Eamon McGuire

Eamon McGuire (* 13. Dezember 1936 in Castleblayney, County Monaghan) ist ein nordirischer Flugzeugingenieur und ehemaliger verdeckter Aktivist der Provisional Irish Republican Army (IRA). Er lebte über zwei Jahrzehnte ein Doppelleben als international tätiger Luftfahrttechniker und IRA-Waffenexperte, bevor er 1992 in Südafrika verhaftet und an die Vereinigten Staaten ausgeliefert wurde. Die CIA betrachtete ihn als Chefexperten für Waffentechnik der IRA.[1][2][3]

Herkunft und Ausbildung

Seine Familie stammte aus einer gemischtkonfessionellen Region: Sein Vater war katholisch und arbeitete als Landarbeiter in South Armagh, während seine Mutter aus einer protestantischen Familie namens Bailey stammte. Die kleine Farm der Familie lag östlich von Castleblayney, jenseits von Lough Muckno in einem Dreieck von Mid-Monaghan, das in die Grafschaft Armagh hineinragte. Diese religiös gemischte Ehe war für die Zeit ungewöhnlich und zeugte von großer familiärer Toleranz.[1]

McGuire besuchte die Dromore School, etwa drei Meilen von seinem Elternhaus entfernt. Mit etwa sechs Jahren erkrankte er an rheumatischem Fieber, was seinen Schulbeginn verzögerte.[1]

Nach seiner Schulausbildung trat McGuire dem Irish Air Corps bei und absolvierte eine technische Grundausbildung im McDonagh Barracks im Curragh Camp in der Grafschaft Kildare. Anschließend wurde er nach Baldonnel, dem Hauptquartier des Irish Air Corps außerhalb Dublins verlegt, wo er sich auf Elektrotechnik spezialisierte. Er gehörte zu einer Gruppe von etwa 80 Direkteinsteigern und Lehrlingen, die sich für sechs Jahre aktiven Dienst und sechs Jahre Reserve verpflichteten. Die Ausbildung umfasste Flugtheorie, praktische Werkzeugnutzung, Hydraulik, Elektrik, Instrumentierung, Flugsteuerung und Klimaanlagen.[1]

In den Jahren 1955 bis 1957 durchlief McGuires Gruppe verschiedene Kurse in Mechanik, Elektrik und Instrumentierung. Bei der Abschlussprüfung im September 1957 belegte er den ersten Platz seiner Klasse, dann entschied er sich für eine Spezialisierung auf elektrische Flugzeugtechnik und schrieb sich 1957 in einen vierjährigen Abendkurs in Mathematik und Elektrotechnik am Kevin Street College of Technology in Dublin ein.[1]

Internationale Karriere

Nach Erhalt seiner irischen Luftfahrtingenieurlizenz wurde McGuire 1962 eine Stelle bei Ghana Airways angeboten. Da die irische Lizenz dort nicht anerkannt wurde, arbeitete er zunächst sechs Monate für British European Airways am Flughafen London Heathrow, um die britische Lizenz zu erwerben. Im November 1962 trat er schließlich seine Stelle bei East African Airways in Nairobi, Kenia an.[1]

Von dort aus führte ihn eine internationale Karriere nach Kenia, Singapur, Malaysia, Bahrain, Trinidad, Bahamas, Nigeria und schließlich Mosambik. Von 1969 bis Anfang der 1970er Jahre war McGuire bei Gulf Aviation in Bahrain beschäftigt, einer kleinen Privatfluggesellschaft am Persischen Golf. 1978 erhielt er eine Anstellung bei Aer Lingus, was ihm Arbeitsaufenthalte in den Bahamas und Trinidad ermöglichte und auch die USA bereisen ließ.[3][4][1]

Während dieser internationalen Tätigkeit beobachtete McGuire die Auswirkungen des Kolonialismus und den Rückzug des britischen Empire in ehemaligen Kolonien und postkolonialen Nationen. Er begann, seine nordirische Heimat als letzte Bastion des Empire zu betrachten.[3]

Politisierung und IRA-Aktivitäten

Im August 1969 kehrte McGuire für einen Urlaub nach Irland zurück, zu einem Zeitpunkt, als die Northern Ireland Civil Rights Association für lokale Wahlrechte, Gleichstellung bei öffentlichen Wohnungen und Beschäftigung kämpfte. Der Anblick von Flüchtlingen, die in Lebensgefahr aus Belfast flohen, hatte eine tiefgreifende Wirkung auf ihn und veranlasste ihn, aktiv zu werden.[1][3]

Der entscheidende Wendepunkt kam mit dem Bloody Sunday am 30. Januar 1972, als die First Parachute Battalion dreizehn friedliche Demonstranten bei einer Anti-Internment-Kundgebung in Derry erschoss. McGuire sah diesen Tag als einen „berechneten Schlag zur Verhinderung weiterer Proteste“. Nach diesem Massaker erklärte McGuire: „Es gibt kein Zurück mehr.“ So trat er der Provisional IRA bei und wurde Mitglied der South Armagh Brigade.[3]

Dann führte McGuire ein Doppelleben: Nach außen hin war er ein hochrespektierter Flugzeugingenieur bei Gulf Airlines, verdeckt war er Mitglied der South Armagh Brigade und entwickelte technische Systeme als elektronische Gegenmaßnahmen gegen britische Militärkräfte. Mit sieben Wochen Jahresurlaub konnte er regelmäßig nach Irland zurückkehren, um die von ihm entwickelten Geräte im Einsatz zu überprüfen und sie bei Bedarf zu modifizieren und zu verbessern. Seine Basis in South Armagh, das von vielen als das schwierigste Gebiet für die britische Armee angesehen wurde, galt als eine Art Ehrenabzeichen für jene, die dort gedient hatten.[4][5]

Im Spätsommer 1981 wurde McGuire dem irischen Priester Patrick Ryan vorgestellt, der als Verbindungsmann zwischen der IRA und dem libyschen Regime tätig war. Nachdem das libysche Regime eine neue Spezialeinheit zusammengestellt hatte, die eine Ausbildung in Elektronik benötigte, brachte Ryan McGuire nach Libyen. Dort organisierte McGuire Trainingslager für die libysche Spezialeinheit und für IRA-Mitglieder, wodurch sein technisches Fachwissen direkt in den Dienst der Organisation gestellt wurde. Ryan seinerseits schmuggelte beispielsweise Miniaturelektronik in einem Dampfbügeleisen, um sie durch die Flughafenkontrolle in Paris zu bringen.[6]

Die Boston Three und die technische Zelle

McGuire war führendes Mitglied einer technischen IRA-Zelle in den Vereinigten Staaten, die als „Boston Three“ bekannt wurde, obwohl ursprünglich fünf Personen beteiligt waren. Die Zelle arbeitete an der Entwicklung eines Lenkwaffensystems zur Zerstörung von Hubschraubern in Nordirland. Im Keller seines Hauses in Nashua, New Hampshire, fertigte McGuire Komponenten für ein Laser-Detonationssystem an und experimentierte mit Wetterwarnfrequenzen, um Sprengstoffzünder zu detonieren, die gegen britische elektronische Gegenmaßnahmen gefeit waren. Die CIA betrachtete später McGuire als den IRA-„chief technical officer“ (CTO).[5][7][3]

Dem FBI gelang es über Jahre hinweg, die Hauptbeteiligten der Zelle zu identifizieren und ihre Telefone und Unterkünfte zu überwachen. In einem ungewöhnlichen Vorfall verhaftete der Ingenieur Richard Johnson zwei FBI-Agenten, die er für Autodiebe hielt, als sie an seinem Fahrzeug manipulierten. Nach diesem Zwischenfall empfahl der stellvertretende US-Staatsanwalt Richard G. Stearns die Verhaftung Johnsons.[7]

1989 wurden vier Zellenmitglieder: Richard Johnson, Martin Quigley, Gerard Hoy und Christina Reid verhaftet. Am 16. Juli 1989 wurde McGuires Name in den Sieben-Uhr-Nachrichten in Dublin im Zusammenhang mit den Verhaftungen genannt. Die vier Angeklagten verloren ihren Prozess und gingen 1990 ins Gefängnis.[7][8]

McGuire befand sich zum Zeitpunkt der Verhaftungen in Irland. Er tauchte daraufhin unter und verließ das Land.[8]

Verhaftungen

Am 13. Dezember 1992 wurde McGuire am Flugplatz Nelspruit in Südafrika verhaftet, als er von Maputo kommend landete. Colonel Myburgh teilte ihm mit, dass ein US-Haftbefehl aus dem 1989er Strafverfahren in Boston vorliege. McGuire wurde im Pretoria-Gefängnis untergebracht. Bei der Auslieferungsanhörung am 25. Januar 1993 in Nelspruit lehnte der Richter die Auslieferung ab. Dieser Pyrrhussieg nützte McGuire wenig, da er in Südafrika unerwünscht war. Er floh am 27. Januar 1993 über Paris nach Irland.[7][3]

Im Februar 1993 wurde McGuire von der Special Branch in Irland erneut verhaftet und ins Portlaoise-Gefängnis gebracht. Der High Court lehnte Kaution ab.[3][2]

Das Auslieferungsverfahren drehte sich um die Frage, ob McGuire sich auf politische Straftaten berufen konnte. Am 19. April 1993 ordnete der District Court die Auslieferung an, der High Court bestätigte dies am 9. Dezember 1993.[2]

Im Februar 1994 wurde McGuire zum Shannon Airport gebracht und US-Marshals übergeben. Er war der erste republikanische Gefangene, der aus Irland an die USA ausgeliefert wurde.[9][3]

Haft in den Vereinigten Staaten und Irland

McGuire wurde im Essex County Jail in Boston untergebracht. Bei der Anklagevorlesung vor Bundesrichter David Mazzone bekannte er sich zunächst in allen Punkten für nicht schuldig. Im April 1994 änderte McGuire auf Anweisung der IRA-Führung sein Plädoyer auf schuldig, um zu verhindern, dass seine Mitangeklagten als Staatszeugen aussagen mussten. Am 15. Juni 1994 verurteilte ihn Richter Mazzone zu sechs Jahren Bundesgefängnis, das Doppelte der Richtlinie aufgrund besonderer Fähigkeiten, höherer Bildung, militärischer Ausbildung und der Schwere der Straftat.[10][3][2]

Während seiner Haft wurde McGuire durch zahlreiche Bundesgefängnisse verlegt: Essex County Jail (Boston), Plymouth (MA), Hillsborough County Jail (NH), Metropolitan Correction Center (Manhattan), Otisville (PA), Allenwood (PA), Lewisburg (PA) und Cumberland (MD). Das Gefängnis in Baltimore beschrieb er als besonders horrorisch mit überfüllten „Bullpen“-Käfigen: „Das Gefängnis von Baltimore war das schlimmste, in dem ich je gewesen war, schlimmer als jedes in Irland oder Südafrika.“[3]

1997 wurde McGuire nach Irland zurückgebracht, um seine verbleibende Strafe zu verbüßen, und im selben Jahr kurz vor Weihnachten entlassen.[3]

Literatur

  • Eamon McGuire: Enemy of the Empire: Life as an International Undercover IRA Activist. O’Brien Press, Dublin 2006, ISBN 978-1-84717-515-1.
  • Jennifer O’Leary: The Padre: The True Story of the Irish Priest Who Armed the IRA with Gaddafi’s Money. Merrion Press, Newbridge (Co. Kildare), 2023, ISBN 978-1-78537-461-6, ISBN 978-1-78537-464-7.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h Eamon McGuire: Enemy of the Empire. Kapitel 5: Early Life.
  2. a b c d Eamon McGuire: Enemy of the Empire. Kapitel 2: In Prison in Ireland.
  3. a b c d e f g h i j k l William Hughes: Eamon McGuire: The Life of an Undercover IRA Activist. In: Media Monitors Network. 26. Oktober 2006, abgerufen am 4. November 2025 (englisch).
  4. a b Eamon McGuire: Enemy of the Empire. Kapitel 7: Living the Colonial Lifestyle – Kenya.
  5. a b Deirdre Younge: The IRA’s secret hi-tech war. In: Coverthistory. 26. Oktober 2006, abgerufen am 4. November 2025 (englisch).
  6. Jennifer O’Leary: The Padre. S. 143–144.
  7. a b c d Eamon McGuire: Enemy of the Empire. Kapitel 1: Arrest.
  8. a b Eamon McGuire: Enemy of the Empire. Kapitel 12: Hiding Out in Nigeria.
  9. Eamon McGuire: Enemy of the Empire. Kapitel 3: Extradition to America.
  10. Eamon McGuire: Enemy of the Empire. Kapitel 4: Touring the States – through Its Prisons.