Diocles Torralba González
Diocles Torralba González (* 1939 in Palma Soriano; † 14. Dezember 2023 in Havanna) war ein kubanischer Revolutionär und Politiker der Kommunistischen Partei Kubas (PCC), der unter anderem im Ministerrat Kubas von 1972 bis 1989 Vizeministerpräsident beziehungsweise Vizevorsitzender des Ministerrates, zwischen 1977 und 1985 Minister für Zuckerindustrie sowie von 1985 bis 1989 Transportminister war. Am 12. Juni 1989 wurde er aller Ämter enthoben, verhaftet sowie wegen Unterschlagung, Amtsmissbrauchs und Missbrauchs von Ressourcen zu 20 Jahren Haft verurteilt, von der er die Hälfte davon im Gefängnis verbrachte.
Leben
Diocles Torralba González beteiligte sich schon als Jugendlicher an der am 26. Juli 1953 begonnenen Revolution gegen den diktatorisch regierenden Präsidenten Fulgencio Batista,[1] der schließlich am 1. Januar 1959 gestürzt wurde, und war mit dem Kampfnamen „Aníbal“ Mitglied der von Fidel Castro[2] geführten Bewegung des 26. Juli (Movimiento 26 de Julio) und Rebellenarmee (Ejército Rebelde), in der ihm der zweithöchste Dienstgrad des Capitán del Ejército Rebelde verliehen wurde.
Nach dem Sturz Bastistas übernahm er verschiedene Funktionen innerhalb der Revolutionären Streitkräfte FAR (Fuerzas Armadas Revolucionarias) und war Absolvent der Frunse-Akademie in der Sowjetunion, an der er den am 13. Juli 1989 wegen Korruption, der betrügerischen Nutzung ökonomischer Ressourcen und Drogenhandel hingerichteten General Arnaldo Ochoa kennenlernte. Er wurde im Oktober 1965 Mitglied des Zentralkomitees (ZK) der Kommunistischen Partei Kubas PCC (Partido Comunista de Cuba) und wurde 1972 einer der Vizeministerpräsident beziehungsweise ab 1976 Vizevorsitzenden des Ministerrates und damit Stellvertreter von Ministerpräsident Fidel Castro Ruz, der seit 1976 Vorsitzender des Ministerrates (Vicepresidente del Consejo de Ministros) war. Im Zuge der Umbildung des Ministerrates im November 1972 war er als Vizeministerpräsident zugleich Koordinator für die Ministerien für Zuckerindustrie, Lebensmittelindustrie, Landwirtschaft und das Nationale Institut für Forstentwicklung und -nutzung.[3][4] Er bekleidete dieses Amt bis 1989 und war zudem als Nachfolger von Marcos Lage Coello zwischen 1977 und seiner Ablösung durch Antonio Rodríguez Maurell 1985 Minister für Zuckerindustrie (Ministro del Azúcar). Im November 1976 wurde er außerdem Mitglied der Nationalversammlung der Volksmacht ANPP (Asamblea Nacional del Poder Popular), des Parlaments von Kuba, dem er bis 1986 in der ersten und zweiten Legislaturperiode angehörte,[5][6] Im Zuge einer Umbildung des Ministerrates löste er 1985 Guillermo García Frías[7] als Transportminister (Ministro de Transporte) ab.
Am 12. Juni 1989, einen Tag bevor die Verhaftung von General Ochoa und anderen Beteiligten bekannt wurde, geriet Diocles Torralba in Ungnade und wurde wegen seines angeblichen Lebensstils, den die Führung des Regimes als „zügellos und korrupt“ beschrieben hatte, als Vize-Ministerpräsident und Transportminister entlassen und verlor alle weiteren Ämter. Sein Nachfolger als Transportminister wurde daraufhin Senén Casas Regueiro.[8] Der im Exil lebende Journalist und Schriftsteller Carlos Rodríguez Búa schrieb in seinem Blog Memorias de un Cubano, dass die PCC-Tageszeitung Granma einen diffamierenden Leitartikel gegen Torralba veröffentlichte, in dem neben einer langen Liste von „begangenen Fehlern“ auch eine angebliche Homosexualität angedeutet wurde und wies im Artikel darauf hin, dass der Torralba auch mit einem anderen Mann im selben Haus lebte.[9] Er wurde wegen mutmaßlicher Unterschlagung, Missmanagement von Ressourcen, Amtsmissbrauch, illegaler Besetzung von Gebäuden und Fälschung öffentlicher Dokumente zu 20 Jahren Haft verurteilt und verbrachte seine Haftstrafe im Gefängnis von Guanajay.[10] Zehn Jahre später wurde er aus der Haft entlassen und lebte daraufhin in Anonymität in Vedado, einem Stadtteil von Havanna. Er war verheiratet sowie Vater von fünf Kinder.
Weblinks
- Torralba, Diocles (Gonzalez). Directory of officials of the Republic of Cuba. A Reference Aid, CIA, 1979, S. 6, 61, 63, 64, abgerufen am 19. September 2025 (englisch).
- Torralba González, Diocles. rulers.org, abgerufen am 19. September 2025 (spanisch).
- Diocles Torralba González, Führer des kubanischen Regimes und Protagonist einer seiner bekanntesten Säuberungen, stirbt. cibercuba.com, 16. Dezember 2023, abgerufen am 19. September 2025.
- Muere Diocles Torralba, ex alto cargo del régimen cubano que cayó en desgracia. 14ymedio.com, 15. Dezember 2023, abgerufen am 18. September 2025 (spanisch).
Einzelnachweise
- ↑ Batista (y Zaldívar), (Rubén) Fulgencio. rulers.org, abgerufen am 18. September 2025 (englisch).
- ↑ Castro (Ruz), Fidel (Alejandro). rulers.org, abgerufen am 18. September 2025 (englisch).
- ↑ Kuba reorganisiert seinen Ministerrat. Stärkere Profilierung für Aufgaben des sozialistischen Aufbaus, Neues Deutschland, 27. November 1972
- ↑ Parlament bestätigte Ministerrat. Ernennung Fidel Castros zum Vorsitzenden fand volle Zustimmung, Neues Deutschland, 6. Dezember 1976
- ↑ I Legislatura (1976–1981). Parlamento Cubano, abgerufen am 18. September 2025 (spanisch).
- ↑ II Legislatura (1981–1986). Parlamento Cubano, abgerufen am 18. September 2025 (spanisch).
- ↑ Guillermo García Frías. EcuRed, abgerufen am 19. September 2025 (englisch).
- ↑ Senén Casas Regueiro. EcuRed, abgerufen am 19. September 2025 (englisch).
- ↑ Memorias de un Cubano. memoriascubano.blogspot.com, abgerufen am 19. September 2025 (spanisch).
- ↑ Enrique G. Encinosa: Cuba en guerra. Historia de la oposición anti-castrista 1959–1993, S. 338, 340, Endowment for Cuban American Studies, 1994 (Onlineversion (Auszug))