Deutsch-Asiaten

Mit der Bezeichnung Deutsch-Asiaten werden deutsche Staatsbürger gemeint, die vollständig oder teilweise südostasiatischer, ostasiatischer, zentralasiatischer oder südasiatischer Herkunft sind. Die Zugehörigkeit von Westasiaten, wie den anatolischen Türken, Kurden oder Araber, zu dieser Gruppe wird je nach Sichtweise sowohl auf wissenschaftlicher als auch auf gesellschaftlicher Ebene unterschiedlich betrachtet. Im Jahr 2024 lebten rund 2.860.000 Menschen in Deutschland, die in Asien geboren wurden (Westasien, dabei auch Syrien jedoch ohne die Türkei, wurde bei der Zählung mit berücksichtigt).[1]

Geschichte

Vor dem Zweiten Weltkrieg

Um das Jahr 1870 begannen chinesische Seefahrer und Matrosen, die auf deutschen Schiffen arbeiteten, in den Hafenstädten Bremen und Hamburg sich niederzulassen. 1890 lebten in Hamburg 43 Chinesen[2], 1910 insgesamt 207, überwiegend ehemalige Seeleute. Da die Häfen jedoch zeitweise nur kurz logierten, wird die tatsächliche Zahl dieser Jahre deutlich höher geschätzt. In Hamburg hatte sich in den 1920er Jahren bereits ein festes „Chinesenviertel“ gebildet – das älteste Chinatown in Deutschland. Seit den 1890er Jahren begannen viele deutsche Reedereien, ihre Besatzungen durch die wesentlich günstigeren Chinesen und auch Inder zu ersetzen.

Ein weiterer Teil der frühen chinesischen Gemeinde in Deutschland setzte sich unter anderem aus Studenten zusammen, die sich nur für eine begrenzte Zeit im Deutschen Reich aufhielten. Unter ihnen befand sich auch Zhou Enlai, der spätere Führer der Kommunistischen Partei Chinas. In den 1920er Jahren kamen auch viele indische Studenten und Freiheitskämpfer nach Deutschland.

1935 lebten etwa 1800 Chinesen in Deutschland, ungefähr 1000 davon in Berlin. Bis zum Jahr 1939 sank die Zahl der in Deutschland lebenden Chinesen auf etwa 1100.[3]

Nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Ende des Kalten Krieges

Bundesrepublik (Westdeutschland)

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Einwanderung von Chinesen nach Deutschland intensiver als zuvor. Ein Teil der chinesischen Einwanderer in die Bundesrepublik ließ sich zunächst in anderen europäischen Staaten nieder (unter anderen auch in Großbritannien) und zog dann weiter nach Westdeutschland. Im Jahr 1967 lebten ungefähr 2.500 chinesische Staatsbürger in der BRD, von denen sich viele zur Kuomintang bekannten.

In den 1950er und 1960er Jahren kamen viele Inder zum Studium nach Deutschland, insbesondere im Bereich Ingenieurwesen. Einige von ihnen kehrten nach Indien wieder zurück, die meisten von ihnen blieben jedoch in der Bundesrepublik, um zu arbeiten. In den späten 1960er Jahren wurden zahlreiche katholische Malayali-Frauen aus Kerala durch die katholischen Institutionen in der BRD nach Westdeutschland gebracht. Sie arbeiteten überwiegend in Krankenhäusern als Krankenschwestern.

Ende der 1950er Jahre gab es eine gewisse Anzahl an Studenten und Krankenschwestern aus Südkorea[4], allerdings erfolgte ein größerer Zuzug von Koreanern in die Bundesrepublik erst ab den 1960er Jahren mit dem Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Südkorea von 1963.

Im Jahr 1962 eröffnete die japanische Wirtschaftsorganisation JETRO eine Niederlassung Düsseldorf. Im Laufe der 1960er Jahre vervierfachte sich die japanische Gemeinde in Düsseldorf auf rund 1000 Personen. Dies legte den Grundstein für das heutige Japantown in Düsseldorf.

Vietnamesische Einwanderer kamen gegen Ende des Vietnamkrieges ab den 1970er Jahren nach Westdeutschland, nachdem sich die Bundesregierung bereit erklärt hatte, im Anschluss an die erste Indochina-Flüchtlingskonferenz des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) im Juli 1979 Flüchtlinge aus Vietnam (darunter viele Boatpeople) aufzunehmen. Es kam zu einer sukzessiven Aufstockung des Flüchtlingskontingent auf rund 38.000 Personen. Ebenso wurden hunderte von vietnamesischen Kindern (zumeist Kriegswaisen) von westdeutschen Familien adoptiert.

Deutsche Demokratische Republik

Zwischen 1953 bis 1962, gingen viele nordkoreanische Studenten zum Studium an Universitäten und Hochschulen in die Ostblock-Staaten, andere kamen als gewerbliche Auszubildende. Im Jahr 1955 lag die Anzahl in der DDR schätzungsweise bei 334 Studenten, 302 gewerblichen Auszubildenden und 298 Waisen aus Nordkorea. Die Waisenkinder wurden vom sogenannten Heimkombinat „Korea“ im Maxim-Gorki-Heim in Dresden, im Käthe-Kollwitz-Heim in Moritzburg sowie im Radebeuler Mohrenhaus und Schloss Wackerbarth untergebracht. Mit Verschlechterung der chinesisch-sowjetischen Beziehungen, wurde die Rückkehr der sich im Ausland befindlichen Nordkoreaner durch die nordkoreanische Regierung angeordnet. Nach 1962 befanden sich nur noch wenige Nordkoreaner in der DDR, unter anderem deren Nachkommen. Selbst diejenigen, die mit Einheimischen verheiratet waren, mussten dem Rückruf folgen und verließen ihre Ehepartner.

Auch aus Nordvietnam wurden Studenten in den 1950er Jahren an Hochschulen und Universitäten der DDR eingeladen. Es war ihnen möglich dort ein Diplom oder auch einen Doktorgrad zu erwerben. Ein Daueraufenthalt in der DDR war dagegen jedoch nicht vorgesehen, als besondere Maßnahme mussten die Studenten etwa ein bis zwei Jahre vor dem Abschluss nach Vietnam zurückkehren, dort heiraten und Kinder bekommen. Vorausgesetzt dann durften sie an den Bildungseinrichtungen die Abschlussprüfungen ablegen. Damit sicherte sich die vietnamesische Regierung den Verbleib von Fachkräften in ihrem Land.

Bis 1989 hatten schließlich über 100.000 Vietnamesen in der DDR studiert oder gearbeitet, insbesondere in Ost-Berlin, Rostock, Erfurt, Jena, Karl-Marx-Stadt, Leipzig und Dresden. Die Zahl der dauerhaft in der DDR lebenden Vietnamesen erreichte knapp eine Anzahl von 60.000[5].

Bekannte Deutsch-Asiaten

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Ausländische Bevölkerung nach Geburtsort und ausgewählten Staatsangehörigkeiten - Statistisches Bundesamt. Abgerufen am 7. November 2025
  2. Erich Gütinger: Die Geschichte Der Chinesen in Deutschland: Ein Überblick über die ersten 100 Jahre ab 1822, Waxmann Verlag, 2004. ISBN 978-3-8309-1457-0.
  3. Benton, Gregor (2007), "Germany", Chinese Migrants and Internationalism, Routledge, S. 30–37, ISBN 978-0-415-41868-3.
  4. Sun-Ju Choi, You-Jae Lee: Umgekehrte Entwicklungshilfe. Die koreanische Arbeitsmigration in Deutschland / Chŏndo toen kaebal wŏnjo. Togil ŭi hanin nodong iju. In: Kölnischer Kunstverein u. a. (Hrsg.): Projekt Migration. Köln 2005, S. 735–742. (Deutsch/Koreanisch)
  5. Felicitas Hillmann: Riders on the storm: Vietnamese in Germany’s two migration systems. In: Ernst Spaan, Felicitas Hillmann, A. L. van Naerssen: Asian Migrants and European Labour Markets Patterns and Processes of Immigrant Labour Market Insertion in Europe. Routledge, 2005, ISBN 0-415-36502-3, S. 80–100.