Dreifaltigkeitskirche (Münster)

Die Dreifaltigkeitskirche steht in Münster an der Kreuzung von York-Ring und Grevener Straße. Seit der Profanierung im Jahr 2010 und den anschließenden Umbauarbeiten, beherbergt das Gebäude betreutes Wohnen für Obdachlose sowie private und gewerblich genutzte Räumlichkeiten.

Planung und Bau der Kirche

Die Kirche entstand nach Plänen der Architekten Heinrich Benteler und Alfred Wörmann. Die Grundsteinlegung erfolgte im März 1937, am 23. Juli 1939 wurde sie von Bischof Clemens August Graf von Galen als katholische Pfarrkirche für die damals im Norden neu entstehenden Wohngebiete geweiht. Die ursprünglichen Pläne sahen vor, die Kirche als Garnisonkirche für die umliegenden Kasernen zu nutzen. Genutzt wurde sie als solche nie, denn die Wohnbevölkerung in der Nähe wuchs so schnell, dass das Gebiet um die Dreifaltigkeitskirche 1937 von der Gemeinde Liebfrauen / Überwasser erst als Rektorat abgepfarrt wurde. Leiter der neuen Gemeinde wurde Franz Rensing.[1] An den Auflagen, mit denen die damalige Baugenehmigung belegt war, kann man sehen, wie weit die Kriegsvorbereitungen schon gediehen waren: Unter der gesamten Kirche musste ein Luftschutzbunker für die Bevölkerung angelegt werden, der Turm durfte aus Luftsicherungsgründen nicht höher als der Dachfirst sein und nicht frei stehen.

Zweiter Weltkrieg: Zerstörung und Wiederaufbau

Die zweite Bauauflage hat nicht viel genutzt, fünf Jahre später wurde sie im Zweiten Weltkrieg durch Brand- und Sprengbomben zerstört. Die Bunkerräume aber hielten ebenso wie die Krypta stand, sodass während der Bombardierung hier keine Toten zu beklagen waren.[1] Der Wiederaufbau begann 1945 und dauerte zwei Jahre. In der Zwischenzeit wurden die Messen in der Krypta gehalten.

Der Wiederaufbau begann 1945 mit der Vorlage der Pläne für das neu entstehende Gotteshaus. Diese Pläne stammten wiederum von den Architekten Benteler und Woermann. Das Gebäude wurde winterfest gemacht. Nach dem Richtfest im November 1945 aber wurden die Arbeiten auf Befehl der britischen Militärregierung eingestellt, da die Nachkriegszeit in Deutschland mit einem hohen Maß an Wohnungslosigkeit einherging und sowohl das Material als auch die Arbeitskraft für die Wiederherstellung von Wohnungen benötigt wurden.

1947 war das Dach wiederhergestellt, die Fenster repariert und in dem neuen, nun höheren Turm konnte das Jugendheim eingeweiht werden. Im Februar 1949 wurde der im Vorjahr verkündete Beschluss umgesetzt und die Rektoratsgemeinde zur selbstständigen Pfarrei Dreifaltigkeit erklärt, Franz Rensing wurde ihr erster Pfarrer.

In mehreren Schritten wurde die vom Zweiten Vatikanum erlassene Liturgiereform auch in dieser Kirche umgesetzt. Den Abschluss bildete der Umbau des Chors 1979. Der Altar wurde von seiner früher stark erhöhten Position weit in die Gemeinde hereingeholt, sodass diese ihn von drei Seiten umgab. Die Gestaltung übernahm weitgehend Werner-Jakob Korsmeier, der schon zuvor wichtige Einzelwerke für die Kirche geschaffen hatte.

Orgel

Die Orgel der Dreifaltigkeitskirche wurde 1952 von der Orgelbauwerkstatt Klingenhegel (Osnabrück) erbaut. Disponiert war das Instrument auf 36 Register auf drei Manualen und Pedal. Gebaut wurden nur 14 Register auf zwei Manualen (Hauptwerk und nicht schwellbarem Schwellwerk) und Pedal. 1962 wurde ein neuer freistehender Spieltisch von der Werkstatt Kreienbrink (Osnabrück) erbaut. Das Instrument hatte elektropneumatische Trakturen. Der Verbleib der Orgel nach der Profanierung ist unbekannt.[2]

I Hauptwerk C–g3
Prinzipal 8′
Spitzgambe 8′
Oktave 4′
Nachthorn 4′
Rauschpfeife II 223
III Schwellwerk C–g3
Harfpfeife 8′
Zartgedackt 8′
Rohrquintade 4′
Trichterflöte 2′
Scharff IV 23
Tremulant
Pedalwerk C–f1
Subbass 16′
Oktavbass 8′
Spitzgedackt 8′
Choralbass 4′
  • Koppeln: II/I, I/P, II/P
  • Spielhilfen: zwei freie Kombinationen, zwei Pedalkombinationen, Tutti, Walze

Polnische Gemeinde Münster

In der Krypta hielt von 1963 an bis zur Profanierung der Kirche am 7. November 2010 auch die polnische Gemeinde Münsters ihre Gottesdienste ab.

1948 war von den Alliierten in Münster ein Sammellager für Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene aus Polen eingerichtet worden, in denen sie auf ihre Rückführung in ihre Heimat warten und vorbereitet werden sollten. Die politische Lage in den Ostblockländern machte aber eine Rückkehr in die Heimat für viele unmöglich, und die, die nicht in Drittländer gehen konnten, mussten sich auf einen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland vorbereiten. Ein Schritt dazu war die Bildung einer eigenen polnischen Gemeinde, die mit regelmäßigen Gottesdiensten in polnischer Sprache, seelsorgerischer Betreuung und täglichen Hilfen eine Heimat bot.

Fusion und Profanierung

2001 wurde die Dreifaltigkeitsgemeinde zusammen mit St. Bonifatius und Hl. Kreuz zu einer Gemeinde fusioniert.[3] Während die Kreuzkirche die Pfarrkirche der neuen Pfarrei wurde, schloss man die Bonifatiuskirche 2005 und baute sie zu einem Verlagshaus für den kirchlichen Dialogverlag um. In der Dreifaltigkeitskirche wurden bis 2007 Gottesdienste gefeiert, dann wurde das Dach für einsturzgefährdet erklärt. Die Teilgemeinde zog erneut in die Krypta. Im November 2010 wurde die Kirche endgültig – also auch die Krypta – während eines Gottesdienstes unter Leitung von Bischof Felix Genn profaniert und kirchenrechtlich geschlossen.

Noch vor der Profanierung hatte die katholische Bischof-Hermann-Stiftung das Konzept für ein Obdachlosen-Wohnheim in der Kirche entwickelt.[4]

Neues Nutzungskonzept

Das Grundstück samt Kirche wurde an das Wohnungsunternehmen der Stadt Münster, Wohn+Stadtbau, verkauft. Dieses hat in dem Gebäude Wohnraum für über 60-jährige, pflegebedürftige Wohnungslose geschaffen.[5][6]

Seit sich die Wohnungsbaugesellschaft an dem Projekt beteiligt, wurde das Konzept erweitert und beinhaltet nun zusätzlich gewerbliche Büroräume und Mietwohnungen. Da die Kirche nicht denkmalgeschützt ist, konnten die Mietwohnungen durch zwei neue Anbauten an das Kirchengebäude umgesetzt werden. Der Umbau wurde von dem Architektenbüro Pfeiffer Ellermann und Preckel geleitet und war 2013 abgeschlossen. Betreutes Wohnen für Obdachlose befindet sich nun in den unteren Etagen, während verschiedene, gewerbliche und private Mieter in den oberen Stockwerken und den Anbauten untergebracht sind.[4]

Literatur

  • Die Dreifaltigkeitskirche. Von der Garnisonskirche zum Gemeindezentrum. (unveröffentlichte Facharbeit im Grundkurs Religion am Pascal-Gymnasium, Schuljahr 2006/2007) Münster 2007.
  • Karl Hagemann: Münster, Stadt der Kirchen. Aschendorff, Münster 1983, ISBN 3-402-05204-0.
  • Johannes Loy: Mangelverwaltung. Gemeindefusionen in Münster. In: Westfälische Nachrichten vom 28. Oktober 2010.
  • Maria Meik: Trauer um die Krypta. In: Westfälische Nachrichten vom 4. November 2010.
  • Oliver Koch: Eine Kirche als Haus für Wohnungslose? In: Münstersche Nachrichten vom 9. Juni 2010.
  • Katharina Engelhardt: Betreutes Wohnen in der Kirche. In: Münstersche Zeitung vom 11. September 2010.
  • Daniel Gerber: Besser wohnen in der Kirche. In: Tag des Herrn, Nr. 22/2015 vom 31. Mai 2015, S. 7.

Siehe auch

Liste der profanierten Kirchen im Bistum Münster

Commons: Dreifaltigkeitskirche (Münster) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Karl Hagemann: Münster, Stadt der Kirchen. Aschendorff, Münster 1983, ISBN 3-402-05204-0, S. 21–22.
  2. Nähere Informationen zur Orgel (Memento des Originals vom 7. Dezember 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.orgelmagazin.de auf orgelmagazin.de
  3. Kath. Kirchengemeinde Hl. Kreuz: Geschichte der Gemeinde.
  4. a b Dreifaltigkeitskirche. Soziales Wohnprojekt und Gewerberäume. zukunft-kirchen-raeume.de, abgerufen am 20. November 2025
  5. WG für pflegebedürftige Senioren: Ein Zuhause für Obdachlose. Spiegel Online vom 17. Juni 2013.
  6. Gerd Felder: Modellprojekt: Seniorenheim für Wohnungslose in münsteraner Kirche: "Im Paradies". In: www.katholisch.de. 25. Juni 2013, abgerufen am 26. Juli 2020.

Koordinaten: 51° 58′ 28,4″ N, 7° 36′ 46,1″ O