Eduard Steiger (Politiker, 1843)
Eduard Steiger (* 19. Oktober 1843 in Flawil; † 17. Juni 1911 in St. Gallen; heimatberechtigt in Flawil) war ein Schweizer Unternehmer und Politiker.
Leben
Herkunft und Familie
Eduard Steiger wurde als Sohn des Matthias Steiger, eines Grossfuhrhalters, und von dessen Ehefrau Anna Maria (geb. Wiget), in Flawil geboren.
Im Jahr 1869 heiratete er Annette, die Tochter des Johann Jakob Schweizer und Witwe des Johann Jakob Bänziger; gemeinsam hatten sie mehrere Kinder.[1]
Berufliche Laufbahn
Nach seiner Schulzeit absolvierte Steiger eine Lehre als Zuckerbäcker. In den folgenden Jahren entwickelte er sich zu einem vielseitigen Unternehmer. Er war zunächst als Fuhrhalter tätig und stieg später zum Stickereifabrikanten auf, womit er am wirtschaftlichen Aufschwung der St. Galler Textilindustrie partizipierte.
Von 1883 bis 1901 führte er das Gasthaus «Krone» in Flawil, was ihm nicht nur wirtschaftlichen Erfolg bescherte, sondern auch eine zentrale Stellung im gesellschaftlichen Leben der Gemeinde verschaffte. Gasthäuser waren damals wichtige Orte des politischen und gesellschaftlichen Austauschs.
Politische Karriere
Steigers politische Laufbahn begann auf kommunaler Ebene. Von 1879 bis 1881 war er Mitglied des Gemeinderats von Flawil. Seine Kompetenzen und sein Engagement führten zu seiner Wahl in den St. Galler Kantonsrat, dem er von 1884 bis 1890 angehörte. Von 1889 bis 1890 war Steiger auch Mitglied des Verfassungsrats, wo er an der Ausarbeitung der neuen Kantonsverfassung mitwirkte.
Von 1887 bis zu seinem Tod im Jahr 1911 übte er zudem das Amt des Bezirksammanns des Untertoggenburgs aus. In dieser Position war er für die Verwaltung und Koordination zwischen der kantonalen und der kommunalen Ebene verantwortlich.
Seine politische Karriere erreichte ihren Höhepunkt mit seiner Wahl in den Nationalrat, dem er vom 31. März 1891 bis zum 6. Dezember 1896 angehörte. Er folgte Gallus August Suter, nachdem er den Wahlgang für sich entscheiden konnte.
Politische Positionen und Parteigründung
Im Jahr 1888 war Eduard Steiger Mitgründer der Demokratischen und Arbeiterpartei im Kanton St. Gallen, einer politischen Bewegung, die sich für die Rechte der Arbeiterschaft und soziale Reformen einsetzte. Seine politischen Überzeugungen waren geprägt von der Idee, dass direktdemokratische Rechte und ein Ausbau der Sozialpolitik als wirksame Mittel zur Schlichtung des damals aktuellen Kulturkampfs dienen könnten.
Steiger verstand Politik als Instrument des sozialen Ausgleichs und setzte sich für eine Stärkung der demokratischen Partizipation ein.
Literatur
- Eduard Steiger. In: Neue Zürcher Zeitung vom 21. Juni 1911. S. 2 (Digitalisat).
- Wolfgang Göldi: Eduard Steiger. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Weblinks
- Eduard Steiger. In: Schweizerische Eliten im 20. Jahrhundert.
- Eduard Steiger auf der Website der Bundesversammlung.
Einzelnachweise
- ↑ Traueranzeige. In: Neue Zürcher Zeitung. 20. Juni 1911, abgerufen am 6. Oktober 2025.