Der unsichtbare Mensch

Film
Titel Der unsichtbare Mensch
Originaltitel Человек-невидимка
Transkription Tschelowek-newidimka
Produktionsland Sowjetunion
Originalsprache Russisch
Erscheinungsjahr 1985
Länge 89 Minuten
Stab
Regie Alexander Sacharow
Drehbuch Alexander Sacharow
Musik Eduard Artemjew
Kamera Waleri Schuwalow
Schnitt Jelena Suraschskaja
Besetzung und Synchronisation

Der unsichtbare Mensch (Originaltitel: kyrillisch Человек-невидимка ‚Tschelowek-newidimka‘) ist ein sowjetischer Film aus dem Jahr 1984. Er orientiert sich an dem Buch Der Unsichtbare des britischen Schriftstellers H. G. Wells aus dem Jahr 1897.

Handlung

Dr. Jonathan Griffin, der seine medizinische Laufbahn zugunsten experimenteller Forschung in den physikalischen Gebieten der Newtonschen Optik, Röntgenstrahlung und Atomspaltung aufgegeben hat, kehrt nach zwölf Jahren in sein Heimatdorf zurück, um an der Beerdigung seines Vaters teilzunehmen. Dort begegnet er seiner Jugendfreundin Jane Beth und erfährt, dass sein Vater ihn trotz eigener Überschuldung finanziell unterstützt hat; das Familienhaus samt Nachlass muss versteigert werden, denn Griffin ist knapp bei Kasse. Auf dem Weg zurück nach London besucht Griffin seinen alten Studienfreund Dr. Kemp in Burdock, der inzwischen in der Pharmakologie tätig ist. Ihm offenbart Griffin erstmals sein geheimes Forschungsgebiet: die Unsichtbarkeit des menschlichen Körpers. Kemp hält das Vorhaben für unrealistisch, sagt ihm jedoch Unterstützung zu.

Zurück in London setzt Griffin seine Experimente fort, bis Lärm und Rauch die Nachbarn alarmieren. Als der Vermieter die Wohnung öffnen lässt, ist Griffin, der noch kurz vorher die Tür öffnete, spurlos verschwunden – nur seine Fußabdrücke verraten ihn und lässt die aufgebrachte Menge ihn folgen. Er flieht aus der Stadt, beschafft sich Kleidung und nimmt seine wissenschaftlichen Unterlagen in einem Handkoffer mit. In einem Gasthaus im Dorf Iping sorgt sein vollständig verhülltes Auftreten für Schrecken und Unruhe, woraufhin die Polizei gerufen wird. Griffin entkommt und zwingt den Landstreicher Thomas Marvel, ihm zu helfen. Als Marvel mit Griffins Koffer flieht, verfolgt Griffin ihn in eine Kneipe, wird dort angeschossen und schleppt sich schwer verletzt zu Kemp, der ihn aufnimmt. Der Unsichtbare ist zu diesem Zeitpunkt in aller Munde und ihm werden in Zeitungen sogar Morde angehängt.

Nach einer schlaflosen Nacht informiert Kemp heimlich den Polizeikommissar und Vertrauten Oberst Edaiy. Griffin entkommt jedoch erneut und bittet Jane in einem Brief um ein Treffen. Beim Anblick seines unsichtbaren Körpers fällt sie in Ohnmacht, fleht ihn später dann an, gemeinsam zu fliehen. Griffin besteht darauf, zunächst seine Bücher zurückzuholen, damit er sich zurückverwandeln kann und seine Forschung nicht in falsche Hände geraten. Er erfährt, dass Marvel – der sich aus Angst von der Polizei hat inkarnieren lassen – die chiffrierten Unterlagen versteckt hat. Griffin hat bei der Vernehmung mitbekommen, wo die Unterlagen sind, doch das Zurückholen scheitert. Edaiy und Kemp gelangen in den Besitz der Bücher, können die chiffrierten Texte aber nicht lesen und planen, Griffin eine Falle zu stellen und festzusetzen.

Vor Kemps Anwesen kommt es zur Konfrontation: Griffin entwaffnet Edaiy und während eines Kampfes der beiden löst sich ein Schuss auf Edaiy. Kemp lässt Griffin, der ihn bitte sich um den Angeschossenen zu kümmern, in dessen Labor, wo er ihn mithilfe eines roten Lichtes und roten Brillengläsern sehen kann. Er offenbart ihm, dass die Bücher bei ihm sind, dass Edaiy tot sei, es somit keinen Zeugen gibt und weglaufen sinnlos sei, da die Polizei ihn jagen werde. Es gelte nun zu handeln, die Macht über die Welt sei das Ziel der Wissenschaft, so Kemp, jetzt müsse Schrecken und Terror verbreitet werden. Griffin ist sichtlich irritiert und reagiert erbost – er fordert seine Bücher zurück; Kemp täuscht sein Einlenken vor, doch statt die Bücher zu holen, sperrt er ihn ein. Griffin befreit sich, gerät mit herbeigerufenen Polizisten in einen Kampf, und im Chaos bricht ein Brand im Labor aus.

Die Verfolgung führt schließlich auf einen Jahrmarkt, wo Griffin Kemp einholt. Die Menschenmenge greift ein; Griffin zerreißt die Bücher, während ein plötzlich einsetzender Sturmregen den Jahrmarkt verwüstet. Als sich der Wind beruhigt wird seine Silhouette durch den Regen sichtbar. Die Menschenmenge steht ihm nun gegenüber und er beteuert seine Unschuld und Menschlichkeit, wird jedoch erschlagen. Mit seinem Tod wird sein Körper vollständig sichtbar, was die Umherstehenden erschüttert und beschämt zurücklässt: „Oh je, ein richtiger Mensch. Nicht zu glauben! Er wird immer mehr sichtbar. Mein Gott, das ist tatsächlich ein richtiger Mensch. Und noch so jung!“

Filmzitat

„Und das ist das Resultat: Ich bin verzweifelt, alles habe ich verloren, sogar mich selbst. Die Menschen dieser Stadt verfolgen mich, aber am schlimmsten ist diese absurde Hilflosigkeit.“

Jonathan Griffin, min. 1:02:02

Hintergrund

Der unsichtbare Mensch war Alexander Sacharows erster und einziger Spielfilm. Der gelernte Regisseur hatte zuvor viele Jahre als Spezialeffekt-Meister bei Mosfilm gearbeitet. Er schrieb das Drehbuch selbst und veränderte es, so fügte er H. G. Wells’ Werk die Liebesgeschichte zwischen Jonathan Griffin und Jane Beth hinzu und änderte die Persönlichkeit Griffins weg von Weltherrschaftsansprüchen hin zu einem romantischen Wissenschaftler, der die Geheimnisse der Natur ergründen will. Seine negativen Charakterzüge wurden auf die Figur Kemp übertragen. Für die Rolle des Griffin suchte er einen Schauspieler mit außergewöhnlicher Ausstrahlung. Er sollte auch dann ausdrucksstark bleiben, wenn sein Gesicht unsichtbar war. Die Wahl fiel auf Andrei Charitonow. Sacharow fand Charitonow jedoch zu sympathisch für die Rolle des Griffin in seiner literarische Vorlage, weshalb er sie umschrieb.[1]

Der Film kam am 14. Juli 1985 in die sowjetischen Kinos und wurde ein Erfolg: Im ersten Monat sahen ihn 14 Millionen Zuschauer, wofür das gesamte Produktionsteam Gagen für Wiederaufführungen erhielt. Am Ende des Jahres wählten die Leser der Zeitschrift Sowjetski Ekran (Советский Экран Sowjetische Leinwand) den Film auf den zweiten Platz in der Kategorie „Bester Film“. Den ersten Platz belegte Prischla i Goworju (Пришла и говорю Ich kam und spreche) mit Alla Pugatschowa in der Hauptrolle.[1]

Veröffentlichung

  • Sowjetunion: 14. Juli 1985 (Kino), 6. Januar 1989 (Fernsehen)
  • Ungarn: 21. August 1986
  • DDR: 10. April 1987

[2]

Besetzung und Synchronisation

DEFA-Studio für Synchronisation, Berlin. Dialogbuch: Hannelore Fabry, Dialogregie: Marion Schöneck, Schnitt: Gabriele Konwitschka, Ton: Heinz Dubrow.

Darsteller Synchronsprecher Rolle
Andrei Charitonow Jan Spitzer Jonathan Griffin „Der Unsichtbare“
Romualdas Ramanauskas Winfried Wagner Dr. Kemp
Natalja Danilowa Margrit Manz Jane Beth
Leonid Kurawljow Wolfgang Jakob Thomas Marvel
Oleg Golubizki Wolfgang Brunnecker Oberst Edaiy, Polizeichef von Burdock
Olegar Fedoro Bernd Eichner Amerikaner
Alexander Pjatkow Werner Senftleben Barbesitzer
German Katschin Dietmar Richter-Reinick Polizist Hicks
Wiktor Schulgin Karl Heinz Oppel Polizist Jaffers
Juri Katin-Jarzew Klaus Mertens Ladenbesitzer
Wiktor Sergatschow Wolfgang Thal Mr. Hall
Anatoli Sachnowski Walter Wickenhauser Polizist

Fortsetzung

1992 drehte Sacharow einen Prequel als 10-minütigen Fernsehkurzfilm namens Wolschebnaja Lawka (Волшебная лавка Zauberladen), in dem die Kinder Jane und Jonathan gemeinsam mit ihrem Vater durch London spazieren und unerwartet in einem Zauberladen landen, in dem ein freundlicher Zauberer Wunder vollbringt.[3]

Einzelnachweise

  1. a b «Человек-невидимка» (1984) — смотреть фильм онлайн без регистрации. Archiviert vom Original am 21. Oktober 2021; abgerufen am 4. Januar 2026 (russisch).
  2. Der unsichtbare Mensch (1985) – Informationen zur Veröffentlichung – IMDb. Abgerufen am 5. Januar 2026 (deutsch).
  3. Volshebnaya lavka. Soyuztelefilm, 1. Juni 1992, abgerufen am 4. Januar 2026.