Diemut Majer
Diemut Majer (* 26. Juni 1938 in Großbettlingen; † 16. Januar 2024 in Karlsruhe) war eine deutsche Rechtswissenschaftlerin.
Leben und Wirken
Diemut Majer wurde als zweites Kind des Pfarrers Otto Majer und dessen Frau Maria, geb. Eppinger, in Großbettlingen (Kreis Nürtingen/Neckar) geboren.[1] Sie besuchte das Gymnasium in Kirchheim/Teck, Ludwigsburg und Stuttgart und studierte anschließend von 1957 bis 1961 Rechtswissenschaft und politische Wissenschaften an den Universitäten Freiburg und Bonn sowie an der Freien Universität Berlin und am Bologna-Center der Johns Hopkins University in Baltimore (USA). Während ihres Studiums engagierte sich Majer in den Deutsch-Israelischen Studiengruppen.[2] Seit Dezember 1962 stand Majer im juristischen Vorbereitungsdienst des Landes Baden-Württemberg und war bei der Deutsch-Italienischen Handelskammer in Rom tätig. Im Dezember 1965 wurde Majer bei Konrad Hesse in Freiburg mit einer Arbeit über Die Folgen verfassungswidriger Gesetze im öffentlichen Recht promoviert (Zweitgutachter war Martin Bullinger).
Anschließend war Majer Assistentin an der Universität Mannheim und wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Die Habilitation folgte 1984 an der Universität Bern, nachdem der Fachbereich Rechtswissenschaft der Freien Universität Berlin ihre 1974 vorgelegte Habilitationsschrift »Fremdvölkische« im Dritten Reich 1981 in einem fehlerhaften Verfahren abgelehnt hatte.[3] Majer war zunächst Privatdozentin und von 1994 bis 2004 Titularprofessorin für öffentliches Recht, Verfassungsgeschichte und Rechtsvergleichung an der Universität Bern sowie Lehrbeauftragte für Europarecht und Deutsches und Europäisches Umweltrecht an der Universität Karlsruhe. Sie war außerdem Professorin an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung und als Rechtsanwältin tätig.
Sie legte zahlreiche Veröffentlichungen zur Rechts- und Verfassungsgeschichte sowie zum Umwelt- und Europarecht vor. Sie arbeitete als Rechtsanwältin und war Mitglied der Vereinigung für Verfassungsgeschichte sowie der Vereinigung der Deutschen Staatsrechtslehrer[4].
Majer starb im Frühjahr 2024 in Karlsruhe.[5]
Schriften (Auswahl)
- Die Folgen verfassungswidriger Gesetze im öffentlichen Recht. (Freiburg (Breisgau), Univ., Diss., 1965).
- „Fremdvölkische“ im Dritten Reich. Ein Beitrag zur nationalsozialistischen Rechtssetzung und -praxis in Verwaltung und Justiz unter besonderer Berücksichtigung der „eingegliederten Ostgebiete“ und des „Generalgouvernements für die besetzten polnischen Gebiete“. Boldt, Boppard am Rhein 1981, ISBN 3-7646-1744-6 (Zugl.: Bern, Univ., Habil.-Schr., 1984).
- Verfassungsgerichtsbarkeit und Bund-Länder-Konflikte. Ein Beitrag zu den Empfehlungen der Enquête-Kommission Verfassungsreform zur Erweiterung der Kompetenzen des Bundesverfassungsgerichts. Mit einer Dokumentation der Schlussberichte der Enquête-Kommission Verfassungsreform sowie der Expertenkommission für die Vorbereitung einer Totalrevision der Bundesverfassung der Schweiz. Berlin 1981.
- Neutralitätsrecht und Neutralitätspolitik am Beispiel Österreichs und der Schweiz. Heidelberg 1987.
- Grundlagen des nationalsozialistischen Rechtssystems. Stuttgart 1987.
- Europa zwischen Integration und Kooperation. Wiesbaden 1999.
- Nationalsozialismus im Lichte der juristischen Zeitgeschichte. Baden-Baden 2002.
- Frauen – Revolution – Recht. Die großen europäischen Revolutionen in Frankreich, Deutschland und Österreich 1789 bis 1918 und die Rechtsstellung der Frauen unter Einbezug von England, Russland, der USA und der Schweiz. Zürich/St. Gallen 2008.
Literatur
- Diemut Majer: Neunzehn Jahre an der Universität Bern. Ein Erfahrungsbericht. In: Commentationes Historiae Iuris Helvetiae 4 (2009), S. 145–151.
- Ulrike Schultz, Anja Böning, Ilka Peppmeier, Silke Schröder: De jure und de facto: Professorinnen in der Rechtswissenschaft. Nomos, Baden-Baden 2018, ISBN 978-3-8487-4477-0.
Weblinks
- Literatur von und über Diemut Majer im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Webseite bei der Universität Karlsruhe
- Autorenseite beim Dike Verlag
- Autorenseite beim Beck Verlag
Einzelnachweise
- ↑ Vademekum der Geschichtswissenschaften. 10. Ausgabe. F. Steiner, Stuttgart 2012, S. 478.
- ↑ Jonas Hahn: Die Deutsch-Israelischen Studiengruppen und die frühen studentischen Kontakte mit Israel 1948–1972, Göttingen 2025, S. 120.
- ↑ Helmuth Schulze-Fielitz: Die Wissenschaftskultur der Staatsrechtslehrer im Spiegel der Geschichte ihrer Vereinigung, Tübingen 2022, S. 27; dazu aus eigener Sicht auch Diemut Majer: Neunzehn Jahre an der Universität Bern. Ein Erfahrungsbericht. In: Commentationes Historiae Iuris Helvetiae 4 (2009), S. 145–151, hier: S. 146 f., mit redaktioneller Notiz S. 145.
- ↑ Zu den Widerständen gegen die Aufnahme in der Mitgliederversammlung 1985 in Freiburg i. Ue. (Schweiz) Helmuth Schulze-Fielitz: Die Wissenschaftskultur der Staatsrechtslehrer im Spiegel der Geschichte ihrer Vereinigung. Tübingen 2022, S. 27.
- ↑ Traueranzeigen von Diemut Majer | Frankfurter Allgemeine Lebenswege. Archiviert vom am 16. Juli 2025; abgerufen am 3. Dezember 2025 (deutsch).