Dieter Hager

Erich Dieter Hager (* 15. Januar 1947 in Karlsruhe; † 13. Dezember 2009 in Bad Bergzabern) war ein deutscher Mediziner und Biochemiker, dessen Tätigkeitsfeld vor allem die komplementäre Onkologie darstellte.

Leben

Dieter Hager, Sohn von Elfriede Hager, geborener Kunzmann, und des Goldschmieds Ewald Hager, besuchte die Schule in Wilferdingen und Pforzheim, welche er 1966 mit Abitur abschloss. Danach studierte er von 1967 bis 1974 Physik in Berlin (TU), wo er das Studium mit Diplom abschloss und 1977 in Biologie zum Dr. rer. nat. promoviert wurde, und von 1974 bis 1980 Medizin in Berlin (FU), wo er 1980 zum Dr. med. promoviert wurde, Göttingen und Oxford. Er verfasste wissenschaftliche Arbeiten an der Technischen Universität Berlin, dem Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik in Berlin, Fritz-Haber-Institut in Berlin, im Institut für Biologie der Freien Universität Berlin und im Institut für Neurophysiologie in der Universität Göttingen.

In der ärztlichen Fachzeitschrift GZM hieß es zu seinem Tod: „Die offizielle Trauerfeier fand an seinem 63. Geburtstag, dem 15. Januar 2010 statt, wo ihn nicht nur Vertreter der in- und ausländischen Organisationen, sondern auch der pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck würdigten. Viele Patienten hätten Dieter Hager noch gebraucht und für viele der erwähnten Institutionen ist er nicht zu ersetzen.“[1]

Dieter Hager war evangelisch, ab 1970 verheiratet mit Anita Hager, geborener Hager, und hatte drei Kinder (Marsha, Jonas und Simon).

Berufliche Laufbahn

Hager forschte von 1980 bis 1986 auf dem Gebiet der Tumorimmunologie bei Boehringer Mannheim und arbeitete als medizinisch-wissenschaftlicher Leiter und Prokurist in Forschung, Entwicklung und klinischer Prüfung in den Cytobiologischen Laboratorien Heidelberg (CYBILA GmbH), ab 1982 als Leiter der wissenschaftlichen Abteilung. Zu dieser Zeit lebte er in Gaiberg. Er war zudem Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Zelltherapie und Vorsitzender der Kooperation Organotherapeutika. Von 1987 bis 1988 war er Chefarzt einer onkologischen Rehabilitationsklinik in Friedenweiler/Titisee. In der Fachzeitschrift Erfahrungsheilkunde, als deren Autor er zeitweise tätig war, ist über seine Tätigkeit zu lesen: „1989 rief er die BioMed Fachklinik in Bad Bergzabern ins Leben. Die Klinik gehörte zu den ersten komplementär-onkologischen Kliniken auf deutschem Boden. Er gründete sie im Sinne einer Kombination von klassischer Onkologie, komplementären Zusatzmethoden und innovativen Therapien. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Haus einen deutschlandweiten und internationalen Ruf als Hyperthermiezentrum von einzigartigem Rang erworben. Bis 2010 wurden über 40.000 Patienten in der Klinik behandelt, u. a. auch aus den USA, Indien, Arabien, Korea und den europäischen Nachbarländern.“[2]

Promotionen

  • Naturwissenschaft (Dr. rer. nat.) mit der Dissertation Strukturforschung von Ribosomen im Fachbereich Biochemie, Institut für Biologie der Freien Universität Berlin
  • Medizin (Dr. med.) mit der Dissertation Verarbeitung von Geruchssinnen, Institut für Neurophysiologie der Universität Göttingen

Klinische Forschung

  • Konzeptioneller Aufbau einer wissenschaftlich begründeten „komplementären Onkologie“, die mit der konventionellen Onkologie integriert wurde, seit Anfang der 80er Jahre.
  • Entwicklung einer regionalen Perfusions-Chemotherapie zur Krebsbehandlung der Pleura in Kombination mit Hyperthermie im Bauchraum, der Blase und dem Rippenfell. Mit dieser neuen Methode konnten die Überlebens- und Heilungschancen von Patienten mit fortgeschrittenen Karzinomen in diesen Organen wesentlich verbessert werden. Allein in Deutschland könnten von dieser neuen Methode 1.500 – 2.000 Krebspatienten profitieren, wenn diese Methode flächendeckend angewendet würde.
  • Einführung der klinischen Tiefenhyperthermie mit Radiowellen und Forschung und Klinik in Deutschland (1989). – Die BioMed-Klinik ist weltweit vom therapeutischen Spektrum bzw. der Methodik, das umfassendste Hyperthermiezentrum.
  • Nachweis der Wirksamkeit der Tiefenhyperthermie mit Kurzwellen bei Patienten mit bösartigen Hirntumoren. Eine wesentliche Verlängerung des Überlebens und potenzielle Heilung ist damit im Vergleich zu bisherigen Methoden, wie Strahlen- und Chemotherapie, möglich.

Ehrenämter

  • Gründer und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Onkologie seit 1981
  • Gründer, langjähriger Geschäftsführer und Vorstandsmitglied sowie später Vizepräsident der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr, eine Fördergesellschaft für Forschung und Entwicklung von komplementären Methoden in der Krebstherapie (über 20.000 Mitglieder bzw. Förderer) seit 1982
  • Vorsitzender der Ärztegesellschaft für Erfahrungsheilkunde und Komplementär-Medizin (ca. 15.000 ärztliche Mitglieder); Veranstalter der Medizinischen Woche mit über 4.500 Teilnehmer jährlich
  • Gründer und Gründungspräsident der Deutschen Gesellschaft für Hyperthermie
  • Ehemaliger Präsident und langjähriges Vorstandsmitglied der International Clinical Hyperthermia Society, USA
  • Ehrenvorsitzender der Korea-Germany Biomedizin Society, Seoul; mit Vorstandsmitgliedern führender koreanischer Forschungsinstitute (National Cancer Institute of Korea, Korea Advanced Institute of Technology)
  • Regional: seit Jahren Kreisvorsitzender des Hartmannbundes Südliche Weinstraße

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Handbuch der Organotherapie. 1983.
  • Biomodulation und Biotherapie des Krebses, Bd. I + II, Heidelberg, Verlag f. Medizin Dr. Fischer
  • Thymusfaktoren – Biologische Eigenschaften und klinische Aspekte, Stuttgart/New York, Gustav Fischer Verlag
  • Thymic Peptides in Preclinical and Clinical Medicine, München, Zuckerschwerd
  • Komplementäre Onkologie, München, Forum Medizin Verlag
  • Hyperthermia in Cancer Treatment: A Primer, New York, Springer 2006

Literatur

  • Hager, Dieter. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 441–442.

Einzelnachweise

  1. GZM – Praxis und Wissenschaft – 15. Jr. 1/2010
  2. Erfahrungsheilkunde 1 / 2010, Band 59