Dieter Noli

Hans Dieter Noli (* 3. Oktober 1956 in Kapstadt, Südafrikanische Union) ist ein südafrikanischer Archäologe, dessen Arbeiten von der Jäger-und-Sammler-Forschung in der Namib-Wüste bis zur maritimen Archäologie reichen, einschließlich der Leitung der Ausgrabungen des 1533 gesunkenen Nao Bom Jesus im namibischen Diamanten-Sperrgebiet.

Ausbildung

Dieter Noli wurde 1956 in Kapstadt als Sohn eines Deutschen und einer Schweizerin geboren.[1] Er absolvierte sein archäologisches Studium an der Universität Kapstadt, wo er bereits in den 1980er Jahren erste Forschungsarbeiten im Bereich der Wüstenarchäologie durchführte. Seinen Abschluss erreichte er 1989 mit der Masterarbeit An Archaeological Investigation of the Koichab River Region of the South-Western Namib Desert, Centred on the Activities of Holocene Hunter-Gatherers. Diese Arbeit, betreut von John Parkington, befasste sich mit den archäologischen Untersuchungen von 1986 bis 1988 in der zuvor weitgehend unerforschten Koichab-Flussregion der südwestlichen Namib-Wüste und konzentrierte sich auf die Aktivitäten holozäner Jäger und Sammler.[2]

In den mittleren 1980er Jahren begann Noli mit Forschungsarbeiten in der namibischen Wüste. Sein ursprüngliches Spezialgebiet war die Wüstenarchäologie, doch aufgrund der Offshore-Erkundungen der Namdeb bereitete er sich auch auf die Möglichkeit von Schiffswrackfunden vor und erlernte das Tauchen.[3][4]

Forschungsschwerpunkte

Jäger-und-Sammler-Forschung

Die archäologischen Erkundungen in der Namib-Wüste unter Nolis Leitung führten zur Entdeckung von Siedlungsspuren holozäner Jäger und Sammler in zuvor unerforschten Gebieten. Dabei belegte Noli erstmals, dass die Ressourcen der Koichab-Region opportunistisch genutzt wurden und widerlegte damit die bis dahin herrschende Annahme längerer Siedlungshiaten.[2] Mit Arbeiten wie Stone Circles in the Cape Fria Area, Northern Namibia erweiterte er die Kenntnisse über steinzeitliche Kultursysteme und die Prähistorie südwestafrikanischer Gesellschaften. Eine international rezipierte Studie, Protein poisoning and coastal subsistence, die Noli gemeinsam mit Graham Avery veröffentlichte, analysiert die Problematik extremer Proteinernährung in Küstenlebensräumen ohne Fettquellen – ein Thema, das sowohl für die Paläoanthropologie als auch für die Überlebensmedizin bedeutsam ist.[5][6]

Maritime Archäologie

Ab den 1990er Jahren bereitete sich Noli auf maritime archäologische Forschung vor und erlernte das Tauchen. Im Jahr 2008 wurde er Chefarchäologe am Southern African Institute of Maritime Archaeology (SAIMA), um einen bedeutenden Frachtfund im Diamanten-Sperrgebiet der Namdeb zu untersuchen.[7][8] Die Ausgrabung der Bom Jesus 2008 – einer portugiesischen Nao, die 1533 auf dem Weg nach Indien im Sturm unterging – zählt zu den bedeutendsten maritimen Entdeckungen Afrikas. Der Fund umfasste über 1800 Kupferbarren, über 2000 Gold- und Silbermünzen, 105 Elefantenstoßzähne aus Westafrika und zahlreiche Handelsgüter, die den globalen Verflechtungen der Frühzeit des Welthandels nachspüren lassen.[9][10][11] Nolis wissenschaftlicher Zugang verband naturwissenschaftliche Analyse, historische Recherche und interdisziplinäre Kooperation mit Wissenschaftlern aus Portugal, Deutschland und Südafrika. Besonders hervorgehoben wird die ungewöhnlich gute Erhaltung der Funde, die den extremen Umweltbedingungen der Namib-Wüste und den konservierenden Effekten der Kupferladung zu verdanken ist.[12][9][7]

Wissenschaftliche Kooperationen und Würdigungen

Die Auswertung und Präsentation des Bom-Jesus-Fundes erfolgte in Zusammenarbeit mit dem deutschen Kulturwissenschaftler Wolfgang Knabe sowie mit internationalen Experten aus den Bereichen der Handelsarchäologie, Schiffbaugeschichte und Numismatik. Die Ergebnisse ihrer Forschungen veröffentlichten Noli und Knabe 2012 in dem Buch Die versunkenen Schätze der Bom Jesus.[13][12] Für sein engagiertes wissenschaftliches Wirken bei der Bergung, Sicherung und Erforschung des Schiffswracks sowie die Verknüpfung von Archäologie, Kulturgeschichte und Naturschutz wurde Dieter Noli unter anderem mit dem von der Augusta-Bank gestifteten Mercateum-Preis in Königsbrunn ausgezeichnet.[14][1]

Heute ist Noli Chefarchäologe des Southern African Institute of Maritime Archaeology (SAIMA) und als wissenschaftliche Vertrauensperson für archäologische Untersuchungen im namibischen Sperrgebiet zugelassen. Darüber hinaus arbeitet er mit dem African Institute for Marine and Underwater Research, Exploration and Education (AIMURE) zusammen.[11]

Persönliches

Mit seiner Frau und Tochter lebt Dieter Noli heute in der Nähe von Kapstadt in Südafrika. Er ist der Bruder des Buschpiloten und Autoren Hans Günther „Gino“ Noli.

Werke

  • mit Wolfgang Knabe: Die versunkenen Schätze der Bom Jesus: Sensationsfund eines Indienseglers aus der Frühzeit des Welthandels. Nicolai, Berlin 2012, ISBN 978-3-89479-732-4.
  • An archaeological investigation of the Koichab River region of the south-western Namib Desert centred on the activities of Holocene hunter-gatherers. Kapstadt 1989 (Download – Masterarbeit).
  • mit Graham Avery: Protein poisoning and coastal subsistence. In: Journal of Archaeological Science. Jg. 15, Nr. 4, 1988, S. 395–401, doi:10.1016/0305-4403(88)90037-4.
  • mit Leon Jacobson: An eye witness account of coastal settlement and subsistence along the northern Namibian coast. In: The South African Archaeological Bulletin. Band 42, Nr. 146, 1987, S. 173–174, JSTOR:3888745.
  • mit Graham Avery: Stone Circles in the Cape Fria Area, Northern Namibia. In: The South African Archaeological Bulletin. Band 42, Nr. 145, 1987, S. 59–63, JSTOR:3887776.

Einzelnachweise

  1. a b Dieter Noli. Namibiana Buchdepot, 26. Juni 2012, abgerufen am 12. Oktober 2025.
  2. a b An archaeological investigation of the Koichab River region of the south-western Namib Desert centred on the activities of Holocene hunter-gatherers. University of Cape Town, abgerufen am 12. Oktober 2025.
  3. Shipwreck off Namibia is 500-year-old treasure trove. ABC News Network, 2. Mai 2008, abgerufen am 12. Oktober 2025.
  4. Treasure trove found in 500-year-old shipwreck off Africa. In: The Day. Jg. 127, Nr. 306. New London 2008, S. A5.
  5. Jutta Muth: Der Ruf der Wildnis: Steinzeitdiät. In: EU.L.E.n-Spiegel. Jg. 11, Nr. 5/6. München 2005, S. 1 f.
  6. Christopher Henshilwood et al.: Mussel Drying and Food Storage in the Late Holocene, SW Cape, South Africa. In: Journal of Field Archaeology. Jg. 21, Nr. 1. Abingdon 1994, S. 103–109, JSTOR:530247.
  7. a b Oğuz Büyükyıldırım: 500-Year-Old Treasure in the Namibian Desert: The Incredible Discovery of the Sunken Portuguese Ship Bom Jesus. Anatolian Archaeology, 20. März 2025, abgerufen am 12. Oktober 2025.
  8. Logan Sachon: The Story of the Gold-Filled Shipwreck Uncovered in Namibia. JCK, RX USA, 9. Juni 2016, abgerufen am 12. Oktober 2025.
  9. a b Kele Johnson: Lost at Sea, Found in the Sand: Unearthing a 500-Year-Old Shipwreck in Namibia. Numismatic News, Active Interest Media, 1. April 2025, abgerufen am 12. Oktober 2025.
  10. Miners find 500-year-old shipwreck filled with gold coins in Namibian desert. Namibian Mining Magazine, 10. Juni 2016, abgerufen am 12. Oktober 2025.
  11. a b Lydia Amazouz: 500-Year-Old Shipwreck Discovered by Diamond Miners in Namibia Holds a Trove of Treasure. Indian Defence Review, 21. März 2025, abgerufen am 12. Oktober 2025.
  12. a b Die versunkenen Schätze der Bom Jesus, von Wolfgang Knabe und Dieter Noli. Namibiana Buchdepot, 5. Oktober 2012, abgerufen am 12. Oktober 2025.
  13. Wolfgang Knabe. Namibiana Buchdepot, 26. Juni 2012, abgerufen am 12. Oktober 2025.
  14. Hermann Schmid: Die "Bom Jesus" rückt Fugger ins Rampenlicht. Schwabmünchner Allgemeine, Verlag der Augsburger Allgemeine, 9. Februar 2010, abgerufen am 12. Oktober 2025.