Der geheimnisvolle Blick des Flamingos

Film
Titel Der geheimnisvolle Blick des Flamingos
Originaltitel La misteriosa mirada del flamenco
Produktionsland Chile, Frankreich, Deutschland, Spanien, Belgien
Originalsprache Spanisch
Erscheinungsjahr 2025
Länge 104 Minuten
Altersfreigabe
Produktions­unternehmen
  • Quijote Films
  • Les Valseurs
  • Weydemann Bros.
  • Irusoin
  • Wrong Men
Stab
Regie Diego Céspedes
Drehbuch Diego Céspedes
Produktion
  • Giancarlo Nasi
  • Justin Pechberty
  • Damien Megherbi
  • Jonas Weydemann
  • Jakob D. Weydemann
  • Ander Sagardoy
  • Ander Barinaga-Rementeria
  • Xabier Berzosa
  • Benoît Roland
Musik Florencia Di Concilio
Kamera Angello Faccini
Schnitt Martial Salomon
Besetzung
  • Tamara Cortés: Lidia
  • Matías Catalán: Flamingo
  • Paula Dinamarca: Mama Boa
  • Pedro Muñoz: Yovani
  • Luis Dubó: Clemente
  • Vicente Caballero: Julio
  • Alexa Quijano: Adler
  • Bruna Ramírez: Löwin
  • Sirena González: Estrella
  • Francisco Día Z: Piraña
  • Claudia Cabezas
  • Alfredo Castro
  • Andrés Almeida
  • Felipe Ríos

Der geheimnisvolle Blick des Flamingos (Originaltitel La misteriosa mirada del flamenco, internationaler englischer Titel The Mysterious Gaze of the Flamingo) ist ein Spielfilm aus dem Jahr 2025 von Diego Céspedes. Premiere war im Mai 2025 im Rahmen der Filmfestspiele von Cannes, wo die Produktion mit dem Hauptpreis der Sektion Un Certain Regard ausgezeichnet wurde.[2][3] Der Film wurde als chilenischer Kandidat in der Kategorie Bester internationaler Film für die Oscarverleihung 2026 ausgewählt.[4][5]

Handlung

Die kleine Lidia wächst in Chile in einer kleinen Bergbaustadt in einer queeren Hausgemeinschaft aus Trans-Frauen im von Mama Boa betriebenen Alaska House auf. Dort gibt es auf einer Bühne regelmäßig kleine Darbietungen. Die Performerinnen tragen Tiernamen als Pseudonyme wie Adler, Löwin, Piraña und Flamingo. Letztere ist mit ihren langen Beinen der Star der Truppe und wird von einigen Männern heimlich begehrt. Gemeinsam kümmern sie sich um die von Flamingo adoptierte Lidia.

Anfang der 1980er-Jahre kommt es im Dorf zu Infektionen durch eine noch unbekannte Krankheit. Die Bergarbeiter werfen den Trans-Frauen vor, durch Blickkontakt die Herzen der Männer zu erobern und sie so mit der Krankheit zu infizieren. Als der in Flamingo verliebte Bergmann Yovani erkrankt, verlangen die Bergleute, dass die Belegschaft des Alaska House zukünftig Augenbinden trägt. Nachdem Flamingo tot und mit ausgestochenen Augen aufgefunden wird, beschließt Lidia, die Ursache der Krankheit herauszufinden und den Tod ihrer Ziehmutter zu rächen. Unterstützung erhält sie dabei vom gleichaltrigen Julio.[6][7][8][9]

Produktion und Hintergrund

Produziert wurde der Film von der chilenischen Quijote Films (Produzent Giancarlo Nasi), der französischen Les Valseurs (Produzenten Justin Pechberty und Damien Megherbi), der deutschen Weydemann Bros. Film (Produzenten Jonas und Jakob D. Weydemann), der spanischen Irusoin (Produzenten Ander Sagardoy, Ander Barinaga-Rementeria und Xabier Berzosa) sowie der belgischen Wrong Men (Produzent Benoît Roland).[10][3][7] Den Weltvertrieb übernahm Charades und in Deutschland die Filmreederei.[3][7]

Unterstützt wurde die Produktion von der Deutsch-Französischen Förderkommission, der MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, vom Instituto de la Cinematografía y de las Artes Audiovisuales (ICAA), von Eurimages und vom World Cinema Fund, Aide aux Cinémas du Monde (CNC Institut français), vom Département de la Charente-Maritime und der Région Nouvelle-Aquitaine.[3]

Die Kamera führte Angello Faccini, die Musik schrieb Florencia Di Concilio und die Montage verantwortete Martial Salomon. Das Production-Design gestaltete Bernardita Baeza, das Kostümdesign Pau Aulí und den Ton Ingrid Simon, Gilles Bénardeau und David Ferral.[3][7][10] Regisseur und Drehbuchautor Diego Céspedes gab mit dieser Produktion sein Spielfilmdebüt.[8]

Der Name der Krankheit AIDS wird im Film nicht genannt.[8][9]

Veröffentlichung

Premiere war am 15. Mai 2025 im Rahmen der 78. Internationalen Filmfestspiele von Cannes, wo der Film mit dem Hauptpreis Prix Un Certain Regard der Sektion Un Certain Regard ausgezeichnet wurde.[2]

Im September 2025 wurde der Film am Toronto International Film Festival 2025 in der Sektion Centrepiece gezeigt.[11] Weitere Vorstellungen gab es unter anderem am Filmfest Hamburg,[12] am Busan International Film Festival in Südkorea, am AFI Fest in den USA, am Festival du Film de Cabourg in Frankreich, am Vancouver International Film Festival in Kanada, am spanischen Festival Internacional de Cine de San Sebastián in der Sektion Horizontes Latinos,[10] am Internationalen Filmfestival Karlovy Vary in Tschechien und am Athens International Film Festival in Griechenland.[3]

In Deutschland kam der Film am 4. Dezember 2025 in die Kinos.[3][7]

Rezeption

Am 5. Dezember 2025 waren 23 der 24 bei Rotten Tomatoes aufgeführten Kritiken positiv.[13] Bei Metacritic erhielt der Film am 5. Dezember 2025 einen Metascore von 77 von 100 möglichen Punkten, der auf vier Rezensionen basierte.[14]

Yannick Vollweiler vergab auf film-rezensionen.de acht von zehn Punkten. Durch seinen magischen Realismus transportiere der Film die Magie seiner eigenen emotionalen Botschaft visuell eindrucksvoll und verwebe typische Tropen des Queer-Kinos wie Ausgrenzung, Familie und Empathie zu einem bewegenden Kinoerlebnis.[6]

Filmdienst.de bewertete die Produktion mit 3,5 von 5 Sternen. Der fantasiereiche Film verbinde märchenhafte Elemente und einfühlsam gezeichnete Charaktere zu einer Geschichte zwischen Realismus und Fantasie, die von Würde und Mut auch im Angesicht einer tödlichen Krankheit handle.[7]

Thorsten Hanisch (vier von fünf Sterne) bezeichnete den Streifen auf filmstarts.de als grandios inszenierte Wundertüte, formal und tonal wechselhaft, aber nie beliebig, großartig gespielt, voller Leidenschaft und trotz 1980er-Setting leider immer noch traurig nahe am Puls der Zeit.[8]

Thomas Abeltshauser (drei von fünf Sterne) schrieb auf epd-film.de, dass Diego Céspedes das historische Trauma in ein queeres Märchen zwischen Coming-of-Age, Western-Mythos und Sozialdrama übersetze. Bildgestalter Angello Faccini komponiere die Wüstenlandschaft in erdig-staubigen Brauntönen, das 4:3-Format enge die Figuren ein, wie gefangen in den Verhältnissen. Tatsächlich trage die Kamera den Film stärker als das Drehbuch. Auch die Musik deute Emotionen an, die das gesprochene Wort selten erreicht.[9]

Auszeichnungen und Nominierungen

Internationale Filmfestspiele von Cannes 2025

Festival Internacional de Cine de San Sebastián 2025

  • Auszeichnung mit dem Dama Youth Award[15][16]

Chilenischer Kandidat für den besten internationalen Film für die Oscarverleihung 2026[4][5]

Commons: La misteriosa mirada del flamenco – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Freigabebescheinigung für Der geheimnisvolle Blick des Flamingos. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 275036).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. a b c La misteriosa mirada del flamenco. In: festival-cannes.com. Abgerufen am 5. Dezember 2025 (englisch).
  3. a b c d e f g Der geheimnisvolle Blick des Flamingos bei crew united, abgerufen am 5. Dezember 2025.
  4. a b Anna Marie de la Fuente: Chile Sends ‘The Mysterious Gaze of the Flamingo’ to the Oscars. In: variety.com. 2. September 2025, abgerufen am 5. Dezember 2025 (englisch).
  5. a b Steve Pond: Oscars International Category Sends 86 Films to Voters. In: TheWrap. 24. Oktober 2025, abgerufen am 5. Dezember 2025 (englisch).
  6. a b Yannick Vollweiler: Der geheimnisvolle Blick des Flamingos. In: film-rezensionen.de. 18. Juni 2025, abgerufen am 5. Dezember 2025.
  7. a b c d e f Der geheimnisvolle Blick des Flamingos. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 5. Dezember 2025.
  8. a b c d Der geheimnisvolle Blick des Flamingos. In: filmstarts.de. Abgerufen am 5. Dezember 2025.
  9. a b c Thomas Abeltshauser: Kritik zu Der geheimnisvolle Blick des Flamingos. In: epd-film.de. 28. November 2025, abgerufen am 5. Dezember 2025.
  10. a b c La misteriosa mirada del flamenco / The Mysterious Gaze of the Flamingo. In: sansebastianfestival.com. Abgerufen am 5. Dezember 2025 (englisch).
  11. The Mysterious Gaze of the Flamingo. In: tiff.net. Abgerufen am 5. Dezember 2025.
  12. Der geheimnisvolle Blick des Flamingos. In: filmfesthamburg.de. Abgerufen am 5. Dezember 2025.
  13. The Mysterious Gaze of the Flamingo. In: Rotten Tomatoes. Fandango, abgerufen am 5. Dezember 2025 (englisch).
  14. The Mysterious Gaze of the Flamingo. In: Metacritic. Abgerufen am 5. Dezember 2025 (englisch).
  15. Winners of the 73rd edition. In: sansebastianfestival.com. 27. September 2025, abgerufen am 27. September 2025 (englisch).
  16. ‘Los domingos’ by Alauda Ruiz de Azúa bags the Golden Shell at the San Sebastián Festival’s 73rd edition. In: sansebastianfestival.com. 27. September 2025, abgerufen am 5. Dezember 2025 (englisch).