Dominikanischer Bürgerkrieg
| Dominikanischer Bürgerkrieg | |||||||||||||||||
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Amerikanische Soldaten liefern sich ein Feuergefecht, während ein Kind am 5. Mai 1965 in Santo Domingo unter einem Jeep Schutz sucht. | |||||||||||||||||
| Datum | 1965 | ||||||||||||||||
| Ort | Dominikanische Republik | ||||||||||||||||
| Casus Belli | Absetzung von Juan Bosch nach einem Militärputsch | ||||||||||||||||
| Ausgang | Sieg der Loyalisten | ||||||||||||||||
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Der Dominikanische Bürgerkrieg (spanisch: Guerra Civil Dominicana), auch bekannt als die Aprilrevolution (spanisch: Revolución de Abril), fand zwischen dem 24. April 1965 und dem 3. September 1965 in der Dominikanischen Republik statt. Er begann, als zivile und militärische Anhänger des gestürzten demokratisch gewählten Präsidenten Juan Bosch den vom Militär eingesetzten Präsidenten Donald Reid Cabral aus dem Amt vertrieben. General Elías Wessin y Wessin und Teile des Militärs, die dem Diktator Reid treu ergeben waren („Loyalisten“), begannen daraufhin eine bewaffnete Kampagne gegen die „konstitutionalistischen“ Rebellen (die Bosch unterstützten) zu organisieren.
Vorwürfe, dass Kommunisten die Rebellen unterstützen würden, führten zu einer Invasion der Vereinigten Staaten (Codename Operation Power Pack), die später in eine Besetzung des Landes durch die Interamerikanische Friedenstruppe der Organisation Amerikanischer Staaten überging. Obwohl sie vorgeblich neutral waren, setzten die USA ihre Truppen ein, um die Anti-Bosch-Kräfte zu unterstützen.[1] Nach einem Friedensabkommen im April 1965 übernahm im folgenden Jahr Joaquín Balaguer (ein Bosch-Gegner) in unfreien Wahlen die Präsidentschaft und regierte das Land danach mit Unterstützung der USA autoritär.
Hintergrund
Nach dem Sturz des Diktators Rafael Trujillo 1961 folgte eine kurze Übergangsregierung. 1962 fanden neue Wahlen statt, die Juan Bosch von der linksliberalen Partido Revolucionario Dominicano (PRD) gewann. Seine Reformpläne (u. a. eine neue Verfassung) lösten jedoch Widerstand bei konservativen Militärs und Geschäftsleuten aus. In den USA wurde seine Nähe zu Kuba unter Fidel Castro mit Misstrauen betrachtet.[2][3] Im September 1963 putschte das Militär und setzte eine Triumviratsregierung unter General Donald Reid Cabral ein. Gegen diese Militärherrschaft bildete sich Widerstand: Junge Offiziere schlossen sich im sogenannten „Pacto de Río Piedras“ zusammen und gelobten, den verfassungsmäßig gewählten Präsidenten wieder einzusetzen.[4] Diese langfristige Spannung legte den Boden für den Aufstand von 1965.
Kriegsablauf
Am 24. April 1965 erhoben sich dominikanische Truppen unter Colonel Francisco Alberto Caamaño Deñó („Konstitutionalisten“) gegen das Militärregime. Sie erklärten, die verfassungsmäßige Ordnung und Bosch’ Wiedereinsetzung anzustreben.[2] Der erste Aufstand in Santo Domingo wurde von großen Menschenmengen unterstützt, Polizei und Regierungstruppen waren zunächst überfordert und der unpopuläre Präsident Reid Cabral sah sich zum Rücktritt gezwungen. Daraufhin übernahm General Elías Wessin y Wessin die Macht. Nach wenigen Tagen begann die Regierung mit schweren Gegenangriffen: Im Stadtgebiet kam es zu Straßenkämpfen, und die Junta setzte Kampfflugzeuge gegen die Rebellen ein, was die Lage weiter eskalieren ließ.[4] Vier Tage nach Beginn der Revolte landeten US-Streitkräfte (Operation Power Pack) auf der Insel, offiziell zum Schutz von US-Bürgern, de facto aber auch zur Stützung der loyalistischen Kräfte und um ein mögliches „zweites Kuba“ zu verhindern.[5]
Trotz eines am 30. April 1965 vereinbarten Waffenstillstands kam es danach noch zu sporadischen Gefechten.[6] Im Mai 1965 verstärkten mehrere lateinamerikanische Staaten unter Mandat der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) die US-Truppen: Es entstand die Interamerikanische Friedenstruppe (Inter-American Peace Force, IAPF) unter brasilianischem Kommando. Diese multinationalen Einheiten sicherten in der Folge die Waffenstillstandslinien und ermöglichten allmählich eine politische Lösung.
Frieden
Schließlich einigte man sich auf ein Abkommen zur Beilegung des Konflikts. Der am 31. August 1965 unterzeichnete „Akt der Versöhnung“ sah eine allgemeine Amnestie vor und bestimmte Hector García Godoy zum Übergangspräsidenten. Die beiden Kriegsparteien (die „Konstitutionalisten“ um Caamaño und die von den USA unterstützte „Rekonstruktionsregierung“ unter General Antonio Imbert Barreras) einigten sich damit auf Neuwahlen. Das Abkommen trat am 3. September 1965 in Kraft. Bei den anschließenden Präsidentschaftswahlen im Juli 1966 errang Joaquín Balaguer (ein Vertrauter Trujillos und Gegner Boschs) die Macht, woraufhin sich die OAS-Friedenstruppe allmählich zurückzog.[4] Mit Balaguers Amtsantritt begann eine neue Zeit konservativer Vorherrschaft, gestützt auf eine Terrorherrschaft, welche 11.000 Dominikanern das Leben kostete.[7]
Opfer
Die Kämpfe forderten hohe Opferzahlen und es kam zu weitreichenden Menschenrechtsverletzungen. Schätzungen zufolge kamen während des Aufstandes und der anschließenden Besatzung knapp 3000 Dominikaner ums Leben; auch 31 US-Soldaten wurden getötet.[3] Die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte der OAS dokumentierte zudem ein umfangreiches System politischer Repression: Hunderte Dominikaner (Regierungsgegner, Bosch-Anhänger oder willkürlich Beschuldigte) wurden verhaftet, oft ohne Verfahren. So berichtete die Kommission beispielsweise, in La Vega säßen 133 „politische Gefangene“ ohne konkrete Anklage fest. Zahlreiche Verschleppungen und ungeklärte Todesfälle wurden registriert – etwa das Verschwinden des Offiziers Luis Arias Collado im November 1965, der später erschossen aufgefunden wurde. Selbst die IAPF wurde beschuldigt, Verantwortung für mindestens einen Mord zu tragen (den des Studenten Feliciano Matos im Januar 1966). Die Menschenrechtskommission verzeichnete hunderte solcher Einzelfälle von Folter, Erschießungen und Verschwindenlassen durch staatliche Kräfte sowie Angriffe von Guerillaeinheiten auf Zivilisten und Polizeieinheiten.[8]
Rolle des Auslandes
Internationale Akteure spielten in der Krise eine zentrale Rolle. Die USA intervenierten als Führungsmacht der westlichen Hemisphäre. Präsident Lyndon B. Johnson ordnete die Landung von rund 42.000 Soldaten an, um die Machtübernahme einer vermuteten „kommunistischen“ Regierung zu verhindern.[3] Die US-Truppen operierten zunächst unabhängig, bis die OAS-Truppen eintrafen, die gemeinsam mit den Amerikanern (insgesamt mehr als 20.000 Mann) unter dem Kommando der IAPF den Waffenstillstand durchsetzten. Mehrere lateinamerikanische Staaten (u. a. Brasilien, Honduras, Paraguay, Nicaragua, El Salvador und Costa Rica) stellten Kontingente für die IAPF. Erst kurz zuvor war bei einem Militärputsch in Brasilien eine antikommunistische Junta an die Macht gekommen, die den außenpolitischen Kurs der USA unterstützte.
Auch die Vereinten Nationen schalteten sich ein: Der UN-Sicherheitsrat verabschiedete im Mai 1965 einstimmig die Resolution 203 und forderte eine sofortige Feuerpause. Daraufhin entsandte der UN-Generalsekretär einen Beobachter, der die Umsetzung der Waffenruhe überwachen sollte. Kurz darauf bestätigte der Rat mit Resolution 205 (22. Mai 1965) erneut die Forderung nach einem dauerhaften Waffenstillstand. Die internationalen Appelle und die Präsenz multinationaler Truppen zwangen die Konfliktparteien letztlich zu den Verhandlungen, die zum Abkommen vom August 1965 führten.[9]
Einzelnachweise
- ↑ Thomas Tunstall Allcock: Thomas C. Mann: President Johnson, the Cold War, and the Restructuring of Latin American Foreign Policy. University Press of Kentucky, 2018, JSTOR:j.ctv6q52sb.
- ↑ a b The Dominican Civil War of 1965 – Association for Diplomatic Studies & Training. Abgerufen am 17. Oktober 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ a b c Juleyka Lantigua-Williams: 40 years later, U.S. invasion still haunts Dominican Republic. 21. April 2005, abgerufen am 17. Oktober 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ a b c Dominican Crisis (1965)
- ↑ US Invasion Dominican Republic 1965. Abgerufen am 17. Oktober 2025.
- ↑ Historical Documents - Office of the Historian. Abgerufen am 17. Oktober 2025.
- ↑ Listin Diario: 11,000 víctimas en Doce Años de JB. Archiviert vom am 15. Juli 2015; abgerufen am 17. Oktober 2025 (spanisch).
- ↑ University of Minnesota Human Rights Library. Abgerufen am 17. Oktober 2025.
- ↑ The Situation in the Dominican Republic UN