Der Tiger (2025)

Film
Titel Der Tiger
Produktionsland Deutschland, Tschechische Republik
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2025
Länge 122 Minuten
Altersfreigabe
Produktions­unternehmen Pantaleon Films
Stab
Regie Dennis Gansel
Drehbuch Dennis Gansel, Colin Teevan
Produktion Frank Kusche, Dan Maag
Musik Heiko Maile
Kamera Carlo Jelavic
Schnitt Benjamin Kaubisch
Besetzung

Der Tiger ist ein deutsch-tschechischer Antikriegsfilm von Dennis Gansel. Die Amazon-Produktion kam am 18. September 2025 in die Kinos.

Handlung

Der Film spielt im Jahr 1943 an der Ostfront im Zweiten Weltkrieg. Die Wehrmacht befindet sich nach der Niederlage bei Stalingrad auf dem Rückzug. Die Erzählung beginnt mit der Verteidigung einer Brücke, über die sich deutsche Soldaten zurückziehen und durch den titelgebenden Panzerkampfwagen VI Tiger unterstützt werden. Nachdem alle Soldaten über die Brücke gelangt sind, zieht sich auch der Panzer in den letzten Minuten vor der geplanten Brückensprengung durch deutsche Jagdbomber zurück. Dabei gerät die Tiger-Besatzung um Kommandant Philip Gerkens in das Feuerinferno der Explosionen.

Danach erhält die fünfköpfige Besatzung einen Sonderauftrag: Sie sollen ohne Unterstützung mit ihrem Panzer hinter die Frontlinie vorstoßen, um einen Oberst Paul von Hardenburg, einen Kameraden Gerkens’ aus der Kriegsschule, zu finden und ihn vor Gefangennahme und Verhör durch die Rote Armee zu bewahren.

Nach dem erfolgreichen Durchqueren eines Minenfeldes stößt die Besatzung auf mehrere sowjetische SU-100-Jagdpanzer. Kommandant Gerkens entscheidet sich gegen eine Konfrontation und befiehlt die Flucht mittels einer Tauchfahrt durch einen nahe liegenden Fluss.

Nach erfolgreicher Flucht erreicht die Besatzung ein Dorf, um Vorräte und Treibstoff aufzufüllen. Dabei werden sie Zeuge, wie die Waffen-SS Zivilisten in einer Dorfkirche zusammentreibt und diese anzündet.

Kurz bevor sie den Aufenthaltsort von Paul von Hardenburg erreichen, kommt es zu einem Gefecht gegen einen SU-100. Der Tiger kann den feindlichen Panzer zerstören, dabei kommt jedoch der Funker Keilig ums Leben. Dem Ladeschützen Michel fällt auf, dass im zerstörten gegnerischen Panzer keine Leichen, sondern verbrannte Skelette liegen. Die verbliebene Besatzung spürt den gesuchten Oberst in einem Bunker auf.

Paul von Hardenburg erzählt Gerkens von ihren gemeinsamen Erlebnissen in Stalingrad, unter anderem vom Befehl, eine Fabrikhalle mit Zivilisten und Soldaten in Brand zu setzen, um den sowjetischen Vormarsch zu stoppen. Er erklärt Gerkens auch, dass dessen Frau und Sohn beim Hamburger Feuersturm ums Leben kamen.

Es stellt sich heraus, dass die Mission nicht real stattfindet, sondern Gerkens alles halluziniert hat. Gerkens erwacht und findet sich im brennenden Panzer auf der Brücke wieder. Er muss feststellen, dass der Panzer den Rückzug nicht geschafft hat und er, auf der durch Explosionen zerstörten Brücke, in den Fluss stürzt.

Details

Der Panzerkampfwagen VI Tiger war tatsächlich tauchfähig. Wegen seiner Masse konnten ihn nur wenige Brücken tragen.

Der im Film gewählte Gegenspieler, die SU-100, kam erst im Januar 1945 zum Fronteinsatz. Es handelt sich um einen Anachronismus zum Handlungszeitraum Spätsommer/Herbst 1943.

Im Film wurde ein Nachbau eines Tiger-Panzers verwendet, der auf dem Chassis eines T-55-Panzers basiert und mit Umbauten und Requisiten für das authentische Aussehen eines Tiger-Panzers versehen wurde.

Kritik

Die Mehrheit der Kritiker lobt die technische Handwerkskunst (Kamera, Produktion, klaustrophobische Inszenierung) und die starke Ensemble-Leistung; viele finden Gansels Fokus auf Schuld, Gewissen und die Enge des Panzers überzeugend. Kritikpunkte sind vor allem die Perspektivwahl (starke Fokussierung auf deutsche Soldaten, die Opfer der deutschen Verbrechen kommen zu kurz), gelegentlich vorhersehbare dramaturgische Kniffe und moralische Ambivalenzen im Umgang mit der historischen Dimension. Die Bewertungen reichen von wohlwollend/positiv bis eher zurückhaltend/kritisch.

  • Oliver Kæver schrieb im Spiegel, die Bilder seien „in ihrer Höllenvision beklemmend“, zugleich finde Gansel „nur bedingt angemessene Bilder für das Thema Schuld“.[2]
  • Andreas Kilb urteilte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Film sei „technisch brillant, aber moralisch problematisch“, und kritisierte, dass „die Opfergeschichte fast ganz verschwindet“.[3]
  • David Steinitz schrieb in der Süddeutschen Zeitung, für Panzer-Enthusiasten sei der Film „ein Fest“, allen anderen empfehle er, „lieber einen Bogen um diesen Kinoabend zu machen“.[4]
  • Wolfgang M. Schmitt bezeichnet ihn in seiner Filmanalyse[5] als „kühnen und eindringlichen Antikriegsfilm“.
  • In der taz lobte Lennart Sämann die Intensität der Bilder, sah aber Schwächen: „Gansel wagt eine Täter-Innerlichkeit, die irritiert“, und „manchmal kippt die Symbolik ins Plakative“.[6]
  • Andreas Busche befand im Tagesspiegel, Gansel erzähle „das Märchen vom guten deutschen Soldaten“ und lasse die Darstellung der historischen Schuld „zu sehr im Hintergrund“.[7]
  • Hanns-Georg Rodek lobte in der Welt den Film als Beweis, dass „Deutschland wieder Kriegsfilm kann“, und hob die „spannungsreiche Inszenierung in klaustrophobischer Enge“ hervor.[8]
  • Anke Sterneborg schrieb in epd Film, Gansel setze „die Motive von Schuld und Mitläufertum in klaustrophobischen Bildern um“ und biete „ein intensives Schauspielerkino“.[9]
  • Chris Schinke urteilte im Filmdienst, das Werk sei „handwerklich stark, erzählerisch ambivalent“ und kritisierte, dass „die Opfer keine Gestalt bekommen“.[10]
  • In der GQ lobte Ulf Pape die Spannung und David Schütters Spiel: „Ein packender Film, der psychologische Tiefe mit Action verbindet“.[11]

Einzelnachweise

  1. Freigabebescheinigung für Der Tiger. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 270926/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. Oliver Kæver: Kriegsfilm »Der Tiger«: Blick in die Hölle. In: Der Spiegel. 17. September 2025, abgerufen am 22. September 2025.
  3. Andreas Kilb: Im Panzer zur Hölle fahren: Dennis Gansels Film „Der Tiger“. In: FAZ.net. 20. September 2025, abgerufen am 22. September 2025.
  4. David Steinitz: Kriegsfilm „Der Tiger“: Im Osten nichts Neues. In: Süddeutsche Zeitung. 16. September 2025, abgerufen am 22. September 2025.
  5. Filmanalyse: Der neue deutsche Anti-Kriegsfilm: DER TIGER – Kritik & Analyse. 21. September 2025, abgerufen am 4. Januar 2026.
  6. Lennart Sämann: Neuer Kinofilm „Der Tiger“: Selbstbegegnung eines Ostfront-Täters. In: taz.de. 18. September 2025, abgerufen am 22. September 2025.
  7. Andreas Busche: Weltkriegsdrama „Der Tiger“ im Kino: Das Märchen vom guten deutschen Soldaten. In: Der Tagesspiegel. 18. September 2025, abgerufen am 22. September 2025.
  8. Hanns-Georg Rodek: Filmstart „Der Tiger“: Deutschland kann wieder Kriegsfilm. In: Welt.de. 17. September 2025, abgerufen am 22. September 2025.
  9. Anke Sterneborg: Kritik: Der Tiger. In: epd Film. 22. August 2025, abgerufen am 22. September 2025.
  10. Chris Schinke: Der Tiger – Kritik, Trailer, Infos. In: Filmdienst. 17. September 2025, abgerufen am 22. September 2025.
  11. Ulf Pape: „Der Tiger“ im Kino: Im Osten was Neues. In: GQ Magazin. 19. September 2025, abgerufen am 22. September 2025.