Dorfkirche Lühnsdorf

Die evangelische, denkmalgeschützte Dorfkirche Lühnsdorf steht in Lühnsdorf, einem Gemeindeteil der Stadt Niemegk im Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenkreis Mittelmark-Brandenburg der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Geschichte

Die Saalkirche wurde in den Jahren 1897/1898 aus Backsteinen im neuromanischen Stil erbaut, nachdem ein mittelalterlicher Vorgängerbau wegen Baufälligkeit im Jahr 1897 abgerissen werden musste. Dem voraus gingen umfangreiche Überlegungen, das baufällig gewordene Gebäude zu sanieren. Den Entwurf sowie die Kostenplanung hierfür übernahm der Bauinspektor Starker. Der Maurermeister Brüning aus Niemegk legte den Entwurf für einen Neubau mit den Grundmaßen 48 Fuß lang, 24 Fuß breit und 14 Fuß hoch vor.[1] Die Kosten wurden auf 977 Reichstaler und 20 Silbergroschen geschätzt und die Sanierung bis zum 15. August 1830 durchgeführt. Allerdings zeigten sich bereits 30 Jahre später erneut erhebliche Mängel am Bauwerk. Für eine Reparatur am Dach erstellte die Firma August Tittel aus Niemegk einen Kostenvoranschlag von 107 Talern und 15 Silbergroschen. Bei einer Inaugenscheinnahme am 12. November 1869 stellten die Verantwortlichen jedoch fest, dass eine erneute Reparatur unwirtschaftlich sei und erwogen einen Neubau.[2] Nun wurde der Bauinspektor Köhler unter Mitwirkung des Maurermeisters Eiserbeck aus Belzig und Köhlers aus Niemegk beauftragt, sowohl Reparatur-, wie auch Neubauvorschläge zu unterbreiten. Ein erneutes Gutachten des Baurats Köhler aus dem Jahr 1894 ergab einen dringenden Handlungsbedarf, der schließlich dazu führte, dass am 20. August 1897 mit dem Abbruch begonnen wurde.[3] Die Arbeiten wurden innerhalb eines Jahres ausgeführt und kosteten rund 13.000 Mark.[4] Die Kirchweihe fand am 18. September 1898[5] unter der Leitung des Generalsuperintendenten Dyrander aus Berlin[6] statt. Geplant war, Königin Auguste Viktoria einzuladen, die jedoch am 50-jährigen Jubiläum der Friedenskirche in Potsdam teilnahm.[4]

Bereits sechs Jahre nach seiner Fertigstellung entdeckte der Königliche Bauinspektor erste Mängel am Bauwerk: In der Apsis waren weiße Flecken erkennbar, die als Salzausblühungen der salpeterhaltigen Ziegelsteine interpretiert wurden. Der seinerzeit mit der Ausmalung beauftragte königliche Hofmaler Maler Max André schlug vor, den Putz abzutragen und eine Sperrschicht aufzutragen. Die anschließende neue Ausmalung erfolgte 1906.[7] Im Jahr 1977 wurde die zuvor mit Getreideähren und Weinranken verzierte Mensa monochrom überfasst. Die Wandmalereien in der Apsis war Bestandteil einer Bachelorarbeit, die in den Jahren 2015/2016 von einem Studierenden der Fachhochschule Potsdam durchgeführt wurde. Die Wandmalerei war zu diesem Zeitpunkt in einem schlechten Zustand und sollte saniert werden. Als Referenz dienten die benachbarte Dorfkirche Trebitz sowie weitere Kirchen aus der Umgebung, die ebenfalls von Max André[8] aus Potsdam gestaltet bzw. ihm zugeschrieben wurden. Nachdem der Mauerwerksaufbau analysiert wurde, erfolgte eine Bestandsaufnahme der verwendeten Bindemittel und Pigmente. Anschließend wurde mit Hilfe von UV-Licht der maltechnische Aufbau erfasst werden. Daraufhin erfolgte eine Salzanalytik, mit dessen Hilfe die Gipskrusten und Kalkschleier reduziert werden konnten.[7]

Architektur

Die Kirche besteht aus einem Langhaus, aus dessen Satteldach sich im Westen ein Dachturm erhebt, der mit einem schiefergedeckten Aufsatz versehen und mit einem spitzen Helm bedeckt wurde, und einer Apsis im Osten. In der Fassade im Westen befindet sich das von einer Ädikula umrahmte Portal.

Ausstattung

Die hölzerne Kirchenausstattung ist in ihrer Polychromie fast unverändert erhalten. Die Mensa ist aus Stein gearbeitet und in einer hellen Farbgebung gestaltet worden. Die hölzerne fünfseitige Kanzel ist mit den Bildern der Evangelisten sowie Johannes der Täufer verziert und stammt aus der Bauzeit.[9] Der Taufstein wurde aus Alabaster im Stil des Spätklassizismus gearbeitet und ist eine Stiftung des Werdermühler Müllermeisters Johann Friedrich Car Kuhlmey aus dem Jahr 1835.[10] Das Gemälde von Maria mit dem Jesuskinde ist eine Stiftung von Otto Friedrich Bernhard vom 7. Februar 1861. Es wurde 1898 restauriert.[11]

Die Orgel wurde 1898 von Friedrich Wilhelm Lobbes gebaut. Ihre fünf Register verteilen sich auf ein Manual und Pedal.[12] Die Kirchengemeinde musste die Orgelpfeifen aus Zinn im Jahr 1918 abgeben; sie gingen verloren und wurden 1920 durch die Alexander Schuke Potsdam Orgelbau ersetzt.[13] Eine Restaurierung des Instruments erfolgte 1975 durch den Mitteldeutschen Orgelbau A. Voigt sowie 2019 durch Jörg Dutschke.[14] Im Turm hängt eine Glocke aus dem Vorgängerbau. Sie ist aus Bronze gearbeitet und wurde 1616 von Heinrich Borstelmann in Magdeburg gegossen.[5] Eine ursprünglich vorhandene, größere Glocke war 1825 gesprungen und ging im Ersten Weltkrieg im Jahr 1917 verloren. Sie trug die Inschrift Jesus gestern und heute derselbe auch in Ewigkeit.[15] An der Außenseite der Apsis befinden sich zwei barocke Epitaphe. Eines erinnert an die am 25. Februar 1765 verstorbene Johanna Rosina Gottschald, die Frau des ehemaligen Pfarrers Immanuel Gottschald. Der andere Grabstein erinnert an den 1760 verstorbenen Müller Gottlieb Clemann sowie seine 24 Jahre später verstorbene Ehefrau Elisabeth.[16]

Literatur

  • Gerhard Vinken, Barbara Rimpel, u. v. a.: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Brandenburg. Hrsg. Georg-Dehio-Nachfolge-Dehio-Vereinigung e. V., Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2012, S. 669.
  • Evangelische Kirchengemeinden Buchholz, Grubo, Klepzig, Mützdorf, Lehnsdorf, Lühnsdorf, Raben, Rädigke im Pfarrsprengel Rädigke-Belzig: Die Kirche in Lühnsdorf, ohne Datumsangabe, S. 8, Auslage in der Kirche, Oktober 2025.
  • Die Kirche Lühnsdorf hat Geburtstag am 23. September 2023 – Eine kleine Festschrift, ohne Datumsangabe, S. 20, Auslage in der Kirche, Oktober 2025.
Commons: Dorfkirche Lühnsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Die Kirche Lühnsdorf hat Geburtstag am 23. September 2023 – Eine kleine Festschrift, ohne Datumsangabe, S. 2, Auslage in der Kirche, Oktober 2025.
  2. Die Kirche Lühnsdorf hat Geburtstag am 23. September 2023 – Eine kleine Festschrift, ohne Datumsangabe, S. 3, Auslage in der Kirche, Oktober 2025.
  3. Die Kirche Lühnsdorf hat Geburtstag am 23. September 2023 – Eine kleine Festschrift, ohne Datumsangabe, S. 4, Auslage in der Kirche, Oktober 2025.
  4. a b Die Kirche Lühnsdorf hat Geburtstag am 23. September 2023 – Eine kleine Festschrift, ohne Datumsangabe, S. 5, Auslage in der Kirche, Oktober 2025.
  5. a b Evangelische Kirchengemeinden Buchholz, Grubo, Klepzig, Mützdorf, Lehnsdorf, Lühnsdorf, Raben, Rädigke im Pfarrsprengel Rädigke-Belzig: Die Kirche in Lühnsdorf, ohne Datumsangabe, Auslage in der Kirche, Oktober 2025, S. 2.
  6. Die Kirche Lühnsdorf hat Geburtstag am 23. September 2023 – Eine kleine Festschrift, ohne Datumsangabe, S. 8, Auslage in der Kirche, Oktober 2025.
  7. a b Lisa Kienow: Die Apsis der Dorfkirche in Lühnsdorf (PM), Bachelosthesis im WS 2015/2016 der Fachhochschule Potsdam, Studiengang Konservierung und Restaurierung von Waldmalerei und historischer Architekturfarbigkeit, Aushang einer Infotafel in der Kirche, Oktober 2025.
  8. Vgl. Andreas Kitschke: Die Kirchen der Potsdamer Kulturlandschaft. Lukas Verlag, Berlin, ISBN 978-3-86732-248-5, S. 167.
  9. Evangelische Kirchengemeinden Buchholz, Grubo, Klepzig, Mützdorf, Lehnsdorf, Lühnsdorf, Raben, Rädigke im Pfarrsprengel Rädigke-Belzig: Die Kirche in Lühnsdorf, ohne Datumsangabe, Auslage in der Kirche, Oktober 2025, S. 7.
  10. Evangelische Kirchengemeinden Buchholz, Grubo, Klepzig, Mützdorf, Lehnsdorf, Lühnsdorf, Raben, Rädigke im Pfarrsprengel Rädigke-Belzig: Die Kirche in Lühnsdorf, ohne Datumsangabe, Auslage in der Kirche, Oktober 2025, S. 3.
  11. Die Kirche Lühnsdorf hat Geburtstag am 23. September 2023 – Eine kleine Festschrift, ohne Datumsangabe, S. 10, Auslage in der Kirche, Oktober 2025.
  12. Information zur Orgel beim Institut für Orgelforschung Brandenburg
  13. Die Kirche Lühnsdorf hat Geburtstag am 23. September 2023 – Eine kleine Festschrift, ohne Datumsangabe, S. 18, Auslage in der Kirche, Oktober 2025.
  14. Informationen zur Orgel auf Organ index. Abgerufen am 14. März 2023.
  15. Die Kirche Lühnsdorf hat Geburtstag am 23. September 2023 – Eine kleine Festschrift, ohne Datumsangabe, S. 12, Auslage in der Kirche, Oktober 2025.
  16. Evangelische Kirchengemeinden Buchholz, Grubo, Klepzig, Mützdorf, Lehnsdorf, Lühnsdorf, Raben, Rädigke im Pfarrsprengel Rädigke-Belzig: Die Kirche in Lühnsdorf, ohne Datumsangabe, Auslage in der Kirche, Oktober 2025, S. 4.

Koordinaten: 52° 4′ 53″ N, 12° 38′ 29,7″ O