Dorfkirche Gnewikow
| Dorfkirche Gnewikow | ||
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Ansicht der Kirche im Jahr 2018 | ||
| Daten | ||
| Ort | Gnewikow, Gutsstraße 37, 16818 Neuruppin | |
| Bauherrin | Kirchengemeinde Gnewikow | |
| Baustil | Spätgotik[1] | |
| Baujahr | 1470er: Chorquadrat, 1510 Kirchenschiff | |
| Bauzeit | vor 1510 | |
| Koordinaten | 52° 53′ 17,63″ N, 12° 50′ 2,35″ O | |
Die evangelische Dorfkirche Gnewikow steht in Gnewikow, einem Ortsteil der Kreisstadt Neuruppin im Landkreis Ostprignitz-Ruppin von Brandenburg. Die Kirche gehört zur Gesamtkirchengemeinde Protzen-Wustrau-Radensleben im Kirchenkreis Wittstock-Ruppin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Das im oder vor dem 16. Jahrhundert errichtete Gotteshaus ist denkmalgeschützt.
Lage
Das geostete Kirchengebäude steht an der Gutsstraße, die ein Teil der Kreisstraße K6828 ist. Es wird vom ehemaligen Kirchhof umgeben.
Geschichte
Bereits im 13. Jahrhundert wird in alten Dokumenten eine Kirche im Ort Gnewikow erwähnt.[2] Ihr Verbleib ist nicht dargestellt. Aus dem Baumaterialmix der heutigen Kirche kann geschlussfolgert werden, dass sie abgebrochen und Reste für ein späteres Kirchengebäude wiederverwendet wurden.
Nach einem durch den Bauingenieur Hagen Schmaler (mit einem Büro in Berlin) in den Jahren 2006/2007 erstellten restauratorischen Baugutachten lag der Baubeginn des heutigen Gotteshauses bereits im Jahr 1473. Das wird durch die vom Denkmalamt veranlasste dendrochronologische Untersuchung des für den Dachstuhl verwendeten Holzes bestätigt. Als erste Bauteile der Kirche entstanden somit der Chor mit der nördlich angebauten Sakristei mit ihrem Rautenfachwerkgiebel. Das Kirchenschiff wurde um 1500 aufgemauert.[3]
Die Saalkirche wurde bis zum Jahr 1510 überwiegend aus Feldsteinen im frühgotischen Stil fertig gebaut.
Im Jahr 1516 bekam das Satteldach des Langhauses auf seiner Westseite einen schiefergedeckten hölzernen Dachturm aufgesetzt. Darauf erhebt sich ein Dachreiter mit Turmuhr, der mit einem runden Spitzhelm abgeschlossen ist. Darüber befinden sich eine Wetterfahne und ein metallenes Kreuz.
An der westlichen Innenwand des Kirchenschiffes wurde im 17. Jahrhundert in ganzer Breite eine Empore eingebaut. Sie ruht auf einer dicken vierkantigen mittig platzierten hölzernen Säule, die sich ganz oben an drei Punkten an der Decke abstützt oder diese mit stützt.[4]
Im 17. oder 18. Jahrhundert ließ die Kirchengemeinde die Fensteröffnungen vergrößern.[1] Das Dach und die Turmverbretterung wurden 1862 erneuert. Einige der altertümlichen zugespitzten Dachbiber blieben erhalten.[4]
Theodor Fontane war bei seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg auch in dem Ort und beschrieb seinen Eindruck wie folgt: „Das erstere [Gnewikow] tritt aus dem Schilf- und Waldufer am deutlichsten hervor und ist mit seinem Kirchturm und seinen Bauernhäusern eine besondere Zierde des Sees.“[5][3]
Im Jahr 1959 konnten mit staatlicher Finanzhilfe der Innenraum restauriert und das Dach umgedeckt werden.[1] Doch bald musste die Kirche „stillgelegt“ werden, da sie einsturzgefährdet war und kein Geld für die Restaurierung zur Verfügung stand, so blieb es bis 1990.[4]
Nach der deutschen Wiedervereinigung und nach der Bildung des (neuen) Bundeslandes Brandenburg gründete sich im Jahr 1998 der Förderverein Dorfkirche Gnewikow, der im Juni 1999 in das Vereinsregister eingetragen wurde.[6] Der Verein hat sich zunächst für eine Wiederöffnung der Kirche für Gottesdienste erfolgreich eingesetzt. Seitdem sammeln die 24 Mitglieder zusammen mit dem Förderkreis Alte Kirchen in Berlin-Brandenburg (Stand Oktober 2025) durch Konzerte, Filmvorführungen, saisonale Märkte oder Ausstellungen regelmäßig Spendengelder für Sanierungsarbeiten.[7] Zu diesen Aktivitäten zählt auch ein speziell angefertigter Taler aus Ton, der unter anderem im Fontane-Laden in Neuruppin für 10 Euro verkauft wird[8] sowie Einnahmen durch den Verkauf von Kaffee und Kuchen bei Öffnung der Kirche für Touristen und Interessenten[9].
Die Kirche wurde im März 2025 von der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (KiBa) als Kirche des Monats ausgewählt.[10][1]
Das oben genannte bauliche Gutachten aus den 2000er Jahren, mit Unterstützung des Förderkreis(es) Alte Kirchen in Berlin-Brandenburg erstellt, dient auch als Grundlage für die notwendige schrittweise Restaurierung des historischen Bauwerks. Im Sommer 2025 konnte ein erster Bauabschnitt zur Sanierung des Kirchturms begonnen werden. Eine Wetterfahne aus Spenden ist bereits fertiggestellt, die aber wegen des schlechten Turmzustandes noch nicht aufgesetzt werden konnte. Nun sollen das Dach sowie die Außenmauer instandgesetzt werden.[11] Die dafür erforderliche Summe wird mit 274.000 Euro beziffert. Bis zum geplanten Baubeginn kam ein großer Teil des Betrags wie folgt zusammen: von staatlicher Seite (70.000 Euro aus dem Staatskirchenvertrag), aus dem Kirchensäckel (je 30.000 Euro von der Landeskirche und vom Kirchenkreis) sowie 20.000 Euro von der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland, 10.000 Euro von der Kirchengemeinde Protzen, Wustrau, Radensleben, durch Firmenspenden, z. B. spendeten die soziale Stiftung Neuruppin und die Sparkasse je 10.000 Euro, die Neuruppiner Stadtwerke 3000 Euro und die Lions-Frauen 1000 Euro, also insgesamt rund 184.000 Euro. Der erste Bauabschnitt konnte somit beginnen. Im zweiten Bauabschnitt, für den noch Geld gesammelt werden muss, ist die Sanierung des Kirchenschiffes vorgesehen.[5]
Architektur
Außen
Das Kirchenbauwerk besteht zu großen Teilen aus einem Mischmaterial aus Feldsteinen, Backsteinen und Ziegelbruch.[12] Die gesamte Fassade wurde in der Barockzeit verputzt, der Putz witterte dann nach und nach ab und ist nun (in den 2020er Jahren) nur noch in kleinsten Resten nachweisbar.[4]
Der Kirchturm mit einer quadratischen Grundfläche ist in das Dach des Kirchenschiffes auf der westlichen Seite eingebunden. Darauf erhebt sich ein schlanker Dachreiter, der mit einem runden pyramidenförmigen Spitzhelm abschließt.[12] Turm und Reiter sind mit Schiefer verkleidet bzw. gedeckt. Ursprünglich soll der Turm mit Biberschwanzziegeln und darüber einer Lage Holzschindeln gedeckt gewesen sein.[4]
Im Dachreiter hingen ursprünglich zwei kleine Kirchenglocken. In den 2020er Jahren ist eine davon noch erhalten, allerdings sind ihre Aufhängung und der Glockenkörper reparaturbedürftig.[13]
Das Langhaus hat im Osten einen Chor mit dreiseitigem Schluss. Es verfügt über zwei spitzbogige Eingänge auf der Südseite, das frühere „Gemeindeportal“ und die „Priesterpforte“. Ebenfalls auf der Südseite sind drei Segmentbogen-Sprossenfenster eingearbeitet, die in der Barockzeit vergrößert worden sind. Die Hauptachse des Kirchenschiffes ist etwa 20 Meter lang und es ist knapp 10 Meter breit.[14]
Die Laibungen der Fenster und Portale bestehen aus Backsteinen.
Vom Erdboden bis zur Turmspitze ist das Bauwerk geschätzt rund 15 Meter hoch.
Innen
Eine Holzbalkendecke überspannt den Innenraum. Der Altarraum bekommt durch drei Segmentbogenfenster Tageslicht, das Glas ist nicht farbig.
Das Kirchenschiff wird durch einen Mittelgang geteilt, zu beiden Seiten befinden sich einfache hell gestrichene Holzbänke mit schmalen Wangen. Die Bänke sind für rund 100 Besucher ausgelegt.[3] Weitere Plätze befinden sich auf der Orgelempore.
Ausstattung
Überblick
Von der ursprünglichen Ausstattung im Renaissancestil aus dem 16. und 17. Jahrhundert sind viele Stücke erhalten, insbesondere Altar und Kanzel als ausdrucksstarke Schnitzerei, der Taufstein und die Kirchenbänke. Auch historische Wandmalerei ist unter mehreren Farbschichten teilweise sichtbar.[3] Eine Sakramentsnische aus der Zeit vor der Reformation ist an der Nordwand des Chorraumes erkennbar.[4]
Altar, Kanzel, Taufe
Das wichtigste Ausstattungsstück ist der zweistöckige Altar, auf dessen Altarretabel sich (übereinander) Ölgemälde vom Abendmahl und der Kreuzigung befinden.[12]
Ebenfalls dazu gehören die oben genannte historische Kanzel und die kelchförmige hölzerne Taufe südlich neben dem Altar platziert, die aus dem 17. Jahrhundert stammt.[12] Der Kanzelkorb ruht auf vier hölzernen Stützen, seine Brüstung ist mit Beschlagwerk dekoriert. Er trägt an seiner Außenseite Bilder von Christus und den Evangelisten.[4]
Die liturgischen Gegenstände wie Messbecher oder Monstranzen gingen durch die Kriege und in den großen politischen Umbrüchen im 19. und 20. Jahrhundert verloren.[3]
Von der Decke hängen mehrere einfache Pendelleuchten herab, mittig über dem Eingangsbereich gibt es auch einen metallenen Kronleuchter.[4]
Orgel
Die Orgel eines unbekannten Erbauers mit fünf Registern auf einem Manual und Pedal wurde im Jahr 1919 hierher auf die Westempore umgesetzt.[15] Sie ersetzte wohl ein früheres Instrument, von dem noch einige hölzerne Pfeifen im Nachfolgeinstrument vorhanden sind.[4]
Seelsorge und Sonstiges
Die Gesamtkirchengemeinde organisiert in ihren Filialbereichen die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die gemeindliche Bildung, die Kirchenmusik sowie sozialdiakonische Aufgaben.
Das Pfarramt wurde seit der Wiederöffnung der Kirche bis zum Jahr 2024 von Pfarrerin Ute Feuerstack geleitet, ihr folgte die Pfarrerin Rose Möllhoff-Mylius aus Wustrau.[3][4]
In den 1840er Jahren ist ein Pfarrer Meyer im Kirchenbuch dokumentiert.
Die Kirche in Gnewikow kann – möglichst nach vorheriger Anmeldung – zwischen Mai und September an jedem ersten Sonntag im Monat zwischen 14:00 und 16:00 Uhr besichtigt werden.[3] Sie ist dann eine offene Kirche.[12]
Der Förderverein sorgt dafür, dass sich diese Kirche auch regelmäßig am Tag des offenen Denkmals beteiligt.
Literatur
- Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Brandenburg. Bearbeitet von Gerhard Vinken, durchgesehen und erweitert von Barbara Rimpel; Deutscher Kunstverlag 2012, S. 383–84.
- Hagen Schmaler: Dorfkirche Gnewikow / Ostprignitz-Ruppin. Dokumentation und Bauhistorische Bewertung, Bauaufnahme und Restauratorisches Gutachten, Schadensanalyse und Maßnahmeempfehlungen (Masterarbeit), 2007.
Weblinks
- Eintrag zur Denkmalobjektnummer 09170269 in der Denkmaldatenbank des Landes Brandenburg
- Webauftritt der Gesamtkirchengemeinde. kirche-wittstock-ruppin.de, abgerufen im Jahr 2025.
- Musikschulen öffnen Kirchen. Abgerufen am 7. Oktober 2025 (Unter „Gezupft und gestrichen“ präsentieren das Gitarren- und das Streicherensemble der Kreismusikschule Ostprignitz-Ruppin ein buntes Programm in der Kirche Gnewikow).
- Kirche Gnewikow im Ruppiner Seenland. outdooractive.com, abgerufen am 5. Oktober 2025.
Einzelnachweise und Kommentare
- ↑ a b c d Kirche des Monats März 2025 in Gnewikow. Abgerufen am 7. Oktober 2025.
- ↑ Dr. Brodde: Kurzinfo zur Gnewikower Kirche. Abgerufen am 5. Oktober 2025.
- ↑ a b c d e f g Die Kirche Gnewikow. Abgerufen am 5. Oktober 2025.
- ↑ a b c d e f g h i j Conrad Mrusek: Dorfkirche des Monats Februar 2006, Oktober 2025. Abgerufen am 7. Oktober 2025 (mit einigen aktuellen Fotos).
- ↑ a b Andreas Vogel: Dorfkirche Gnewikow vor dem Verfall retten – Rettung in Sicht. MAZ-online.de, 13. Mai 2025, abgerufen am 5. Oktober 2025.
- ↑ Handelsregisterauszug zum Kirchenförderverein Gnewikow. Abgerufen am 7. Oktober 2025.
- ↑ Berliner Zeitung (Hrsg.): Dorfkirche des Monats steht in Ostprignitz-Ruppin. 3. Oktober 2025, S. 9.
- ↑ Förderverein Dorfkirche Gnewikow. Abgerufen am 4. Oktober 2025.
- ↑ Infobrief des Heimatvereins Neuruppin. Abgerufen am 5. Oktober 2025.
- ↑ Kirche des Monats März 2025. Stiftung KiBa, abgerufen am 21. September 2025.
- ↑ Konrad Mrusek: Werbebanner war nicht sinnlos – Die Dorfkirche Gnewikow wird endlich saniert. Hrsg.: Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, Alte Kirchen – Mitgliederzeitung des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e. V. November 2024, S. 3.
- ↑ a b c d e Kirchen und Friedhöfe in der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Wittstock Ruppin. Abgerufen am 7. Oktober 2025.
- ↑ Schriftliche Information von Ilse Krause, Mitglied im Förderverein Alte Kirchen, auf Anfrage von 44Pinguine, 3. 11. 2025.
- ↑ Mit dem Messtool von Google Earth grob bestimmt.
- ↑ Information zur Orgel. Institut für Orgelforschung Brandenburg, abgerufen im Jahr 2024 (Zugang nur über ein persönliches Passwort möglich).