Eduard Bornschein

Eduard Bornschein (* 22. September 1883 in Braunschweig; † 4. Februar 1945 in Weimar) war ein deutscher Musiklehrer und Komponist.

Leben

Eduard Bornschein entstammte einer Musikerfamilie aus Thüringen.[1] Seinen ersten Musikunterricht erhielt er von seinem Vater.[1] Er studierte von 1900 bis 1903 Flöte und Violine am Konservatorium Sondershausen.[2] Nach seinem Studium arbeitete Bornschein zunächst als Dirigent, Korrepetitor und Chorleiter in Nürnberg, Lübeck (1904) und Braunschweig (1905).[3][4][5] 1906 erhielt er die Stelle eines Lehrers für Klavierspiel und Theorie an der Musikschule des „Musikvereins“ in Klagenfurt.[3] Nach seinen Stationen in Klagenfurt und Wroclaw ließ er sich langfristig in Saarbrücken nieder. Ab 1911 war er Dirigent des Musikvereins „Harmonie“ in Saarbrücken und leitete dort bis 1922 die Sinfonie- und Chorkonzerte.[1][6] Dort gründete er im September 1912 das Bornschein Konservatorium.[1][7][8] Er veranstaltete Kammermusikkonzerte mit den Lehrkräften des Bornschein Konservatoriums, in denen Werke zeitgenössischer Komponisten wie Richard Strauss, Claude Debussy, Maurice Ravel, Erwin Schulhoff und Gustav Mahler zur Aufführung kamen.[8] Zusammen mit Gleichgesinnten arbeitete Bornschein daran, Qualitätsstandards für die Ausbildung von Musiklehrerinnen und Musiklehrern in Deutschland zu gewährleisten, etwa durch Einführung einer staatlichen Prüfung.[9]

Im Jahr 1922 kaufte Bornschein das Haus Ithaka in Weimar und baute sich einen zweiten Lebensmittelpunkt auf. Im Rahmen einer Feierstunde zum 60. Geburtstag des Schriftstellers Friedrich Lienhard wurden am 4. Oktober 1925 zwei Lieder Bornscheins im Nationaltheater Weimar aufgeführt.[10] Bornschein arbeitete von Weimar aus mit Erich Pabst zusammen und komponierte Musik für Aufführungen des Bergtheaters Thale.[11][12] Er komponierte die Musik zu dem Theaterstück Die Lügenwette von Hans Friedrich Blunck, das im April 1935 im Stadttheater Saarbrücken erstaufgeführt wurde.[13] 1938 erhielt er bei der Verleihung der „Westmark-Preise für Schrifttum, Musik und Bildende Kunst“ den „Johann-Stamitz-Preis“ für Musik.[14] Die NS-Presse würdigte Bornschein anlässlich der Preisverleihung als Künstler, der sich durch sein Schaffen als „bewußter Verteidiger deutscher Musik auswies“.[15] Ab den späten 1930er Jahren kam das Bornschein Konservatorium in finanzielle Schwierigkeiten, sodass Eduard Bornschein das Institut 1944 an die Stadt Saarbrücken verkaufte.[16][17]

Bornschein schrieb Orchesterwerke, Schauspielmusiken, Lieder und Orchesterlieder, u. a. nach Texten von Stefan George, Rainer Maria Rilke, Hafis und Tagore, Ouvertüren, Chorwerke und Kammermusik, die jedoch nur teilweise öffentlich aufgeführt wurde[n].[1]

Sein Sohn Richard Bornschein trat als Pianist, Komponist und Schriftsteller hervor.[18]

Ein Blues von Eduard Bornschein, entstanden 1927, wurde von dem österreichischen Pianisten Gottlieb Wallisch eingespielt und auf CD veröffentlicht.[19][20]

Kompositionen (Auswahl)

  • Eulenspiegeleien – Humoreske für Kammerorchester (1927)
  • 4 Lieder für Stimme und Klavier einhändig auf Gedichte von Rainer Maria Rilke (1934)

Einzelnachweise

  1. a b c d e Carl J. Brinkmann: Der Komponist Eduard Bornschein. In: Hakenkreuzbanner. NS-Tageszeitung für Mannheim und Nordbaden vom 11. Oktober 1938, Seite 8.
  2. Ersteinschreibungen Konservatorium Sondershausen bis 1900. Abgerufen am 12. November 2025
  3. a b Persönliches. In: Neue Zeitschrift für Musik. No. 40. vom 4./10. 1906.
  4. Ed. Bornschein. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Neuer Theater-Almanach 1904. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. Theater – Film – Funk – Fernsehen. 15. Jg., Berlin 1904, S. 415 und S. 575 (Register).
  5. Ed. Bornschein. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Neuer Theater-Almanach 1905. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. Theater – Film – Funk – Fernsehen. 16. Jg., Berlin 1904, S. 415 und S. 642 (Register).
  6. Konzert-Rundschau: Saarbrücken. In: Kölnische Zeitung vom 24. Dezember 1911, Seite 2.
  7. Eduard Borschein, Naxos. Abgerufen am 12. November 2025
  8. a b Kolja Lessing: Spuren jüdischer Komponisten an der Saar – Eine klingende Entdeckungsreise. Abgerufen am 12. November 2025
  9. Miriam Weiss: Flucht aus dem Saarbrücker Mief – Erwin Schulhoff und der Jazz. Abgerufen am 12. November 2025
  10. Morgenfeier zu Friedrich Lienhards 60. Geburtstag. Theaterzettel Weimar. Abgerufen am 12. November 2025
  11. Konrad Dürre: Festspiele im Harzer Bergtheater bei Thale. In: Kölnische Zeitung vom 11. Juli 1926, Seite 2.
  12. Grüne Bühne, Harzer Bergtheater, Thale (Harz). In: Hallische Nachrichten vom 8. August 1930, Seite 3.
  13. Erstaufführung im Stadttheater in Saarbrücken. In: Neue Mannheimer Zeitung vom 12. April 1935, Seite 2.
  14. Die Westmark-Preise 1938 . In: Neue Mannheimer Zeitung vom 29. September 1938, Seite 8.
  15. Träger des diesjährigen Westmarkpreises. In: Neckar-Bote vom 3. Oktober 1938, Seite 1/2.
  16. 14. HfM-Woche der Kammermusik 2025. Programmheft. Abgerufen am 12. November 2025
  17. Anmietung des Hauses des Konservatoriums von Eduard Bornschein, 1942-1946. Stadtarchiv Saarbrücken. Abgerufen am 12. November 2025
  18. Michael Hubert Lamla: Saarbrücken, Musikgeschichte. Zeittafel zur Musikgeschichte der Landeshauptstadt Saarbrücken. Abgerufen am 12. November 2025
  19. 20TH CENTURY FOXTROTS • 2. Abgerufen am 12. November 2025
  20. Friederike Gottwald: Als die E-Musik den Foxtrott entführte. Abgerufen am 12. November 2025