Dorfkirche Kirchhasel

Die evangelische Dorfkirche Sankt Ursula befindet sich in dem Ortsteil Kirchhasel der Gemeinde Uhlstädt-Kirchhasel im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt in Thüringen.

Lage

Wenige Meter südlich der von Rudolstadt nach Jena führenden Bundesstraße 88 steht diese Dorfkirche im Ortsteil der Gemeinde Uhlstädt-Kirchhasel am Nordrand der Saaleaue.

Kirchturm

Eine Besonderheit der denkmalgeschützten Kirche ist der etwa 14 Meter hohe Turm an der Nordseite des gotischen Langhauses.[1] Er ist einer der seltenen runden Kirchtürme, der Anfang des 14. Jahrhunderts ursprünglich als Wehr- und Wartturm und erst im folgenden Jahrhundert als Kirchturm genutzt wurde.[2] Im unteren Teil kreisförmig gemauert, ist sein Querschnitt oben achteckig. Die Außenflächen des romanischen Rundturms sind mit Fensteröffnungen und Luken versehen.[3] Der Achteckaufsatz mit großen spitzbogigen Schallöffnungen wurde etwa um 1500 ergänzt.[4] Der Turmhelm aus dem 18. Jahrhundert ist schlank und geradlinig zur Spitze zulaufend.[5] Kleine klassizistische Giebel zieren das Gesims vor der Spitzhaube.[6] Im Erdgeschoss befinden sich an der Turmostseite ein gemauerter Altar und eine rechteckige Sakramentsnische.[7]

Kirchenschiff

Das mittelalterliche Langhaus, als einfaches Rechteck am Turm angesetzt, weist keinerlei Reste einer Bewehrung auf.[8] Ein Steinmetzzeichen neben dem Portal, das Bild des heiligen Franziskus mit einem Kranz in der Hand, das sogenannte „Kirchhaseler Hammermännchen“, weist auf die Entstehung vor 1500 hin. 1669 wurde das Langhaus unter Erhaltung gotischer Details neu errichtet[9] und 1862–64 instandgesetzt. Der Saal, von Holztonne überwölbt, besitzt an vier Seiten Emporen des 19. Jahrhunderts. An der Südseite befindet sich ein Sakristeianbau von 1862. Das Kircheninnere wurde 1968–70 umfassend erneuert und enthält eine wertvolle Ausstattung.[10]

Altar

Der spätgotische Schnitzaltar der Saalfelder Schule entstand um 1500. Als Flügelaltar zeigt er in zwei Reihen übereinander angeordnete Figuren der Heiligen in lebhafter Bewegung, die sonst in anderen Altären still verharrend und elegisch blickend dargestellt sind.[11] Im Mittelschrein steht die Strahlenkranzmadonna, flankiert von Heiligenfiguren, diese sind im Schrein in zwei Registern angeordnet: oben Elisabeth (links) und Magdalena (rechts), darunter Petrus (links) und Paulus (rechts). An den Innenseiten der Flügel analoge Ordnung: linker Flügel oben Aegidius und ein Bischof, darunter Martin und Laurentius; rechter Flügel oben Nikolaus und Ulrich, darunter Katharina und Barbara. Die Flügelaußenseiten enthält die gemalte Darstellung des Martyriums der heiligen Ursula, die der Kirche den Namen gab.

Kanzel

Der auf einer Säule stehende Kanzelkorb aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts enthält in seinen rundbogigen Brüstungsfeldern Gemälde: Moses, das Jesuskind, Christus als Auferstehender sowie Petrus, Paulus und die vier Evangelisten. Die Kanzel ist wahrscheinlich bei der Kircheninstandsetzung 1864 verändert worden, weil seitdem der Treppenzugang aus der außen angebauten Sakristei erfolgte. Vorher befand sich die Treppe sicher an der Kircheninnenwand auf der Ostseite der Kanzel.[12]

Orgel

Die ursprüngliche Orgel wurde 1722 von Johann Conrad Vockeroth, Orgelbauer in Löbschütz, erbaut. Ein erster bislang bekannter Eingriff wurde 1886 vorgenommen. Die Gemeinde Kirchhasel kaufte 1898 die Orgel der abgerissenen Garnisonkirche Rudolstadt an. Der Orgelbauer Hermann Muth aus Paulinzella führte 1899 in einem Um- und Erweiterungsbau beide Instrumente zu einer zweimanualigen Orgel zusammen. Der heutige Zustand stammt von dem neobarockisierenden Umbau 1971 durch Orgelbauer Schüßler aus Greiz. Der Prospekt der Orgel ist original aus dem Jahr 1722 erhalten.[13]

Seelsorge

  • 1895–1927 Jungermann, Jakob Heinrich Wilhelm
  • 1927–1935 Schroeter, Hermann Karl
  • 1935–1947 Stock, Georg Wilhelm Gerhard
  • 1948–1955 Bedbur, Werner Otto
  • 1956–1966 Unbekannt, Oskar Paul Wilhelm Friedrich
  • 1968–1979 Bräutigam, Rainer Martin
  • 1981–1992 Forchmann, Volkmar Ernst Karl
  • 1993–2002 Weiland, Gotthard
  • 2003–2015 Knoche, Stefan Friedemann
  • 2018–2025 Hertel, Bärbel
Commons: St. Ursula (Kirchhasel) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Heinz Deubler: Rudolstadt und das mittlere Saaletal. Ergebnisse der landeskundlichen Bestandsaufnahme im Raum Remda, Rudolstadt und Orlamünde. In: Luise Grundmann im Auftrag des Instituts für Länderkunde Leipzig (Hrsg.): Werte der deutschen Heimat. Band 58. Verlag Hermann Böhlhaus Nachfolger, Weimar 1998, ISBN 3-7400-0934-9, S. 184.
  2. Martin Weber: Wehrhafte Kirchen in Thüringen. In: Beiträge zur Thüringischen Kirchengeschichte. Nr. 6. Zitiert nach Herbert von Hintzenstern: Dorfkirchen in Thüringen. 4. Auflage. Evangelische Verlagsanstalt Berlin, Berlin 1990, ISBN 3-374-00446-6, S. 149.
  3. Heinz Deubler: Rudolstadt und das mittlere Saaletal. Ergebnisse der landeskundlichen Bestandsaufnahme im Raum Remda, Rudolstadt und Orlamünde. In: Luise Grundmann im Auftrag des Instituts für Länderkunde Leipzig (Hrsg.): Werte der deutschen Heimat. Band 58. Verlag Hermann Böhlhaus Nachfolger, Weimar 1998, ISBN 3-7400-0934-9, S. 184.
  4. Lieselotte Swietek: Dorfkirchen in Thüringen (= Werner Herrmann [Hrsg.]: Kleine Thüringen-Bibliothek). Verlagshaus Thüringen in der Verlag und Druckerei Fortschritt Erfurt GmbH, Erfurt 1992, ISBN 3-86087-014-9, S. 53.
  5. Heinz Deubler: Rudolstadt und das mittlere Saaletal. Ergebnisse der landeskundlichen Bestandsaufnahme im Raum Remda, Rudolstadt und Orlamünde. In: Luise Grundmann im Auftrag des Instituts für Länderkunde Leipzig (Hrsg.): Werte der deutschen Heimat. Band 58. Verlag Hermann Böhlhaus Nachfolger, Weimar 1998, ISBN 3-7400-0934-9, S. 184.
  6. Lieselotte Swietek: Dorfkirchen in Thüringen (= Werner Herrmann [Hrsg.]: Kleine Thüringen-Bibliothek). Verlagshaus Thüringen in der Verlag und Druckerei Fortschritt Erfurt GmbH, Erfurt 1992, ISBN 3-86087-014-9, S. 53.
  7. Heinz Deubler: Rudolstadt und das mittlere Saaletal. Ergebnisse der landeskundlichen Bestandsaufnahme im Raum Remda, Rudolstadt und Orlamünde. In: Luise Grundmann im Auftrag des Instituts für Länderkunde Leipzig (Hrsg.): Werte der deutschen Heimat. Band 58. Verlag Hermann Böhlhaus Nachfolger, Weimar 1998, ISBN 3-7400-0934-9, S. 185.
  8. Martin Weber: Wehrhafte Kirchen in Thüringen. In: Beiträge zur Thüringischen Kirchengeschichte. Nr. 6. Zitiert nach Herbert von Hintzenstern: Dorfkirchen in Thüringen. 4. Auflage. Evangelische Verlagsanstalt Berlin, Berlin 1990, ISBN 3-374-00446-6, S. 149.
  9. Lieselotte Swietek: Dorfkirchen in Thüringen. Verlagshaus Thüringen, 1990, ISBN 3-86087-014-9, S. 53.
  10. Heinz Deubler: Rudolstadt und das mittlere Saaletal. Ergebnisse der landeskundlichen Bestandsaufnahme im Raum Remda, Rudolstadt und Orlamünde. In: Luise Grundmann im Auftrag des Instituts für Länderkunde Leipzig (Hrsg.): Werte der deutschen Heimat. Band 58. Verlag Hermann Böhlhaus Nachfolger, Weimar 1998, ISBN 3-7400-0934-9, S. 185.
  11. Heinz Deubler: Rudolstadt und das mittlere Saaletal. Ergebnisse der landeskundlichen Bestandsaufnahme im Raum Remda, Rudolstadt und Orlamünde. In: Luise Grundmann im Auftrag des Instituts für Länderkunde Leipzig (Hrsg.): Werte der deutschen Heimat. Band 58. Verlag Hermann Böhlhaus Nachfolger, Weimar 1998, ISBN 3-7400-0934-9, S. 185.
  12. Jürgen Weyer: Die Kirche in Kirchhasel. (PDF) In: https://weyer-kirchhasel.jimdofree.com/. Jürgen Weyer, 9. September 2018, S. 6, abgerufen am 9. Juni 2025.
  13. Normann Görl: Bericht über die Reinigung der Orgel in der Kirche Kirchhasel. Kirchhasel 2. August 2011 (Kirchenarchiv Kirchhasel).

Koordinaten: 50° 43′ 50″ N, 11° 23′ 42″ O