Eduard Niethammer (Maler, 1922)
Eduard Niethammer (* 2. November 1922 in Gächingen; † 21. Februar 2001 ebenda) war ein deutscher Maler.
Leben
Eduard Niethammer wurde als zweitältestes von sechs Kindern des Landwirts Gustaf Niethammer in Gächingen, heute ein Stadtteil von St. Johann im Landkreis Reutlingen auf der Schwäbischen Alb, geboren. Seine Mutter (geb. 1899) starb im Alter von 33 Jahren bereits 1932. 1936 wurde er konfirmiert. Eduard Niethammer fiel schon in der Volksschule durch seine Zeichnungen auf. Nach Abschluss der Volksschule ging er auf Empfehlung eines Lehrers ab 1937 auf die Deutsche Heimschule für Jungen in Nürtingen unter Leitung von Rudolf Stahlecker, einer NAPOLA ähnlichen Internatsschule.
Im August 1940 trat er der Waffen-SS bei. Seine militärische Ausbildung erfolgte bereits 1939 in Bad Tölz. Im Jahr darauf wurde er zum Kriegsdienst in Frankreich einberufen. Im Juni 1941 wurde er nach Tilsit (Ostpreußen) verlegt und nahm am an der Invasion gegen die Sowjetunion teil. Bereits am 26. Juli erlitt er bei Luga (Sankt Petersburg) einen Durchschuss des rechten Unterschenkels. Nach einem Genesungsurlaub musste er im August 1941 erneut an die Ostfront. Im Oktober 1941 nahm er an der Doppelschlacht von Wjasma und Brjansk teil. Dort war er ausweislich seiner Aufzeichnungen auch Zeuge von Hinrichtungen. Am 1. Januar 1942 erlitt er einen Lungendurchschuss bei Liwny in Russland. Da seine Kameraden ihn für tot hielten, wurde er nicht geborgen und verbrachte eine Nacht bei eisiger Kälte im Freien, wodurch er Erfrierungen an Fingern und Zehen erlitt. Erst am Folgetag wurde der Schwerverletzte geborgen. Daraufhin durchlief er verschiedene Lazarettstationen. Er erhielt Studienurlaub und konnte in der Lehrerausbildungsanstalt Esslingen eine Ausbildung beginnen. Im August 1942 wurde er zum Offiziersanwärterlehrgang in Bad Tölz einberufen. Aufgrund der Schwere der Kriegsverwundung (u. a. Erfrierungen an Fingern und Zehen) wurde er im Oktober 1942 endgültig entlassen. Danach begann er ein Studium an der Kunstakademie Stuttgart, das er mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs aufgab.
Von 21. März 1946 bis 1950 hielt er sich hauptsächlich in einer kleinen Feldscheune nahe seinem Geburtsort auf, ging in den folgenden Jahren auf Wanderschaft und hielt sich überwiegend in Norddeutschland auf bis er 1954 kehrte in seine Heimat nach Gächingen zurückkehrte.
Die meiste Zeit lebte Eduard Niethammer zurückgezogen und spartanisch in einem nahe der Feldscheune erbauten kleinen Haus ohne fließend Wasser und ohne Strom im Tiefental in der Nähe von Gächingen. Seine Mitbewohner waren Pferde und Hund. Niethammer war die meiste Zeit mit Malen und Zeichnen beschäftigt. Er schuf in fünf Jahrzehnten zahlreiche Ölbilder, Aquarelle und Federzeichnungen von Pferden, die er unter anderem im Haupt- und Landgestüt Marbach beobachte, und Alblandschaften. Dies führte dazu, dass er vor allem als Alb- und Pferdemaler geschätzt wurde. Darüber hinaus machte er – traumatisiert durch seine Kriegserfahrung – auch allgemein menschliche Themen zum Gegenstand seiner Malerei. Zudem war er ein großartiger Erzähler. Allerdings sind seine Texte bis heute nicht publiziert.
Eduard Niethammer war mit Eva Maria Betz (1921–2014) verheiratet. Aus der Ehe gingen 1955 eine Tochter und 1956 ein Sohn hervor.
Ausstellungen
- 1970: Kirchheim u.T.
- 1971: Deutsches Pferdemuseum, Verden an der Aller
- 1976: Albstadt-Onstmettingen
- 1989: Gestütsmuseum Gomadingen-Offenhausen
- 2001: Haus am Gorisbrunnen, Bad Urach
- 2018: Albmaler Museum, Münsingen-Auingen[1]
- 2025: Gächingen[2]
Veröffentlichungen
- Mein Blumenbuch. Aquarelle 1956–1982, Text von Alfred Munz, Leiningen 1994
- Wachholderbeeren, besinnliche Spaziergänge auf der Schwäbischen Alb, Text Alfred Munz, Stuttgart 1992.
- Silberdisteln, besinnliche Spaziergänge auf der Schwäbischen Alb, Text von Alfred Munz, Stuttgart 1999.
- Wandlung und Wiederkehr. Ein Jahresverlauf, Münsingen 2013.
Literatur
- Petra Garski-Hoffmann: Nürtingen 1918–1950. Weimarer Republik – Nationalsozialismus – Nachkriegszeit, Stuttgart 2011.