Die Geschichte von Maslama Ibn Abdalmalik Ibn Marwan
Die Geschichte von Maslama Ibn Abdalmalik Ibn Marwan ist eine Geschichte aus Hundertundeine Nacht (→ Hundertundeine Nacht – Liste der Geschichten, HEN 8), dem kleinen Schwesterwerk von Tausendundeine Nacht (→ Tausendundeine Nacht – Liste der Geschichten).
In der Geschichte führt Maslama (685–738), der Sohn des Umayyaden-Kalifen Abd al-Malik (646–705 reg. 685–705), einen Frauenraub an einer Königstochter durch.
Handlung
Eines Tages ritt Maslama Ibn Abd al-Malik, der Sohn des Kalifen Abd al-Malik zur Jagd aus. Er folgte einem Rudel Antilopen und trennte sich dabei von seinen Gefährten, bis die Nacht hereinbrach. Am nächsten Tag irrte er ziellos umher und kam zu einem Hochplateau, wo sich ein Wadi befand, reich an Bäumen und Früchten. Dort traf er auf ein Mädchen von enormer Schönheit. Maslama schlich sich an das Mädchen heran, ergriff es und legte ihr sein Schwert an die Kehle. Das Mädchen war eine Christin. Nun wandte sich das Mädchen an ihn und bat ihn, sie loszulassen, dann werde sie ihn zu einer noch schöneren Christin namens Maria bint Abd al-Masih führen, die Tochter des Herrschers von Rom. Mit ihr hatte sich folgende Geschichte zugetragen: Marias Cousin wollte mit ihr Sex haben, woraufhin ihr Vater sie zu einem Mönch namens Kanan schickte.
Als Maslama das gehört hatte, stieg er auf sein Pferd und folgte dem Mädchen so lange, bis er wieder bei seinen Gefährten war. Nun folgten sie dem Mädchen bis zu dem Kloster und drangen dort gewaltsam ein, wo sie zehn Christentöchter und das erwähnte Mädchen Maria fanden. Maslama ergriff Maria und brachte sie zu seiner Mutter, wo sie drei Monate verblieb. Dann wollte er sich mit ihr sexuell vereinigen und ließ Maria prächtig einkleiden, herausputzen und von Musikerinnen umgeben. Doch da brach ein Ritter ins Schloss ein, packte Maria am Arm und hielt sein Schwert in der anderen Hand. Es war Marias Cousin und er verkündete, dass er sie rechtmäßig geheiratet hatte, wenn auch die Ehe noch nicht vollzogen worden war. Marias Vater war informiert worden, dass die Muslime seine Tochter entführt hatten, und hatte ihn daraufhin zu ihrer Rettung geschickt. Der Ritter erklärte, Maslama solle ihn und Maria nun entweder gehen lassen oder bei dem Versuch sie davon abzuhalten, sterben. Da fragte Maslama Maria, ob der Mann wirklich ihr Cousin sei, und sie bejahte es. Daraufhin ließ Maslama die beiden gehen und gab ihnen Reittiere und viel Geld mit. Als das Paar wieder vereint war, vollzogen sie die Ehe. Maria aber schwor, dass sie, sollte sie einen Sohn oder eine Tochter gebären, das Kind zu Maslama schicken würde.
Acht Jahre später war Maslama wieder einmal zu einem Raubzug in die Länder der Christen ausgerückt, doch fiel er eintausend christlichen Soldaten in die Hände, die ihn daraufhin zu ihrem König brachten. Der König erwies sich als Maria bint Abd al-Masih. Sie hatte den Thron geerbt, nachdem ihr Vater gestorben war. Ihr Gatte war nun Mitglied ihres Hofstaats. Als Maria Maslama erkannte, ließ sie ihn frei und brachte ihn in ein Gästehaus. Dann führte sie ein Mädchen im Alter von 7 Jahren herein, das von vollkommener Schönheit war und stellte sie Maslama als ihre Tochter vor. Nun erzählte sie ihm von ihrem Gelöbnis und übergab ihre Tochter Maslama als Sklavin zum Geschenk. Zudem schenkte sie ihm noch zweihundert christliche Dienstmädchen und Schätze. Maslama kehrte mit dem Sklavenmädchen nach Damaskus zurück.
Hintergrund
Die Geschichte spielt in der 38.–40. Nacht von Hundertundeine Nacht.[1]
Für ihre Übersetzung griff die deutsche Arabistin Claudia Ott auf das Aga-Khan-Manuskript aus dem Jahr 1234 zurück, es ist die älteste erhaltene Handschrift der Geschichten aus Hundertundeine Nacht.[2]
Die Wartezeit von drei Monaten ist die islamisch festgesetzte Zeit von drei Menstruationszyklen, mit der eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden soll.
Literatur
- Claudia Ott: 101 Nacht, Manesse Verlag, Zürich 2012, S. 98–102.