Edzard Eberhard Wilhelm Cirksena
Edzard Eberhard Wilhelm Cirksena (* 28. Juni 1666 in Norden,[1] † 25. Juni 1707 in Wien) war als Sohn Edzard Ferdinands Graf von Norden. 1701 ging er mit Marie Sophie Folten eine nicht standesgemäße Ehe ein. Kurz darauf musste er das Residenzhaus der Familie in Norden nach schweren Streitigkeiten auf Befehl des Fürsten Christian Eberhard verlassen.[1]
Leben
Edzard Eberhard Wilhelm ist der älteste Sohn von Edzard Ferdinand und Anna Dorothea von Criechingen und Püttingen. Wie sein Vater und sein jüngerer Bruder Friedrich Ulrich trug er den Titel Graf von Norden.
In jungen Jahren unternahm Edzard Eberhard Wilhelm eine Kavalierstour, nach deren Abschluss er eine Offizierslaufbahn einschlug. Anschließend diente als Offizier auf Seiten Frankreichs im Holländischen Krieg. Vermutlich verließ er die Armee nach dem Frieden von Nimwegen und kehrte nach Norden zurück.[2]
Dort verliebte er sich in Marie Sophie Folten, die Kammerzofe seiner Mutter, und begann eine Beziehung mit ihr. Bald wurde die Verbindung öffentlich bekannt. Die nicht standesgemäße Verbindung sorgte in der damaligen Gesellschaft für Aufsehen und wurde als skandalös wahrgenommen. Zum Missfallen seiner Mutter und des Hofes erklärte sich Edzard bereit, die Zofe regulär zu heiraten. Gräfin Anna Dorothea versuchte, die Hochzeit zu verhindern. So bot sie ihrer Zofe an, für deren Zukunft zu sorgen und sie mit einer Aussteuer auszustatten, damit diese eine bürgerliche Ehe eingehen könne. Marie Sophie lehnte jedoch ab. Auch die Androhung einer Enterbung konnte das Paar nicht von seinem Entschluss abbringen. Edzard bat den Kaiser schließlich, Marie Sophie zu adeln und die Ehe zu genehmigen. Daraufhin reichte seine Mutter beim Kaiser eine Beschwerde ein und erklärte, ihre Kammerzofe sei „einer höheren Würde unwürdig“ („majoris dignitatis indigna“), bat aber darum, mögliche Kinder aus der Beziehung für nicht erbberechtigt zu erklären, was der Kaiser auch tat.[3] Für den Fall, dass ihr jüngster Sohn ohne Nachkommen sterben sollten, bestimmte sie das Ostfriesische Grafenhaus als Erben für ihre Güter. Edzard Eberhard Wilhelm und seine Partnerin verzichteten daraufhin auf mögliche standesgemäße Vorteile und Reichtümer, schlossen die Ehe und lebten nach der Hochzeit zunächst in der Norder Familienresidenz.[4]
Dort kam es im Oktober 1701 zwischen dem Hofmeister Lüder von Oldenburg sowie Graf Edzard Eberhard Wilhelm, dessen Ehefrau und zwei Knechten zu einer handfesten Auseinandersetzung, deren Auslöser ein im Stall vergessenes Feuer gewesen sein soll. In einem Schreiben vom 15. Oktober 1701 an Fürst Christian Eberhard berichtete Lüder von Oldenburg, er sei „am Kopf und am ganzen Leib blutig und blau geschlagen“ worden. Die beiden Knechte wurden daraufhin verurteilt und für eine gewisse Zeit aus dem Land verwiesen. Der Fürst ordnete an, dass Graf Edzard Eberhard Wilhelm eine andere Wohnung beziehen müsse. Zum Schutz der Bewohner des Residenzhauses wurde zudem eine fürstliche Schutzwache von zwölf Mann unter dem Kommando eines Unteroffiziers eingerichtet.[1]
Edzard Eberhard Wilhelm und Marie Sophie verzogen daraufhin nach Delmenhorst. Die Ackerbürgerstadt galt im 18. und 19. Jahrhundert als beliebter Wohnort für in finanzielle Schwierigkeiten geratene Angehörige des Adels. Gründe dafür waren die im Vergleich zu größeren Residenzstädten niedrigeren Lebenshaltungskosten.[4]
Über das väterliche Erbe und die Apanage konnten sich Edzard Eberhard Wilhelm und sein Bruder Friedrich Ulrich nicht einigen. Es kam zu einem Rechtsstreit vor dem Reichshofrat, den Edzard Eberhard Wilhelm für sich entschied. Das Urteil blieb jedoch ohne praktische Folgen, da er nach dem Tod seiner Frau bald darauf kinderlos in Wien verstarb.[2]
Einzelnachweise
- ↑ a b c Gretje Schreiber: Das hochgräfliche Residenzhaus zu Norden. In: Emder Jahrbuch für historische Landeskunde Ostfrieslands. Band 99. (online verfügbar)
- ↑ a b Onno Klopp: Geschichte Ostfrieslands Band 2 (1570–1751). S.
- ↑ Morganatic and Unequal Marriages in German Law. Abgerufen am 22. September 2025 (englisch).
- ↑ a b Paul Wilhelm Glöckner: Warum es einen liebestollen Grafen nach Delmenhorst verschlug. 10. August 2024, abgerufen am 22. September 2025.