Dortmunder Weihnachtsmarkt

Der Dortmunder Weihnachtsmarkt, seit 2019 Dortmunder Weihnachtsstadt, findet jährlich in der Adventszeit meist ab dem 21. November bis zum 30. Dezember in Dortmund statt. Er wird 2025 zum 127. Mal ausgerichtet und gilt heute mit bis zu 3,6 Mio. Besuchern als einer der größten und bedeutendsten Weihnachtsmärkte Deutschlands mit dem größten Weihnachtsbaum der Welt.[1][2][3]

Lage

Zentrum ist der Hansaplatz, von dem aus sich etwa 300 Stände und einige Fahrgeschäfte durch die gesamte Fußgängerzone und Einkaufsstraßen der Dortmunder Innenstadt ziehen. Schwerpunkt ist die Fußgängerzone, insbesondere vom Hansaplatz über den angrenzenden Alten Markt und die Flächen rund um die zentrale Reinoldikirche bis zum Willy-Brandt-Platz. Der Friedensplatz bleibt dagegen weitgehend frei von Weihnachtsbuden, da der wöchentlich am Mittwoch, Freitag und Samstag stattfindende Wochenmarkt während der Zeit des Weihnachtsmarkts hierher ausweicht.

Geschichte

Der Weihnachtsmarkt wurde erstmals im 19. Jahrhundert, vermutlich 1878 vor der Reinoldikirche veranstaltet. Nach einigen Jahren ohne Weihnachtsmarkt, zuletzt zwischen 1939 und 1948 im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg, wurde der Dortmunder Weihnachtsmarkt 2019 zum 121. Mal ausgerichtet.[4][3]

2020 fiel der Weihnachtsmarkt, in Folge der weltweiten COVID-19-Pandemie, weitgehend aus.

Weihnachtsbaum und Kontroversen

Seit seiner ersten Errichtung im Jahr 1996 gilt der auf dem Hansaplatz aufgebaute Dortmunder Weihnachtsbaum mit einer Höhe von rund 45 Metern, einem Gewicht von etwa 40 Tonnen und rund 1.200 aus dem Sauerland stammenden Rotfichten als Wahrzeichen des Dortmunder Weihnachtsmarktes („Weihnachtsstadt“). Die Konstruktion wurde von dem Dekorateur Werner Basselmann entworfen und wird seither jährlich vom Unternehmen C. O. Weise im Auftrag des Markthandel- und Schaustellerverbandes aufgebaut. Frühere Versionen des Baumes waren mit etwa 48.000 Lichtern und klassischem Baumbehang geschmückt; in jüngerer Zeit wurde die Beleuchtung sukzessive auf LED-Technik mit inzwischen rund 135.000 bis 140.000 Lichtpunkten erweitert.[5]

Die Gestaltung des Baumes war dabei wiederholt Gegenstand öffentlicher Debatten. In den Anfangsjahren dominierten traditionelle Elemente wie Lichterketten, Kugeln und Engelsschmuck, die den Baum in eine klassische Weihnachtsoptik setzten. Das Erscheinungsbild wandelte sich seit Ende der 1990er Jahre deutlich: von vergleichsweise schlichter Beleuchtung hin zu dichten LED-Vorhängen, wechselnden Farbkonzepten und thematischen Sonderinszenierungen.  

Besonders kontrovers diskutiert wurden Gestaltungen mit Fußballbezug. Im BVB-Meisterschaftsjahr 2011 war vorgesehen, den traditionellen vier Meter hohen Engel an der Spitze vorübergehend durch einen illuminierten Fußball im XXL-Format zu ersetzen. Der Baum, der damals aus etwa 1.700 Rotfichten bestand und mit rund 48.000 Lämpchen beleuchtet wurde, sollte damit die Fußballbegeisterung der Stadt symbolisieren. Nach deutlicher Kritik, insbesondere aus kirchlichen Kreisen, wurde die Planung jedoch kurzfristig geändert; der Fußball wurde nicht montiert beziehungsweise wieder abgenommen, und der Engel kehrte als Baumspitze zurück.[6]

Ein ähnliches Motiv sorgte 2023 erneut für Diskussionen: Anstelle des Engels wurde zunächst eine große goldene Kugel auf die Spitze gesetzt, die von vielen Beobachtern wiederum als Fußball interpretiert wurde. Lokale Medien berichteten von einem „Shitstorm“ in sozialen Netzwerken; Kritiker bemängelten unter anderem eine unpassende Symbolik und forderten die Rückkehr zur traditionellen Gestaltung. Noch vor der offiziellen ersten Beleuchtung des Baumes wurde die Kugel wieder entfernt und durch den bekannten Engel ersetzt.[7]

Besonders ausgeprägt war die Debatte um die Baumschmückung im Jahr 2024. In diesem Jahr verzichteten die Veranstalter erstmals weitgehend auf klassischen Behang wie Kugeln, Kerzen und kleinere Engel und setzten stattdessen auf eine streng grafische Gestaltung mit horizontalen, vor allem rot-weißen LED-Bändern. Gleichzeitig wurde die Zahl der Lichter von zuvor rund 48.000 auf etwa 135.000 LEDs erhöht.

In sozialen Medien und lokalen und überregionalen Medien wurde der Baum vielfach mit einem überdimensionalen Verkehrs- oder Baustellenhütchen verglichen;[8] obwohl die Verantwortlichen im Vorfeld der Saison 2025 ankündigten, aus der Kritik gelernt zu haben und neben der Rückkehr des traditionellen vier Meter hohen Engels an der Spitze eine modifizierte Beleuchtung mit stärker weihnachtlich konnotierten Farben und zusätzlicher Dekoration in Aussicht gestellt hatten, wurde unmittelbar nach der Eröffnung 2025 die Gestaltung erneut stark kritisiert. Einzelne Stimmen bezeichneten das starke Blinken und die Farbwahl als „kitschig“, „kalt“ oder sogar weniger dezent als eine „Bordellbeleuchtung“.[9]

Medienberichte heben hervor, dass der Baum trotz oder gerade wegen der wiederkehrenden Kontroversen jährlich als zentrales Fotomotiv dient und Millionen Besucher anzieht. Insgesamt wird die regelmäßig aufflammende Diskussion um die Gestaltung des Dortmunder Weihnachtsbaums in der Berichterstattung als Ausdruck seines besonderen symbolischen Stellenwerts für die Stadt gedeutet.

Angebot und Rezeption

Der Weihnachtsmarkt hat inzwischen überregionale Bedeutung und zählt spätestens seit den 2010er Jahren zu den wichtigsten touristischen Anziehungspunkten Dortmunds.[10] So besuchen den Dortmunder Weihnachtsmarkt jährlich etwa 2,5 bis zu 3,6 Mio. Menschen aus dem In- und Ausland, insbesondere aus den Beneluxländern und Großbritannien.[3][11]

Auf dem Hansaplatz und dem Alten Markt sind zudem Bühnen aufgebaut, auf dem begleitende Veranstaltungen von Comedy bis Konzerten von Rock bis Chören stattfinden. Auf der größeren Bühne am Rande des Hansaplatzes findet traditionell auch die WDR 4-Schlagerweihnacht statt, eine vom WDR Fernsehen übertragene Musiksendung mit bekannten Schlagerstars.[12][3]

Neben einer Vielzahl von Ständen (alljährlich etwa 300), die Kunsthandwerk und Weihnachtsdekoration, westfälische und internationale Speisen und vieles andere anbieten, sind auch einige Fahrgeschäfte v. a. für Kinder zu finden, zudem ergänzende Angebote wie Gepäckaufbewahrung, Kinderbetreuung, u .a. Auch werden in einem Wettbewerb die drei schönsten Buden mit der „Goldenen Tanne“ ausgezeichnet.[13]

Die verschiedenen Glühweinstände schenken seit 1990 in alljährlich neu für den Dortmunder Weihnachtsmarkt gestalteten Pfandtassen aus. Diese Glühweinbecher werden von der Firma Mohaba aus Düren hergestellt und sind inzwischen zum Sammlerobjekt geworden.[14][1][15]

Sonderfall Weihnachtsmarkt 2020

Aufgrund der COVID-19-Pandemie in Deutschland ist auch der Dortmunder Weihnachtsmarkt im Jahr 2020 weitgehend zu seiner 122. Ausrichtung ausgefallen. So wurde nach der endgültigen Absage der Weihnachtsstadt 2020 Ende Oktober und dem Rückbau des bereits aufgebauten Weihnachtsbaums Mitte November ein Konzept entwickelt, nach dem ab dem 4. Dezember zwölf vereinzelte und nach einem Hygienekonzept arbeitende Stände öffneten, neben traditionellen Imbissständen (u. a. Bratwurst) oder Süßwaren (u. a. Gebrannte Mandeln) auch Glühweinstände. Mit dem 2. Lockdown ab 16. Dezember 2020 wurden die meisten auch dieser Stände geschlossen, insbesondere die Glühweinstände.[16][17]

Die beliebten Sammlertassen, die auch 2020 wieder mit neuem Motiv herauskamen, wurden zu Sammlerzwecken bzw. als Erinnerung an den ausgefallenen Weihnachtsmarkt 2020 und zur Unterstützung der Schausteller als „Keihnachtsmarkt-Tasse“ bezeichnet und dennoch verkauft.[15]

Commons: Dortmund Weihnachtsmarkt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b „Weihnachtsmarkt in Dortmund: Das ist 2019 neu“ (Memento des Originals vom 23. Oktober 2019 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ruhrnachrichten.de, Artikel vom 22. Oktober 2019 der Ruhr Nachrichten, abgerufen am 17. Dezember 2020
  2. Profil des Dortmunder Weihnachtsmarktes auf www.weihnachtsmarkt.de, abgerufen am 17. Dezember 2020
  3. a b c d Eintrag zum Dortmunder Weihnachtsmarkt auf www.weihnachtsmaerkte-in-deutschland.de, abgerufen am 17. Dezember 2020
  4. „Der Dortmunder Weihnachtsmarkt vor 50 Jahren“@1@2Vorlage:Toter Link/weihnachtsstadt-do.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Dezember 2023. Suche in Webarchiven)  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Artikel der Ruhr Nachrichten vom 6. Dezember 2019, Artikelfoto-Abruf von der Website der Weihnachtsstadt Dortmund, abgerufen am 17. Dezember 2020
  5. Dortmunder Weihnachtsstadt | Der Weihnachtsmarkt-Klassiker. Abgerufen am 26. November 2025.
  6. 1:0 für die Engel: Kein Fußball auf dem Dortmunder Weihnachtsbaum. 11. November 2011, abgerufen am 26. November 2025.
  7. Katrin Figge: Herbe Kritik: Dortmunder Weihnachtsbaum wird wieder. 21. November 2023, abgerufen am 26. November 2025.
  8. Anna Quasdorf: „Das habe ich unterschätzt“: Veranstalter reagiert auf Baum-Kritik. 28. November 2024, abgerufen am 26. November 2025.
  9. Dortmunder Weihnachtsbaum sorgt für Wut: „Manche Bordellbeleuchtung dezenter“. 26. November 2025, abgerufen am 26. November 2025.
  10. „Auf … zum ERLEBNIS.DORTMUND“, Eintrag vom 25. Juli 2016, Website der Wirtschaftsförderung Dortmund, abgerufen am 17. Dezember 2020
  11. „Termine, Öffnungszeiten & Infos: Diese Besonderheit ist neu bei Dortmunds Weihnachtsmarkt“ Artikel vom 23. November 2020 auf www.t-online.de, abgerufen am 17. Dezember 2020
  12. Eintrag der WDR4 "Schlagerweihnacht" auf www.ruhr-guide.de, abgerufen am 17. Dezember 2020
  13. „Weihnachtsmarkt Dortmund: Diese niedliche Neuerung kommt in 2020“, Artikel vom 18. Dezember 2019 auf www.ruhr24.de, abgerufen am 17. Dezember 2020
  14. Weihnachtsmarkt in Dortmund, Profil auf www.weihnachtsmarkt.de, abgerufen am 17. Dezember 2020
  15. a b „„Keihnachtsmarkt-Tasse“: Besondere Erinnerung an die Corona-Weihnacht 2020“, Artikel vom 8. Dezember 2020 der Ruhr Nachrichten, abgerufen am 17. Dezember 2020
  16. „Dortmund: Weihnachtsmarkt-Fans können sich freuen! An DIESEN Plätzen werden nun doch Buden aufgebaut!“ (Memento des Originals vom 8. Dezember 2020 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.derwesten.de, Artikel vom 4. Dezember 2020 des Online-Portals Der Westen, abgerufen am 17. Dezember 2020
  17. „Dortmunder Mini-Weihnachtsmarkt startet am Mittwoch“, Artikel vom 3. Dezember 2020 des Lokalradios Radio 91.2, abgerufen am 17. Dezember 2020

Koordinaten: 51° 30′ 47″ N, 7° 27′ 53″ O