Dita Kraus

Dita Kraus (hebräisch אדית קראוס, tschechisch Dita Krausová; geborene Edith Polachová; geboren am 12. Juli 1929 in Prag; gestorben am 18. Oktober 2025 in Jerusalem) war eine tschechisch-israelische Lehrerin, Schriftstellerin und Überlebende des Holocaust, bekannt als die Bibliothekarin von Auschwitz.

Leben

Dita Kraus (geb. Edith Polachová) wurde am 12. Juli 1929 in Prag, Tschechoslowakei, geboren.[1] Sie war die einzige Tochter von Hans Polach (tschechisch Hanuš Polach) und Elisabeth Polach.[2] Ihr Vater war Anwalt und ihre Mutter Hausfrau. Mit ihren Eltern lebte sie in einer Mietwohnung in der Straße U Smaltovny im Prager Stadtteil Holešovice. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht und der Annexion der Tschechoslowakei 1939 musste die Familie ihre Wohnung verlassen.[2]

Am 20. November 1942 wurden die damals 13-jährige Dita und ihre Eltern in das Ghetto Theresienstadt deportiert.[3]

Dita und ihre Eltern wurden dann weiter in den Osten deportiert und am 18. Dezember 1943 ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau verschleppt.[3] Bei der Ankunft wurde die Familie getrennt.[4] Dita und ihre Mutter wurden zu den Frauenbarracken geschickt; ihr Vater starb am 5. Februar 1944.[1][5] Dita und ihre Mutter wurden im Theresienstädter Familienlager (B IIb) untergebracht. Das Camp hatte einen Kinderblock, Block 31, der von Fredy Hirsch geleitet wurde.[1] Dita und Hirsch kannten sich bereits aus Prag, wo er ihr Sportlehrer gewesen war, und auch aus dem Ghetto Theresienstadt.[6] Er übertrug Dita zusammen mit einem anderen Jungen die Aufgabe, eine kleine, geheime Sammlung von Büchern zu verwalten. Zu den Titeln zählten eine tschechische Ausgabe von Die Geschichte unserer Welt von H. G. Wells und ein Buch mit Kurzgeschichten von Karel Čapek.[1][4]

Im Juli 1944 wurden Dita und ihre Mutter nach Hamburg deportiert, um dort in einem Arbeitslager zu arbeiten. Von dort aus wurden sie jedoch im Frühjahr 1945 weiter in das Konzentrationslager Bergen-Belsen gebracht. Ihre Mutter verstarb kurz nach der Auflösung von Bergen-Belsen und Dita kehrte allein nach Prag zurück.[6] Dort traf sie auf Ota B. Kraus, den sie zwei Jahre später heiratete. Die beiden emigrierten 1949 nach Israel, wo sie sich nach einigen Zwischenstationen schließlich in Netanja niederließen.[7]

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs reiste Kraus zum ersten Mal nach über 40 Jahren in die Tschechische Republik.[3]

Dita Kraus starb am 18. Oktober 2025 im Alter von 96 Jahren in Jerusalem.[8]

Ehrungen

Am 15. Oktober 2025 wurde in der Straße U Smaltovny vor dem Haus 1563/19, dem letzten bekannten Wohnort der Familie Polach, ein Stolperstein zum Gedenken an Hanuš Polach verlegt.[5]

Literatur

  • Antonio Iturbe: Die Bibliothekarin von Auschwitz: Roman nach einer wahren Geschichte. Piper Taschenbuch, 2022, ISBN 978-3-8353-3650-6.
  • Dita Kraus: Ein aufgeschobenes Leben: Kindheit im Konzentrationslager – Neuanfang in Israel (Bergen-Belsen. Berichte und Zeugnisse). Wallstein, 2020, ISBN 978-3-8353-3650-6.
  • Loreto Aroca, Salva Rubio: Die Bibliothekarin von Auschwitz. bahoe books, 2022, ISBN 978-3-903290-72-3.
  • Rückblick: Zeitzeugingespräch "Für Demokratie und Menschlichkeit" mit Dita Kraus. Friedrich-Ebert-Stiftung vom 1. Januar 2022 online. Abgerufen am 22. Oktober 2025.
Commons: Dita Kraus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d Nadine Wojakovski: Fearing for youth, three Auschwitz survivors say they won't ever stop testifying In: The Times of Israel, 2. Mai 2019 (englisch). 
  2. a b Dita Kraus | Holocaust survivor from Prague, Czechoslovakia. In: The World Holocaust Remembrance Center. (englisch).
  3. a b c Dita Krausová (* 1929 †︎ 2025). In: memoryofnations. Abgerufen am 22. Oktober 2025 (tschechisch).
  4. a b Dita Kraus. In: Humans of Tel Aviv. 25. Juli 2024; (englisch).
  5. a b Stolperstein za Hanuše Polacha U Smaltovny 19. Abgerufen am 22. Oktober 2025 (tschechisch).
  6. a b Nadine Wojakovski: Dita Kraus:The librarian of Auschwitz. In: The Jewish Chronicle. 26. Januar 2018; (englisch).
  7. Dita Krausová. In: Memory of Nations. Post Bellum, abgerufen am 18. Januar 2025 (englisch).
  8. Jiří Pšenička: Zemřela Dita Krausová, jedna z posledních pamětnic holokaustu. In: Seznam Zprávy. 18. Oktober 2025, abgerufen am 18. Oktober 2025 (tschechisch).