Der Zweite Weg im Sport
Der Zweite Weg im Sport (auch: Jedermannturnen) war eine offizielle Breitensport-Initiative, die Ende der 1950er / Anfang 1960er Jahre in Westdeutschland vom Deutschen Sportbund (DSB) angestoßen wurde; Ziel war „Sport für alle“ als Ergänzung zum am Leistungssport orientierten, sogenannten „ersten Weg“.[1]
Geschichte
Im Herbst 1959 tagten unabhängig voneinander die Deutsche Olympische Gesellschaft (DOG) und der Deutsche Sportbund (DSB), um über die Zukunft des Sports in der jungen, erst zehn Jahre alten Bundesrepublik zu beraten.[1]
Der DSB hatte sich dem veränderten Sport- und Freizeitverhalten der Bevölkerung zugewandt und fasste seine Ziele in einer Resolution unter Punkt 5 so zusammen: „Neben den bisher bewährten Formen des Übungs-, Trainings- und Wettkampfbetriebes der Vereine und Verbände ist ein ‚Zweiter Weg' aufzubauen, der dem Erholungs-, Spiel- und Sportbedürfnis breiter Bevölkerungsschichten entspricht.“ Die DOG ihrerseits hatte den erheblichen Mangel an Sportstätten aller Art in den vierzehn Jahre nach Kriegsende noch weitgehend zerstörten Städten in den Blick genommen und forderte von Bund, Ländern und den Gemeinden, im Rahmen eines „Goldenen Plans“ gemeinsam den Bau von Sport- und Erholungsanlagen in Angriff zu nehmen. Sportliche Betätigung, Spiel und Erholung auf den neu zu bauenden Anlagen und Sportstätten sollten vor allem auch der Gesundheit der Bevölkerung zugutekommen.[2]
Die Deutsche Olympische Gesellschaft und der Deutsche Sportbund trieben ihre Bestrebungen gemeinsam voran, sodass der Zweite Weg und der Goldene Plan Hand in Hand gingen.[1]
Konkrete Maßnahmen zur Umsetzung des Zweiten Weges beschloss das DSB-Präsidium am 21. Januar 1961. So wurden in Folge unter anderem ein Arbeitskreis eingerichtet, Modell-Lehrgänge organisiert, Wandersportlehrer in den Verbänden eingesetzt und nicht zuletzt die verstärkte Aufklärung der Vereine über die Zielsetzungen dieser Aktion in die Wege geleitet. Später wurden Übungsleiterprogramme gestartet, um den Vereinen die nötige Zahl von haupt-, neben- und ehrenamtlichen Übungsleitern zur Verfügung stellen zu können.[1]
Ab 1969 folgten im Rahmen des Zweiten Weges „Trimm Dich durch Sport“-Initiativen und Sport für alle-Aktionen des DSB, die bis in die 2010er Jahre nachwirkten, den Begriff des Zweiten Weges aber längst überformt hatten.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d "Goldener Plan" und "Zweiter Weg" In: Olympisches Feuer; Zeitschrift der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG); 6. Ausgabe des Jahrgangs 2009, S. 48–51
- ↑ Friedrich Mevert: Der „Goldene Plan“. In: Wolfgang Buss, Arnd Krüger (Hrsg.): Sportgeschichte: Traditionspflege und Wertewandel. Festschrift für Wilhelm Henze. NISH, Duderstadt 1985, ISBN 3-923453-03-5, S. 245–247.