Doba (Giżycko)
| Doba | ||
|---|---|---|
| ? | ||
| Basisdaten | ||
| Staat: | Polen
| |
| Woiwodschaft: | Ermland-Masuren | |
| Powiat: | Giżycko | |
| Gmina: | Giżycko | |
| Geographische Lage: | 54° 5′ N, 21° 35′ O | |
| Einwohner: | 238 (31. März 2011[1]) | |
| Postleitzahl: | 11-500[2] | |
| Telefonvorwahl: | (+48) 87 | |
| Kfz-Kennzeichen: | NGI | |
| Wirtschaft und Verkehr | ||
| Straße: | Radzieje ↔ Kamionki | |
| Eisenbahn: | kein Bahnanschluss | |
| Nächster int. Flughafen: | Danzig | |
Doba (deutsch Doben) ist ein Ort in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren, der zur Landgemeinde Giżycko (Lötzen) im Powiat Giżycki (Kreis Lötzen) gehört.
Geographische Lage
Doba liegt am Südwestufer des Jezioro Dobskie (deutsch Dobensee) im Norden der östlichen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Bis zur ehemaligen Kreisstadt Angerburg (polnisch Węgorzewo) sind es 19 Kilometer in nordöstlicher Richtung, während die heutige Kreisstadt Giżycko (Lötzen) 13 Kilometer in östlicher Richtung entfernt ist.
Geschichte
Das seinerzeit Dauba (vor 1898 Daubis) genannte Dorf[3] wurde im Jahr 1496 gegründet.[4]
Im Ort bestand ein alter Herrensitz, aus dem 14. Jahrhundert stammend. Dieser befand sich auf dem Gebiet eines ehemaligen Ordenshofes auf der vorgelagerten Dobensche Insel (Insel Tautenburg).[4] und gehörte über Generationen den Freiherren Schenck zu Tautenburg, mehrfach nachgewiesen ab spätestens 1649.[5] Vom Pfandherr Christoph Schenk zu Tautenburg-Doben, seines Zeichens schwedischer Oberst und Erbherr, verstorben 1649, war ein Epitaph mit Harnisch und Wappen in der St. Georgenkirche zu Rastenburg überliefert.[6]
Bekannt wurde später u. a. der Leutnant, Johanniterritter Freiherr Rudolf Schenk zu Tautenburg und seine Ehefrau Cöleste von Heyden-Zaununen.[7] Dann folgte als Erbe ihr ältester Sohn Wolfgang Freiherr Schenk zu Tautenburg (1848–1903) als Erbherr zu Doben[8] und deren Nebengütern.[9] Er wurde Vertreter[10] des Alten und befestigten Grundbesitz in Masuren, saß so im Preußischen Herrenhaus, war wie der Vater im Johanniterorden organisiert[11] und wohnte teils mit seiner Ehefrau Helene Freinn von Seherr-Thoß (1851–1895) in Berlin.[12]
Zum Gutsbezirk Doben gehörten die Wohnplätze Deyguhnen (polnisch Dejguny), Insel Kirsaiten, Vorwerk Kühnort, Steinhof und Ziegelei Bargulla.[13] Der Gutsbezirk Doben zählte im Jahre 1910 insgesamt 208 Einwohner.[14]
Am 30. September 1928 gab Doben seine Selbständigkeit auf und wurde – allerdings ohne die Insel Kirsaiten – nach Kühnort eingemeindet. Am 8. Mai 1930 wurde die Landgemeinde Kühnort dann in Doben umbenannt, so dass dieser Name nun auch nur noch den einzigen Ort im gleichnamigen Amtsbezirk bezeichnete. Die Einwohnerzahl belief sich 1933 auf 201 und betrug 1939 bereits 226.[15]
Von 1874 bis 1945 war Doben Amtsdorf und damit namensgebend für einen Amtsbezirk[16], der zum Kreis Angerburg im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte. Zu dem Amtsbezirk gehörten der Gutsbezirk Doben mit der Insel Kirsaiten (polnisch Kirsajty), die Landgemeinde Kühnort (Dziewiszewo) und der Dobensee im Domänen-Amt Angerburg.
Anfang der 1930er Jahre beinhaltete der Gutsbesitz Doben das Rittergut Doben sowie die Vorwerke Deyguhnen, Steinhoff, Kühnort, Wargia und die Insel Kirsaiten, gesamt 1440 ha, Verwalter Hr. Kretschmann. Die Insel war verpachtet an Familie Wolff.[17] Gutseigentümer war Gottfried Freiherr Schenk zu Tautenburg (1878–1950), verheiratet mit Dorothea Freinn von Seherr-Thoß.[18] Seine ältere Schwester Minna war mit dem Landrat zu Marienburg Paul von Roenne verheiratet.[19]
Bis 1945 gehörte Gut Doben den Freiherren Schenk zu Tautenburg. Deren Gutshaus existiert heute nicht mehr. Lediglich einige Wirtschaftsgebäude sind noch vorhanden. Überliefert ist ein Erbbegräbnis der Dobener Adelsfamilie. Das Patronat der Kirche Doben war aber bei den Grafen von Lehndorf-Steinort.[20][21]
In Kriegsfolge kam Doben 1945 mit dem gesamten südlichen Ostpreußen zu Polen und heißt seither Doba, während der Ort Kühnort den Namen Dziewiszewo erhielt.
Doba ist heute eine Ortschaft in der Landgemeinde Giżycko (Lötzen) im Powiat Giżycki (Kreis Lötzen), bis 1998 der Woiwodschaft Suwałki, seither der Woiwodschaft Ermland-Masuren zugeordnet.
Religionen
Kirchengebäude
Die kleine Kirche in Doba steht anstelle einer 1530 errichteten Kapelle und wurde 1574 erstmals erwähnt.[4] In den Jahren 1747 und 1887 (Turmbau)[22] und 1985 wurde sie grundlegend restauriert. Die Ausstattung stammt aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Bis 1945 war die Kirche evangelisches Gotteshaus, heute wird sie von der römisch-katholischen Kirche genutzt.
Kirchengemeinde
Evangelisch
Die evangelische Kirchengemeinde Doben war mit der benachbarten Kirchengemeinde Rosengarten (polnisch Radzieje) pfarramtlich verbunden, hatte jedoch einen eigenen Sprengel, zu dem fünf Ortschaften und (im Jahr 1925) 250 Gemeindeglieder gehörten. Das Pfarramt Rosengarten/Doben war dem Kirchenkreis Angerburg in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union zugeordnet.[23] Seit 1945 orientieren sich die hier lebenden evangelischen Kirchenglieder nach Giżycko (Lötzen) bzw. nach Kętrzyn (Rastenburg), beide Pfarreien gehören zur Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
Katholisch
Vor 1945 gehörten die katholischen Einwohner in Doben zur Kirche zum Guten Hirten Angerburg im Dekanat Masuren II im Bistum Ermland. Seit 1945 wurde die örtliche Kirche als Kapelle übernommen und in die Pfarrei Kamionki (Kamionken, 1928–1945 Steintal) integriert.[24] Sie gehört zum Dekanat Giżycko-św. Szczepana Męczennika (St. Stephanus) im Bistum Ełk der Römisch-katholischen Kirche in Polen.
Persönlichkeiten
- Wolff Schenk zu Tautenburg (1604–1649), Erbherr zu Doben, Obrist, Kammerherr, (Amts)-Hauptmann
Verkehr
Doba liegt an einer Nebenstraße, die als Uferstraße den Südwesten der Dobensees umfährt und von Radzieje (Rosengarten) nach Kamionki (Kamionken, 1928–1945 Steintal) führt. Eine Bahnanbindung besteht nicht.
Literatur
- Georg Bujack: Drei Hügelgräber zu Doben, Kr. Angerburg., In: Sitzungsberichte der Altertumsgesellschaft Prussia zu Königsberg in Pr. November 1885 - 86. Ostpreußische Zeitungs- und Verlags-Druckerei, Königsberg 1887, S. 13 f.
Weblinks
- Trasa Giżycko-Doba-Sztynort-Giżycko (polnisch)
Einzelnachweise
- ↑ GUS 2011: Ludność w miejscowościach statystycznych według ekonomicznych grup wieku, 31. März 2011, abgerufen am 21. April 2019 (polnisch).
- ↑ Polnisches Postleitzahlenverzeichnis 2022, S. 228 ( vom 26. Oktober 2022 im Internet Archive) (polnisch) (PDF; 7,4 MB)
- ↑ Dietrich Lange: Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Doben
- ↑ a b c Doba – Doben
- ↑ Vgl. Marcelli Janecki (Red. zug.): Jahrbuch des Deutschen Adels. Band 1, Hrsg. Deutsche Adelsgenossenschaft, Vaterländische Verlagsanstalt. W. T. Bruer, Berlin 1896, S. 96.
- ↑ Ad. M. Hildebrandt: Beilage zum Deutschen Herold. Inventar älterer Oelbildnisse, Denkmäler u.s.w des Deutschen Adels. Zeitschrift. Hrsg. Herold (Verein), Vierundzwanzigster Jahrgang, Carl Heymanns Verlag, Berlin 1893, S. 53.
- ↑ Gothaisches genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser auf das Jahr 1868. Achtzehnter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1867, S. 760.
- ↑ Vgl. J. Lindenberg: Wochenblatt der Johanniter-Ordens Balley Brandenburg. 1903. Jahrgang 44, Nr. 35, Julius Sittenfeld. Carl Heymanns Verlag, Berlin, den 2. September 1903, S. 205.
- ↑ Sammlung sämmtlicher Drucksachen des Herrenhauses. Session 1888. Band 2 (Von Nr. 31 bis Nr. 102), Julius Sittenfeld, Berlin 1888, No. 97. S. 4.
- ↑ Stenographische Berichte über die Verhandlungen. Herrenhaus. Band 2, No. 1., Namens-Verzeichniß der Mitglieder des Herrenhauses in der Session 1890, Reichsdruckerei, Berlin 1890, S. 6.
- ↑ Liste der Mitglieder der Balley Brandenburg des Ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital zu Jerusalem. 1898. Julius Sittenfeld, Berlin 1898, S. 167.
- ↑ Crafft Botho Freiherr von Eberstein (Hrsg.): Gesellschaft von Berlin: Hand- und Adreßbuch für die Gesellschaft von Berlin und Umgebung, Charlottenburg. 3. Jahrgang, In: Almanach der Guten Gesellschaft Deutschlands. Band I, Verlag W. Gronau, Berlin 1893/4, S. 345.
- ↑ Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und anderer amtlicher Quellen. Heft 1: Gemeindelexikon für die Provinz Ostpreußen. Verlag des Königlichen Statistischen Landesamts, Berlin 1907, S. 10–16.
- ↑ Landkreis Angerburg im Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900. In: gemeindeverzeichnis.de. Uli Schubert, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 14. Dezember 2024; abgerufen am 14. Dezember 2025.
- ↑ Michael Rademacher: Der Kreis Angerburg (poln. Wegorzewo). Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.
- ↑ Rolf jehke-Herdecke (Hrsg.): Amtsbezirk Doben.
- ↑ Hans Wehner: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Domänen, Rittergüter, Güter und Höfe in der Provinz Ostpreußen. [1932]. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band III, 5. Auflage, Selbstverlag der Niekammer’s Güter-Adressbüchern GmbH, Leipzig 1932, S. 107. Elbinger Stadtbibliothek PDF, In: GenWiki / Hrsg. CompGen Berlin. Reprint: ISBN 978-3-88372-345-7.
- ↑ Walter von Hueck, u. a.: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser. A/B (Uradel/Briefadel). 1986. Band XIV, Band 88 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1986, S. 427.
- ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. 1920. Siebzigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1919, S. 736.
- ↑ Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen. Nach gedruckten und ungedruckten Quellen. Verlag S. Riplow, Neidenburg 1890, S. 268.
- ↑ Vgl. Walter von Hueck, u. a.: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser. A (Uradel). 1982. Band XIII, Band 80 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1982.
- ↑ Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 89, Abb. 358.
- ↑ Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente. Göttingen 1968, S. 477.
- ↑ Parafia Kamionki ( vom 8. Januar 2016 im Internet Archive)