Die blaue Lagune (1980)
| Film | |
| Titel | Die blaue Lagune |
|---|---|
| Originaltitel | The Blue Lagoon |
| Produktionsland | USA |
| Originalsprache | Englisch |
| Erscheinungsjahr | 1980 |
| Länge | 101 Minuten |
| Altersfreigabe |
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| Stab | |
| Regie | Randal Kleiser |
| Drehbuch | Douglas Day Stewart |
| Produktion | Randal Kleiser |
| Musik | Basil Poledouris |
| Kamera | Néstor Almendros |
| Schnitt | Robert Gordon |
| Besetzung | |
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| → Synchronisation | |
| Chronologie | |
Die blaue Lagune (OT: The Blue Lagoon) ist ein US-amerikanisches Filmdrama aus dem Jahr 1980. Es erzählt eine Robinsonade, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Henry De Vere Stacpoole aus dem Jahr 1908. Ein Mädchen und ein Junge stranden nach einem Schiffbruch auf einer abgelegenen Insel im Südpazifik. In diesem tropischen Paradies erleben sie ohne die üblichen gesellschaftlichen Einflüsse den Beginn ihrer Pubertät, verlieben sich ineinander und bekommen ein Kind.
Der Hollywood-Film war ein finanzieller Erfolg, erhielt allerdings damals wie heute negative Kritiken. Regie führte Randal Kleiser, das Drehbuch schrieb Douglas Day Stewart. Die Hauptrollen spielten Brooke Shields und Christopher Atkins.
Handlung
Die beiden Cousins Emmeline und Richard Lestrange fahren Ende des 19. Jahrhunderts mit einem Schiff von Boston nach San Francisco. Ein Brand auf dem Schiff führt zur Katastrophe. Nur Emmeline, Richard, der Matrose Paddy Button sowie Richards Vater (Emmelines Onkel) überleben mit einigen anderen Matrosen den Untergang des Schiffes. Die Überlebenden in den beiden Rettungsbooten verlieren im Nebel den Anschluss aneinander. Paddy, Richard und Emmeline stranden mit ihrem Boot auf einer Insel in der Südsee.
Auf der Insel wachsen verschiedene Früchte, von denen sie sich ernähren können, und es gibt Süßwasser. Aber es gibt auch Hinweise darauf, dass hier zuvor andere Menschen gestrandet sind und ein Schädel deutet darauf hin, dass auch Menschen auf der Insel umgekommen sind. Die Kinder werden von Paddy Button erzogen, der ihnen verbietet, von den Beeren der Insel zu essen, weil sie sonst sterben würden. Er lehrt die Kinder, Fische und Meeresfrüchte als Nahrung zu nutzen. Als Paddy auf der anderen Seite der Insel eine kürzlich erst genutzte Opferstätte von Eingeborenen entdeckt, schärft er ihnen ein, die Seite der Insel, auf denen ihre Behausung steht, niemals zu verlassen. Er warnt sie vor dem Boogie Man, der auf der anderen Seite der Insel wohnen soll. Die beiden sind noch jung, als der Matrose schwer betrunken stirbt. Sie verlassen den Strand, an dem sie mit Paddy gelebt haben, und suchen sich an einer anderen Stelle der Insel ein neues Zuhause.
Unbeschwert leben beide auf der Insel ein einfaches Leben, finden ausreichend Nahrung und gestalten frei ihren Lebensraum. Langsam werden die Kinder erwachsen. Emmeline und Richard kommen in die Pubertät. Als Emmeline ihre erste Periode bekommt, zieht sie sich erschrocken und beschämt zurück. Richard entwickelt ein sexuelles Interesse für Emmeline, welches von ihr zunächst allerdings nicht erwidert wird, und er beginnt, sich selbst zu befriedigen.
Beide sind überfordert mit ihren Gefühlen füreinander, necken und streiten sich. Als ein Schiff in die Nähe der Insel kommt, Emmeline sich aber weigert, ein Signalfeuer anzuzünden, weil sie auf der Insel bleiben will, wird Richard wütend. Er will mit einem selbst gebauten Floß die Insel verlassen, kommt aber nicht weit, da sich das Floß auflöst. Richard zieht sich eine Zeit lang zurück. Erst als Emmeline im Meer auf den Giftstachel eines Fischs tritt und erkrankt, finden die beiden wieder zueinander. Richard bringt Emmeline zu der von ihr als Gott bezeichneten Steinformation an der Opferstätte auf der anderen Seite der Insel. Bald erholt sich das Mädchen, und sie kehren zu ihrem Haus zurück.
Nach Überwindung der vergangenen Streitigkeiten kommen beide einander näher. Sie entdecken ihre Sexualität und schlafen von nun an miteinander. Kurz darauf bemerken beide, dass Emmeline sich verändert. Sie scheint einen großen Appetit zu haben, muss sich allerdings auch übergeben. Den beiden ist nicht klar, dass Emmeline schwanger ist, bis sie einen Jungen zur Welt bringt. Die beiden geben ihm den Namen Paddy. Erst als Emmeline den Kleinen an ihre Brust drückt, entdeckt sie, wie sie den Säugling ernähren kann. Gemeinsam ziehen sie ihn groß und zeigen ihm alles, was für das Leben auf der Insel wichtig ist.
Richard wird wieder mit dem Tod konfrontiert, als er an der Opferstelle sieht, wie ein Mann von den Eingeborenen getötet wird. Seither ist er wachsam und will seine Familie vor den Eingeborenen beschützen, hinterfragt aber auch generell das Gute im Menschen. Sie entwickeln sich zu einer glücklichen Familie, und als eines Tages ein Schiff vorbeifährt, rufen sie nicht nach ihm, sondern verlassen den Strand. Sie wissen nicht, dass mit dem Schiff Richards Vater gekommen ist, der die Suche nach den Kindern nie aufgegeben hat.
Kurz darauf wollen Richard und Emmeline mit ihrem Sohn Paddy an die Stelle zurückkehren, an der sie mit Button die ersten Monate gelebt hatten. Mit ihrem Rettungsboot fahren sie um die Insel an den alten Strand. Während Richard Bananenstauden besorgt, werden Emmeline und Paddy aufs Meer hinaus getrieben. Sie verlieren ein Ruder. Richard schwimmt ihnen hinterher, wird aber von einem Hai verfolgt. Emmeline wirft mit dem zweiten Ruder nach dem Hai, um Richard vor dem Angriff zu schützen. Doch nun fehlen ihnen beide Ruder. Die Strömung treibt das Boot immer weiter hinaus aufs offene Meer. Sie versuchen mit ihren Händen zurückzurudern und geben schließlich auf; sie können nicht mehr zurück. Emmeline findet Zweige im Boot, die Paddy zuvor gesammelt hat. Richard und Emmeline bemerken, dass Paddy einige „Beeren des ewigen Schlafes“ bereits verschluckt hat. Richard pflückt die restlichen Beeren, die sie niemals essen sollten. Aufgrund der scheinbaren Ausweglosigkeit ihrer Lage und des vermeintlichen Verlusts ihres Sohnes essen auch Richard und Emmeline davon. Die kleine Familie legt sich zum Sterben ins Boot.
Doch das Schiff von Richards Vater segelt noch an der Küste entlang. Die Mannschaft bemerkt das abtreibende Boot. Mit einem Beiboot fährt Richards Vater mit einigen Matrosen zu dem aufgefundenen Boot hinüber. Auf seine Frage, ob sie alle tot seien, antwortet ein Matrose: „Nein, Sir, sie schlafen“.
Synchronisation
Die deutsche Synchronfassung entstand bei der Elite Film Rudolf Kruschinski, München. Ivar Combrinck schrieb das Dialogbuch und führte Regie.[1]
| Rolle | Darsteller | Synchronsprecher |
|---|---|---|
| Emmeline Lestrange | Brooke Shields | Marina Köhler |
| Richard Lestrange | Christopher Atkins | Pierre Franckh |
| Paddy Button | Leo McKern | Walter Reichelt |
| Arthur Lestrange | William Daniels | Leo Bardischewski |
| Emmeline als kleines Kind | Elva Josephson | Inga Nickolai |
| Richard als kleines Kind | Glenn Kohan | Andreas Klein |
| Kapitän | Alan Hopgood | Holger Hagen |
Hintergrund
- Für die Rolle von Richard und Emmeline waren ursprünglich Matt Dillon und Helen Hunt vorgesehen, doch beide lehnten die Rolle nach einer Bedenkzeit aufgrund einiger freizügiger Szenen ab.
- Die Produktionskosten beliefen sich auf etwa 4,5 Millionen US-Dollar. Der Film spielte in den Kinos der USA etwa 58,85 Millionen US-Dollar ein.[2]
- Die Rolle des Schiffs Northumberland, das im ersten Teil des Films mit dunklem Zierstrich am weißen Rumpf zu sehen ist, wurde von der in Deutschland gebauten Eye of the Wind (Stapellauf 1911) übernommen, die damals ihren Heimathafen in London hatte. Das Schiff, mit dem Richards gealterter Vater in der Mitte und am Ende des Films nach den Vermissten sucht, wurde von The Golden Plover (1910–2011, damaliger Heimathafen Melbourne, Australien) dargestellt, die einen blauen Rumpf und weißen Schandeckel hatte.[3] Beide Schiffe waren zu der Zeit Schonerbriggs, mit weißen Segeln geriggt.
- Der Film wurde in der Komödie Top Secret! parodiert. Dort stranden Hillary Flammond und Nigel auf einer Insel. Ein sowjetischer Frachter rettet Nigel, der später zum überzeugten Kommunisten und Verräter in der Widerstandsbewegung wird.
- Der Hauptdarsteller Christopher Atkins gab in diesem Film sein Filmdebüt.
Drehort
Eine Besonderheit dieser Hollywood-Produktion ist, dass der gesamte Film zu 100 % extern (also nicht in Studios) aufgenommen wurde. Dies war in den 1970er Jahren noch sehr ungewöhnlich. Bis auf zwei Szenen, den Tintenfisch-Kampf und die Szene, in der Christopher Atkins sich von einem Delphin ziehen lässt (SeaWorld, San Diego), wurde der Film auf Jamaika, Vanuatu und Nanuya Levu gedreht. Letztere Insel, die in den 1980er Jahren in ein Luxus-Urlaubsresort umgewandelt wurde und auch unter dem Namen Turtle Island bekannt ist, gehört zur Yasawa-Inselgruppe von Fidschi. Die Mehrzahl des Produktionsstabes waren Australier. Die Dreharbeiten dauerten drei Monate an, sie begannen Ende Juli und endeten im Oktober 1979.
Kritiken
Roger Ebert bezeichnete den Film in der Chicago Sun-Times vom 3. Juli 1980 als „dümmste[n] Film des Jahres“ („the dumbest movie of the year“).[4] Rob Vaux bezeichnete ihn in Flipside Movie Emporium als „Pornographie für Menschen, die zu Bücherverbrennungen gehen; eine Sexfantasie, so züchtig wie Ihr Klavierlehrer aus der dritten Klasse.“[5] Der Kritikerkonsens auf Rotten Tomatoes lautet „The Blue Lagoon ist […] eine unanständige Fantasie, die zugleich zu keusch ist, um wirklich unterhaltsam zu sein.“ („The Blue Lagoon is a naughty fantasy that's also too chaste to be truly entertaining.“) Das Lexikon des internationalen Films urteilte: „Der harmlose und sentimentale Film kommt über einen gefälligen Naturbilderbogen kaum hinaus. Sein Thema der sexuellen Initiation gerät oft in die Nähe vorsichtig-betulicher Aufklärungsattitüden. Viel Weichzeichnererotik mit puritanischen Untertönen.“[6] Im Fischer Film Almanach 1981 heißt es: „Regisseur Kleiser läßt zwar keine Klischees des Genres aus, doch rekapituliert er sie so gekonnt, als habe er sie noch nie vorher irgendwo gesehen.“[7]
Auszeichnungen
Der Kameramann Néstor Almendros war für einen Oscar nominiert.
Christopher Atkins war für den Golden Globe in der Kategorie als Bester Nachwuchsdarsteller und den Young Artist Award nominiert. Brooke Shields erhielt die Goldene Himbeere und war für den Young Artist Award nominiert. Der Film erhielt außerdem Nominierungen für den Saturn Award als bester Fantasy-Film und für den Young Artist Award als bester Familienfilm.
Weitere Verfilmungen des Romans
Stacpooles Roman war unter dem gleichen Titel erstmals 1923 in Südafrika verfilmt worden (mit Molly Adair in der weiblichen Hauptrolle), sowie ein zweites Mal 1949 mit Jean Simmons und Donald Houston. Die Außenaufnahmen für diese zweite Verfilmung wurden ebenfalls auf Nanuya Levu gedreht.
1991 wurde die als solche deklarierte Fortsetzung des Films von 1980, Rückkehr zur blauen Lagune, mit Milla Jovovich und Brian Krause gedreht. Für den Drehort musste das Produktionsteam diesmal nach Taveuni, Fidschi, ausweichen. Rückkehr zur blauen Lagune ist jedoch inhaltlich eher eine Neuverfilmung als eine Fortsetzung.
Im Dezember 2011 gab der Fernsehsender Lifetime das Projekt einer „zeitgemäßen Neuverfilmung“ des Films von 1980 mit einer in die Gegenwart verlegten Handlung bekannt. Die Newcomer Brenton Thwaites und Indiana Evans übernahmen die Hauptrollen, während Christopher Atkins in einer Nebenrolle als Lehrer auftrat. Im Juni 2012 wurde der Film Blue Lagoon: Rettungslos verliebt (Blue Lagoon: The Awakening) im amerikanischen Fernsehen ausgestrahlt.
Literatur
- Henry De Vere Stacpoole: Die blaue Lagune. Roman (OT: The Blue Lagoon). Deutsch von Catharina von Mayer. Broschek, Hamburg 1950, 218 S.
Weblinks
- Die blaue Lagune bei IMDb
- The Blue Lagoon bei Rotten Tomatoes (englisch)
Einzelnachweise
- ↑ Die blaue Lagune. In: Deutsche Synchronkartei. Abgerufen am 11. Dezember 2023.
- ↑ Business Data für The Blue Lagoon Internet Movie Database
- ↑ End of era for the Plover. In: The Courier Mail. 11. August 2011, abgerufen am 8. Februar 2022.
- ↑ Roger Ebert: The Blue Lagoon movie review & film summary (1980) | Roger Ebert. Abgerufen am 10. Juni 2024 (englisch).
- ↑ Rob Vaux (Flipside Movie Emporium, 6. September 2002): The Blue Lagoon. In: Rotten Tomatoes. Fandango, abgerufen am 8. Februar 2022 (englisch).
- ↑ Die blaue Lagune. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 26. Dezember 2017.
- ↑ Willi Bär, Hans Jürgen Weber: Fischer Film Almanach 1981. Filme, Festivals, Tendenzen (= Fischer Cinema). Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1981, ISBN 3-596-23665-7, Die blaue Lagune, S. 27.