Drohne (Hautflügler)
Die Drohne, fachsprachlich auch der Drohn, ist das männliche Tier bei Honigbienen. Manchmal wird der Begriff auch bei Hummeln, sozialen Bienen und Wespen (inkl. Hornissen) verwendet. Diese staatenbildenden Arten aus der Ordnung der Hautflügler gibt es in drei unterschiedlichen Morphen: Königin, Arbeiterin und Drohne.
Die Körperform der Drohnen ist meist größer und gedrungener als die einer Arbeiterin, sie haben keinen Stachel und die Facettenaugen sind oft größer und leistungsfähiger. Bei der Eiablage steuert die Königin, ob ein Ei befruchtet wird oder nicht. Drohnen entstehen aus unbefruchteten Eiern, Arbeiterinnen und Königinnen hingegen aus befruchteten. Die ausbleibende Befruchtung führt dazu, dass Drohnen haploide Lebensformen sind und damit nur einen einfachen Chromosomensatz besitzen. Diese Art der Geschlechtsdetermination wird auch Haplodiploidie genannt.
Drohnen der Honigbiene
Bei den ganzjährig staatenbildenden Honigbienen treten die Drohnen nur in der Vermehrungsphase des Bienenvolks, der Schwarmzeit, auf, etwa von April bis August, hauptsächlich aber im Mai und Juni. Zur Aufzucht werden von den Arbeiterinnen größere Wabenzellen geschaffen. Je nach Nahrungsstatus können bis zur Jahresmitte in einem starken, gesunden Bienenvolk einige Hundert bis mehrere Tausend Drohnen vorhanden sein; als Mittelwert wurde 1500 angegeben.[1] Die Drohnen beteiligen sich nicht am Sammeln von Pollen und Nektar, tragen aber zur Thermoregulierung im Bienenstock bei.[2] Sie sind im Gegensatz zu den Männchen solitär lebender Bienenarten nicht einmal in der Lage, Nektar aus Blüten aufzunehmen, sondern sind zu ihrer eigenen Ernährung auf den sozialen Futteraustausch (Trophallaxis) im Bienenvolk angewiesen. Nach der Geschlechtsreife fliegen sie regelmäßig aus, um nach begattungsfähigen Bienenköniginnen zu suchen, siehe auch Drohnensammelplatz.
Die Kopulation mit einer jungen Bienenkönigin findet bei einem Hochzeitsflug statt. Hierbei wird der Geschlechtsapparat (Penis) der Drohne herausgestülpt. Nach der Begattung verbleibt der Penis der Drohne bei der Bienenkönigin (Weisel), die Drohne fällt von der Königin ab und stirbt. Drohnen von einigen Wespenarten (z. B. Hornissen) können sich dagegen mehrmals mit Königinnen paaren. Auch findet die Paarung bei den Hummeln und allen Wespenarten nicht in der Luft, sondern am Boden statt.
Kurze Zeit nach der Sommersonnenwende findet die Drohnenschlacht statt. Den Drohnen wird der soziale Futteraustausch verweigert und sie werden bereits am Flugloch abgedrängt, also nach ihren Ausflügen nicht mehr in den Bienenstock gelassen. Es kommt auch vor, dass jüngere Drohnen von Arbeiterinnen aus dem Bienenstock herausgezerrt werden. Durch Nahrungsmangel werden sie zunächst flugunfähig und verhungern schließlich. Häufig kann man in dieser Phase herumkrabbelnde, sterbende Drohnen beobachten.
Aus der mechanischen Zerkleinerung von jungen Drohnenlarven im Entwicklungsalter von 4 bis 14 Tagen kann ein Extrakt gewonnen werden, der vor allem in der Volksmedizin osteuropäischer und asiatischer Länder unter der Bezeichnung Apilarnil („Drohnenmilch“ oder Drohnenlarvenextrakt) bekannt ist. Es wird als männliches und kostengünstigeres Äquivalent zu Gelée royale vermarktet und soll allgemein die Vitalität und Virilität steigern sowie Alterserscheinungen verzögern.[3] Da zur Gewinnung des Extrakts die vollständigen Drohnenlarven eingesetzt werden, ist die Zusammensetzung relativ unspezifisch und sehr komplex.[4] Als biologisch aktive Komponenten kommen neben einigen Antioxidantien und Enzymen relativ hohe Konzentrationen an Sexualhormonen und biogene Amine wie Spermidin hinzu. Einige wissenschaftliche Artikel konnten in Tierversuchen oder in vitro deshalb androgenene Effekte nachweisen, beispielsweise eine Erhöhung der Spermienbeweglichkeit.[5] Klinische Studien zu einer Wirksamkeit beim Menschen liegen nicht vor (Stand: 2022), wobei die Studienlage auch aufgrund des geringen Bekanntheitsgrads des Produkts in der westlichen Hemisphäre dürftig ist.[6][7][8] Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist in einer Mitteilung auf das hohe allergene Potential von Nahrungsergänzungsprodukten aus Bienen hin, die bereits zu lebensbedrohlichen Situationen geführt haben.[9] Auch für Apilarnil sind Fälle von Anaphylaxie dokumentiert.[10]
Drohnen in übertragenem Sinne
Die Bezeichnung „Drohne“ (ursprünglich englisch „drone“) wurde von männlichen Honigbienen auf unbemannte Luftfahrzeuge übertragen. Dieser Sprachgebrauch soll zurückgehen auf die „Queen Bee“ („Bienenkönigin“) des britischen Flugzeugkonstrukteurs Geoffrey de Havilland. De Havilland hatte großes Interesse an Insektenkunde und benannte zahlreiche seiner Konstruktionen nach Fluginsekten, z. B. Mosquito, Dragonfly, Tiger Moth.[11] Die Queen Bee war die erste in größeren Stückzahlen produzierte Zieldarstellungsdrohne. Eine Vorführung soll einen amerikanischen Admiral so beeindruckt haben, dass er Marineoffizier Delmar S. Fahrney beauftragte, ähnliche Flugobjekte zu bauen, die dieser in Anlehnung an De Havillands Namen 1936 „drone“ benannte.[12][13] Dieser Name blieb im militärischen Sprachgebrauch haften und wurde schließlich auch auf zivile Flugobjekte übertragen.
Außerdem wurde als „Drohne“ in der älteren politischen Polemik die Gruppe der Besitzenden bezeichnet, gleich welchen sozialen Alters sie sein mochten (alter Adel, Bourgeoisie, Neureiche).[14]
Siehe auch
Literatur
- Gerhard Liebig: Einfach imkern. Leitfaden zum Bienen halten. 3. überarbeitete Auflage, Eigenverlag, Bochum 2011, ISBN 3-9803568-6-8
- Heiko Bellmann: Bienen, Wespen, Ameisen – Hautflügler Mitteleuropas. 2. Auflage. Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-440-09690-4.
- Paul Westrich: Die Wildbienen Deutschlands. 2. überarbeitete Auflage, Ulmer, Stuttgart, 2019, ISBN 978-3-8186-0880-4.
Einzelnachweise
- ↑ L. Marwaha: The Drone Honey Bee. Bentham Science Publishers Pte. Limited, 2023, ISBN 978-981-5179-31-6, S. 5–6 (englisch, google.de [abgerufen am 29. März 2024]).
- ↑ Helmut Kovac, Anton Stabentheiner und Robert Brodschneider: Contribution of honeybee drones of different age to colonial thermoregulation, in Apidologie (Celle). Jan. 2009, Bd. 40(1), S. 82–95.
- ↑ Ewelina Sidor, Michał Miłek, Grzegorz Zaguła, Aleksandra Bocian, Małgorzata Dżugan: Searching for Differences in Chemical Composition and Biological Activity of Crude Drone Brood and Royal Jelly Useful for Their Authentication. In: Foods. Band 10, Nr. 9, 21. September 2021, ISSN 2304-8158, S. 2233, doi:10.3390/foods10092233, PMID 34574343, PMC 8466182 (freier Volltext) – (mdpi.com [abgerufen am 8. November 2025]).
- ↑ Kübra Tuğçe Kalkan, Halime Tozak Yıldız, Betül Yalçın, Özge Cengiz Mat, Gözde Özge Önder, Arzu Yay: Therapeutic effects of apilarnil, a bee product, on apoptosis and autophagy in cisplatin-induced rat ovarian toxicity. In: Food and Chemical Toxicology. Band 203, 1. September 2025, ISSN 0278-6915, S. 115594, doi:10.1016/j.fct.2025.115594 (sciencedirect.com [abgerufen am 8. November 2025]).
- ↑ Nedim Koşum, Banu Yücel, Çağrı Kandemir, Turgay Taşkın, Mehmet Emin Duru, Selçuk Küçükaydın, Rodica Margaoan, Mihaiela Cornea-Cipcigan: Chemical Composition and Androgenic Effect of Bee Drone Larvae (Apilarnil) for Goat Male Kids. In: Chemistry & Biodiversity. Band 19, Nr. 8, 2022, ISSN 1612-1880, S. e202200548, doi:10.1002/cbdv.202200548 (wiley.com [abgerufen am 9. November 2025]).
- ↑ Wilson Antonio Weis, Nicolas Ripari, Fernanda Lopes Conte, Mariana da Silva Honorio, Arthur Alves Sartori, Ramon Hage Matucci, José Maurício Sforcin: An overview about apitherapy and its clinical applications. In: Phytomedicine Plus. Band 2, Nr. 2, Mai 2022, S. 100239, doi:10.1016/j.phyplu.2022.100239 (elsevier.com [abgerufen am 9. November 2025]).
- ↑ Aida A. Abd El-Wahed, Shaden A. M. Khalifa, Badr Aldahmash, Hongcheng Zhang, Ming Du, Chao Zhao, Haroon Elrasheid Tahir, Aamer Saeed, Hidayat Hussain, Zhiming Guo, Hesham R. El-Seedi: Exploring the Chemical Constituents and Nutritive Potential of Bee Drone (Apilarnil): Emphasis on Antioxidant Properties. In: Chemistry & Biodiversity. Band 21, Nr. 5, 2024, ISSN 1612-1880, S. e202400085, doi:10.1002/cbdv.202400085 (wiley.com [abgerufen am 8. November 2025]).
- ↑ Ewelina Sidor, Małgorzata Dżugan: Drone Brood Homogenate as Natural Remedy for Treating Health Care Problem: A Scientific and Practical Approach. In: Molecules. Band 25, Nr. 23, 3. Dezember 2020, ISSN 1420-3049, S. 5699, doi:10.3390/molecules25235699, PMID 33287191, PMC 7730673 (freier Volltext) – (mdpi.com [abgerufen am 9. November 2025]).
- ↑ Einschätzung von Propolis und Gelée Royal. 20. November 2008, abgerufen am 8. November 2025.
- ↑ J. Stoevesandt, A. Trautmann: Freshly squeezed: anaphylaxis caused by drone larvae juice. In: European Annals of Allergy and Clinical Immunology. Band 50, Nr. 05, September 2018, S. 232, doi:10.23822/EurAnnACI.1764-1489.43 (eurannallergyimm.com [abgerufen am 9. November 2025]).
- ↑ Steve Mills: The Dawn of the Drone: From the Back-Room Boys of World War One Casemate Publishers, Oxford 2019. ISBN 978-1-61200-789-2, S. 218.
- ↑ Ben Zimmer: The Flight of 'Drone' From Bees to Planes, Wall Street Journal, 26. Juli 2013.
- ↑ John F. Keane and Stephen S. Carr (2013): A Brief History of Early Unmanned Aircraft, Johns Hopkins APL Technical Digest 32(3): 558-571.
- ↑ Heinrich Mann: Ein Zeitalter wird besichtigt, Fischer, Frankfurt am Main, 3. Auflage 2001, S. 87.
Weblinks
- Dieter Kosmeier, Thomas Rickinger, Elmar Billig: Drohnen – Die Männchen der Hornissen. In: hornissenschutz.de. 31. Oktober 2016.