Eduard Avenarius

Eduard Ludwig Friedrich Avenarius (* 5. Oktober 1809 in Halberstadt; † 20. Februar 1885 in Dresden) war ein deutscher Buchhändler und Verleger. der verlegerisch in Paris und Leipzig tätig war und eine enge freundschaftliche Beziehung zu seinem Schwager Richard Wagner unterhielt.[1]

Leben und Wirken

Er war der Sohn des späteren und preußischen Domänen-Kammerrates Ludwig Johann Karl August Avenarius (1774–1838), der zeitweilig Sekretär des Prinzen Louis Ferdinand von Preußen und ab 1830 Rittergutsbesitzer des Gutes Orschen bei Landsberg in Ostpreußen war. Seine Mutter war Johanna Marie Friederike Charlotte, geb. Kleemann (1785–1849). Er war ein direkter Nachfahre des Geraer Supperintendenten Johannes Avenarius sowie der thüringischen Juristen und preußischen Residenten Georg Ludwig und Johann Ludwig Avenarius.

Nach dem Besuch des Domgymnasiums von 1818 bis 1825 in Halberstadt nahm Avenarius in Erfurt bei Wilhelm Winckler[2] eine Ausbildung im Buchhandel auf. Nach einigen Zwischenstationen u. a. in Königsberg bei Friedrich Bornträger (1787–1866)[3] und in Berlin bei Friedrich August Herbig trat er 1833 als Buchhandelsgehilfe in den Leipziger Verlag F.A.Brockhaus ein. Noch im ersten Jahr seiner Anstellung war er Mitbegründer des Leipziger Buchhandlungs-Gehilfen-Vereins. Ab 1836 war er verantwortlich für die Herausgabe und Redaktion der Allgemeinen Bibliographie für Deutschland.[4] Ebenfalls 1836 gründete er nebenbei mit Georg Hartmann Friedlein (gest. 1880)[5] die Buchhandlung Avenarius & Friedlein, zuvor hatten sie Teile des Sortiments des Pariser Buchhändlers Martin Bossange erworben. Die beiden Brockhaus-Verlagsinhaber Friedrich und Heinrich Brockhaus stiegen ein Jahr später in das Geschäft ein, die Verlagsbuchhandlung wurde am 31. März 1837 zu Brockhaus & Avenarius mit Sitzen in Leipzig und Paris. Ziel dieses Unternehmens war wie in der Vision des vorherigen Verlags die Verbreitung deutscher Literatur in Frankreich und der Import französischer Werke in die deutschsprachigen Gebiete, insbesondere nach Sachsen und Preußen.[6] Avenarius leitete die Pariser Buchhandlung von Beginn bis 1844. In dieser Zeit scharte er einen Kreis von deutschen Literaten und Künstlern um sich, die sich in den Jahren in der französischen Hauptstadt aufhielten. Dazu zählten u. a. Heinrich Heine, Arnold Ruge, Heinrich Laube, August Heinrich Hoffmann von Fallersleben und Konstantin von Tischendorf. Ab 1839 war auch sein zunächst zukünftiger Schwager Richard Wagner darunter, der bis 1842 ein enger Vertrauter Avenarius’ wurde.

Zurückgekehrt nach Leipzig wurde er hier Filialleiter von Brockhaus & Avenarius und 1848 Mitgründer des Leipziger liberalen Deutschen Vereins. 1850 löste er die Verbindung zu den Brockhaus-Brüdern auf und wurde zunächst zusammen mit dem Verlagsbuchhändler Hermann Mendelssohn (1824–1891, Verwandter von Felix Mendelssohn Bartholdy) Gesellschafter des Verlages von Carl Berendt Lorck. 1852 übernahmen Avenarius und Mendelssohn die Rechte am Meßkatalog des Verlegers Georg Wigand zur Leipziger Messe und am Literarischen Centralblatt für Deutschland, welches 1850 durch Friedrich Zarncke ins Leben gerufen wurde. 1853 gründete er mit Mendelssohn den Verlag Avenarius & Mendelssohn, im gleichen Jahr wurde er in Leipzig zum unentgeltichen Stadtrat gewählt. Im Dezember 1854 endete bereits die Kooperation mit Mendelssohn, am 1. Januar 1855 gründete Eduard Avenarius einen Verlag unter eigenem Namen.

Ostern 1855 siedelte er nach Berlin über, um seine beiden jüngeren Geschwister Ludwig (1817–1899) und Ferdinand (1821–1899) bei der Gründung ihres kaufmännischen Unternehmens Gebrüder Avenarius zu unterstützen. Er beteiligte sich auch an der Firma, der Leipziger Verlag blieb weiterhin bestehen. Mit 61 Jahren zog er sich 1870 aus dem Geschäft zurück und verlebte seinen Ruhestand in Dresden, wo er 1885 im Wohnhaus Seidnitzer Platz 1 starb. Der Verlag Eduard Avenarius wurde noch bis 1896 von den Erben weitergeführt, dann wurde er von Adolf Löwe-Goldbeck (1865–1901)[7] übernommen. Im Juli 1913 ging das Unternehmen im Haessel-Verlag auf.

Avenarius war seit 1840 mit Cäcilie Auguste, geb. Geyer (1815–1893) verheiratet, sie war die Tochter von Ludwig und Johanna Rosine Geyer, verw. Wagner. Aus der Ehe mit seiner Frau Cäcilie Auguste gingen vier Söhne hervor, u. a. der Philosoph Richard Avenarius und der Schriftsteller Ferdinand Avenarius.

Schriften

  • An die Bibliographen Deutschlands. Einladung zur Betheiligung an der Bearbeitung eines allgemeinen bibliographischen Lexikons der deutschen. Literatur, enthaltend eine Auswahl ihrer bedeutenderen Schriften mit besonderer Berücksichtigung der wissenschaftichen Literatur vor Erfindung der Buchdruckerkunst bis auf die Gegenwart. Drugulin, Leipzig 1876, DNB 994041764 (Online).

Literatur

  • Karl Friedrich Pfau: Biographisches Lexikon des deutschen Buchhandels der Gegenwart. Pfau, Leipzig 1890, DNB 575647841, S. 11 f.
  • Karl Friedrich Pfau: Eduard Avenarius. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 46, Duncker & Humblot, Leipzig 1902, S. 146 f.
  • Rudolf Schmidt: Deutsche Buchhändler, deutsche Buchdrucker. Band 1: Abel–Dyck. Weber, Berlin 1902, DNB 368148165, S. 15.
  • Zur Geschichte des Hauses und biographische Daten über seinen Gründer. In: Verlags-Verzeichnis der Firma Eduard Avenarius in Leipzig. Ausgegeben im Oktober 1909. Avenarius, Leipzig 1909, DNB 572088558, S. V f.
  • Ludwig Avenarius: Avenarianische Chronik. Blätter aus drei Jahrhunderten einer deutschen Bürgerfamilie. Mit einem Vorwort von Ferdinand Avenarius und Buchschmuck von Hannes Avenarius. Reisland, Leipzig 1912, DNB 579122727, S. 85–118.
  • Avenarius, Eduard (Ludwig Friedrich). In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 1. Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 466 (digitale-sammlungen.de).
  • Eduard Avenarius. In: Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Band 1: Aachen–Braniß. K. G. Saur, München 2005, ISBN 3-598-25031-2, S. 283–284 (books.google.de – eingeschränkte Ansicht).
  • Helga Jeanblanc: Die Firmengeschichte von Brockhaus und Avenarius. Die Beziehung zwischen Leipziger und Pariser Buchhändlern im 19. Jahrhundert. in: Michel Espagne, Matthias Middell (Hrsg.): Von der Elbe bis an die Seine. Kulturtransfer zwischen Sachsen und Frankreich im 18. und 19. Jahrhundert (= Deutsch-Französische Kulturbibliothek. Band 1). 2., erweiterte und überarbeite Auflage. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 1998, ISBN 978-3-929031-11-9, S. 293–314.

Einzelnachweise

  1. Carl Friedrich Glasenapp (Hrsg.): Richard Wagner. Briefe an seine Familie. Severus Verlag, Hamburg 2014, ISBN 978-3-86347-774-5.
  2. Winckler, Wilhelm. In: Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Deutsche Nationalbibliothek, abgerufen am 14. Januar 2026.
  3. Bornträger, Friedrich. In: Carl-Maria-von-Weber-Gesamtausgabe. 31. Januar 2019, abgerufen am 14. Januar 2026.
  4. Allgemeine Bibliographie für Deutschland 1 (1836), S. 912 (online, abgerufen am 15. Januar 2026).
  5. Friedlein, Georg Hartmann. In: Deutsche Biographie. Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 14. Januar 2026.
  6. Elisabeth Fischer, Jana Elisabeth Treufer: Die Buchhandlungen Brockhaus & Avenarius in Paris. Die Hürden des deutsch-französischen Literaturtransfers (1837–1849). In: Sächsische Begegnungen mit Frankreich. Mikrohistorische Zugriffe auf die deutsch-französische Verflechtungsgeschichte (18.–20. Jahrhundert). 20. Juli 2018, abgerufen am 13. Januar 2026.
  7. André Loh-Kliesch: Goldbeck-Löwe, Adolf. In: Leipziger Biographie. Abgerufen am 14. Januar 2026.