Egbert von Graffenried
Anton Beat Ital Egbert von Graffenried (* 30. Dezember 1909 in Bern; † 14. November 1981 ebenda) war ein Schweizer Jurist und Diplomat. Er stand über mehrere Jahrzehnte im Dienst des Eidgenössisches Departements für auswärtige Angelegenheiten und war an verschiedenen schweizerischen Auslandsvertretungen tätig.
Leben und Tätigkeit
Egbert von Graffenried entstammte dem bürgerlich-protestantischen, bernischen Patriziergeschlecht von Graffenried. Sein Vater war der Bankier Viktor Karl Friedrich von Graffenried (1877–1948), seine Mutter war Marie Nathalie Blanche Fischer von Weyler (1888–1953).[1] Nach dem Studium der Rechtswissenschaften liess er sich zunächst als Rechtsanwalt in Bern nieder[2] und trat 1934 in den diplomatischen Dienst der Schweiz ein.[3]
In den folgenden Jahrzehnten war er an verschiedenen Auslandsvertretungen tätig, unter anderem in Shanghai, New York und London. Innerhalb des Eidgenössischen Politischen Departements übernahm er Aufgaben im Bereich der multilateralen Diplomatie und der sicherheitspolitischen Beobachtungsmissionen.[3] Ab 1950 übernahm er, inzwischen wieder zurück in Bern, als Leiter die Wirtschafts- und Finanzabteilung des Politischen Departements. Er wurde im Februar 1954 zum Stellvertreter des Abteilungschefs für Politische Angelegenheiten ernannt und erhielt den diplomatischen Titel eines sog. bevollmächtigten Ministers.[2]
Neutrale Überwachungskommission in Korea
Vom 28. März bis 1. September 1955 war von Graffenried Leiter der schweizerischen Delegation bei der Neutralen Überwachungskommission für den Waffenstillstand in Korea (NNSC). Er löste dort Minister Alfred Escher ab und übergab das Amt im Herbst an Fritz Real.[4] Die NNSC war 1953 nach dem Waffenstillstandsabkommen von Panmunjom eingesetzt worden, um die Einhaltung der militärischen Bestimmungen zwischen Nord- und Südkorea zu überwachen. Die Schweiz stellte gemeinsam mit Schweden die neutralen westlichen Delegationen. Von Graffenried führte die Schweizer Mission während einer politisch angespannten Phase – zwei Jahre nach Unterzeichnung des Waffenstillstands am 27. Juli 1955 –, in der sich die Tätigkeit der Kommission zunehmend auf Beobachtungs- und Berichtsfunktionen beschränkte.[4]
Spätere Jahre und Privates
Nach seiner Rückkehr aus Korea setzte Egbert von Graffenried seine Tätigkeit im diplomatischen Dienst fort. So war er ab Juni 1956 ausserordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister der Schweiz im Libanon, in Jordanien und Syrien mit Sitz in Beirut.[2] Er blieb bis zu seiner Pensionierung in verschiedenen Funktionen des Eidgenössischen Politischen Departements aktiv.[3]
Egbert war mit Helen de Bary (1911–2000), Basler Tochter des Seidenband-Fabrikanten Rudolf de Bary (1896–1963) verheiratet. Sie hatten drei Söhne, geboren zwischen 1939 und 1945.[5][1] Egbert von Graffenried liegt auf dem Bremgartenfriedhof begraben.[6]
Weblinks
- Diplomatische Dokumente der Schweiz (Personendossier)
Einzelnachweise
- ↑ a b Franz Bernhard Victor von Graffenried, vongraffenried.com.
- ↑ a b c Egbert von Graffenried. Schweizer Diplomat. Munzinger-Archiv.
- ↑ a b c Marc Perrenoud: Egbert von Graffenried. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 17. September 2024, abgerufen am 9. Januar 2026.
- ↑ a b Organisation und Zusammensetzung der schweizerischen Delegation bei der Neutral Nations Supervisory Commission, Diplomatische Dokumente der Schweiz, S. 6.
- ↑ Historisches Familienlexikon der Schweiz.
- ↑ Egbert Von Graffenried, BillionGraves Headstone Records.