Dorfkirche Wagenitz

Die Dorfkirche Wagenitz ist eine evangelische Kirche in Wagenitz, einem Ortsteil von Mühlenberge im brandenburgischen Landkreis Havelland. Das Gotteshaus entstand Mitte des 18. Jahrhunderts anstelle eines Gebäudes aus dem 16. Jahrhundert, das zerstört worden ist. Die Kirchengemeinde gehört zur Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Lage

Die Kirche steht auf dem ehemaligen Dorfanger, der sich zwischen der Straße Zum Schwedenturm (nördlich) und der Lindenstraße (südlich) erstreckt. Sie trägt die Adresse Lindenstraße 6/Zum Schwedenturm, 14662 Mühlenberge OT Wagenitz. Sie ist nicht stetig geöffnet, den Kirchenschlüssel können sich Interessenten von Gemeindemitgliedern ausleihen, deren Namen und Adressen in einem Aushang neben dem Gotteshaus mitgeteilt werden.

Geschichte

Vorgeschichte

Im Jahr 1527 wurde eine erste Fachwerkkirche in Wagenitz als Filialkirche von Senzke erbaut. Erster Kirchenpatron von Wagenitz war Johann Christoph von Bredow. 1635 wurde Wagenitz und seine Kirche durch Angriff der Schweden im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Kirchenpatron Hans Christoph I. von Bredow, der als 12-jähriges Kind als Einziger die Zerstörung der Kirche und des Ortes überlebt hatte, ließ 1664 die Kirche wieder errichten und eine Gruft einbauen. Der Turmhelm und das Kirchendach wurden mit Lärchenholzschindeln gedeckt. – Die Bestattung des Gutsherrn Johann Christoph von Bredow (im Jahr 1691) fand in der Kirchengruft statt, dessen Eingang nach einer Plünderung im späten 19. Jahrhundert zugemauert wurde.[1] Dieses Gotteshaus war jedoch nach rund 100 Jahren baufällig, und ein Neubau wurde beschlossen.

18. Jahrhundert bis 1900

Im Jahr 1753 konnte die jetzige Kirche eingeweiht werden. Der zugemauerte Zugang zur Gruft wurde nach einer umfassenden Restaurierung zu einem dauerhaften Zugang umgebaut. Zwar vermuteten Experten ein bauzeitliches Portal, doch dessen Ausprägung war nicht zweifelsfrei nachweisbar. Nach jahrelangen Diskussionen gab es schließlich den Konsens, ein schlichtes, rechteckiges Eingangsgebäude mit Satteldach zu errichten. Im Giebel des Anbaus sorgt eine dauerhafte Öffnung für eine Belüftung der Gruft.[2]

1900 bis 1990

Im Jahr 1851 bekam der Turm sein Zinkdach und 1892 die Schallluken. Reparaturen und ein Neuputz erfolgten in den Jahren 1934 und 1935.

Einschüsse und Dachbeschädigungen des Zweiten Weltkrieges wurden in den Jahren 1949 bis 1957 repariert. Das Dach erhielt eine Schieferplattendeckung, die 1974 durch Beton-Dachziegel ersetzt wurde. 1953 installierte die Kirchengemeinde eine Turmuhr mit einem Zifferblatt an der Ostseite des Turmes; 1978 kam ein weiteres Zifferblatt an der Westseite hinzu. Im Jahre 1959 erfolgte eine Sanierung des Innenraumes der Kirche: Die Decke wurde mit Sperrholzplatten abgehängt, die Bleiglasfensterscheiben wegen Schwammschäden ausgebaut und durch Milchglasscheiben ersetzt. Die Orgel auf der Empore musste Ende des 19. Jahrhunderts repariert werden, ist aber seit 1960 nicht mehr in Betrieb.

Seit 1990

Nach der deutschen Wiedervereinigung konnte die neu gebildete Kirchengemeinde Instandsetzungsarbeiten vornehmen: Der Turm und die Gesimse wurden in den Jahren 2001/2002, der Außenputz und das Innere der Kirche in den Jahren 2002/2003 denkmalgerecht, teilweise nach Fotovorlagen, rekonstruiert. Der Neuanstrich des Gestühls erfolgte vor Ostern 2007. Eine erneute umfassende Sanierung erfolgte in den Jahren 2014 (Begasung) sowie 2017–2019 (Hüllensanierung). 2001 wurde der Turmhelm aus Zink und die Turmzierde mit der Inschrift SDG (Soli Deo Gloria – Allein Gott sei Ehre) erneuert, 2002 das Uhrwerk überholt und das Dach ab 2003 mit Kirchenbibern neu gedeckt. In den Jahren 2017 und 2018 wurde er wegen erneuter Schäden nahezu neu verputzt. 2019 mussten zahlreiche Dachträgerbalken gewechselt werden. In den Jahren 2020 bis 2023 erfolgte eine umfassende Sanierung des Bauwerks, bei dem das Dachtragwerk erneuert und die Bleikristallfenster nach historischem Vorbild wiederhergestellt wurden. Durch die Öffnung einer bauzeitlichen Tür konnte ein barrierefreier Zugang in den Kirchenraum geschaffen werden. Die Restaurierungsarbeiten wurden mit einem Festgottesdienst am 14. Oktober 2023 offiziell abgeschlossen.

Im Juli 2012 wurde die Dorfkirche Wagenitz zur Kirche des Monats gewählt. Die bis dahin wöchentlich von Hand aufgezeogene Turmuhr konnte im Jahr 2020 durch einen elektrischen Antrieb ersetzt werden.

Architektur

Das Kirchengebäude ist eine barocke Saalkirche mit einem Westturm. Das etwa 22 Meter lange und 12 Meter breite Kirchenschiff ist mit einem Pultdach abgeschlossen, der Turm verfügt über ein viereckiges flaches Haubendach. Unter der Kirche gibt es eine Gruft. Der Kirchenraum besitzt zwei seitliche Eingänge sowie den Eingang unter dem Turm. Im unteren Baubereich ist die frühere Außentreppe erhalten und wird durch den Vorhallenanbau geschützt.

Die Gedenktafeln auf der linken und rechten Seite der Kirche sind den Wagenitzer Opfern des Ersten und Zweiten Weltkrieges gewidmet.

Glocken

Im Turm befanden sich ursprünglich drei mittelalterliche Bronzeglocken aus Lauchhammer, von denen im 21. Jahrhundert noch eine Glocke vorhanden ist. Die anderen beiden waren im Ersten und im Zweiten Weltkrieg als Metallspende des deutschen Volkes zur Umarbeitung in Kriegsgerät abzuliefern. Die Glocke und der Glockenstuhl wurden im 1982 repariert. Eine erneute Reparatur erfolgte 2020, wobei die Glocke an einem Holzjoch aufgehängt und mit einem elektrischen Antrieb versehen werden konnte.

Innenausstattung

Altar, Taufstein, Votivbilder, Fenster

Der Kanzelaltar stammt aus dem 19. Jahrhundert. Die ursprünglichen Verzierungen sind nicht mehr vorhanden. Das Abendmahlbild auf der Vorderseite des Kanzelkorbes wurde 1843 durch den Maler „Pein“ gemalt. An der Unterseite des Kanzeldeckels befindet sich ein Taubenmotiv. Der aus dem 18. Jahrhundert stammende Taufstein ist mit einer silbernen Taufschale versehen, die mit den Familienwappen derer von Bredow und derer von Görne verziert ist. Links hinter dem Altar hängt an der Wand ein kleines Kruzifix aus der früheren Kirche aus dem 17. Jahrhundert.[3]

Beiderseits des Altars sind Votivgemälde zu sehen. Das rechts neben dem Altar angebrachte sechs Quadratmeter groeß Votivgemälde (siehe Bild hier drüber) aus dem Jahre 1667 entfaltet mit einer Höhe von 2,80 Metern und einer Breite von 3,95 Metern eine „mächtige Wirkung“.[4] Auf diesem Gruppenbild ist die Familie von Bredow dargestellt, die um das Kruzifix auf einem Podest herum angeordnet sind. Links ist Hans Christoph von Bredow mit seinen vier Söhnen abgebildet, rechts seine Ehefrau Barbara von Görne mit den sechs Töchtern. Obwohl die älteste Tochter Catharina Dorothea im Jahr 1664 bereits verheiratet war, wurde sie auf dem Bild wie ihre Schwestern gekleidet.[5] Seine vier Söhne wurden durch den Maler individuell charakterisiert, während die vier Töchter schematisch dargestellt werden. Der Familienverband der Patronatsfamilie unterstützte bereits von 1982 bis 1985 Restaurierungen des Motivs.[6] Interessant ist, dass im Jahr 1667 alle gezeigten Familienmitglieder noch lebten, es sich also nicht um ein Epitaphgemälde handelt. Durch die zentrale Anordnung des Kruzifixes ist es aber auch kein klassisches Gruppenportrait; einer möglichen Einordnung als Repräsentationsbild stehen die zahlreichen Bibelverse entgegen, die ebenfalls zu sehen sind. Es zeigt vielmehr den „Stolz“ sowie die „Dankbarkeit und Gottesfürchtigkeit eines Adeligen, dem es zusammen mit einer Ehefrau nach dem Dreißigjährigen Krieg als einzigem Überlebenden seiner Linie gelungen ist, den Fortbestand seiner Familie zu sichern“.[4] Das mit Ölfarben auf Leinwand erstellte Gemälde befindet sich im Jahr 2025 in einem schlechten Gesamtzustand: einzelne kleine Teile lockern sich bereits und könnten jederzeit abfallen. Hinzu kommen Flecken, Verfärbungen und ältere, möglicherweise stark vereinheitlichende Retuschen.[5] Das Gemälde weist außerdem kleinere Löcher und Risse auf. Eine Festigungsmaßnahme der Malschicht ist daher angezeigt und steht im Mittelpunkt einer Spendenaktion, die vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg zum ersten Advent 2025 ins Leben gerufen wurde. Experten schätzen die entstehenden Restaurierungskosten mit rund 40.000 Euro.[7]

Im Kirchenschiff befinden sich acht Bleiglasfenster, von denen vier erst im Jahr 2019 neu angefertigt wurden, die nun die Milchglasfensterscheiben aus der DDR-Zeit ersetzen.

Gestühl, Empore, Erbbegräbnis Bredow und Weiteres

Das Patronatsgestühl, die Kirchenbänke und die Empore stammen aus dem 18. Jahrhundert. Auf der Empore stand eine kleine Orgel, die 1885 von Friedrich Hermann Lütkemüller hier installiert worden war.

Unter dem Altarbereich ist das Erbbegräbnis derer von Bredow angeordnet. Mehr als 80 Prozent der heute lebenden Familienangehörigen wissen hier ihre Vorfahren beerdigt. Die letzte Beisetzung fand um das Jahr 1840 herum statt.[8] Im Jahr 2018 öffneten Experten die Gruft und identifizierten 26 Holzsärge aus der Zeit zwischen 1691 und 1849, darunter 10 Kindersärge, die sukzessive restauriert wurden. Eine Ausstellung der Särge ist nicht vorgesehen; stattdessen erfolgte eine umfangreiche Dokumentation.[1] Einige Särge waren durch den fehlenden Luftaustausch stark beschädigt. Die Restauratoren fertigten daher im Bedarfsfall Innen-Untersärge an, auf die die noch vorhandenen Originalteile angebracht wurden. Die zahlreichen Särge bilden dabei die Entwicklung vom Hochbarock bis hin zum beginnenden Historismus ab. Bei vier der ältesten Objekte befand sich ein Scharnier, mit dem der Deckel mit dem Untersarg verbunden war. Ihre Funktion konnte bis heute nicht eindeutig bestimmt werden. Ein Sarg mit Rokoko-Ornamenten konnte Ernst Wilhelm von Bredow zugeordnet werden. Der Sarg ist mit vergoldeten Tafeln aus Buntmetall sowie dem unter einer Krone angebrachten Familienwappen verziert. Unterhalb befinden sich ein Seifenblasen-Putto sowie die Inschrift mit einem trauernden Putto; abschließend eine Darstellung des Chronos. Ein Großteil der Leichname war skelettiert; einige mumifiziert, wenn sie keinen direkten Bodenkontakt hatten. Textilien waren nur noch in Resten vorhanden, darunter Reste der schwarzen Samtbespannung sowie Teile eines seidenen Kleides der 1849 verstorbenen Clara Theodora Charlotte Wilhelmine von Bredow. Experten waren auch über Beigaben in Form von Zahnprothesen und Zahnbürsten erstaunt, die für eine gute zahnärztliche Versorgung sprachen.[8]

Der in der Mitte der Kirche befindliche Messingleuchter wurde im 18. Jahrhundert hergestellt und 2004 in Rathenow restauriert. Die im hinteren Teil der Kirche befindliche Winterkirche wurde 1959 abgetrennt. Gleichzeitig wurde der Turmeingang verschlossen, der untere Turmbereich diente bis zum Neubau eines Friedhofs am Rande des Dorfes als Leichenhalle. 2020 entdeckten Arbeiter bei Baumaßnahmen die ehemalige Zugangstür wieder, woraufhin der Westeingang unter dem Turm wieder geöffnet wurde.

Quelle

  • Lagerbücher der Kirchengemeinde und Unterlagen des Gemeindekirchenrates
Commons: Dorfkirche Wagenitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Ein Fest zum Abschluss der Restaurierung und eine herzliche Einladung, veröffentlicht in Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Alte Kirchen – Mitteilungen des Förderkreises Alte Kirchen Berlin Brandenburg, Ausgabe September 2023, S. 6.
  2. Andreas Flender: Die Ruhestätte der Familie von Bredow – Abschluss der Bauarbeiten an der Patronatsgruft Wagenitz, veröffentlicht in Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Alte Kirchen – Mitgliederzeitung des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e. V. Ausgabe November 2024, S. 11
  3. Website des Kirchen-Fördervereins, abgerufen am 25. Dezember 2025.
  4. a b Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg: Vergessene Kunstwerke brauchen Hilfe: Spendenaktion „Vergessene Kunstwerke“ 2025/2026 zur Restaurierung des Familiengemäldes der von Bredows (1667) in der Dorfkirche Wagenitz im Havelland, Plakat, Dezember 2025.
  5. a b Claudia Rückert, Anne Haertel, Dörte Busch: Das Gemälde der Familie von Bredow in der Dorfkirche Wagenitz braucht Hilfe: Spendenaktion Vergessene Kunstwerke 2025/2026 hat begonnen, veröffentlicht in Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Alte Kirchen – Mitgliederzeitung des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e. V. Ausgabe November 2025, S. 8 und 9.
  6. Wappenepitaphien und- gedenksteine der Familie v. Bredow mit Abbildungen. 1930–1994 (Akte). In: Brandenburgisches Landeshauptarchiv (Hrsg.): BLHA. Rep., 37 Bredow – Familienarchiv 27. Eigenverlag, Wagenitz 1985, S. 1 f. (brandenburg.de [abgerufen am 21. Juli 2022]).
  7. Bereits 12.000 Euro gespendet, Berliner Zeitung, 24. bis 16. Dezember 2025, S. 10.
  8. a b Regina und Andreas Ströbl: Kein Mumien-Tourismus in Wagenitz – Die Gruft derer von Bredow wurde in jahrelanger Arbeit restauriert, veröffentlicht in Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Offene Kirchen 2024: Kirchenkultur in Brandenburg, S. 9–11.

Koordinaten: 52° 40′ 18,8″ N, 12° 38′ 22,7″ O