Dracunculoidea

Dracunculoidea

Larven von Dracunculus medinensis, dem Medinawurm

Systematik
Stamm: Fadenwürmer (Nematoda)
Klasse: Chromadorea
Überordnung: Rhabditica
Ordnung: Rollschwänze (Spirurida)
Unterordnung: Dracunculina
Überfamilie: Dracunculoidea
Wissenschaftlicher Name
Dracunculoidea
Stiles, 1907 (Cameron, 1934)

Dracunculoidea ist eine Überfamilie der Rollschwänze mit 320 Arten in 38 Gattungen.[1] Sie sind Parasiten bei allen Klassen der Wirbeltiere, etwa 90 % kommen bei Fischen vor. Sie befallen eine Vielzahl von Organen. Einige Arten haben wegen ihrer Schadwirkung insbesondere in der Karpfenproduktion und in Salmoniden-Aquakulturen auch eine wirtschaftliche Bedeutung. Der Medinawurm ist ein Parasit des Menschen und anderer Säugetiere, aber auch eine Philometra-Art von Fischen kann über Wunden den Menschen befallen.[2]

Merkmale

Dracunculoidea zeigen eine beachtliche Variation in der Körpergröße, sie reicht von 1 mm bei Lucionema balatonense bis zu mehr als einen Meter bei Philometra-Arten. Sie haben die Merkmale der Rollschwänze. Die Kopfpapillen sind in zwei Ringen angeordnet, Lippen fehlen.[2] Die Mundhöhle ist nur gering entwickelt.[3] Der Ösophagus ist meist in einen Muskel- und einen Drüsenteil gegliedert, kann aber auch rein muskulös sein. Als Begattungsorgane sind bei Männchen zwei Spicula oder eine sklerotisierte Kopulationsplatte ausgebildet sein, sie können aber auch ganz fehlen. Dracunculoidea haben einen ausgeprägten Sexualdimorphismus: die Weibchen sind stark modifiziert und deutlich größer als die Männchen.[2]

Lebensweise

Die meisten Arten sind lebendgebärend und der weibliche Uterus ist bei geschlechtsreifen Weibchen mit Larven im ersten Stadium angefüllt. Bei einigen Arten werden die Larven in das Wirtsgewebe abgegeben, bei anderen atrophiert die Vulva (auch der Anus) und die Larven werden durch Platzen bei Kontakt mit Wasser freigesetzt. Alle Arten benötigen wasserlebende Krebstiere wie Kopffüßer, Ostrakoden oder Fischläuse als Zwischenwirt, weshalb die Entwicklung stets an einen aquatischen Lebensraum gebunden ist. Die große Mehrheit der Dracunculoidea sind Fischparasiten, wobei als Wirte über 300 Fischarten aus 25 Ordnungen bekannt sind. Dabei können Dracunculoiden relativ wirtsspezifisch sein oder eine größere Anzahl von Arten befallen. Im Zwischenwirt entwickelt sich die Erstlarve zur für den Endwirt infektiösen Drittlarve. Die Ansteckung des Endwirts erfolgt durch direkte Aufnahme des Zwischenwirts oder über Stapelwirte, meist Fische, in denen sich die Larven ansammeln, aber der Lebenszyklus nicht vollendet wird.[2]

Systematik

Dracunculoidea wird in acht Familien untergliedert:[1]

Für die monotypische Familie Tetanonematidae (einziger Vertreter Tetanonema strongylurus) schlug Sokolov 2010 die Umbenennung in Steinertetanonematidae vor, die vom Interim Register of Marine and Nonmarine Genera akzeptiert ist,[4] in Hodda (2022) allerdings nicht vollzogen wurde.

Molekularbiologisch lassen sich die in zwei, mit großer Wahrscheinlichkeit monophyletische Kladen einteilen:[5]

  • Klade 1: Philonema, Daniconematidae, Skrjabillaninae und Esocineminae
  • Klade 2: Dracunculidae, Micropleuridae, Philometridae

Für diese Kladen gibt es allerdings keine morphologischen Synapomorphien.[5]

Einzelnachweise

  1. a b Mike Hodda: Phylum Nematoda: a classification, catalogue and index of valid genera, with a census of valid species. In: Zootaxa. 2022, Band 5114, Nummer 1, S. 132, doi:10.11646/zootaxa.5114.1.1.
  2. a b c d František Moravec: Some aspects of the taxonomy and biology of dracunculoid nematodes parasitic in fishes: a review. In: Folia Parasitologica. Band 51, Nr. 1, 2013, S. 1–13, doi:10.14411/fp.2004.001.
  3. Alain G. Chabaud: Keys to subclasses, orders and superfamilies. Nr. 1 von Roy C. Anderson, Alain G. Chabaud, Sheila Willmott (Hrsg.): CIH keys to the nematode parasites of vertebrates. CABI, 1974, S. 13.
  4. Steinertetanonema Sokolov, 2010. IRMG, abgerufen am 16. November 2025.
  5. a b Sergey G. Sokolov, Alexander P. Kalmykov, Svetlana V. Malysheva: Phylogeny of dracunculoid nematodes (Chromadorea: Rhabditida: Spirurina: Dracunculoidea) from some Eurasian freshwater fishes. In: Zootaxa. Band 4858, Nr. 4, 2020, S. 521–541, doi:10.11646/zootaxa.4858.4.3.