Dilorom Saidaminova

Dilorom Saidaminova (usbekisch Дилором Сайдаминова; russisch Дилором Ахматовна Сайдаминова, Transkription Dilorom Achmatowna Saidaminowa, wiss. Transliteration Dilorom Achmatovna Sajdaminova, Vorname teils auch Диларам; geboren am 27. Februar 1943 in Taschkent, Usbekische SSR, Sowjetunion) ist eine usbekische bzw. sowjetische Komponistin, Pianistin und Hochschullehrerin.

Leben

Saidaminova besuchte von 1950 bis 1961 das Uspenski-Musik-Kolleg.[1] Danach studierte sie am Staatliches Konservatorium Usbekistans, wo sie einen Master-Abschluss in den Fächern Klavier bei Abram Litwinow (1966) sowie Komposition bei Boris Seidman (1967) ablegte und in letzterem Fach 1971 promovierte. Später ergänzte sie ihre Ausbildung noch durch postgraduale Studien am Moskauer Konservatorium 1981 bei Juri Fortunatow und nahm Unterricht bei Edisson Denissow.[2]

Für ihre kompositorische Arbeit erhielt sie einige Auszeichnungen. 1977 gewann sie in Taschkent für ihr Sinfonisches Poem einen Spezialpreis als beste junge Komponistin, 1983 folgte bei einem staatlichen Wettbewerb ein weiterer 1. Preis für Holiday Overture und 1991 ein Preis für herausragende Beiträge in den Bereichen Kultur und Musik. Auch international trat sie als Komponistin hervor und wurde u. a. 1998 für ihr Kammermusikstück By the Sound of Francesca beim Gedok-Wettbewerb in Mannheim mit einem 2. Preis ausgezeichnet.[3]

Saidaminova schlug die akademische Laufbahn ein und wirkte als Hochschullehrerin von 1967 bis 1985 und von 1988 bis 1995 am Staatlichen Konservatorium Usbekistans, wo sie die Fächer Komposition, Musikgeschichte und Klavier unterrichtete. Dazwischen war sie von 1985 bis 1988 als Musikredakteurin beim Staatlichen Usbekischen Fernsehen in Taschkent tätig.[3]

Sie ist Mitglied im usbekischen Komponistenverband, im russischen Komponistenverband und in der American Society of Composers, Authors and Publishers (ASCAP).[2]

Schaffen

Saidaminovas kompositorisches Werk umfasst neben Ballett vor allem Orchestermusik, darunter Sinfonien, Konzerte für Klavier und Tenorsaxophon, Ouvertüren und sinfonische Dichtungen, außerdem Kammer- und Vokalmusik, u. a. Requiem, West-Eastern Divan (nach Goethe) und das Rock-Oratorium Тебе Родина, schließlich auch etliche Klavierwerke, Estraden-Lieder sowie Musik für Theater und Kino.[4]

Stilistisch verbindet sie westliche mit östlichen Musikkulturen, moderne sowie klassische Kompositionstechniken mit traditionellen Instrumenten der usbekischen Kultur.[5] In Тебе Родина kombiniert sie E-Gitarre mit Synthesizer, in Through the Lines of Misty Dreams setzt sie regionale Volksinstrumente wie Nay, Tschang und Kanun ein.[3]

Werke von ihr kamen sowohl in den (post-)sowjetischen Ländern und Staaten des ehemaligen Ostblocks Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Bulgarien, Lettland, Litauen, Moldau, Polen, Rumänien und Russland als auch im Westen zur Aufführung, in Deutschland, Italien, Spanien, Großbritannien und den USA.[2]

Ihre Musik war regelmäßig bei den Festivals für Neue Musik des Ilchom-Theaters vertreten, wo sie u. a. mit dem Ensemble Omnibus arbeitete,[6] sowie beim Moskauer Herbst.[7] In den Vereinigten Staaten wurde sie als erste usbekische Komponistin sowohl 2003 in der Carnegie Music Hall Pittsburgh (Festliche Ouvertüre für Blasorchester) wie auch 2004 in der Carnegie Hall New York aufgeführt (Konzert für Saxophon und Orchester).[2] In Michigan brachte das Verdehr Trio 2014 Where There is No Time für Violine, Klarinette und Klavier zur Uraufführung.[8]

Saidaminovas Werk ist dokumentiert auf Tonträgern, angefangen bei LPs für das sowjetische Label Melodiya bis hin zu Einspielungen in den USA. Eine CD/DVD mit Kammermusik für Violine, erschienen auf Blue Griffin Records, wurde 2016 in Kalifornien mit dem Akademia Music Award (für die Komposition Saraton) und mit drei Global Music Awards ausgezeichnet.[2] Im März 2024 beschrieb das New Yorker Magazin The New Criterion Saidaminovas Klaviersuite The Ancient Walls of Bukhara als impressionistisch, teils „mysteriös“, „kraftvoll“ oder „verspielt“.[9]

Persönliches

Ihr Sohn Tigran Shiganyan ist Violinist und Dirigent.[10]

Literatur

  • Инесса Гульзарова: Дилором Сайдаминова. Жизнь в гамме звуков [Dilorom Saidaminova. Ein Leben im Reich der Klänge]. Baktria Press, 2019.[11]

Einzelnachweise

  1. Dilorom Saydaminova. In: Union of Composers and Bastakors of Uzbekistan. 2025, abgerufen am 2. November 2025 (englisch).
  2. a b c d e Dilorom Saidaminova. Award-Winning Composer. In: Global Music Partnership. 2020, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 4. Oktober 2025; abgerufen am 2. November 2025 (englisch).
  3. a b c Dan Albertson, Ron Hannah, Romeo Talento: Dilorom Saidaminova. In: The Living Composers Project. 3. Januar 2017, abgerufen am 2. November 2025 (englisch).
  4. Сайдаминова Дилором. In: Союз композиторов и бастакоров Узбекистана. 2025, abgerufen am 2. November 2025 (usbekisch).
  5. Инесса Гульзарова: Дилором Сайдаминова: магнетизм музыки нашего времени. In: Novosti Usbekistana. 27. April 2023, abgerufen am 2. November 2025 (russisch).
  6. Dilorom Saidaminova (Usbekistan). In: Omnibus-Ensemble. 2025, abgerufen am 2. November 2025 (russisch).
  7. Сайдаминова Дилором. In: centrasia.org. Abgerufen am 2. November 2025 (russisch).
  8. Where There Is No Time (2013) Dilorom Saidaminova. (PDF 30 kB) In: verdehr.com. 2013, abgerufen am 2. November 2025 (englisch).
  9. Jay Nordlinger: New York chronicle. In: The New Criterion. Band 42, Nr. 7, März 2024, S. 58 (englisch).
  10. Tigran Shiganyan (Violin). Bach Cantatas Website (englisch).
  11. Прекрасная книга о прекрасном композиторе. In: nuz.uz. 9. Juni 2019, abgerufen am 2. November 2025 (russisch).