Die Schiffbrüchigen
„Die Schiffbrüchigen“ ist ein Roman des Franzosen François Édouard Raynal. Das Buch trägt den Untertitel „Zwanzig Monate auf einem Riff der Aucklandinseln“.[1] Die deutschsprachige Ausgabe erschien 1871. Jules Vernes schöpfte aus der Robinsonade Ideen für eigene Bücher, insbesondere „Die geheimnisvolle Insel“.
Der Autor
François Édouard Raynal (8. Juli 1830 – 28. April 1898) war ein französischer Seemann. Er war Beteiligter am Schiffbruch des Schoners Grafton auf den Aucklandinseln. Er schrieb seinen Roman nach Rückkehr nach seinem Heimatland auf Französisch. Das Buch wurde zeitnah und texttreu ins Deutsche übersetzt, auch mit den Bildern der Originalausgabe.
Unabhängig von Raynal schrieb der Kapitän des Schoners, der Amerikaner Thomas Musgrave, einen Bericht des Schiffbruchs (Castaway on the Auckland Isles: Narrative of the Wreck of the "Grafton"). Die Berichte sind naturgemäß weitgehend identisch.[2]
Handlung
Raynal und 4 weitere Männer verließen Sydney auf dem 56-Tonnen-Schoner „Grafton“. Der Schiffbruch ereignete sich am 3. Januar 1864 im Nordarm von Carnley Harbour, Auckland Island. Die Auckland-Inseln gehören zu Neuseeland und liegen in der subantarktischen Zone, fast 480 Kilometer südlich der Südinsel Neuseelands. Die Schiffbrüchigen warteten ein Jahr auf eine Rettungsexpedition, welche, was bald deutlich wurde, nicht kam.
Sechs Monate später entschieden drei der Männer, sich in ein Beiboot zu wagen und schafften die Distanz von 450 km zu Stewart Island, 30 km südlich der Südinsel Neuseelands. Dort gründeten sie eine Rettungsmission zur Bergung der zurückgebliebenen zwei Gefährten. Die Crew der Grafton verbrachte insgesamt 18 Monate auf den subantarktischen Inseln. Trotz ihrem Leidensweg überlebten alle.
Rezeption (Aufnahme des Werkes)
Das Buch (engl. Titel: Wrecked On A Reef) war nach Publikation sehr populär und wurde in verschiedene Sprachen übersetzt. Zu den Lesern des Buches gehörte auch der französische Schriftsteller Jules Verne (1828–1905). Er nimmt Bezug auf Raynal in seinen Büchern „Onkel Robinson“, „Die geheimnisvolle Insel“, „Zwei Jahre Ferien“ und „Das zweite Vaterland“.[3]
Bei Textvergleichen zwischen Raynal und Verne finden sich eine Reihe von Parallelen. So wird eine Verbindung zwischen Wrack und Küste hergestellt, die einer der Schiffbrüchigen mittels einer Leine durch Hinüberschwimmen bewerkstelligt. Weitere Parallelen sind des Entfachen des ersten Feuers, Brennen von Kalk aus Muscheln, Herstellen von Seife, Errichtung eines Signalmastes, Anfertigung von Schuhwerk, Erbauen einer Schmiede, Auffinden eines schon länger verstorbenen Schiffbrüchigen.
Es gibt Ähnlichkeiten in den erfindungsreichen Persönlichkeiten Raynal und Cyrus Smith (Die geheimnisvolle Insel).[3]
Literatur
- Jürgen Stumpfhaus: Terra X. Die Schiffbrüchigen. Drei gestrandete Bootscrews auf Auckland. In: ZDFmediathek. ZDF, 11. Dezember 2022, abgerufen am 11. Dezember 2022.
Weblinks
- Wrecked On A Reef auf archive.org
Einzelnachweise
- ↑ François Édouard Raynal: Die Schiffbrüchigen. 1. Auflage. Dornbrunnen, Berlin 2015, ISBN 978-3-943275-12-4.
- ↑ Thomas Musgrave: Castaway on the Auckland Isles: Narrative of the Wreck of the "Grafton". H.T. Dwight, Melbourne 1865.
- ↑ a b Bernhard Krauth: Überlebensstrategien in Vernes Robinsonaden. In: Jules-Verne-Club für Deutschsprachige (Hrsg.): Nautilus. Band 21, April 2012, S. 14.