Donroe-Doktrin
Die Donroe-Doktrin ist eine außenpolitische Strategie des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, die den Machtanspruch der Vereinigten Staaten auf die westliche Hemisphäre bekräftigt. Die Wortschöpfung aus Trumps Vornamen „Donald“ und der historischen Monroe-Doktrin wurde 2025 erstmals von der Boulevardzeitung New York Post geprägt. Die Doktrin markiert eine Wende in der amerikanischen Außenpolitik, indem sie eine angestrebte Vormachtstellung der USA auf dem gesamten amerikanischen Doppelkontinent hervorhebt.
Historischer Hintergrund und Begriff
Die ursprüngliche Monroe-Doktrin wurde 1823 von Präsident James Monroe formuliert und richtete sich gegen die Einmischung europäischer Mächte in den amerikanischen Doppelkontinent. Sie sollte die gerade unabhängig gewordenen lateinamerikanischen Staaten vor einer Rekolonialisierung schützen.[1][2]
Im Januar 2025 griff die New York Post den historischen Begriff auf und wandelte ihn zur „Donroe-Doktrin“ um, nachdem Trump begonnen hatte, Mexiko, Panama und andere lateinamerikanische Staaten zu bedrohen. Bei einer Pressekonferenz nach der Militäraktion in Venezuela im Januar 2026 nahm Trump diese ursprünglich satirisch gemeinte Formulierung auf und erklärte: „Die amerikanische Dominanz in der westlichen Hemisphäre wird nie mehr infrage gestellt werden“.[3]
Strategische Grundlagen
In der im Dezember 2025 veröffentlichten Strategie für nationale Sicherheit der USA räumt die Trump-Regierung der „westlichen Hemisphäre“ die höchste geopolitische Priorität ein. Das Dokument erklärt: „Nach Jahren der Vernachlässigung werden die Vereinigten Staaten die Monroe-Doktrin wieder bekräftigen und durchsetzen, um die amerikanische Vormachtstellung in der westlichen Hemisphäre wiederherzustellen“.[2]
Trump erweiterte die ursprüngliche Doktrin durch einen entscheidenden Zusatz: „Wir werden ausserkontinentalen Wettbewerbern die Fähigkeit verwehren, Streitkräfte oder andere bedrohliche Mittel zu stationieren oder strategisch wichtige Vermögenswerte in unserer Hemisphäre zu besitzen oder zu kontrollieren“. Damit knüpfte er bewusst an Theodore Roosevelt an, der 1904 die Monroe-Doktrin verschärfte und ein Interventionsrecht für die USA ableitete.[2]
Der chinesische Einfluss in Lateinamerika wird im Strategiepapier als einen weiteren Grund für die neue Doktrin genannt. China hat in den vergangenen 20 Jahren massiv in die Infrastruktur Lateinamerikas investiert und sich Zugang zu kritischen Rohstoffen gesichert. Laut dem akademischen Netzwerk lateinamerikanischer Universitäten betragen die chinesischen Direktinvestitionen in die Region seit 2000 rund 193 Milliarden US-Dollar.[2]
Umsetzung und Maßnahmen
Die Trump-Regierung hat verschiedene Instrumente eingesetzt, um die Donroe-Doktrin durchzusetzen. Dazu gehören militärische Drohungen und Aktionen, scharfe Wirtschaftssanktionen, Strafzölle, Druckkampagnen und wirtschaftliche Rettungspakete.[4]
Die USA belohnen Regierungen, die sich den Forderungen Washingtons anpassen. Argentinien unter Präsident Javier Milei erhielt Kredite von 40 Milliarden Dollar und später ein umfassendes Handels- und Investitionsabkommen. El Salvador, Ecuador und Guatemala sicherten sich neue Handelsabkommen, nachdem sie mit Washington kooperierten.[2][4]
Auf der anderen Seite wurden lateinamerikanische Staaten mit linkslastigen oder autokratischen Regierungen unter Druck gesetzt. Die USA drohten Nicaragua mit 100-prozentigen Zöllen, isolierten Kuba weiter und führten eine intensive Druckkampagne gegen Venezuela. Die Militärpräsenz in der Hemisphäre wurde auf über 15.000 Soldaten ausgebaut, und seit September 2025 führte das amerikanische Militär 21 Angriffe auf Schnellboote durch, wobei 83 Menschen getötet wurden.[2][4]
Die militärische Operation gegen Venezuela, bei der Präsident Nicolás Maduro am 3. Januar 2026 durch US-Spezialkräfte gefangen genommen und in die USA verbracht wurde, stellte die bis dahin direkteste militärische Intervention der Vereinigten Staaten in Lateinamerika seit der Invasion Panamas 1989 dar. Der Angriff galt als praktische Umsetzung der zuvor angekündigten Donroe-Doktrin und markierte einen Wendepunkt in der US-Außenpolitik gegenüber der Region.[4]
Reaktionen und Folgen
Die Financial Times warnte in einem Kommentar, dass autoritäre Führer durch Trumps Verhalten bestärkt würden und China ermutigt werden könnte, Taiwan zu unterwerfen.[3]
Die New York Times stellte fest, dass die Entmachtung von Nicolás Maduro ein Geschenk an Russlands Präsidenten Wladimir Putin sei, da beide eine Weltsicht teilten, in der Macht dazu dient, die Welt aufzuteilen.[3]
Die Donroe-Doktrin hat die Politik in ganz Lateinamerika neu geordnet. Viele Staats- und Regierungschefs haben sich den Forderungen Trumps angepasst und dafür erhebliche Vorteile erhalten. In Bolivien endete nach 20 Jahren eine sozialistische Regierung, in Chile übernahm mit José Antonio Kast ein weiterer Rechtskandidat die Präsidentschaft.[2]
Siehe auch
- Amerikanischer Exzeptionalismus
- Interventionismus
- Liste von Militäroperationen der Vereinigten Staaten
Literatur
- Giuseppe Spatafora: Putting the Americas First? Trump’s new Monroe Doctrine and the Western Hemisphere. In: Institut der Europäischen Union für Sicherheitsstudien (Hrsg.): Low Trust: Navigating transatlantic relations under Trump 2.0. 1. Oktober 2025, S. 50–57.
Einzelnachweise
- ↑ Timo Röske: Monroe-Doktrin mit neuem Namen: Was ist die „Donroe-Doktrin“? In: RedaktionsNetzwerk Deutschland. 4. Januar 2026, abgerufen am 5. Januar 2026.
- ↑ a b c d e f g Alexander Busch: Von Monroe zu Donroe: Trump erhebt den alleinigen Machtanspruch auf Lateinamerika. In: Neue Zürcher Zeitung. 9. Dezember 2025, abgerufen am 5. Januar 2026.
- ↑ a b c Philipp Löpfe: Trumps «Donroe-Doktrin» und was sie für die Welt bedeutet. In: Watson. 5. Januar 2026, abgerufen am 5. Januar 2026.
- ↑ a b c d Jack Nicas: The 'Donroe Doctrine': Trump's Bid to Control the Western Hemisphere. In: The New York Times. 17. November 2025, abgerufen am 5. Januar 2026 (englisch).