Die Liebe im Zuchthause
| Daten | |
|---|---|
| Originaltitel: | Die Liebe im Zuchthause. Tragikomödie in Einem Aufzuge |
| Gattung: | Einakter |
| Originalsprache: | deutsch |
| Autor: | Julius von Voß |
| Erscheinungsjahr: | 1807 |
| Personen | |
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Die Liebe im Zuchthause ist eine einaktige Tragikomödie des deutschen Schriftstellers Julius von Voß. Das Stück gilt aufgrund seines Inhalts und seiner literarischen Gestaltung als außergewöhnlicher Beitrag zur Dramatik des frühen 19. Jahrhunderts.
Inhalt und Form
Das Drama spielt im Inneren eines Zucht- bzw. Spinnhauses und versammelt eine Gruppe von Figuren, die wegen verschiedenster Verbrechen inhaftiert sind. Die sieben Auftritte umfassende Handlung entfaltet sich in Prosa und weist eine für zeitgenössische Einakter ungewöhnlich starke psychologische Durchdringung der Charaktere auf.
Im Verlauf der Szenen entwickeln die Gefangenen den Plan, aus dem Zuchthaus zu fliehen und in der Ferne eine Art eigene Kolonie zu gründen, in der sie ein neues, moralisch edles Leben beginnen wollen. Die Zukunft erscheint ihnen als utopischer Gegenentwurf zu den prekären Verhältnissen ihrer Vergangenheit; sie entwerfen Idealvorstellungen einer besseren Gemeinschaft und einer geläuterten Nachkommenschaft. Im letzten, äußerst kurzen Auftritt erscheint die Wache, löst die Versammlung auf und macht die Pläne der Gruppe abrupt zunichte.
So endet das Stück ohne Auflösung und ohne Perspektive auf tatsächliche Veränderung. Die gesellschaftlich brisanten Themen (insbesondere die sozialen Ursachen der Kriminalität und die Frage nach Möglichkeiten der Besserung) werden lediglich angedeutet, ohne dass das Drama ein konkretes Reformangebot macht.
Rezeption
In der Originalausgabe von 1807 fügte Voß unter dem Personenverzeichnis einen Hinweis an: „Die deutschen Bühnen werden bestens ersucht, dies Stück nicht zu geben.“[1] Dieser Vermerk bezieht sich auf moralische Bedenken gegenüber dem Inhalt, der mehrere Verbrechen in ungewöhnlicher Direktheit und Breite thematisiert. In einem Vorwort eines Drucks aus dem Jahr 1822 schreibt Voß: „Uebrigens hielt man keine ausschließlich dramatische Bestimmung im Auge, sondern wünschte, das Büchlein möchte auch im Lesen unterhalten.“[2]
Obwohl das Stück aufgrund seiner Thematik als moralisch problematisch galt, wurde es in mehreren Rezensionen positiv bewertet.[3] Kritiker hoben insbesondere die originelle Figurenzeichnung und die intensive psychologische Gestaltung hervor. Zugleich sei der Naturalismus im Werk hervorzuheben.[4]
In der späteren Forschung wurde betont, dass Voß mit diesem Einakter die „Entdidaktisierung der Komödie“[5] seiner Zeit auf die Spitze treibe. Mit Blick auf dieses Drama wurde für Voß prophezeit, dass „die Schriften dieses Julius von Voß noch Geltung haben [werden] wegen der Wahrheit, mit der sie seine Zeit in einem Moment des tiefsten sittlichen und politischen Verfalls schildern.“[6]
Ausgaben
- Julius von Voß: Die Liebe im Zuchthause. Tragikomödie in Einem Aufzuge [bzw.] Tragikomödie in einem Akt. In: Ders.: Lustspiele. Erster Band. Johann Wilhelm Schmidt, Berlin 1807 (Scan in der Google-Buchsuche).
Einzelnachweise
- ↑ Julius von Voß: Die Liebe im Zuchthause. Tragikomödie in Einem Aufzuge [bzw.] Tragikomödie in einem Akt. In: Ders.: Lustspiele. Erster Band. Johann Wilhelm Schmidt, Berlin 1807, S. 5 (Scan in der Google-Buchsuche).
- ↑ Julius von Voß: Vorwort. In: Fünf und zwanzig dramatische Spiele. Nach deutschen Sprüchwörtern zur Unterhaltung für frohe Zirkel bearbeitet von dems. Schüppelsche Buchhandlung, Berlin 1822, S. III–IV, hier S. IV (Scan in der Google-Buchsuche).
- ↑ Jenaische Allgemeine Literatur-Zeitung. Band 5, Teil 2, Nr. 114 (16. Mai 1808), Sp. 300 f. (Scan in der Google-Buchsuche).
Allgemeine Literatur-Zeitung. Nr. 311 (15. November 1809), Sp. 583 f. (Scan in der Google-Buchsuche). - ↑ Karl Borinski: Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart. Band 2. Union deutscher Verlagsgesellschaft, Stuttgart / Berlin / Leipzig 1921, hier S. 131 f. (Scan – Internet Archive; Scan in der Google-Buchsuche).
- ↑ Stephan Kraft: Identifikatorisches Verlachen – distanziertes Zitlachen. Tendenzen in der populären Komödie um 1800 (Iffland – Schröder – Kotzebue – von Steigentesch – von Voß). In: Das Unterhaltungsstück um 1800. Literaturhistorische Konfigurationen – Signaturen der Moderne. Zur Geschichte des Theaters als Reflexionsmedium von Gesellschaft, Politik und Ästhetik (= Forum für deutschsprachiges Drama und Theater in Geschichte und Gegenwart. Band 1). Hrsg. von Johannes Birgfeld, Claude D. Conter. Wehrhahn, Hannover 2007, ISBN 978-3-86525-005-6, S. 208–229, hier S. 222.
- ↑ Wolfgang Menzel: Die deutsche Literatur. 2. Auflage. Band IV. Hallberger’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1836, S. 87 (Scan in der Google-Buchsuche).