Dieter Benkert
Wolf-Dieter Benkert (* 18. August 1933 in Potsdam; † 13. September 2022 ebenda) war ein deutscher Botaniker und Mykologe. Er war vor allem auf die Bryologie und die Ordnung der Becherlingsartigen spezialisiert. Sein botanisch-mykologisches Autorenkürzel lautet „Benkert“.
Leben
Dieter Benkert verlor früh seinen Vater durch den Zweiten Weltkrieg. Aufgrund eines Unfalls im Alter von 15 Jahren bei mangelhafter medizinischer Versorgung zu dieser Zeit verbrachte er zur Ausheilung einer Knochentuberculose fast drei Jahre[1] im Krankenhaus. An den Folgen dieser Erkrankung, auch mit Schmerzen verbunden, litt er fortan sein gesamtes Leben.
Er besuchte in Potsdam die Schule und machte dort 1954 sein Abitur. Es folgte ein Biologiestudium von 1954 bis 1959[2] an der Humboldt-Universität zu Berlin, das er 1960 mit einer Diplomarbeit zum Stickstoff- und Säurehaushalt von Halophyten abschloss. Anschließend war er wissenschaftlicher Assistent und Kustos am damaligen Institut für Spezielle Botanik und Arboretum der Humboldt-Universität in Berlin-Baumschulenweg unter der Leitung von Walter Vent. Diese Stelle behielt er sein gesamtes Berufsleben lang. 1966 promovierte er in Potsdam zu physiologischen Eigenschaften von Halophyten.
Ab Ende der 1960er-Jahre leitete Benkert im Rahmen seiner Anstellung am Institut die Kartierung der Höheren Pflanzen in Brandenburg (Bezirke Potsdam, Frankfurt, Cottbus und Ost-Berlin) sowie der Altmark. 1969 leitete er die Gründung der AG Märkischer Botaniker. Zwischen 1970 und 1999 organisierte er insgesamt 30 Tagungen in verschiedenen Regionen Brandenburgs. Ab 1973 gab er zusammen mit Walter Vent und Günther Natho die Zeitschrift Gleditschia heraus. 1978 erschien die von ihm erarbeitet Rote Liste der Moose, Farn- und Samenpflanzen.
Im Jahr 1982 initiierte Benkert die Gründung der Mykologischen Arbeitsgemeinschaft an der HU Berlin (1992 in die Interessengemeinschaft Märkischer Mykologen (IMM) beim NABU Brandenburg überführt). Von 1992 bis 1996 war Benkert Vorsitzender des Botanischen Vereins von Berlin und Brandenburg; 1999 wurde er zu dessen Ehrenmitglied ernannt. Im Jahr 1996 brachte er als Ergebnis der Kartierung zusammen mit zahlreichen Mitstreitern den Atlas der Farn- und Blütenpflanzen Ostdeutschlands heraus.
Im Jahr 1998 trat Benkert in den beruflichen Ruhestand. Im gleichen Jahr erhielt er die Ehrenmitgliedschaft in der Pilzkundlichen Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburg e. V. (PABB). 2006 wurde er für seinen Einsatz für die Erforschung und den Erhalt der Natur in Brandenburg mit der Silbernen Ehrennadel des NABU ausgezeichnet. Ab 2022 war Benkert Ehrenmitglied des Boletus e. V.
Aus der ersten Ehe im Jahr 1964 ging ein Sohn (* 1964) hervor. Nach dem frühen Tod seiner ersten Frau im Jahr 1978 heiratete er 1982 erneut. Infolge einer Alzheimer-Erkrankung starb er im September 2022.
Wirken
Dieter Benkert war innerhalb der Pezizales insbesondere auf moosparasitische (bryophile) Vertreter spezialisiert. Für die Gattungen Lamprospora und Octospora beschrieb er jeweils rund zwei Dutzend Arten neu.[3] Daneben bearbeitete er unter anderem die Gattungen Geopora, Kotlabaea, Moravecia, die von ihm zusammen mit Michel Caillet und Gilbert Moyne aufgestellt wurde, Neottiella, Ramsbottomia, Smardaea und Sowerbyella. Er veröffentlichte insgesamt fast 240 Publikationen. Benkert stand unter anderem in Kontakt mit Frieder Gröger, Horst-Herbert Handke, Bruno Hennig, Hermann Jahn, Hanns Kreisel, Adolf Straus, Mirko Svrček und Zdeněk Pouzar.[4]
Daneben beschäftigte sich Benkert mit den Erdzungenverwandten (Geoglossaceae), hierbei besonders mit den Gattungen Geoglossum und Trichoglossum. In dieser Gruppe trug er mit grundlegenden Arbeiten zum Verständnis der Morphologie, Ökologie und Verbreitung der Arten bei.
Für das in mehreren Bänden und in verschiedenen Auflagen erschiene Handbuch für Pilzfreunde verfasste Benkert u. a. die Beschreibungen der Schlauchpilze für Band 2 (1986) und einen Bestimmungsschlüssel der Becherlinge für Band 6 (1988). In der von Hanns Kreisel im Jahr 1987 herausgegebenen Pilzflora der Deutschen Demokratischen Republik bearbeitete er vor allem die cyphelloiden Pilze.
Die mehrere Tausend Belege umfassende Sammlung von Pflanzen und Pilzen ist an das Herbar des Botanische Museum Berlin übergegangen. Seine Aufzeichnungen befinden sich im Landesamt für Umwelt in Brandenburg.
Publikationen (Auswahl)
- 1974: Die Moosflora der Potsdamer Umgebung. In: Gleditschia. Nr. 2. S. 95–149.
- 1976: Bemerkenswerte Ascomyceten der DDR. I. Zu einigen Arten der Gattung Lamprospora De Not. In: Feddes Repertertorium. Nr. 87. S. 611–642.
- 1976: Bemerkenswerte Ascomyceten der DDR. II. Die Gattungen Geoglossum und Trichoglossum in der DDR. In: Mykologisches Mitteilungsblatt. Nr. 20. S. 47–92.
- 1978: Liste der in den brandenburgischen Bezirken erloschenen und gefährdeten Moose, Farn- und Blütenpflanzen (Stand vom Mai 1978). In: Naturschutzarbeit Berlin Brandenburg. Nr. 14: S. 34–80.
- 1980: Seltene Basidiomyceten aus dem NSG Fresdorfer Moor (Kreis Potsdam). In: Boletus. Nr. 4, Band 2. S. 41–51.
- 1980: Zum Wandel der floristischen Artenmannigfaltigkeit in der DDR. In: Gleditschia. Nr. 8. S. 11–30. (zusammen mit M. Succow und N. Wiśniewski)
- 1992: Rote Liste der gefährdeten Großpilze Deutschlands. In: Naturschutz Spezial. Bonn. 144 S. (zusammen mit H. Dörfelt, H.-J. Hardtke, G. Hirsch, H. Kreisel, G. J. Krieglsteiner, M. Lüderitz, A. Runge, H. Schmid, J. A. Schmitt, W. Winterhoff, K. Wöldecke, H. D. Zehfuss)
- 1993: Rote Liste. Farn- und Blütenpflanzen. In: Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Raumordnung Brandenburg (Hrsg.): Gefährdete Farn- und Blütenpflanzen, Algen und Pilze im Land Brandenburg. Rote Liste. Potsdam. S. 7–95. (zusammen mit G. Klemm)
- 1993: Rote Liste Großpilze (Makromyzeten). In: Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Raumordnung Brandenburg (Hrsg.): Gefährdete Farn- und Blütenpflanzen, Algen und Pilze im Land Brandenburg. Rote Liste. Potsdam. S. 107–185.
- 1995: Liste der Moose von Brandenburg und Berlin mit Gefährdungsgraden. In: Verhandlungen des Botanischen Vereins von Berlin und Brandenburg. Nr. 128, Band 1. S. 1–68. (zusammen mit P. Erzberger, J. Klawitter, W. Linder, C. Linke, A. Schaepe, M. Steinland und W. Wiehle)
- 1996: Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Ostdeutschlands. Spektrum, Jena. 615 S. (zusammen mit F. Fukarek und H. Korsch)
- 1996: Rote Liste der Großpilze Deutschlands. In: Schriftenreihe für Vegetationskunde. Nr. 28. S. 377–426. (zusammen mit H. Dörfelt, H.-J. Hardtke, G. Hirsch, H. Kreisel, G. J. Krieglsteiner, M. Lüderitz, A. Runge, H. Schmid, J. A. Schmitt, W. Winterhoff, K. Wöldecke, H. D. Zehfuss)
- 2000: Neotypisierung von Lamprospora miniata De Not. (Ascomycetes, Pezizales) und die Probleme des „Lamprospora miniata-Komplexes“. In: Associazione Micologia Bresadola (Hrsg.): Micologia. 2000, Trento. S. 47–61.
Ehrentaxa
Folgende Arten wurden zu Ehren Benkerts beschrieben:
- Coronellaria benkertii Svrček 1978
- Marcelleina benkertii J. Moravec 1987
- Orobanche benkertii Rätzel & Uhlich 2004
- Periconiella benkertii U. Braun 2004
- Kotlabaea benkertii B. Perić 2013
- Pseudoboubovia benkertii (B. Perić) U. Lindem., M. Vega, B. Perić & R. Tena 2015
- Lamprospora benkertii Eckstein, M. Vega, Sochorová & Janošík 2022
Literatur
- Volker Kummer: In memoriam Dr. Dieter Benkert (18.08.1933 – 13.09.2022). In: Boletus. Nr. 44, Band 1, 2023. S. 73–82 (PDF; 1,5 MB).
Weiterführende Literatur
- Hanns Kreisel: Zum 70. Geburtstag von Dr. Dieter Benkert. In: Feddes Repertorium. Nr. 115, 2004. S. 1–4.
- Volker Kummer: Dr. Dieter Benkert zum 70. Geburtstag. In: Verhandlungen des Botanischen Vereins von Berlin und Brandenburg. Nr. 137, 2004. S. 13–17 (PDF; 425 KB).
- Volker Kummer: Herrn Dr. Dieter Benkert zum 80. Geburtstag. In: Zeitschrift für Mykologie. Nr. 80, Band 1, 2014. S. 6–9 (PDF; 354 KB).
- Volker Kummer, Birgit Seitz, Ralf Schwarz: Zum 85. Geburtstag von Dieter Benkert. In: Verhandlungen des Botanischen Vereins von Berlin und Brandenburg. Nr. 150, 2018. S. 329–332 (PDF; 130 KB).
- Volker Kummer, Ralf Schwarz, Frank Zimmermann: Erinnerungen an Dr. Dieter Benkert (18.08.1933 – 13.09.2022). In: Verhandlungen des Botanischen Vereins von Berlin und Brandenburg. Nr. 154, 2022. S 289–308 (PDF; 1,0 MB).
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Volker Kummer: Herrn Dr. Dieter Benkert zum 80. Geburtstag. In: Zeitschrift für Mykologie. Nr. 80, Band 1, 2014. S. 6–9 (PDF; 354 KB).
- ↑ Volker Kummer: In memoriam Dr. Dieter Benkert (18.08.1933 – 13.09.2022). S. 73.
- ↑ Volker Kummer: In memoriam Dr. Dieter Benkert (18.08.1933 – 13.09.2022). S. 78.
- ↑ Volker Kummer: In memoriam Dr. Dieter Benkert (18.08.1933 – 13.09.2022). S. 76.