Die Unsichtbaren (2023)
| Film | |
| Titel | Die Unsichtbaren |
|---|---|
| Produktionsland | Deutschland |
| Originalsprache | Deutsch |
| Erscheinungsjahr | 2023 |
| Länge | 98 Minuten |
| Altersfreigabe | |
| Stab | |
| Regie | Matthias Freier |
| Drehbuch | Matthias Freier |
| Kamera | Kay Madsen |
| Schnitt | Marielle Pohlmann |
| Besetzung | |
| |
Die Unsichtbaren ist ein Dokumentarfilm von Matthias Freier aus dem Jahr 2023. Er beschäftigt sich mit der Aufklärung der Säurefassmorde im Hamburg der späten 1980er und frühen 1990er Jahre. Der Film erzählt, wie Kriminalkommissarin Marianne Atzeroth-Freier lange im Alleingang, gegen den Widerstand ihrer Kollegen und Vorgesetzten, ermittelte. Schließlich konnte eine Sonderkommission unter ihrer Federführung den Fall aufklären. Der Film geht außerdem den Geschichten der Opfer und ihrer Angehörigen nach.
Die Unsichtbaren feierte am 30. September 2023 auf dem Filmfest Hamburg Premiere, der deutsche Verleihstart fand am 15. Februar 2024 statt.
Handlung
Die Unsichtbaren beginnt mit einer Schilderung von Marianne Atzeroth-Freiers Berufsweg bei der Hamburger Polizei. Sie fing dort 1978 als eine von fünf Frauen unter 375 männlichen Kollegen an. Sie arbeitete zunächst als Schutzpolizistin und später bei der Sittenpolizei. Schließlich ließ sie sich zur Kriminalpolizei versetzen und war dort erst in Verhandlungsgruppen und bei der Opferbetreuung tätig. In ihrer Abteilung, in der sie die erste und einzige weibliche Mitarbeiterin war, wurde sie von den Kollegen geschnitten. Im Rahmen der Ermittlungen zur Entführung der Christa S. kam Atzeroth-Freier erstmals in Kontakt zu Lutz Reinstrom und seinem Umfeld. Während ihre Kripo-Kollegen dem Opfer Christa S. nicht glaubten, hörte Atzeroth-Freier der Frau zu. Sie kam Reinstrom, einem ehemaligen Lehrling von Kurt K., des Partners von Christa S., auf die Spur. Ebenso kam ihr das Verschwinden der Ex-Partnerin von Kurt K. merkwürdig vor.
Während des Prozesses im Fall Christa S. wurde Atzeroth-Freier von Annegret B.s Mutter angesprochen. Die Mutter teilte der Polizistin ihren Verdacht in Bezug auf Reinstrom mit. Diese Spur wurde von der Polizei nicht weiterverfolgt, nachdem ein Polizeibeamter, der den Verdächtigen aus dem Schwimmverein kannte, sich überzeugt von dessen Unschuld zeigte. Das Opfer war zum Zeitpunkt dieser Aussage vermutlich noch am Leben.
Atzeroth-Freier ermittelte nun allein und in ihrer Freizeit, ihre Vorgesetzten sahen keinen Anlass, der Reinstrom-Spur nachzugehen. Durch Atzeroth-Freiers Ermittlungen kam es zur Einrichtung einer Sonderkommission und zur Durchsuchung von Reinstroms Grundstück. Schließlich wurde nachgewiesen, dass Reinstrom mindestens drei Frauen entführt und in einem Kellerverlies gefangengehalten und misshandelt hatte. Zwei der Frauen hatte er ermordet und ihre zerstückelten Überreste in den Säurefässern deponiert. Es wurden Hinweise auf weitere Straftaten gefunden – im Film ist die Rede von Zähnen, die nicht den drei bekannten Opfern zugeordnet werden konnten. Diesen Hinweisen wurde laut der Filmerzählung jedoch nicht nachgegangen.
Im letzten Teil verfolgt der Film Marianne Atzeroth-Freiers weiteren Berufsweg. Ehemalige Kolleginnen schildern die Empathie der Beamtin: Sie habe immer ein offenes Ohr für Opfer und Angehörige gehabt, habe sich möglicherweise nicht ausreichend abgegrenzt. Atzeroth-Freier selbst gab zu Protokoll, von ihrem Dienststellenleiter weiterhin grundsätzlich übergangen worden zu sein. Während Kollegen für ihre Arbeit gelobt worden seien, seien ihre Leistungen nicht gewürdigt worden. Zum Abschied aus der Abteilung habe sie einen Duden überreicht bekommen.
2017 verstarb Marianne Atzeroth-Freier, zu ihrem Begräbnis kamen viele Weggefährten und Bewunderer.
Produktion und Veröffentlichung
Regisseur Matthias Freier ist der Stiefsohn von Marianne Atzeroth-Freier. Er drehte bisher vor allem Werbespots und Musikvideos. Für Die Unsichtbaren führte er Interviews mit seiner 2017 verstorbenen Stiefmutter und sprach mit einigen Weggefährtinnen. Laut Aussage von Freier wurde der Film innerhalb von zwei Jahren produziert, die Vorarbeiten nahmen 20 Jahre in Anspruch.[2] Angehörige der Opfer kommen ausführlich zu Wort. Außerdem verwendet Freier Archivaufnahmen und Tondokumente. Einige Szenen werden nachgespielt, dabei aber immer mit Originaldokumenten verknüpft. Als wiederkehrendes Bildelement dient ein Kassettenrekorder, über den Audioaufnahmen scheinbar abgespielt werden.[3]
Die Unsichtbaren wurde am 30. September 2023 auf dem Filmfest Hamburg uraufgeführt und kam am 15. Februar 2024 in die Kinos.[4]
Rezeption
Britta Schmeis betont in Epd Film, dass in Die Unsichtbaren Ermittlerin Marianne Atzeroth-Freier im Mittelpunkt stehe. Atzeroth-Freier, eine der ersten Frauen in der Hamburger Mordkommission habe den Fall „nahezu im Alleingang und gegen die Widerstände zahlreicher männlicher Kollegen“ gelöst. Außerdem gebe der Film den Mordopfern und ihren Angehörigen eine Stimme. Der Fokus des Films liege nicht auf dem Mörder, „sondern auf den Frauen“. Die grausamen Details der Morde würden nicht ausgestellt. Der Film sei eine späte Anerkennung für Marianne Atzeroth-Freier, die 2017 verstarb. Außerdem sei er „ein mahnendes Dokument, wie männliche Ignoranz Leben kosten kann, und die packende Chronik eines außergewöhnlichen Kriminalfalls.“[3]
Auf Indiekino bezeichnet Tom Dorow Die Unsichtbaren als exzellenten, spannenden und relevanten Film „über die Durchsetzungskraft einer integren Polizistin“. Er vermeide die spekulative Ausbeutung der Geschichte und konzentriere sich „auf die Ermittlungen, auf die Nachlässigkeiten und den – hier tödlichen – männerbündlerischen Sexismus auf dem Polizeirevier und Jannes persönliches Verhältnis zu den Angehörigen der Opfer“.[5]
Im Filmdienst bezeichnet Gaby Sikorski Die Unsichtbaren als von Anfang bis Ende packenden Film. In dem persönlichen Werk stehe Marianne Atzeroth-Freier „sinnbildlich für alle ‚Unsichtbaren‘, nicht nur die ermittelnden Kriminalbeamtinnen und -beamten, sondern auch die Opfer und ihre Angehörigen, die hier ebenfalls eine Stimme erhalten.“[6]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Freigabebescheinigung für Die Unsichtbaren. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüfnummer: 247287).
- ↑ Christiane Flemig: Wie eine Hamburger Kommissarin die „Säurefassmorde“ aufklärte, weil sie den Opfern zuhörte. In: Weisser Ring Magazin. 14. Februar 2024, abgerufen am 3. Oktober 2025.
- ↑ a b Britta Schmeis: Kritik zu Die Unsichtbaren. In: Epd Film. 26. Januar 2024, abgerufen am 3. Oktober 2025.
- ↑ Die Unsichtbaren. In: filmportal.de. Deutsches Filminstitut, abgerufen am 5. Oktober 2025.
- ↑ Tom Dorow: Die Unsichtbaren. In: Indiekino. Abgerufen am 3. Oktober 2025.
- ↑ Gaby Sikorski: Die Unsichtbaren. Kritik. In: Filmdienst. Abgerufen am 3. Oktober 2025.