Der Prinz und der Bettler
| Film | |
| Titel | Der Prinz und der Bettler |
|---|---|
| Originaltitel | The Prince and the Pauper |
| Produktionsland | Vereinigtes Königreich |
| Originalsprache | Englisch |
| Erscheinungsjahr | 1977 |
| Länge | 113 Minuten |
| Altersfreigabe | |
| Stab | |
| Regie | Richard Fleischer |
| Drehbuch | Berta Dominguez und Pierre Spengler (Originaldrehbuch)
George MacDonald Fraser (Endfassung) |
| Produktion | Pierre Spengler |
| Musik | Maurice Jarre |
| Kamera | Jack Cardiff |
| Schnitt | Ernest Walter |
| Besetzung | |
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| → Synchronisation | |
Der Prinz und der Bettler (Originaltitel: The Prince and the Pauper, US-Titel: Crossed Swords) ist ein britischer Historienfilm nach dem Roman Der Prinz und der Bettelknabe von Mark Twain aus dem Jahr 1881. Die Handlung spielt in den Jahren 1537 bis zur Thronbesteigung des damals neunjährigen Königs Edward VI. am 20. Februar 1547. Während sein unmittelbarer Vorgänger König Heinrich VIII. im Sterben liegt, tauscht der kindliche Edward mit dem fiktiven, ihm täuschend ähnlich sehenden Bettelknaben Tom Canty die Kleidung und will für einen Kostümball zunächst freiwillig in dessen Rolle schlüpfen, wird jedoch unversehens des Hofes verwiesen und muss in der realen Welt unfreiwillig einige Abenteuer bestehen, während Tom Canty wider Willen einige Wochen als vermeintlicher Thronfolger absolvieren muss.
Handlung
Im London des 16. Jahrhunderts wird der in ärmlichen Verhältnissen lebende Tom Canty, der gerade einer Gruppe Kindern ein Märchen vorliest, von seinem grausamen Vater gemaßregelt. John Canty droht Tom mit Schlägen, falls er ihm nicht bis zum Abendessen fünf Schillinge stiehlt. Tom geht auf den Marktplatz und entwendet einem reichen Mann die Geldbörse, lässt sie aber fallen, als er mit einem anderen Mann zusammenstößt. In der Annahme, Tom habe die Geldbörse noch, jagen ihn der Mann und andere durch die Straßen Londons.
Tom entkommt, indem er eine Mauer hochklettert und durch ein Fenster stürzt. Er landet im Schlossgarten vor König Heinrich VIII., der sofort die Wachen alarmiert. Tom entkommt ihnen jedoch, indem er auf das Dach des Schlosses flieht und sich in einem Schornstein versteckt. Auf dem Schlossgelände befiehlt Heinrich VIII. unterdessen, Thomas Howard, den Herzog von Norfolk, während des Maskenballs am Abend gefangen zu nehmen.
In seinen königlichen Gemächern weigert sich Edward, der Prinz von Wales, ein Kostüm für den Maskenball zu tragen, woraufhin ihn seine Diener verlassen. In diesem Moment stürzt Tom durch den Kamin in die Gemächer und Edward will wissen, wer er ist. Tom stellt sich vor und erklärt seine Situation. Fasziniert von Toms Ähnlichkeit mit ihm, beschließt Edward, dass sie für den Maskenball die Rollen tauschen, besteht jedoch darauf, dass die offizielle Siegelkette des Thronfolgers bei ihm verbleibt.
Da der Herzog von Norfolk prompt bei der ersten Begegnung Edward mit Tom verwechselt, befiehlt er, den Prinzen aus dem Palast zu eskortieren. Draußen wird Edward von dem geschickten Fechter Sir Miles Hendon gerettet. Auf dem Maskenball wird der Herzog von Norfolk verhaftet. Der König und die Gäste lachen über Toms unbeholfene Tanzeinlage. Tom beteuert wiederholt, dass er nicht der Prinz von Wales sei.
Edward beharrt unterdessen nachdrücklich darauf, der Prinz von Wales zu sein. Miles gibt vor, ihm Glauben zu schenken, um ihn nicht weiter gegen sich aufzubringen. Er bringt den Jungen zu John Canty, und Edward erfährt, wie Toms familiäre Verhältnisse aussehen. Als John versucht, Edward zu schlagen, schreitet Miles ein. In der darauf folgenden Schlägerei stößt John Miles von einem Dach in eine Sickergrube. John wird des (scheinbaren) Mordes für schuldig befunden und flieht mit Edward aus London.
Seit dem Morgen nach dem Maskenball ist König Heinrich VIII. erkrankt und befiehlt, niemand dürfe behaupten, dass Tom nicht der wahre Prinz ist – nicht einmal Tom selbst. Obwohl einige im Hofstaat den plötzlichen Wandel im Verhalten des „Prinzen“ verdächtig finden (und sogar die Möglichkeit eines Betrügers in Erwägung ziehen), halten sie es für eine bloße Marotte. Während eines Banketts stirbt Heinrich VIII. in seinen Gemächern. Tom verfügt umgehend, dass der in einem Verlies auf seine Hinrichtung wartende Herzog von Norfolk nicht hingerichtet werden soll.
In einem Wald begleiten einige zwielichtige Gestalten John und Edward zu einer Höhle, in der sich Rufflers Bande versteckt hält. Die Nachricht vom Tod Heinrichs VIII. hat auch sie erreicht. Edward ist von den Leidensgeschichten der Männer tief bewegt und schwört, ihre Ehre wiederherzustellen. Nachdem er einen Kampf mit einem der Bandenmitglieder gewonnen hat, zieht Edward weiter. John verfolgt ihn, um ihn erneut zu verprügeln, wird aber von einem Gefolgsmann Rufflers getötet.
Draußen im Wald trifft Edward auf Miles, der seinen Sturz in die Sickergrube überlebt hat. Miles bringt Edward in seinen Stammsitz Hendon Hall. Dort erfährt Miles wutschäumend, dass sein Bruder Hugh Hendon Miles’ frühere Geliebte Lady Edith geheiratet und Hendon Hall an sich gerissen hat. Hugh lässt Miles und Edward gefangen nehmen, doch Edith verhilft ihnen zur Flucht. Edward überzeugt Miles schließlich davon, dass er der rechtmäßige König ist und bietet ihm an, ihn als Ritter in seinen Hofstaat aufzunehmen.
Der Tag der Krönung ist gekommen, und Edward und Miles eilen nach London, nachdem sie Hugh und Edith in einem Pferdewagen überfallen haben. Miles tauscht die Kleidung mit Hugh und fesselt ihn im Wagen, doch Hugh schlägt nach der Ankunft in London Alarm und versucht, Miles als „Betrüger“ verhaften zu lassen. Miles und Edward überwinden gleichwohl die Wachen vor der Westminster Abbey und verschaffen sich dort Zutritt, bevor die Tore geschlossen werden. Edward unterbricht die bereits laufende Krönungs-Zeremonie. Er und Tom nehmen wieder ihre ursprünglichen Rollen ein und gestehen einander, dass sie die Rollen des jeweils anderen nicht gut verkörpert haben. Erzbischof Thomas Cranmer und die anderen Zeugen sind fassungslos und zweifeln, bis Edward das authentische Siegel des Prinzen vorzeigt und seinen Platz als rechtmäßiger König einnimmt.
Dem satirischen Abspann-Text zufolge ernennt Edward nach seiner Krönung Tom zum Gouverneur des Christ’s Hospital, während Toms Mutter Obdachlosenheime gründen darf. Miles’ Bruder Hugh lässt sich von Edith scheiden und geht als Politiker nach Amerika. Miles wird abermals zum Ritter geschlagen und heiratet Edith (obwohl ihre Ehe nicht von Dauer ist). Der mit knapper Not dem Fallbeil entgangene Herzog von Norfolk lässt frohgemut seine Gegner hinrichten, und Edwards Schwester, die vorlaute Prinzessin Elizabeth, wird einige Jahre später als Elisabeth I. Königin und hält ihr Versprechen, sich gut um England zu kümmern.
Produktion
Der Stoff war mit mäßigem Erfolg unter demselben Titel bereits 1937 von William Keighley verfilmt worden. Die Rollen des Prinzen und des Bettelknaben spielten damals die Zwillinge Billy und Bobby Mauch, Errol Flynn war als Miles Hendon besetzt.
Die Neuverfilmung in den 1970er Jahren sollte sich als künstlerische und finanzielle Herausforderung erweisen. Die mexikanische Autorin und Schauspielerin Berta Dominguez D. (die Ehefrau von Alexander Salkind) und Pierre Spengler schrieben 1968 für Alexander und Ilya Salkind ein Drehbuch nach Mark Twains Roman. Anders als in der literarischen Vorlage, wo die Hauptakteure neun Jahre alt sind, was der historischen Wahrheit entsprach, wurden aus Edward und Tom 16-jährige Teenager (der mit neun Jahren inthronisierte Edward VI. verstarb tatsächlich bereits mit 15 Jahren). George Cukor sollte ursprünglich Regie führen, wollte die Jungen aber entsprechend Twains Roman als Neunjährige zeigen. Die Salkinds hingegen bevorzugten einen älteren Darsteller und hatten Leonard Whiting für die Doppelrolle im Auge. Schließlich verloren sie das Interesse an dem Projekt und drehten 1971 stattdessen den Abenteuerfilm Das Licht am Ende der Welt nach Jules Verne.
Nachdem die Produzenten mit Die drei Musketiere (1973) einen großen Erfolg landeten, erwachte ihr Interesse an Der Prinz und der Bettelknabe erneut. Ursprünglich planten sie, im Anschluss an Die drei Musketiere das Projekt Der Prinz von Malange mit Oliver Reed und Peter O’Toole in den Hauptrollen anzugehen. Doch O’Toole stand nicht mehr zur Verfügung, und der Drehstart war gefährdet, obwohl die Kulissen bereits halb fertig waren. Außerdem benötigten die Salkinds wegen der parallel laufenden Konzeption von Superman (1978) dringend Geld. Daher beschlossen sie, auf das alte Drehbuch für Der Prinz und der Bettelknabe zurückzugreifen und die bereits vorhandenen Bauten zu verwenden.
Richard Fleischer wurde die Regie angeboten. Er sagte zu, sofern er ein neues Drehbuch und ein höheres Budget – rund 7 Millionen US-Dollar – zugestanden bekäme. Die Salkinds stimmten zu. George MacDonald Fraser wurde mit der Überarbeitung des Drehbuchs beauftragt.
Gedreht wurde in England und Ungarn, die zunächst zweiwöchigen Aufnahmen begannen am 17. Mai 1976 in Penshurst Place, Kent. Danach wechselte das Drehteam für die Innenaufnahmen in die Pinewood Studios. Die nachfolgenden Dreharbeiten in Ungarn fanden überwiegend in Sopron und Budapest statt.
Rezeption
„Ein auf Schaueffekte angelegter, nicht sonderlich spannender Ausstattungsfilm in der Tradition des alten Mantel- und Degen-Kinos.“
Der Film wurde am 3. Juni 1977 in London und am 29. Juli 1977 in Irland von der 20th Century Fox gestartet. Am 2. März 1978 kam er in New York City in die Kinos, am 15. März 1978 wurde er auf dem USA Film Festival gezeigt und ab 17. März 1978 unter dem Titel Crossed Swords in den Vereinigten Staaten von Warner Bros. Pictures vertrieben.
An den Kinokassen war der Film wenig erfolgreich. In New York lief er jedoch als letzter Film in der Radio City Music Hall, bevor diese im April 1978 von der Schließung bedroht war. Er lockte somit viele Zuschauer an, die das Kino vor der Schließung noch einmal besuchen wollten. Ostern 1978 erzielte der Film daher Rekordeinnahmen von 468.173 US-Dollar in der Woche bis zum 29. März. In der sechsten und letzten Woche kosteten die Tickets zwischen 5 und 25 US-Dollar, der Erlös ging an den Variety Club of New York.
Der bereits als Kinderstar mehrere Jahre erfolgreiche Hauptdarsteller Mark Lester beendete mit der Doppelrolle seine Filmkarriere. Er will sich nach eigenen Worten nach Drehschluss einen Ferrari gekauft haben, um damit 18 Monate durch Europa zu touren. Zeitgenössische wie nachfolgende Kritiker lobten zwar den Kostümaufwand, hatten Lester nach Der Prinz und der Bettler allerdings „mangelndes Schauspieltalent“ bescheinigt, der Produktion insgesamt wurde ein „erschreckender Mangel an Witz und Fantasie“ vorgeworfen.[4] Lawrence Ellsworth vertrat gar die Ansicht, Lester sei „entsetzlich“, ja geradezu „empörend mies“ gewesen und habe dem Film einen "Todeskuss" verpasst, da er in fast jeder Szene auftrete.[5]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Freigabebescheinigung für Der Prinz und der Bettler. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, April 2015 (PDF; Prüfnummer: 49 216 V).
- ↑ R. Kent Rasmussen, Critical Companion to Mark Twain: A Literary Reference to His Life and Work (New York, 1995), p. 385.
- ↑ Der Prinz und der Bettler. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 24. Dezember 2025.
- ↑ Time Out, 10. September 2012 https://www.timeout.com/movies/the-prince-and-the-pauper
- ↑ Lawrence Ellsworth: Cinema of Swords, A Popular Guide to Movies about Knights, Pirates, Barbarians, and Vikings (and Samurai and Musketeers and Gladiators and Outlaw Heroes), Lanham 2023