Dmytro Djatschenko

Dmytro Mychajlowytsch Djatschenko (ukrainisch Дмитро Михайлович Дяченко, russisch Дмитрий Михайлович Дяченко Dmitri Michailowitsch Djatschenko; * 14. Juni 1887 in Taganrog, Russisches Kaiserreich; † 21. Mai 1942 in der Oblast Saratow, Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik) war ein ukrainischer Architekt und Vertreter des ukrainischen Neobarock.

Leben und Wirken

Djatschenko wurde in einer kinderreichen ukrainischen Familie aus dem Dorf Patlajiwka (heute Oblast Poltawa, Ukraine) geboren, die nach Taganrog ausgewandert war.[1] 1907 schloss er die achtklassige Technische Schule in Taganrog ab und trat in die Akademie der Künste sowie das Institut für Bauingenieure in Sankt Petersburg ein. Während seines Studiums leitete er den ukrainischen Studentenkreis „Hromada“, der Expeditionen in die Ukraine unternahm, Baudenkmäler dokumentierte und 1912 die erste Fachausstellung ukrainischer Architektur im Russischen Reich organisierte. In dieser Zeit wurde nach dem Entwurf des jungen Architekten das Semstwo-Krankenhaus in Lubny errichtet, in dessen Formen er erstmals auf Traditionen der ukrainischen Architektur zurückgriff. Nach seinem Projekt entstand 1913 auch der Haupteingang der Allrussischen Landwirtschaftsausstellung in Moskau. Im Dorf Kruhlyk entwarf er zudem das Wohnhaus von Klymow.[2]

1913 schloss Djatschenko das Institut für Bauingenieure ab und arbeitete anschließend als Semstwo-Ingenieur zunächst im Gouvernement Poltawa und später im Gouvernement Kiew. Von 1918 bis 1920 leitete er die Gesellschaft ukrainischer Architekten. 1920 gründete er das Ukrainische Architekturinstitut und war dessen erster Rektor. 1922 wurde er aufgrund seiner „politischen Unzuverlässigkeit“ entlassen. Kurz darauf wurde das Institut mit dem Institut für plastische Künste vereinigt, das heute als Nationale Akademie der bildenden Künste und Architektur besteht. Ab 1925 bekleidete er fünf Jahre lang eine Professur an der Ukrainischen Landwirtschaftsakademie (heute Nationale Landwirtschaftliche Universität).[3]

Djatschenko orientierte sich in seinen Entwürfen am ukrainischen Masepa-Barock und nahm aktiv an Architekturwettbewerben teil. Von 1926 bis 1931 errichtete er das sechs Gebäude umfassende Ensemble des Kiewer Landwirtschaftsinstituts in Holossijiw. Dabei kombinierte er historische Formen mit modernen technischen Lösungen und funktionalen Anforderungen. Die sowjetische Regierung kritisierte scharf Gebäude, in denen Elemente der ukrainischen Staatstradition zum Ausdruck kamen. 1931 wurde Djattschenko verhaftet und wegen „konterrevolutionärer nationalistischer Tätigkeit“ angeklagt. Um seine berufliche Tätigkeit fortsetzen zu können, wandte er sich dem Klassizismus zu. In dieser Phase entstanden unter anderem das Gebäude der Handelsakademie in Kiew, ein Sanatorium in Kislowodsk sowie das Landwirtschaftsinstitut in Taschkent.[4] 1935 wurde Djattschenko zum korrespondierenden Mitglied der Akademie der Architektur der UdSSR gewählt. 1937 übersiedelte er mit seiner Familie nach Moskau, um den stalinistischen Repressionen in der Ukraine zu entgehen (Rosstriljane widrodschennja). Dennoch wurde er dort am 1. Juli 1941 verhaftet und in das Butyrka-Gefängnis gebracht. Nach einem halben Jahr in Lefortowo, wo seine Gesundheit stark geschädigt wurde, verurteilte man ihn wegen „nationalistischer Tätigkeit“ zu acht Jahren Lagerhaft. Djatschenko starb am 21. Mai 1942 in einem Gulag an schwerer Pellagra und wurde gemeinsam mit anderen Häftlingen in einem Massengrab beigesetzt.[5]

Familie

Bauwerke (Auswahl)

  • 1913–1915: Semstwo-Krankenhaus in Lubny
  • 1913: Haus Klymow in Kruhlyk
  • 1915–1918: Semstwo-Schulen in den Powiten Lubny, Solotonoscha und Kaniw
  • 1925–1931: Ensemble der Ukrainischen Landwirtschaftsakademie (heute Nationale Landwirtschaftliche Universität)
  • 1931–1932: Wohnhäuser in Kiew
  • 1935–1938: Gebäude der Handelsakademie (heute Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Ukraine).
  • 1938–1941: Landwirtschaftliches Institut in Taschkent

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Wiktor Wetscherskyj: Дяченко, Дмитро Михайлович. In: Велика українська енциклопедія. 11. Mai 2022, abgerufen am 12. November 2025 (ukrainisch).
  2. Walentyna Klymenko: 26 серпня. Дмитро Дяченко. In: lb.ua. 27. August 2015, abgerufen am 12. November 2025 (ukrainisch).
  3. Rajisa Bondarenko: ДЯЧЕНКО ДМИТРО МИХАЙЛОВИЧ. In: Енциклопедія історії України. Інститут історії України., 2004, abgerufen am 12. November 2025 (ukrainisch).
  4. Мар'яна Шевелєва: Дмитро Дяченко – засновник українського необароко. In: Український інтерес. 27. August 2025, abgerufen am 12. November 2025.
  5. Дмитро Дяченко – НАОМА. In: Національна академія образотворчого мистецтва і архітектури. Abgerufen am 12. November 2025 (ukrainisch).