Der Mohr Peters des Großen

Der Mohr Peters des Großen (russisch Арап Петра Великого, Arap Petra Welikowo), auch Der Mohr des Zaren, ist ein unvollendeter historischer Roman des russischen Nationaldichters Alexander Puschkin, der – in den Jahren 1827 und 1828 entstanden – 1837 im sechsten Band der Literaturzeitschrift Sowremennik postum erschien[A 1]. In den Jahren 1829 bis 1834 waren bereits in dem genannten Journal einige Vorabdrucke publiziert worden.

Für den Protagonisten – das ist der Mohr Ibrahim – nahm Puschkin seinen Urgroßvater mütterlicherseits Abram Hannibal als Vorbild.[1]

Die Übertragung ins Deutsche von Wilhelm Lange[2] kam 1882 in Reclams Universal-Bibliothek auf den Markt. Ein Jahr darauf erschien Der Mohr des Zaren, eine Adaption für die Bühne von Richard Voß.[3]

Inhalt

Peter der Große schickt sein Patenkind, den 27-jährigen Mohren Ibrahim, nach Paris auf die Artillerie­schule. Ibrahim verliebt sich dort in die verheiratete Gräfin D. Die Frucht der Beziehung – ein schwarzer Säugling – wird gegen ein weißes Neugeborenes ausgetauscht. Der gehörnte Gatte weiß als Einziger in Paris nicht Bescheid.

Nach Russland zurückgekehrt, gratuliert der Zar seinem Paten zum Kapitänleutnant. Ibrahim dient in der Bombardierkompanie des Preobrashenskij-Regiments. Die Gräfin D. schreibt aus Paris, Ibrahim solle doch Petersburg den Rücken kehren. Sie warte auf ihn. Aber Ibrahim wird zugetragen, die Gräfin habe sich einen neuen Liebhaber genommen. Zudem hat der Zar mit Ibrahim anderes vor.

Peter der Große begibt sich zu dem begüterten Bojaren Gawrila Afanasjewitsch Rshewskij und wirbt für Ibrahim um dessen 17-jährige Tochter Natalja Gawrilowna. Der Großvater des jungen Mädchens ist entsetzt. Gawrila erzählt dem Alten, Ibrahim sei Sohn eines arabischen Sultans, der nach Konstantinopel verkauft und dort vom russischen Gesandten ausgelöst worden sei. Bald geht Ibrahim im Hause Gawrilas ein und aus, hat aber nach zwei Wochen die Braut kein einziges Mal zu Gesicht bekommen. Natascha hat nur den einen Wunsch: Noch vor dem Vollzug der verhassten Ehe möchte sie sterben.

Fragment

Puschkins Freund Alexei Nikolajewitsch Wulf hat den geplanten weiteren Romanverlauf überliefert. Nach ihrer Zwangsverheiratung bricht Natascha die Ehe, bringt ein weißes Kind zur Welt und wird zur Strafe in ein Kloster gesperrt.

Verfilmung

Rezeption

  • Keil schreibt in seiner Puschkin-Biographie: „Der russische Patriot und Aristokrat Puschkin hat sich in Peter eine verehrungswürdige Gestalt der russischen Geschichte geschaffen.“[4]

Deutschsprachige Ausgaben

  • Der Mohr Peters des Großen. Deutsch von Michael Pfeiffer. S. 5–47 in: Alexander Puschkin: Gesammelte Werke in sechs Bänden. , Band 4: Romane und Novellen. Aufbau-Verlag, Berlin und Weimar 4. Aufl. 1973.
Hörbuch
  • Alexander Puschkin: Der Mohr Peters des Großen. Gelesen von Andreas Herrler. Aus dem Russischen von Michael Pfeiffer. Herausgegeben und bearbeitet vom Klassikkollektiv Berlin. 2009, 1 CD, ISBN 978-3-8368-0411-0.

Literatur

  • Rolf-Dietrich Keil: Puschkin. Ein Dichterleben. Biographie. Insel Verlag, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-458-16957-1.

Der Text

Anmerkung

  1. Der Romantitel Der Mohr Peters des Großen stammt nicht von Puschkin. Vergl. Keil 199. S. 267.

Einzelnachweise

  1. Puschkin: Der Mohr Peters des Großen. 4. Auflage, Weimar 1973, S. 465.
  2. Lange, Wilhelm. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).
  3. Puschkin: Der Mohr Peters des Großen. 4. Auflage, Weimar 1973, S. 466.
  4. Keil: Puschkin. Ein Dichterleben. Biographie. 1999, S. 267.