Die Dessous-Boutique

Film
Titel Die Dessous-Boutique
Originaltitel תמיכהה מלאה
Produktionsland Israel
Originalsprache Hebräisch, Arabisch
Erscheinungsjahr 2024
Länge 68 Minuten
Produktions­unternehmen Green Peoductions, KAN11
Stab
Regie Michal Cohen
Produktion Shani Ettinger Sror, Maya Fischer, Roi Kurland, Gal Grensspan
Musik Gal Lev
Kamera Talia Galon
Schnitt Noit Geva

Die Dessous-Boutique (תמיכהה מלאה, Volle Unterstützung) ist ein israelischer Dokumentarfilm aus dem Jahr 2024. Er thematisiert die vielschichtige Bedeutung von Brüsten und Büstenhaltern für die Erfahrung von Weiblichkeit bei Frauen.

Handlung

Ein Damenunterwäschegeschäft in Jaffa, ein Stadtteil der israelischen Metropole Tel Aviv-Jaffa, das von den Inhaberinnen Noa und Etty geführt wird. In ihrem Geschäft erfahren sie täglich verschiedenste Lebensgeschichten von Frauen rund um das Thema Brüste und BHs.

Da ist etwa eine junge Tänzerin, die wegen ihrer zwei unterschiedlich mittelgroßen Brüste als Tänzerin nicht ernst genommen wird, da ihre Brüste ihre Tanzbewegungen „unsauber“ machen würden, zudem seien ihre mittelgroßen Brüste ungeeignet für einen Tanzkörper. Die vollbusige Einat sucht für den Synagogenbesuch einen Minimizer-BH, da sie es leid ist, wegen ihrem vollen Busen ständig angeschaut zu werden. Seit ihrer Kindheit und Jugend wurde sie über ihren früh wachsenden, vollen Busen definiert. In ihrer Armeezeit musste sie medizinisch begutachtet werden, woraufhin ein männlicher Arzt sagte: „Das hätte ich auch gerne im Bett.“

Die Kundin Yaara empfindet es als verletzend, als ihr Mann ihr vorschlägt, sich doch etwas ansehnlichere BHs zu kaufen. Sie beginnt im Laden nach Modellen zu suchen, die sie als sexy empfindet. Eine Kundin hat eine Brutvergrößerung hinter sich und beginnt nun intensiver sich mit dem BH-Kaufen zu beschäftigen. Privat wollen sie das Land verlassen und nach Portugal ziehen. Die ältere arabisch-israelische Muslimin Nahed trägt Hijab und sucht nach angenehmen BHs.

Dann ist da Ilan, ein Mann, der seit zwei Jahre eine fünfjährige Transformation zur Transfrau durchmacht und sich mehr und mehr zur Frau wandelt, und von seinem Lebens als Transsgender-Person erzählt. Eine weitere Kundin sucht bügellose BHs. Sie empfindet es als befreiend, zuhause ihre BHs ausziehen zu können. Die Inhaberin Etty probiert seit langem wieder einen farbigen BH an, das ganze letzte Jahr hat sie nur schwarze getragen, seit ihre Mutter gestorben ist. Die Erinnerung daran quält sie.

Direkt neben dem Geschäft ist eine Änderungsschneiderei eines arabischen Israelis, der Familie in den Palästinensergebieten hat und seit langem darauf hofft für seine Familie eine Einreisegenehmigung der israelischen Behörden zu erhalten. Die Rentnerin Jina berichtet wie sie im Alter von 17 oder 18 Jahren als Sekretärin anfing und von ihrem Chef sexuell belästigt wurde, der ihre Brüste berührte. Sie thematisiert allgemein sexuelle Gewalt gegen Frauen in der israelischen Gesellschaft. Eine Kundin berichtet, dass sie seither viel Geld für BHs ausgibt. „Andere Frauen lieben Diamanten, ich liebe BHs.“ Bei der Thematisierung, dass viele Frauen unterschiedlich große Brüste haben, beginnt sie zu weinen. Sie hat infolge einer Brustkrebs-Erkrankung eine Brustamputation hinter sich.

„Ich hatte weder Angst vor der Chemo, noch vor der Glatze. Vor nichts. Nur davor, aufzuwachen und das vorne nichts mehr zu haben.[1]

Die Synchronsprecherin Galit berichtet von ihrer Angst, dass ihr Körper als Objekt betrachtet wird und offenbart, dass sie im Alter von 6 Jahren von einem Nachbarn sexuell missbraucht wurde. Eine 19-jährige Kundin berichtet, das ihre Mutter mit ihr nie BHs kaufen gegangen ist, da ihre drogenabhängige Mutter sich um sie nicht kümmern konnte. Die Inhaberin Noa erzählt, wie sie im Alter von 12 Jahren in einem Schaufenster einen BH sah und so lange Babysitten ging, bis sie ihn sich kaufen konnte. Sie hat ihn noch immer als Erinnerungsstück. Später wurde sie dann Wäscheverkäuferin.

Die ältere Janine erzählt, wie ihre Mutter ihr in der Pubertät das Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl nahm, da sie nicht ernst nahm, dass die BHs, die sie ihrer Tochter gab, falsch saßen und verhinderten, dass sich ihr Bindegewebe richtig entwickelte. Das fehlende Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl führte auch dazu, dass sie sich erst nach 30 Jahren aus einer unglücklichen Beziehung löste. Eine Frau namens Ilana bringt BHs zur Wiederverwertung vorbei, sie und ihr Mann wollen nach Deutschland ziehen.

Eine Mutter und ihre etwa 12–13-jährige Tochter suchen für das Mädchen nach ihrem ersten BH. Als sie kaum davon ablassen kann, neben dem letztlich ausgewählten auch andere Modelle zu nehmen, sagt die Mutter:

„Das hat Zeit. Du wirst dir noch viele BHs kaufen. Das ist erst der Anfang.[2]

Für das Mädchen ist es symbolhaft die Aufnahme in die Welt der Frauen.

Veröffentlichung

Die Veröffentlichung in Deutschland erfolgte am 3. November 2025 auf ARTE.[3]

Kritiken

„Einen BH kaufen gehört wohl zu den intimsten Dingen, die frau macht. […] mit dem Ablegen der Kleider werden Geschichten frei. Geschichten, die die Frauen erzählen, die schon fast herausgespült werden. Es geht um Schmerz, um Selbstzweifel, Liebe, Selbstbehauptung, Operationen, Frau werden und sein. Kurz es geht um das Leben an sich. […] definitiv nicht nur für Frauen wertvoll!“

Portal irgendwie jüdisch[4]

Einzelnachweise

  1. Die Dessous-Boutique, Film, ab 42:20 min.
  2. Die Dessous-Boutique, Film, ab 66:19 min.
  3. Die Dessous-Boutique. In: fernsehserien.de. Abgerufen am 16. Dezember 2025.
  4. Juna: Film: Die Dessous-Boutique oder תמיכה מלאה. In: irgendwie jüdisch. 12. November 2025, abgerufen am 16. Dezember 2025.