Deutsche Gesellschaft für Volkstanz
| Deutsche Gesellschaft für Volkstanz e.V. (DGV) | |
|---|---|
| Rechtsform | gemeinnütziger eingetragener Verein[1] |
| Gründung | 1953[2][3] |
| Sitz | Wiesbaden[1] |
| Zweck | Den deutschen Volkstanz erforschen, erhalten, pflegen und verbreiten[1] |
| Vorsitz | Reinhold Frank, Jörg Dombrowski[2] |
| Mitglieder | 705 Mitgliedspersonen und 159 Mitgliedsorganisationen[2] |
| Website | volkstanz.de |
Die Deutsche Gesellschaft für Volkstanz e.V. (DGV) ist als überregionale[4] Dachorganisation[5][6][7] ein bundesweiter Zusammenschluss (mit zusätzlichen Auslandssektionen[4]) von Einzelpersonen, Gruppen und Institutionen, die sich der Pflege, Erforschung und Vermittlung des Volkstanzes in Deutschland widmen.
Die DGV ist ein gemeinnütziger eingetragener Verein mit Sitz in Wiesbaden und ist dort im Vereinsregister eingetragen.[1]
Seit ihrer Gründung im Jahr 1953[2][3] fördert die DGV die Weitergabe traditioneller Tanzformen, den Austausch zwischen regionalen Tanzgemeinschaften sowie die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Tanzkultur.
Die DGV war Stand 2015 Mitglied im Verband Internationale Organisation für Volkskunst in Deutschland e.V.[8]
Zweck, Aufgaben und Aktivitäten
Der Vereinszweck laut Satzung umfasst u. a.:[1]
- den deutschen Volkstanz (und verwandte Formen) zu erforschen, erhalten, pflegen und verbreiten,
- Volkskunst und Folklore zu pflegen sowie mit Gemeinschaften von anderen Volkskunstbereichen zusammenarbeiten,
- Verständnis für die Kultur des eigenen und anderer Völker fördern, sowie zu Achtung, Frieden und Freundschaft zwischen den Völkern und allen Menschen beizutragen.[7]
Zu den zentralen Aktivitäten der DGV gehören:
- Tagungen und Seminare
- Tanzleiterausbildung[9]
- Forschung und Dokumentation traditioneller Tänze
- Publikationen und Fachartikel
- Internationale Begegnungen und Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen
Die DGV arbeitet eng mit regionalen Volkstanzverbänden und kulturellen Einrichtungen zusammen.
Organe und Fachreferate
Laut Satzung hat der Verein folgende Organe bestimmt:[1]
- die Mitgliederversammlung,
- den Vorstand,
- den beratenden Ausschuss.
Zum Verein gehören die Fachreferate Volkstanz, Volkstanz für Ältere, Kindertanz, Musik, Tanzgeschichte und Tanzforschung, Tracht, Zeitschrift, sowie Mitgliederpflege und Versand.[10]
Auslandssektionen
Zusätzlich zur überregionalen, deutschlandweiten Tätigkeit, ist der Verein auch durch folgende angeschlossene Organisationen (mit zusätzlich jeweils einem Auslandsbeauftragen) im Ausland vertreten:[4]
- American Federation of German Folk Dance Groups, Nordamerika[11]
- Russland-Deutsches Haus, Sibirien
- Haus der Jugend, Brasilien[6][12]
Der Verein stellt ebenfalls einen Auslandsbeauftragten für Kasachstan.[4][13]
Die DGV organisiert zudem auch Reisen für Volkstanzgruppen in verschiedene Länder (z. B. nach Argentinien, Paraguay, Brasilien oder Syrien[9]) deren Auftritte dort z. T. live im Fernsehen übertragen werden.[6]
Zudem nimmt die DGV jährlich mit 500 bis 1000 Volkstänzern[14] an der Europeade, dem größten europäischen Trachten- und Folklorefestival, teil.[9]
Tänze (Auswahl)
Zu den Tänzen die von der DGV gepflegt und unterrichtet werden gehören u. a.:[15][13]
- Bauernmadl (Bayern)
- Federbett (Thüringen)
- Föhrer Kreuzpolka (Schleswig-Holstein)
- Holsteiner Dreitour (Schleswig-Holstein)
- Krebspolka (Bayern)
- Lauterbacher (Hessen)
- Maike (Westfalen)
- Münchener Polka aus Metzingen (Baden-Württemberg)
- Natanger Polka (Ostpreußen)
- Schecher (Franken)
- Schmetterlingstanz (Niederlausitz)
- Siebenschritt (ganz Deutschland)
- Sonderburger Doppelquadrille (Schleswig-Holstein)
- Sprötzer Achterrüm (Lüneburger Heide)
- Sternpolka (Süddeutschland)
- Tampet (ganz Deutschland)
- Topporzer Kreuzpolka (deutsche Sprachinseln)
- Varsovienne (ganz Deutschland)
- Wohlder Markttanz (Lüneburger Heide)
Geschichte
Am 15. Mai 1953 wurde in Fürsteneck in Hessen[9] der „Arbeitskreis für Tanz im Bundesgebiet“ (ATB), ab 1980 der heutige Deutsche Bundesverband Tanz (DBT), gegründet.[5][16][3]
Dem ATB gehörte von Beginn an die „Fachgruppe Volkstanz“ an, aus der nach mehreren Umbenennungen in „Studienkreis Volkstanz“ und „Arbeitskreis Volkstanz“ schließlich am 17. Oktober 1971 die Deutsche Gesellschaft für Volkstanz e.V. als eigenständiger Verein hervorging.[5]
Immaterielles Kulturerbe
Im Jahr 2013 beantragte die DGV die Aufnahme der deutschen Volkstanzbewegung als immaterielles Kulturerbe der UNESCO.[17][18][19]
Die „Volkstanzbewegung in ihren regionalen Ausprägungen in Deutschland“ wurde im Jahr 2015 in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der Deutschen UNESCO-Kommission aufgenommen.[20][21][7][22]
Die UNESCO-Entscheidungsbegründung würdigte explizit die erfolgreiche Arbeit der vielen Volkstanzgruppen und Verbände sowie der DGV als deren Bundesverband.[17] Sie steht für eine lebendige, regionale und soziale Tanzkultur, die von Generation zu Generation weitergegeben wird und in vielfältigen Formen in allen Bundesländern gepflegt wird.
2023 berichtete der Radiosender WDR 3 über die Volkstanzbewegung als Immateriellem Kulturerbe Deutschlands, u. a mit Beiträgen von der DGV Auslandsbeaftragten sowie dem DGV Vorsitzenden.[23][24]
Veröffentlichungen
Die Zeitschrift „Volkstanz“ wird als offizielles Organ zwei Mal jährlich von der DGV herausgegeben.[8]
Zudem hat die DGV im Laufe der Jahre verschiedene andere Publikationen sowie Musik-CDs veröffentlicht.[25]
Weblinks
- Website der Deutschen Gesellschaft für Volkstanz e.V.
- Literatur von und über Deutsche Gesellschaft für Volkstanz im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f Deutsche Gesellschaft für Volkstanz: Satzung. (PDF; 60 kB) In: volkstanz.de. Abgerufen am 23. Oktober 2025.
- ↑ a b c d Deutsche Gesellschaft für Volkstanz e. V. (DGV). In: Deutsches Musikinformationszentrum. Abgerufen am 23. Oktober 2025.
- ↑ a b c Historische Entwicklung. In: Deutscher Bundesverband Tanz. Abgerufen am 23. Oktober 2025.
- ↑ a b c d DGV-Vertretungen im Ausland. In: volkstanz.de. Abgerufen am 23. Oktober 2025.
- ↑ a b c Die Deutsche Gesellschaft für Volkstanz. In: volkstanz.de. Abgerufen am 23. Oktober 2025.
- ↑ a b c Julia Paepcke: Deutsche Gesellschaft für Volkstanz: Hollenstedter Volkstanzgruppe reist durch Südamerika. In: kreiszeitung-wochenblatt.de. Abgerufen am 23. Oktober 2025.
- ↑ a b c Die Tradition deutscher Volkstänze. In: noemilapzeson.com. Abgerufen am 23. Oktober 2025.
- ↑ a b Volkstanz 1/2015. (PDF; 8,5 MB) In: volkstanz.de. Abgerufen am 23. Oktober 2025.
- ↑ a b c d Siebzig Jahre DGV. In: volkstanz.de. Abgerufen am 23. Oktober 2025.
- ↑ Referate und Referenten. In: volkstanz.de. Abgerufen am 23. Oktober 2025.
- ↑ The Society of Folk Dance Historians (SFDH). In: sfdh.us. Abgerufen am 23. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Kreisgruppe Drabenderhöhe: Begegnung und tolles Fest mit brasilianischer Tanzgruppe. In: Siebenbürgische Zeitung. Abgerufen am 23. Oktober 2025.
- ↑ a b „Einmal quer durch“: Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen unterstützt in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Volkstanz e.V. die Brauchtumspflege der deutschen Minderheit in Kasachstan. In: Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen. Abgerufen am 23. Oktober 2025.
- ↑ Volkstanzbewegung soll Kulturerbe werden. In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine. Abgerufen am 23. Oktober 2025.
- ↑ „Einmal quer durch“ als Anschauungsunterricht. In: volkstanz.de. Abgerufen am 23. Oktober 2025.
- ↑ Der Deutsche Bundesverband Tanz e. V. (DBT) ist der Dachverband für den Amateur- und Breitentanz in Deutschland. In: Deutscher Bundesverband Tanz. Abgerufen am 23. Oktober 2025.
- ↑ a b Die deutsche Volkstanzbewegung auf der Liste des immateriellen Kulturerbes in Deutschland. In: berliner-volkstanzkreis.de. Abgerufen am 23. Oktober 2025.
- ↑ Interview: Volkstanz soll immaterielles Kulturerbe werden. In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine. Abgerufen am 23. Oktober 2025.
- ↑ Segelflug auf der Wasserkuppe - Bewerbung zum Kulturerbe. In: osthessen-zeitung.de. Abgerufen am 23. Oktober 2025.
- ↑ Immaterielles Kulturerbe: Weitere Kulturformen ins Verzeichnis aufgenommen. In: volkstanz.de. Abgerufen am 20. Oktober 2025.
- ↑ Immaterielles Kulturerbe: Volkstanzbewegung in ihren regionalen Ausprägungen in Deutschland. In: UNESCO. Abgerufen am 23. Oktober 2025.
- ↑ Volkstanz als Immaterielles Kulturerbe Deutschlands anerkannt. In: schwaben-kultur.de. Abgerufen am 23. Oktober 2025.
- ↑ Hörtipp: Volkstanz im WDR-3-Mosaik. In: volkstanz.de. Abgerufen am 23. Oktober 2025.
- ↑ WDR 3 Mosaik: Immaterielles Kulturerbe: Volkstanzbewegung ( vom 15. April 2023 im Internet Archive)
- ↑ Deutsche Gesellschaft für Volkstanz. In: Deutsche Nationalbibliothek. Abgerufen am 23. Oktober 2025.