Der Sohn des Mullahs
| Film | |
| Titel | Der Sohn des Mullahs |
|---|---|
| Originaltitel | Son of the Mullah |
| Produktionsland | Frankreich, Irak, Schweden |
| Originalsprache | Persisch, Französisch, Kurdisch, Englisch |
| Erscheinungsjahr | 2023 |
| Länge | 100 Minuten |
| Altersfreigabe | |
| Stab | |
| Regie | Nahid Persson Sarvestani |
| Drehbuch | Nahid Persson |
| Produktion | Setareh Lundgren, Mónica Hernández Rejón |
| Musik | Natali Noor |
| Kamera | Nahid Persson |
| Schnitt | Rostam Persson |
Der Sohn des Mullahs ist ein Dokumentarfilm der schwedisch-iranischen Regisseurin Nahid Persson Sarvestani aus dem Jahr 2023. Der Film zeichnet den Weg des iranischen Journalisten Ruhollah Zam nach, der als Sohn eines hochrangigen Mullahs im Zentrum der Macht aufwächst und später zu einem entschiedenen Gegner des iranischen Regimes wird. Nach jahrelanger regimekritischer Arbeit wird er 2019 vom iranischen Geheimdienst entführt, anschließend verurteilt und im Dezember 2020 hingerichtet.
Inhalt
Nahid Persson Sarvestani begleitet den iranischen Journalisten Ruhollah Zam, der der als Sohn eines iranischen Mullahs aus einem privilegierten Umfeld stammt, sich jedoch dem Regime widersetzt und als Journalist im Exil lebt. 2009 ging er gegen die klerikalen Machthaber auf die Straße und saß dafür zweieinhalb Monate im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran, wohin auch seine Lebensgefährtin Mahsa inhaftiert wurde. Auf Geheiß des Vaters kam er wieder frei. Im Jahr 2009 flohen beide ins Exil in Frankreich. Später wird versucht, ihn in einen Hinterhalt zu locken. Auch die Jahre im Exil schützen Zam nicht vor der Brutalität des iranischen Regimes, das seinen Kampf für die Pressefreiheit mit allen Mitteln verhindern will.
Mit der von ihm gegründeten Plattform AmadNews („Stimme des Volkes“) wird Zam zu einer der wichtigsten Stimmen der iranischen Opposition. Seine investigativen Enthüllungen über Korruption, Doppelmoral und Menschenrechtsverbrechen prägen maßgeblich die Protestbewegung von 2017. Besonders die Aufdeckung eines weitreichenden Geldwäscheskandals sorgt im Iran für Aufsehen und setzt ihn endgültig auf die Abschussliste des Regimes.
Die Regisseurin begleitet Zam und seine Familie in Frankreich und dokumentiert seinen Alltag unter ständiger Bedrohung. Parallel dazu nimmt sie Einblick in die Arbeit seines Umfelds, darunter des regimekritischen Journalisten Avi Javanmardi, der mit einem Sicherheitsteam aus Kurdistan heraus operiert und mehrfach Ziel von Attentatsversuchen war. Während der Dreharbeiten stoßen Zam und Sarvestani auf mögliche Versuche, sie in dubiose Finanzgeschäfte zu verwickeln, die sich später als Teil einer nachrichtendienstlichen Falle herausstellen. Gleichzeitig kursieren im iranischen Staatsfernsehen diffamierende Fake-Dokumentationen, die Zams Glaubwürdigkeit untergraben sollen.
Nach einer anonymen Drohung gegen die Regisseurin beginnt Sarvestani selbst zu recherchieren. Ihre Untersuchung verlagert den Fokus der Dokumentation: Aus einem Porträt Zams wird eine filmische Rekonstruktion der geheimdienstlichen Operation, die zu seiner Entführung führte. Dabei wird deutlich, dass mehrere Personen aus seinem Umfeld, darunter seine vermeintliche Sekretärin, für die iranischen Behörden arbeiteten und ihn gezielt in die Falle nach Bagdad lockten.
Im zweiten Teil des Films werden Zams öffentliche Demütigung in iranischen Medien, seine erzwungenen Geständnisse, der Schauprozess und seine anschließende Hinrichtung thematisiert. Nach der Beerdigung legt Zams Vaters öffentlich seine religiösen Insignien ab und entledigt sich damit seines Amtes. Zams Wirken wird mit den Protesten, die durch die Ermordung von Mahsa Amini 2022 ausgelöst wurden, in einen Kontext gesetzt. Szenen aus Demonstrationen im Iran werden mit parallel stattfindenden Protesten in Paris verknüpft, bei denen Zams Tochter öffentlich Stellung bezieht und gegen Unterdrückung und Geschlechterapartheid spricht.
Produktion und Hintergründe
Die Regisseurin Nahid Persson Sarvestani hat mit Der Sohn des Mullahs ihrem Repertoire einen weiteren politisch engagierten Dokumentarfilm über Menschenrechte und die iranische Zivilgesellschaft hinzugefügt. Der Sohn des Mullahs stellt eines ihrer komplexesten Projekte dar (Stand 2025), da sie während der Dreharbeiten selbst zur Akteurin eines politischen Geschehens wird und sich in sicherheitsgefährdende Situationen begibt.
Für das dokumentarische Filmmaterial drehte sie mehrere Jahre in Frankreich, Schweden, Kurdistan und Paris. Dabei verwendete sie verschiedene mediale Formate wie digitale und „on-the-ground“-Aufnahmen (Kamera befindet sich nicht distanzierend beobachtend, sondern im Handlungsraum der Protagonisten), die aus Iran stammen, Protestaufnahmen, Auszüge aus Gerichtsverfahren, Medienberichte sowie heimlich gefilmtes Material.
Im Filmverlauf entwickelt sich Sarvestanis zunächst beobachtende Position zur Rolle der als investigativ recherchierende Journalistin. Ihre Recherche zu den Hintergründen der Entführung führt sie in enge Zusammenarbeit mit Exiljournalisten und Zams Umfeld. Der ungeplante dramaturgische Bruch, der durch Zam Entführung entstand, veränderte die gesamte Ausrichtung des Projekts.[2]
Literatur
- Boel Ulfsdotter: Polyvocal political activism as a matrix for the liquid documentary: Son of a Mullah. In: Nahid Persson Sarvestani Towards A Liquid Authorship. Edinburgh University Press, 2025, ISBN 978-1-47447-988-2.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Freigabebescheinigung für Der Sohn des Mullahs. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüfnummer: 255659).
- ↑ Boel Ulfsdotter: Polyvocal political activism as a matrix for the liquid documentary: Son of a Mullah (2023). In: Nahid Persson Sarvestani: Towards A Liquid Authorship. Edinburgh University Press, 2025, ISBN 978-1-4744-7988-2, S. 125–138.