Edwige Feuillère

Edwige Feuillère (eigentlich Edwige Louise Caroline Cunati; * 29. Oktober 1907 in Vesoul, Département Haute-Saône; † 13. November 1998 in Boulogne-Billancourt) war eine französische Schauspielerin. Sie konnte vor allem als „Kameliendame“ auf der Theaterbühne, aber auch im Film große Erfolge in ihrer Heimat feiern.

Leben

Edwige Feuillère wurde 1907 als Tochter eines Architekten in Vesoul geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie jedoch in Italien, wo ihr Vater im Ersten Weltkrieg auf Seiten der italienischen Armee seinen Militärdienst leistete. Nach dem Krieg siedelte die Familie nach Dijon über.[1] Dort besuchte Feuillère das Lyzeum und sammelte in Schulaufführungen erste Schauspielerfahrungen. Sie nahm schließlich Unterricht am Conservatoire d’art dramatique de Dijon. Von 1928 bis 1931 studierte sie am Pariser Konservatorium und trat zunächst unter dem Namen Cora Lynn auf der Bühne auf. Nach der Heirat 1929 mit Pierre Feuillère, von dem sie 1933 wieder geschieden wurde, nahm sie den Namen Feuillère als Künstlernamen an. Auf ihr Studium folgte ein zweijähriges Engagement an der Comédie-Française. In dem Kurzfilm La Fine combine stand sie 1931 neben Fernandel erstmals vor der Filmkamera.

Als Leinwandstar etablierte sie sich 1935 in der Titelrolle von Abel Gances Filmdrama Lucrezia Borgia, in dem sie mit einer kurzen Nacktszene eine Kontroverse auslöste.[1] Als Marguerite Gautier in Die Kameliendame konnte sie 1939 einen großen Bühnenerfolg verbuchen. Ihre elegante und kultivierte Erscheinung prädestinierte sie für Kostümdramen. Als bevorzugte Heldin von Max Ophüls (unter anderem in Ohne ein Morgen, Von Mayerling bis Sarajewo) und Maurice Tourneurs (Mamsell Bonaparte) festigte sie ihren Ruf vor der Kamera. In den 1940ern spielte sie neben Gérard Philipe in der Dostojewski-Verfilmung Der Idiot und neben Jean Marais in Jean Cocteaus Der Doppeladler.

Sie konzentrierte sich jedoch hauptsächlich auf ihre Theaterkarriere. 1951 trat sie erstmals auch in London auf der Bühne auf. Zusammen mit Jean-Louis Barrault sah man sie als Femme fatale in Claudels Partage de midi. 1957 stand sie mit ihrer eigenen Theatertruppe erneut als Kameliendame mehrfach auf Londoner Bühnen. In den 1960er Jahren blieb sie eine der populärsten französischen Schauspielerinnen auch der jungen Generation von Regisseuren wie Patrice Chéreau mit Das Fleisch der Orchidee verbunden. Ab 1968 wirkte sie häufig auch in französischen Fernsehproduktionen mit, wie z. B. in den beiden Fernsehmehrteilern Die Damen von der Küste (1979) und Evas Töchter (1982) von Regisseurin Nina Companéez.

1980 wurde sie zum Großoffizier der Ehrenlegion ernannt.[2] Zudem erhielt sie als Kommandeur den Ordre des Arts et des Lettres.[3] 1984 wurde sie mit dem César d’honneur für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. 1993 würdigte man ihre Darbietung in dem Theaterstück Edwige Feuillère en scène mit dem Theaterpreis Molière als beste Hauptdarstellerin.

Edwige Feuillère starb 1998 im Alter von 91 Jahren in Boulogne-Billancourt. Ihr Grab befindet sich auf dem Friedhof in Beaugency.

Filmografie (Auswahl)

  • 1931: La Fine combine (Kurzfilm)
  • 1932: Monsieur Albert
  • 1932: Une petite femme dans le train
  • 1933: Topaze
  • 1933: Les Aventures du roi Pausole
  • 1934: Ces messieurs de la Santé
  • 1935: Barcarolle
  • 1935: Le Miroir aux Alouettes
  • 1935: Das Kreuz von Golgatha (Golgotha)
  • 1935: Stradivarius
  • 1935: Lucrezia Borgia (Lucrèce Borgia)
  • 1936: Mister Flow
  • 1937: Marthe Richard au service de la France
  • 1937: La Dame de Malacca
  • 1938: J’étais une aventurière
  • 1940: Ohne ein Morgen (Sans lendemain)
  • 1940: Von Mayerling bis Sarajewo (De Mayerling à Sarajevo)
  • 1942: Mamsell Bonaparte (Mam’zelle Bonaparte)
  • 1943: Die ehrbare Catherine (L’Honorable Catherine)
  • 1943: Lucrèce
  • 1945: Schatten über ein Frauenherz (La Part de l’ombre)
  • 1946: Solange ich lebe (Tant que je vivrai)
  • 1946: Der Idiot (L’Idiot)
  • 1948: Der Doppeladler (L’Aigle à deux têtes)
  • 1948: Der Frauenfeind (Woman Hater)
  • 1950: Es geschah in Paris (Souvenirs perdus) (Episode Une statuette d’Osiris))
  • 1951: Olivia
  • 1951: Le Cap de l’espérance
  • 1952: Liebenswerte Frauen? (Adorables créatures)
  • 1954: Erwachende Herzen (Le Blé en herbe)
  • 1955: Nicht alle können Engel sein! (Les Fruits de l’été)
  • 1957: Le Septième Commandement
  • 1957: Die Killer lassen bitten (Quand la femme s’en mêle)
  • 1958: Mit den Waffen einer Frau (En cas de malheur)
  • 1958: Das Leben zu zweit (La Vie à deux)
  • 1961: Galante Liebesgeschichten (Amours célèbres)
  • 1962: Der perfekte Mord (Le Crime ne paie pas)
  • 1964: Jungfrau reich garniert (Aimez-vous les femmes?)
  • 1965: La Bonne Occase
  • 1968: Wenn die Liebe lockt (Scusi, facciamo l’amore?)
  • 1970: OSS 117 prend des vacances
  • 1970: Le Clair de terre
  • 1975: Das Fleisch der Orchidee (La Chair de l’orchidée)
  • 1979: Die Damen von der Küste (Les Dames de la côte) (TV-Mehrteiler)
  • 1982: Evas Töchter (Le Chef de famille) (TV-Mehrteiler)
  • 1984: Diebe unter sich (Le Tueur triste) (TV-Film)
  • 1988: Un château au soleil (TV-Mehrteiler)
  • 1988: Cinéma (TV-Mehrteiler)
  • 1995: La Duchesse de Langeais (TV-Film)

Auszeichnungen

Literatur

Commons: Edwige Feuillère – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. a b Edwige Feuillère (Memento vom 30. Juni 2018 im Internet Archive) bei Turner Classic Movies (englisch).
  2. Anne Commire, Deborah Klezmer: Women in World History. A Biographical Encyclopedia. Yorkin Publications, 2000, ISBN 078763736X, S. 499.
  3. Alain Feydeau: Edwige Feuillère. PAC, 1983, 160 S.