein litauischer Jurist und Politiker, Mitglied des Seimas, Parlamentsvizepräsident.

Leben

Ab 1968 lebte er mit der Familie in Vilnius. Nach dem Abitur 1973 an der Mittelschule in Žirmūnai absolvierte er 1978 das Diplomstudium der Rechtswissenschaft an der Vilniaus universitetas und arbeitete als Ermittler in der Staatsanwaltschaft Vilnius. 1989 wurde er in Šilutė zum Deputat des Obersten Sowjets der Sowjetunion gewählt. 1990 wurde er Mitglied des Seimas, danach stellvertretender Vorsitzender des Seimas, Botschafter in Russland. K.Prunskienė, die erste Premierministerin Litauens, hatte er am 4. Januar 1991 am Flughafen Šeremetjevo abgeholt, sie war gerade in guter Stimmung aus Australien zurückgekehrt. Er versuchte ihr zu erklären, dass sich die Ereignisse zu diesem Zeitpunkt in der UdSSR gerade nicht zum Guten entwickeln, in Litauen lag es vor allem an der unvermeidlichen Erhöhung der Preise, auf die es wegen ungenügender Vorbereitung heftige Reaktionen gab. Danach war er in Vilnius um sich mit Vytautas Landsbergis zu beraten, einstimmig wurde damals im litauischen Rat beschlosssen, dass er zusammen mit K.Prunskienė zu einem Treffen mit M. Gorbačiov nach Moskau fahren soll. Dem widersprach allein sein Gefühl, dass diese Begegnung als Verrat interpretiert werden konnte. Sie bekamen einen Termin für den nächsten Tag bei M. Gorbačiov. Im Kreml waren sie um 13 Uhr und wurden gebeten zu warten. Später habe er erfahren, dass zur gleichen Zeit der Führer der Kommunisten Litauens, Mykolas Burokevičius bei M. Gorbačiov war und diesen darum gebeten habe in Litauen die Präsidialverwaltung einzuführen. Burokevičius habe sich noch mit weiteren Personen aus dem Umfeld Gorbačiovs getroffen, dem Verteidigungsminister und dem KGB Leiter, einem Personenkreis, der später, am 22-23. August Gorbačiov absetzen wollte. Das Treffen mit Gorbačiov war kurz und er war allein mit ihnen, ohne seine Berater und erwähnte dabei einige sehr tendenziöse Informationen. Weder verneinte, noch bestätigte er, dass in Litauen massive Gewalt angewendet werden sollte. Am 10. Januar 1991 trat die Regierung von K.Prunskienė zurück, und das obwohl sie dies nach dem Besuch bei Gorbačiov nicht vorhatte. Bei ihrer Rückkehr nach Vilnius wurden sie von Beratern und dem Sicherheitsdienst Prunskienės empfangen, ihnen wurde mitgeteilt, dass im Seimas eine Sitzung stattfinde, in welcher der Premierministerin Verrat mit der Forderung ihres Rücktritts vorgeworfen wurde. Das verlangten auch die Protestierenden vorm Seimas, darunter radikale Patrioten, aber auch UDSSR-Anhänger. Ab da gab es von allen Seiten nur noch Beschuldigungen und Vorwürfe gegenüber der Premierministerin. Weltweit war sie in Ehren empfangen worden und hier musste sie heimlich zum Parlament schleichen. Im Seimas traf sie sich zuerst mit ihrem Stellvertreter Romualdas Ozolas und wenig später erklärte sie: "Wir werden zurücktreten!". E.Bičkauskas verbrachte die gesamte Nacht vom 12. auf den 13. Januar in der litauischen Vertretung in Moskau am Telefon und informierte die Botschaften anderer Staaten über das Geschehen und die Opfer in Vilnius. Am Morgen sah er eine Frau mit einem Kind und einem Plakat vor dem Haus stehen. Auf dem Plakat stand auf russisch: "Litauen, verzeih uns!".

1996 wurde er in Justiniškės zum Parlament gewählt.

Seit 1993 war er Mitglied der Centro sąjunga.