Die sagenhaften Vier

Film
Titel Die sagenhaften Vier
Produktionsland Deutschland, Belgien
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2018
Länge 92 Minuten
Altersfreigabe
Produktions­unternehmen Scopas Medien
Grid Animation
Stab
Regie Christoph Lauenstein,
Wolfgang Lauenstein
Drehbuch Christoph Lauenstein
Wolfgang Lauenstein
Produktion Jan Bonath
Mark Mertens
Jan Goossen
Musik Andreas Radzuweit
Schnitt Sascha Wolff-Täger
Holger Lass
Synchronisation

Die sagenhaften Vier ist ein deutsch-belgischer Computeranimationsfilm aus dem Jahr 2018 von Wolfgang und Christoph Lauenstein. Er ist eine komödiantische Neuinterpretation des Märchens Die Bremer Stadtmusikanten der Gebrüder Grimm.

Handlung

Marnie, eine verwöhnte Hauskatze mit einer Vorliebe für Fernsehkrimis, glaubt eigentlich, die Welt zu kennen – zumindest von der Couch aus. Doch als sie durch eine Intrige plötzlich vor die Tür gesetzt wird, findet sie sich in einer Realität wieder, für die sie nie trainiert wurde. Auf ihrer unfreiwilligen Reise trifft sie drei ebenso gestrandete Tiere: Elvis, einen gutmütigen Wachhund, der seinen Job etwas zu gelassen genommen hat; Mambo Dibango, ein exzentrisches Zebra mit künstlerischen Ambitionen; und Eggbert, einen nervösen Hahn, der von seinem chaotischen Hühnerhof flieht.

Obwohl sie unterschiedlicher kaum sein könnten, schweißt ein gemeinsames Missverständnis die vier zusammen: Man hält sie für eine berüchtigte Einbrecherbande. Um ihre Namen reinzuwaschen, stolpern sie von einer kuriosen Situation in die nächste und versuchen dabei herauszufinden, wer wirklich hinter den Diebstählen steckt.

Während sie unfreiwillig über sich hinauswachsen, muss ausgerechnet Marnie – die bisher nur das Fernsehwissen aus Krimiserien kannte – lernen, wie echtes Teamwork funktioniert. Am Ende wartet nicht nur die Auflösung des Falls, sondern auch die Erkenntnis, dass Familie manchmal dort entsteht, wo man sie am wenigsten erwartet.

Produktion und Veröffentlichung

Ursprung der Idee einer Neuinterpretation der Bremer Stadtmusikanten waren Werbeclips der Brüder Lauenstein zur Bewerbung Bremens als Kulturhauptstadt 2010. Die aus Knete geformten Tiere wurden für die Weiterentwicklung zum Kinofilm schließlich zu CGI-Animationen. Nachdem sie ihre Filme zuvor ausschließlich vor der Kamera handanimiert hatten, erforderte diese Technik einen stark unterteilten, abstrakten Arbeitsprozess. Moddeling und Rigging fanden in Belgien, die Animationen in Indien statt und in Deutschland wurde das ganze schließlich optimiert. Parallel erhielten die Figuren Fell und Federkleid. Vorbild für die Qualität der Animationen waren die Filme der Pixar Studios, auch wenn ein Budget von unter 10 Millionen Euro die Autoren zu Kompromissen zwang.[2]

Die sagenhaften Vier wurden unter dem Arbeitstitel Marnies Welt von der Produktionsfirma Scopas Medien (Frankfurt am Main) zusammen mit Grid Animation (Gent / Niederlanden) und Philm CGI (Pune / Indien) produziert, in Deutschland von der Universum Film verliehen, während den Weltvertrieb die Global Screen organisierte. Nach der Welturaufführung im Mai 2018 auf dem Festival d’Animation Annecy startete der Film am 18. April 2019 in den deutschen Kinos.

Die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) verlieh dem Film das Prädikat „besonders wertvoll“.[3]

Synchronisation

Die Sprachaufnahmen für die deutsche Synchronfassung entstanden im Wiesbadener Tonstudio Klangbezirk.

Hauptrollen
Rolle Synchronsprecher
Marnie Alexandra Neldel
Elvis Axel Prahl
Eggbert Santiago Ziesmer
Mambo di Bango Erik Borner
Rosalinde Gabi Franke
Onkel Paul Linus Kraus

Kritiken

Bianca Piringer von spielfilm.de lobt diese „köstliche Neuinterpretation der Bremer Stadtmusikanten. […] Der Humor erweist sich zu seinem Vorteil des öfteren als frech und sogar ruppig. Die lieblichen Landschaftszeichnungen betonen die naiv-unschuldige Seite der Geschichte, die einen spannungsreichen Kontrast zu den aufgeweckten Ideen und dem spritzigen Dialogwitz bildet.“[4]

In der Jury-Begründung der FBW heißt es: „Dieser Film zeigt, dass das Märchen Die Bremer Stadtmusikanten der Gebrüder Grimm so etwas wie ein Urmodell der in populären Genres so beliebten Geschichte von den ‚Misfits‘ ist, also von einer Gruppe Außenseiter, die alleine scheitern, aber gemeinsam erfolgreich sind. Übernommen wurde von der Vorlage nur die Grundstruktur und der berühmte Kernsatz: ‚Etwas Besseres als den Tod findest du überall‘. […] Die größte Stärke des Films ist das Drehbuch, das von originellen und witzigen Ideen überquillt und mit dem sowohl das Zielpublikum der Kinder wie auch erwachsene Zuschauer intelligent unterhalten werden.“ Die Kombination aus Actionszenen und ruhigen Passagen stelle sicher, dass der Erzählrhythmus immer kindgerecht bleibe. Auch die Computer-Animation erreiche den Standard, der durch US-amerikanische Studioproduktionen gesetzt werde.[3]

Was die Qualität der Animation anbetrifft, liegen die Meinungen der Rezensenten allerdings weit auseinander. Auch Günter Jekubzik von der Aachener Zeitung findet, der Film konkurriere „locker und verrückt mit dem berühmten englischen Filmstudio Aardman Animations[5], während Ralf Krämer von der Berliner Morgenpost schreibt, „dass die Animation dabei nicht ganz den Standard der großen Studios in den USA oder Japan erreicht“.[6] Auch Oliver Armknecht findet, „mit den Ganzfamilienwerken etwa von Pixar Studios kann es Die sagenhaften Vier nicht aufnehmen, weder inhaltlich noch optisch. Dafür war das Budget der deutsch-belgischen Coproduktion auch einfach zu gering.“[7]

Katrin Hoffmann von Epd Film freut sich, dass die Regisseure nach ihrem Oscar-prämierten Animationskurzfilm Balance (1989) und Jahrzehnten der Werbefilmproduktion „sich nun innerhalb so kurzer Zeit mit zwei CGI-Abenteuern dem Familienfilm widmen“ – womit sie auch deren Film Luis & die Aliens im Jahr zuvor meint. „Manchmal mit sarkastischem Humor – Marnies Tagebuch besteht seitenweise aus drei Wörtern: Schlafen, Essen, TV-Serie­ – und ab und an mit einem Schenkelklopferwitz – Mambo kann Seifenblasen pupsen – macht der Film auf verschiedenen Ebenen Spaß und hat mit den vier sehr unterschiedlichen Charakteren für jeden ein Identifikationsangebot parat.“[8]

Einzelnachweise

  1. Freigabebescheinigung für Die sagenhaften Vier. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 180049/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. Heike Angermaier: Christoph Lauenstein: „Einen eigenständigen Look bewahren“. In: Blickpunkt Film. 20. März 2019, abgerufen am 18. November 2025.
  3. a b Die sagenhaften Vier. In: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW). Abgerufen am 17. November 2025.
  4. Bianka Piringer: Die sagenhaften Vier. In: spielfilm.de. Abgerufen am 17. November 2025.
  5. Günter H. Jekubzik: „Die sagenhaften Vier“ ist witzige Variation der Brüder Lauenstein. In: Aachener Zeitung. 14. April 2019, abgerufen am 18. November 2025.
  6. Ralf Krämer: Bremer Stadtmusikanten reloaded: „Die sagenhaften Vier“. In: Berliner Morgenpost. 18. April 2019, abgerufen am 18. November 2025.
  7. Oliver Armknecht: Die sagenhaften Vier | Film-Rezensionen.de. 13. April 2019, abgerufen am 18. November 2025.
  8. Katrin Hoffmann: Kritik zu Die sagenhaften Vier. In: epd Film. 22. März 2019, abgerufen am 17. November 2025.