Echinacea tennesseensis
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Echinacea tennesseensis | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
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| (Beadle) Small |
Echinacea tennesseensis, auch Tennessee-Sonnenhut genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Sonnenhüte (Echinacea) innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Dieser Endemit kommt nur im US-Bundesstaat Tennessee vor und wird als Zierpflanze genutzt.[1]
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Echinacea tennesseensis ist eine sommergrüne, ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 10 bis 70 Zentimetern erreicht. Sie besitzt eine etwa 15 Zentimeter lange, manchmal verzweigte Pfahlwurzel, die sich am oberen Ende oft in mehrere, halbverholzte Sprosse verzweigt. Die aufrechten, meist unverzweigten Stängel sind auffällig längsgerieft, gelblich-grün bis hellbraun und im oberen Teil oft violett gefärbt. Die krautigen Pflanzenteile sind spärlich bis dicht, relativ weich und ausgebreitet behaart, aber nicht drüsig.[2][1]
Die Laubblätter sind grundständig in einer lockeren Rosette und wechselständig am Stängel verteilt angeordnet. Sie sind im unteren Stängelabschnitt kurz gestielt und im oberen sitzend. Die einfache Blattspreite ist bei einer Länge von 2 bis 23 Zentimetern sowie einer Breite von 0,7 bis 3 Zentimetern linealisch bis lanzettlich mit verschmälerter Basis und ganzrandig. Die Blattoberseite ist spärlich bis dicht, nicht-drüsig behaart. Die ein bis drei primären Adern sind oberseits blass und eingekerbt, unterseits hervorstehend.[1]
Generative Merkmale
Die Blütezeit erstreckt sich vom Hochsommer bis in den frühen Herbst.[3][4] Die Blütenkorbschäfte sind lang und unverzweigt. Der endständig und einzeln stehende körbchenförmige Blütenstand besitzt einen mehrreihigen, breit-glockenförmigen Hüllkelch. Die Hüllblätter sind bei einer Länge von 5 bis 9 Millimetern sowie einer Breite von 1,5 bis 2 Millimetern eilanzettlich bis eiförmig, abstehend bis fast zurückgebogen und am Rand dicht bewimpert.[1]
Die 15 bis 20 (und mehr) sterilen und neutralen, haltbaren Zungenblüten sind 30 bis 45 Millimeter lang, 5 bis 9 Millimeter breit und rosafarben bis dunkel-rosafarben oder mittelrot, auf der Unterseite heller. Sie sind horizontal bis aufsteigend und am oberen Ende meist zweifach, bis zu 7 Millimeter tief und oft auseinanderlaufend gelappt. Der Blütenkorb hat mit den Zungenblüten einen Durchmesser von bis zu 11 Zentimetern. Der kegelförmige Blütenkorbboden hat gegen Ende der Anthese einen Durchmesser von 2,5 bis 3 Zentimetern und eine Höhe von 3 Zentimetern. Er ist mit gelblichen, oben rötlichen bis burgunderfarbenen, 10 bis 12 Millimeter langen, oft nach innen gebogenen, abgerundeten bis spitzen Spreublättern besetzt, die die Röhrenblüten überragen. Die zwittrigen und fertilen Röhrenblüten sind zunächst gelblich-grünen, später burgunderfarbenen und 5,5 bis 6,5 Millimeter lang. Die frischen Pollen haben eine gelbe Farbe.[1]
Die 4 bis 5 Millimeter lange, vierkantige, kahle, glatte und hellbraune Achäne besitzt ein kleines, am Rand genagtes Krönchen.[2][1]
Chromosomensatz
Die Chromosomengrundzahl ist x = 11; es liegt Diploidie vor mit der Chromosomenzahl 2n = 22.[2][1]
Vorkommen und Gefährdung
Echinacea tennesseensis kommt endemisch in einem kleinen Gebiet des Central Basins, südöstlich von Nashville im US-Bundesstaat Tennessee, vor.[5] Das etwa 400 Quadratkilometer umfassende Areal verteilt sich auf die drei Countys Davidson (im Osten), Wilson (im Südwesten) und Rutherford (im Nordwesten).[6] Echinacea tennesseensis wächst dort auf sonnigen, trockenen Hügeln, auf Ödland und auf Kalkstein-Wacholderlichtungen („cedar glades“) in Höhenlagen von 100 bis 200 Metern.[2][1]
Gefährdung
Echinacea tennesseensis wurde 1979 in den USA als vom „Aussterben bedroht“ eingestuft und 1997 in der Roten Liste der IUCN als „stark gefährdet“ („Endangered“, EN) geführt. Seitdem wird diese Art in ihrem natürlichen Lebensraum stärker unterstützt und teilweise wieder angesiedelt.[7] Inzwischen scheinen die meisten Populationen stabil zu sein. Fünf der fünfzehn natürlichen Teilpopulationen befinden sich in staatlichen Naturschutzgebieten.[8][9] Im September 2011 wurde diese Art von der Roten Liste der IUCN gestrichen.[1] Sie gilt jedoch aufgrund ihrer begrenzten Verbreitung und der geringen genetischen Variabilität weiterhin als gefährdet.[6]
Mögliche Gründe für die geringe Verbreitung
Echinacea tennesseensis ähnelt Echinacea angustifolia, einer Art aus den trockenen Prärien. Ein Vergleich der morphologischen, physiologischen und ökologischen Merkmale von Echinacea tennesseensis, Echinacea angustifolia und Echinacea pallida liefert keine Erklärung dafür, warum Echinacea tennesseensis endemisch ist. Es könnte mit der Klimaerwärmung und Trockenheit des Mittelholozäns vor etwa 8000 bis 4000 Jahren zusammenhängen. In dieser Zeit nahm die Bewaldung in Zentral-Tennessee ab und Präriepflanzen, darunter vermutlich auch Echinacea angustifolia, dominierten. Anschließend wurde das Klima wieder kühler, die Niederschläge nahmen zu und es kehrten geschlossene Wälder zurück. Echinacea angustifolia könnte in den Waldlichtungen überlebt und sich dort zu Echinacea tennesseensis weiterentwickelt haben.[8]
Das endemische Vorkommen könnte vor allem auf die schwache Ausbreitungs- und Konkurrenzfähigkeit dieser Art zurückzuführen sein. Echinacea tennesseensis produziert große Achänen, die sich kaum ausbreiten, ist selbststeril und verträgt keinen Schatten. Eine vegetative Vermehrung findet nicht statt, zudem werden keine haltbaren Samen im Boden gespeichert und die Jungpflanzensterblichkeit ist relativ hoch.[8]
Systematik
Die Erstbeschreibung unter dem Namen (Basionym) Brauneria tennesseensis erfolgte im Jahr 1898 durch Chauncey Delos Beadle in Botanical Gazette, Band 25, Seite 359.[10] Die Neukombination zu 1933 Echinacea tennesseensis (Beadle) Small wurde durch John Kunkel Small in Manual of the Southeastern Flora, Seite 1421 veröffentlicht.[11] Das Artepitheton tennesseensis bedeutet „aus Tennessee“.[3][12] Weitere Synonyme für Echinacea tennesseensis (Beadle) Small sind Echinacea angustifolia var. tennesseensis (Beadle) S.F.Blake und Echinacea pallida var. tennesseensis (Beadle) Binns, B.R.Baum & Arnason.[5]
Verwendung
Echinacea tennesseensis wird gelegentlich als Zierpflanze verwendet.[4] Sie eignet sich vor allem für Gruppenpflanzungen in Staudenrabatten und prärieartigen Anlagen, beispielsweise in Kombination mit niedrigen Rudbeckien, halbhohem Bartfaden und Prachtscharten. Aufgrund ihres kompakten Wuchses, der Vielzahl von Blütenstielen und der variierenden Färbung der Zungenblüten gilt Echinacea tennesseensis als besonders zierend.[12] In Kombination mit anderen Echinacea-Arten kann sie aufgrund ihres weniger kräftigen Wuchses jedoch leicht verdrängt werden.[3] Sie bevorzugt sonnige Standorte auf mäßig trockenen, mittelschweren, kalkhaltigen Böden und ist winterhart bis −29 °C (Zone 5).[4]
Die verbreitete Sorte ‘Rocky Top’ hat aufwärts geschwungene, rosafarbene Strahlenblüten und eine schwärzliche[13] oder kupferfarbene bis gelbe Mitte.[4] Sie wird oft unter dem Namen ‘Rocky Top-Hybride’ angeboten, scheint aber keine Hybride, sondern eine Auslese der Art Echinacea tennesseensis zu sein.[1][13]
Literatur
- Lowell E. Urbatsch, Kurt M. Neubig, Patricia B. Cox: Echinacea. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Band 21. Oxford University Press, New York u. a. 2006, ISBN 0-19-530564-7, Echinacea tennesseensis (Beadle) Small auf S. 92 (textgleiche Online-Version).
- Nicholas Hind: Echinacea tennesseensis: Compositae. In: Curtis’s Botanical Magazine. Band 35, Nr. 4, 2018, S. 408–429, doi:10.1111/curt.12261 (Online [PDF]).
Weblinks
- Fotos bei Lady Bird Johnson Wildflower Center.
- Beschreibung und Fotos bei Gerald C. Williamson: Wildflowers of the United States.
- Fotos und Verbreitung bei J. Shaw: Tennessee-Kentucky Plant Atlas.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h i j Nicholas Hind: Echinacea tennesseensis: Compositae. In: Curtis’s Botanical Magazine. Band 35, Nr. 4, 2018, S. 408–429, doi:10.1111/curt.12261 (Online [PDF]).
- ↑ a b c d Lowell E. Urbatsch, Kurt M. Neubig, Patricia B. Cox: Echinacea. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Band 21. Oxford University Press, New York u. a. 2006, ISBN 0-19-530564-7, Echinacea tennesseensis (Beadle) Small auf S. 92 (textgleiche Online-Version).
- ↑ a b c Beschreibung und Fotos bei Missouri Botanical Garden.
- ↑ a b c d The Royal Horticultural Society: Stauden - Die große Enzyklopädie. Dorling Kindersley, München 2015, ISBN 978-3-8310-2752-1, S. 176, Kapitel E. tennesseensis.
- ↑ a b Datenblatt Echinacea tennesseensis (Beadle) Small bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science.
- ↑ a b Echinacea tennesseensis, Tennessee Coneflower bei NatureServe.
- ↑ Kelly Kindscher: The conservation status of Echinacea species. In: Report to the US Forest Service. Nr. 247, 2006 (Online [PDF]).
- ↑ a b c Jeffrey L. Walck, Thomas E. Hemmerly, Siti N. Hidayati: The endangered Tennessee purple coneflower Echinacea tennesseensis (Asteraceae): its ecology and conservation. In: University of Wisconsin (Hrsg.): Native Plants Journal. Band 3, Nr. 1, 2002, S. 54–64 (Online [PDF]).
- ↑ Brian Bowen: Natural areas protection at its best; protecting the Tennessee purple coneflower (Echinacea tennesseensis). In: Natural Areas Journal. Band 31, Nr. 4, 2011, S. 326–330, doi:10.3375/043.031.0402 (Online [PDF]).
- ↑ Chauncey Delos Beadle: Notes on the Botany of the Southeastern States II. In: The University of Chicago (Hrsg.): Botanical Gazette. Band 25. Chicago, Illinois 1898, S. 357–361, Brauneria tennesseensis auf Seite 359 (Digitalisat).
- ↑ John Kunkel Small: Manual of the Southeastern Flora. Hrsg.: The University of South Carolina. New York 1933, E. tennesseensis (Beadle) Small auf Seite 1421 (Digitalisat).
- ↑ a b Kathleen A. McKeown: A review of the taxonomy of the genus Echinacea. Perspectives on new crops and new uses. In: J. Janick (Hrsg.): Perspectives on new crops and new uses. Alexandria, Virginia 1999, S. 482–489, E. tennesseensis (Beadle) Small auf S. 488 (Online [PDF]).
- ↑ a b Beschreibung und Fotos der Sorte ‘Rocky Top’ bei Missouri Botanical Garden.