Die Körper der Astronauten
| Film | |
| Titel | Die Körper der Astronauten |
|---|---|
| Originaltitel | The Astronauts' Bodies |
| Erscheinungsjahr | 2017 |
| Stab | |
| Regie | Alisa Berger |
| Drehbuch | Alisa Berger |
| Produktion | Kunsthochschule für Medien Köln
Alisa Berger |
| Kamera | Bine Jankowski |
| Schnitt | Alisa Berger
Gesa Hille Yana Höhnerbach |
| Besetzung | |
| Lars Rudolph: Michael
Zita Aretz: Linda Luzie Nadjafi: Irene Béla Gabor Lenz: Anton Daniel Michel: Patrick Britta Thie: ESA Mitarbeitern | |
Die Körper der Astronauten (internationaler Titel: The Astronauts’ Bodies) ist ein deutscher experimenteller Spielfilm von Alisa Berger aus dem Jahr 2017. Der Film verbindet Elemente des Science-Fiction-Films, des Sozialdramas, des Coming-of-Age-Films sowie des Experimental- und Kunstfilms.[1] Der Film feierte seine Premiere im Wettbewerb des 38. Filmfestivals Max Ophüls Preis und wurde international auf zahlreichen Festivals gezeigt. Er entstand als Abschlussfilm an der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM).[2]
Handlung
Nach dem Schulabschluss verlassen die erwachsenen Geschwister Anton und Linda das Elternhaus. Ihr Vater Michael, ein alkoholkranker und zunehmend verwahrlosender Mann, beginnt daraufhin, seinen eigenen Körper zu vernachlässigen und zieht sich immer stärker aus dem familiären Alltag zurück.[3] Anton, ein introvertierter junger Mann, nimmt an einer medizinischen Langzeitstudie teil, die sich mit Bewegungseinschränkung und Langzeitschlaf beschäftigt. Ziel der Studie ist die Erforschung körperlicher Zustände im Hinblick auf die Raumfahrt. Durch die vollständige Immobilisierung entzieht sich Anton sowohl der familiären Situation als auch der sozialen Realität und entwickelt zunehmend eine innere Vorstellungswelt, in der er sich als Astronaut imaginiert.[4] Linda sucht parallel nach Orientierung und körperlicher Nähe. Ihre Versuche, sexuelle Erfahrungen zu machen, bleiben jedoch ziellos und verstärken ihr Gefühl emotionaler Leere. Gleichzeitig übernimmt sie innerhalb der Familie zunehmend Verantwortung und versucht, den Zerfall des familiären Gefüges aufzufangen.[5]
Der Film verknüpft die familiäre Krise mit Motiven der Schwerelosigkeit, der körperlichen Auflösung und der Sehnsucht nach Entgrenzung. Realität, Imagination und kosmische Bilder überlagern sich zunehmend und münden in eine visuell abstrahierte Schlusssequenz.[6]
Themen und Stil
Der Film setzt sich mit Körperlichkeit, Kontrollverlust, Isolation und dem Wunsch nach Schwerelosigkeit auseinander. Der Wunsch nach Schwerelosigkeit wird dabei als makabrer kollektiver Fortschrittswunsch verstanden, der eine Flucht von der durch Klimawandel zerstörten Erde thematisiert.[7]
Formal bewegt sich der Film an der Schnittstelle zwischen narrativem Spielfilm und Videokunst. Charakteristisch sind elliptische Erzählstrukturen, fragmentierte Montage, extreme Nahaufnahmen sowie die Verwendung von verfremdetem Archivmaterial. Die visuelle Gestaltung oszilliert zwischen Intimität, Fragilität und Abstraktion.[8]
Rezeption
Der Film wurde von der deutschsprachigen Filmkritik überwiegend positiv aufgenommen. Die Saarbrücker Zeitung bezeichnete den Film als „eigenwillig“ und „sehenswert“.[9]
Rüdiger Suchsland (Artechock, Berliner Zeitung) beschrieb Die Körper der Astronauten als mutiges und originelles Debüt, das trotz eines erratischen Beginns eine Vielzahl filmischer Ansätze miteinander verbinde. Hervorgehoben wurden insbesondere die Kameraarbeit, die Leistungen der Darsteller sowie Bergers Mehrfachfunktion als Regisseurin, Drehbuchautorin und Cutterin.[10]
Simon Hauck (Kino-Zeit) lobte den Film für seinen zurückgenommenen, leisen Sog und seinen rätselhaften Tiefgang. In ästhetischer Hinsicht zähle das Werk zu den innovativeren Wettbewerbsfilmen des Festivaljahrgangs 2017 und zeichne sich durch ein Spannungsfeld zwischen Unkontrolliertheit, Fragilität und Lähmung aus.[11]
Michael Dlugosch (filmrezension.de) hob den Genrewechsel im Verlauf des Films hervor und verglich die visuelle Gestaltung der Schlusssequenz mit Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum.[12]
Auch critic.de betonte die eigenständige visuelle Textur des Films, die das Auseinanderdriften der Figuren durch Close-ups, Zwischenbilder und Archivmaterial filmisch erfahrbar mache.[13]
Die Jury des FIRST STEPS Award würdigte den Film als rätselhafte, figurennah erzählte Arbeit ohne moralische Vereinfachung, die mit kunstvoll gestalteten Bildern und einem durchdachten musikalischen Konzept den Zerfall einer Familie darstelle.[14]
Auszeichnungen
- Best Narrative Feature Film – Hong Kong Arthouse Film Festival (2017)
- Nominierung: FIRST STEPS Award (2017)
- Best Screenplay Award (H.W. Geißendörfer Drehbuchpreis) – Kinofest Lünen (2017)
- Best Film – New Directors Competition – International Film Festival Uruguay (2018)
- Golden Star Award – Central Java Film Festival (2018)
- Special Mention – Cineuropa Compostela Film Festival (2018)
- Best Dramatic Feature – Strasburg Film Festival (2018)
Stab
- Regie & Drehbuch: Alisa Berger
- Kamera: Bine Jankowski
- Schnitt: Alisa Berger, Yana Höhnerbach, Gesa Hille
- Visuelle Effekte: Peter Anlauf
- Sounddesign: Jonathan Kastl
- Tonmischung: Judith Nordbrock
- Musik: Leonard Huhn, Christian Lorenzen, Ron Hofmann
- Szenenbild & Kostüm: Santiago Alvarez
- Produktionsleitung: Robert Schäfer, Darius Cernota
- Betreuung KHM: Frank Döhmann, Katrin Schlösser, Julia Scher
Produktion und Förderung
Der Film wurde in Deutschland produziert und von der Film- und Medienstiftung NRW gefördert.[15]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Alisa Berger - The Astronauts' Bodies: 2017. Abgerufen am 6. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Die Körper der Astronauten von Alisa Berger - KHM. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 26. Januar 2025; abgerufen am 6. Januar 2026.
- ↑ The Astronauts' Body. Abgerufen am 6. Januar 2026 (russisch).
- ↑ Die Körper der Astronauten | Film, Trailer, Kritik. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 30. November 2022; abgerufen am 6. Januar 2026.
- ↑ Die Körper der Astronauten | filmportal.de. Abgerufen am 6. Januar 2026.
- ↑ Max-Ophüls-Preis 2017 : Nihilisten küssen besser : artechock. Abgerufen am 6. Januar 2026.
- ↑ Saarländischer Rundfunk: Alle Interviews aus der SR Lounge. 1. Juli 2019, abgerufen am 6. Januar 2026.
- ↑ Die Körper der Astronauten | Film, Trailer, Kritik. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 30. November 2022; abgerufen am 6. Januar 2026.
- ↑ Alisa Berger - 2017–2019 [Online Articles / Magazines / Newspaper] Multiple Outlets: The Astronauts' Bodies Reviews: Die Körper der Astronauten / 2017-2018. Abgerufen am 6. Januar 2026.
- ↑ Max-Ophüls-Preis 2017 : Nihilisten küssen besser : artechock. Abgerufen am 6. Januar 2026.
- ↑ Die Körper der Astronauten | Film, Trailer, Kritik. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 30. November 2022; abgerufen am 6. Januar 2026.
- ↑ Alisa Berger - The Astronauts' Bodies: 2017. Abgerufen am 6. Januar 2026.
- ↑ www.critic.de: Sehsüchte 2017: Sehtagebuch II. 2. Mai 2017, abgerufen am 6. Januar 2026.
- ↑ Preisverleihung der FIRST STEPS Awards. In: Film und Medien Stiftung NRW. Abgerufen am 6. Januar 2026.
- ↑ Preisverleihung der FIRST STEPS Awards. In: Film und Medien Stiftung NRW. Abgerufen am 6. Januar 2026.