Dionysius Gothofredus
Dionysius Gothofredus (eigentlich Denis Godefroy; * 17. Oktober 1549 in Paris; † 7. September 1622 in Straßburg) war ein französischer Rechtswissenschaftler. Gothofredus war Professor an den Universitäten Genf, Straßburg und Heidelberg und Herausgeber der ersten kritischen Gesamtausgabe des »Corpus iuris civilis« (Genf, 1583). Diese Bezeichnung für die spätrömische Gesetzessammlung stammt auch von ihm.
Leben
Denis Godefroy – oder mit seinem Gelehrtennamen Dionysius Gothofredus –, der Sohn von Leon Godefroy, Seigneur de Guigneccourt, studierte Jura in Löwen (Belgien), Köln und Heidelberg. Nach seinem Studium war er von 1576 bis 1577 in Paris am Cour de Parlement (Gerichtshof) tätig. Er wurde 1579 in Orléans promoviert und trat noch im gleichen Jahr eine Lehrerstelle an der Akademie in Genf an. Sicherlich hätte er auch in Paris eine glänzende Karriere gemacht, aber mit seinem calvinistischen Glauben war er in Genf auf sicherem Boden. Er wurde 1580 zum Professor der Rechtswissenschaft ernannt, erhielt das Bürgerrecht und heiratete Denise de Saint-Yon. 1581–1585 war er von der Lehrtätigkeit freigestellt und konnte sich ganz seiner Arbeit am „Corpus iuris civilis“ widmen. 1587 wählte man Godefroy in den Rat der Stadt Genf.
1589 gelang es dem französischen König, ihn nach Frankreich zu holen. Godefroy wurde außerordentlicher Rat am Gerichtshof des Parlamentes in Paris sowie „Grand Bailli“ (Landvogt bzw. Bezirksrichter) im Pays de Gex (in der Franche-Comté gelegen). Kaum sechs Monate nachdem er sich dort niedergelassen hatte, wurde der Ort von Truppen des Herzog von Savoyen eingenommen. Godefroys Haus und große Teile seiner Bibliothek gingen in Flammen auf. Mit seiner Familie floh er nach Basel und blieb dort, bis er in der freien Reichsstadt Straßburg 1591 eine Lehrstelle an der Universität bekam.
Sein Ruf als Rechtsgelehrter hatte sich durch etliche Veröffentlichungen und besonders des Corpus iuris civilis (Genf 1583) verbreitet, so dass ihn der pfälzische Kurfürst Friedrich IV. an der Heidelberger Universität haben wollte. Die Arbeitsbedingungen schienen Godefroy erstmal nicht ganz zugesagt zu haben, denn nach einem kurzen Aufenthalt in Heidelberg 1600/1601 war er wieder zurück in Straßburg. Auch ein geplanter Wechsel nach Genf 1603 kam nicht zustande. Die Heidelberger holten ihn schließlich 1604 erneut an die Universität, diesmal auf Dauer. Er wurde Professor der juristischen Fakultät und ab 1606 auch deren Dekan.
Eine weitere Steigerung erfuhr sein beträchtliches Ansehen 1607 durch die Wahl zum Rektor der Universität und durch die Berufung in den kurfürstlichen Rat. Der Kurfürst schickte ihn mehrmals in diplomatischen Missionen nach Paris. Versuche des französischen Königs, ihn wieder nach Frankreich zu holen, lehnte er wegen seines Bekenntnisses zum Calvinismus ab.
Kurz nach Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges, als sich die katholischen Truppen unter Ambrosio Spinola Heidelberg näherten, wich Gothofredus zunächst 1620 in seine alte Wirkungsstätte Straßburg aus, kehrte aber nach einiger Zeit wieder nach Heidelberg zurück.[1] Als sich jedoch im Folgejahr die militärische Lage erneut verschärfte, zog Gothofredus erneut über Bretten nach Straßburg. Im Vorjahr scheint er sich bei seinem Straßburg-Aufenthalt auf dieses Szenario vorbereitet zu haben, sodass er nun im September 1621 anscheinend recht gut geplant dorthin übersiedeln und sogar nennenswerte Teile seiner Privatbibliothek mitführen konnte.[2] Im darauf folgenden Jahr (1621) wurde die kurpfälzische Residenz Heidelberg von kaiserlichen Truppen zerstört. Denis Godefroy starb nach längerer Krankheit in Straßburg am 7. September 1622. Sein Sohn Iacobus Gothofredus war ebenfalls Professor der Rechtswissenschaften.
Literatur
- Hans Liermann: Gothofredus, Dionysius. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 6. Duncker & Humblot, Berlin 1964, ISBN 3-428-00187-7, S. 656–657 (deutsche-biographie.de).
- Albert Teichmann: Gothofredus, Dionysius. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 9, Duncker & Humblot, Leipzig 1879, S. 448r f.
- Denis-Charles de Godefroy-Ménilglaise, Les Savants Godefroy, Paris 1873 (Nachdruck 1971)
- Roderich von Stintzing, Geschichte der dt. Rechtswissenschaft. Band 1. 1880, S. 206 u. 386–389
- Histoire de l’université de Genève 1. Genf 1900, S. 282–290
- Alfred Dufour: Godefroy, Denys. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Weblinks
- Literatur von und über Dionysius Gothofredus im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Werke von und über Dionysius Gothofredus in der Deutschen Digitalen Bibliothek
- Bildnis auf der Website der Universität Mannheim
Einzelnachweise
- ↑ Michael Hanstein: Überstürzte Flucht oder geplanter Abschied aus Heidelberg? Die Heidelberger Professoren Dionysius Gothofredus (1549–1622) und Janus Gruter (1560–1627). In: Jörg Kreutz, Wilhelm Kreutz, Hermann Wiegand (Hrsg.): Die Kurpfalz im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) (= Bausteine zur Kreisgeschichte. Band 12). Rhein-Neckar-Kreis, Heidelberg 2020, ISBN 978-3-932102-41-7, S. 26–41, hier S. 28–33.
- ↑ Michael Hanstein: Überstürzte Flucht oder geplanter Abschied aus Heidelberg? Die Heidelberger Professoren Dionysius Gothofredus (1549–1622) und Janus Gruter (1560–1627). In: Jörg Kreutz, Wilhelm Kreutz, Hermann Wiegand (Hrsg.): Die Kurpfalz im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) (= Bausteine zur Kreisgeschichte. Band 12). Rhein-Neckar-Kreis, Heidelberg 2020, ISBN 978-3-932102-41-7, S. 26–41, hier S. 35–36 und S. 39–41.