Dorfkirche Strubensee
Die evangelische Dorfkirche Strubensee ist eine Saalkirche in Strubensee, einem Ortsteil der Gemeinde Vielitzsee im brandenburgischen Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Die Kirchengemeinde gehört dem Pfarrsprengel Herzberg-Lindow im Kirchenkreis Oberes Havelland der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz an. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.
Baubeschreibung
Bedeutung
Der im Kern von 1584 stammende Bau besitzt als eine der ältesten in Nordostdeutschland erhaltenen Fachwerkkirchen besonderen Rang. Aus dieser Zeit überlebten nur wenige Bauten, da viele der einst wesentlich weiter verbreiteten hölzernen Kirchen im Dreißigjährigen Krieg zerstört beziehungsweise im 18. bis 20. Jahrhundert durch massive Neubauten ersetzt wurden. Trotz mehrfacher späterer Erneuerungen haben sich in dieser Kirche charakteristische Konstruktionsmerkmale für Fachwerkbauten des 16. Jahrhunderts bewahrt. Von den Ausstattungsstücken sind die Spätrenaissanceleuchter und die barocke Glocke hervorzuheben.[1]
Lage und Geschichte
Die Fachwerkkirche steht etwas erhöht inmitten des Dorfs auf dem bis in die 1970er Jahre belegten, von einer Findlingsmauer (Trockenmauer) eingefassten Kirchhof.
Strubensee war eine ursprünglich mit zwei Pfarrhufen ausgestattete Mutterkirche und wurde 1541 als wüste Pfarrhofstätte genannt; seitdem ist es Tochterkirche von Seebeck. Es gehörte zur Superintendentur Lindow-Gransee, jetzt Kirchenkreis Oberes Havelland. Das Patronatsrecht hatte wohl das Nonnenkloster Lindow, dem der Ort im Mittelalter gehörte, nach der Reformation der Landesherr (Amt Lindow, später Alt Ruppin) beziehungsweise der Fiskus.
Baugeschichte und Beschreibung
Es handelt sich um eine kleine Fachwerkkirche, die vermutlich im Jahr 1584 erbaut wurde. Die an Stelle eines mittelalterlichen Vorgängers errichtete Fachwerkkirche setzt sich aus drei verschiedenen Bauphasen angehörenden Teilen zusammen, dem ca. 12,75 × 6,6 m großen Rechtecksaal des Schiffs von 1584, dem im Westen 1596 angefügten, optisch einbezogenen Turm und der erst 1870 hinzugekommenen polygonalen Apsis.[1] Der schiffsbreite Turmunterbau auf der Westseite stammt aus dem 16. Jahrhundert (über dem Turmeingang befindet sich eine Inschrift aus dem Jahr 1596). Der quadratische Turmaufsatz ist verbrettert und verfügt über ein Pyramidendach. In der Westwand der Kirche (im Turmraum) gibt es einen Balken mit Spuren eines Vorhangbogens und der Inschrift 1584. Die Kirche wurde wahrscheinlich im 17. Jahrhundert erneuert (die Wetterfahne deutet auf das Jahr 1693). Vor dem mit Andreaskreuzen geschmückten Ostgiebel wurde 1870 eine polygonale Apsis angebaut.
Den Kernbau datiert die Jahreszahl auf einem in der Westwand, der einstigen Außenseite der Kirche, links von der Tür als Riegel eingefügten Balken mit dem Rest eines Vorhangsbogens (sichtbar von der Turmhalle aus). Trotz eingreifender Erneuerungen sind wesentliche Elemente der ursprünglichen Konstruktion bis heute nachvollziehbar. Dazu gehören das Fachwerk der östlichen Giebelseite, durch Spitzsäule und zeAndreaskreuze (an den Seiten übereinander angeordnet) geschmückt, sowie Kopf- und teilweise auch Fußbänder an den Gebäudeecken. Am Westgiebel mit Firstsäule gibt es Hinweise auf ehemalige Lehmstakenausfachung. Die Dachkonstruktion besteht aus Sparren, die auf Gehrung verbunden sind und angeblatteten Kehlbalken (Gebinde 3 und 4 erneuert). Zur Verstärkung wurden später eine doppelt stehende Stuhlkonstruktion mit verzapften Kopfbändern (unter Wiederverwendung älterer Hölzer) sowie Zwischengespärre eingefügt. Den Abschluss des Kirchenraumes bildet eine Holzbalkendecke mit angeblatteten freien Kopfstreben an jedem zweiten Balken, was den alten Dachgebinden entspricht.
Wenig später kam der Westturm als eigenständige Fachwerkkonstruktion hinzu; er wird durch eine Inschrift am Türsturz auf der Nordseite ins Jahr 1596 datiert („ANNO DOMINI 1596 M. P. G.“, Jahreszahl jetzt durch Türrahmung verdeckt). Noch in spätgotischer Tradition entstand ein querrechteckiger Bauteil von gleicher Breite wie das vorhandene Schiff (ca. 4,1 × 6,6 m), aus dem der eigentliche quadratische Turmschaft herauswächst. Durch Vorziehen der Schiffsdachflächen bis zur Westseite wird er im Kirchendach eingebunden. Der turmunterbau aus kräftigen, verblatteten Hölzern besitzt an den Ecken Kopf- und Fußstreben (die westlichen der Nord- und Südseite mit Langstreben überkreuzt), der Turmschaft hat mächtige Kurzstreben. Turmschaft und Westgiebel sind verbrettert. Auf eine Erneuerung weist die Jahreszahl 1693 auf der Wetterfahne und dem mittleren Joch des Glockenstuhls hin. Damals oder bei einer Reparatur 1766 entstand an Stelle des durch Sturmschäden zerstörten alten Turmabschlusses das leicht geschweifte Pyramidendach, dessen Konstruktion 1994 erneuert wurde.[1]
Wiederholt waren Instandsetzungen in der Kirche nötig (zum Beispiel zum Anfang des 18. Jahrhunderts). Die aufgedoppelten Türblätter mit Rauten- beziehungsweise Fischgrätmuster zeigen barocke Formen. 1833 wurden durch Maurermeister Splettstößer aus Alt Ruppin einige Schwellen ersetzt, Innen- und Außenputz erneuert sowie das Dach ausgebessert. Bei der großen Reparatur 1856/57 durch Zimmermeister Klagemann aus Lindow und Maurermeister Bracklow aus Gransee erfolgten unter anderem die Erneuerung der Schwellen sowie einiger Stiele und Riegel der Fachwerkwände, der Fußbodenpflasterung, des Innen- und Außenputzes, der Dachdeckung sowie der Vereinheitlichung der bis dahin unterschiedlich großen Fenster und das Einziehen neuer Balken.
Seit 1866 bemühte sich die Gemeinde um eine Vergrößerung der Kirche. Pläne von Kreisbaumeister Kromey von 1869 aus Neuruppin zum Ausbau eines Querschiffs und einer Polygonalen Apsis als Ziegelbauten in neugotischen Formen wurden nicht ausgeführt. Stattdessen entstand schließlich 1870 die über fünf Seiten eines Achtecks errichtete Apsis als einfache Fachwerkkonstruktion, ausgeführt von Zimmermeister Klagemann.
Zu den Maßnahmen der grundlegenden Instandsetzung der Kirche unter Regierungsbaurat Neumann 1934 - 39 gehören die Erneuerung der Schwellen, einzelner Stielfüße, der Dachdeckung und der Verbretterung des Turms sowie die Entfernung der Orgelempore auf der Südseite (von 1881) und die Neufassung des Innenraums durch den Berliner Kunstmaler Erich Kistenmacher (Decke, Gestühlstüren, Empore in "bläulicher Art" gestaltet).[1]
Im Inneren der Kirche gibt es eine Westempore mit einer kassettierten Brüstung, die im Jahr 1939 polychromiert wurde, sowie Kastengestühl, das wahrscheinlich im Rahmen einer Instandsetzung im Jahr 1766 installiert wurde. Der hölzerne Kanzelkorb stammt aus dem 17. Jahrhundert und wurde in den Jahren 1866/70 erneuert. Die Holztaufe stammt aus dem Jahr 1972 und verfügt über eine Zinnschale aus dem Jahr 1685. Zwei wichtige Stücke aus der Bauzeit der Kirche, Altaraufsatz und Taufe, waren 1938 zur Restaurierung nach Berlin gegeben worden und kehrten nach Kriegsende nicht zurück. Während sich der Altaraufsatz von 1589 (jetzt in der Paul-Gerhat-Kirche in Berlin-Schöneberg) ging die hölzerne Taufe (mit Figurenschmuck, spätes 16. Jahrhundert, sechseckig in Kelchform mit gemaltem Christus und Evangelisten) verloren. In denn Nachkriegswirren kamen auch ein Kruzifix aus dem 16. Jahrhundert, ein weiteres von 1827 und verschiedene Bilder abhanden.
Ein Opferstock stammt aus dem 17. Jahrhundert. Gesondert unter Denkmalschutz steht eine Bronzeglocke, die einer Inschrift zufolge im Jahr 1721 von Glockengießer Christian Sigismund Mebert aus Neuruppin gefertigt wurde.
1964 verursachte ein Blitzeinschlag Schäden (Orgel von 1881 und die bleiverglasten Fenster zerstört). 1966 - 1969 erfolgte eine Renovierung; 1968 kurz vor Abschluss der Arbeiten kam es zum erneuten Blitzeinschlag. Danach überstrich man die Innenraumeinfassung von 1938. Bei der durchgehenden Erneuerung des schadhaften Kirchenbaus, 1993 - 1995, wurden beträchtliche Teile der Fachwerkkonstruktion ausgetauscht, die Ausfachungen weitgehend in Ziegeln erneuert, ein neues Turmdach aufgesetzt, das Innere umgestaltet und das Schiff mit einer neuen Biberschwanz-Doppeldeckung versehen.
Literatur
- Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Brandenburg. Bearbeitet von Gerhard Vinken und anderen, durchgesehen von Barbara Rimpel. Deutscher Kunstverlag, München / Berlin 2012, ISBN 978-3-422-03123-4, S. 1087.
- Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland – Denkmale in Brandenburg Band 13.2: Landkreis Ostprignitz-Ruppin, bearbeitet von Ulrike Schwarz, Matthias Metzler u. a., Worms 2003, S. 366 ff.
Weblinks
- Dorfkirche Strubensee in der Denkmaldatenbank des Landes Brandenburg
- Evangelische Kirche Strubensee auf der Website des Kirchenkreises Oberes Havelland
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Ulrike Schwarz, Matthias Metzler: Denkmale in Brandenburg, Landkreis Ostprignitz-Ruppin. In: Im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (Hrsg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. 1. Auflage. Band 13.2. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms am Rhein 2003, ISBN 3-88462-191-2, S. 366 - 369.
Koordinaten: 52° 57′ 36,3″ N, 13° 1′ 10,4″ O