Der Mörder in mir (Roman)
Der Mörder in mir, im englischen Original The Killer Inside Me, ist ein Roman des amerikanischen Autors Jim Thompson aus dem Jahr 1952. Er behandelt die Geschichte von einem psychopathischen Frauenmörder, der als unauffälliger Polizist in einer Kleinstadt in den USA lebt und dort mehrere Personen tötet. Die Geschichte wurde mehrfach verfilmt, zuletzt 2010 durch Michael Winterbottom mit The Killer Inside Me.
Inhalt
Der Roman folgt dem Protagonisten Lou Ford und ist aus seiner Perspektive als Ich-Erzähler geschrieben. Ford ist ein scheinbar unauffälliger Deputy Sheriff in einer Kleinstadt in Texas, der hinter der Fassade ein berechnender, sadistischer Soziopath ist. Er unterhält eine langjährige erotische Beziehung zu der attraktiven Lehrerin Amy Stanton, beginnt jedoch parallel eine sadomasochistische Affäre mit der Prostituierten Joyce Lakeland. Gemeinsam mit Joyce plant er, den Bauunternehmer Chester Conway zu erpressen, indem sie dessen Sohn Elmer kompromittieren wollen. Lou Ford macht Conway für einen Unfall seines Stiefbruders Mike verantwortlich, der als Bauinspektor auf einer von dessen Baustellen tödlich verunglückte; der Gewerkschaftsfunktionär Joseph Rothman bekräftigt den Verdacht, will sich jedoch nicht mit Conway anlegen. Elmar ist ein Kunde von Joyce Lakeland und sie will ihm vorgaukeln, dass sie mit ihm die Stadt verlassen wolle; er muss dafür allerdings einen großen Geldbetrag von seinem Vater beschaffen, indem sie diesem eine Bestechung vorspielen.
Durch die Beziehung zu Lakeland wird die Aggressivität in Ford getriggert, der bereits als 15-Jähriger ein vierjähriges Mädchen brutal misshandelt hatte. Sein Stiefbruder hatte die Schuld für Lous Vergehen auf sich genommen und war dafür in ein Erziehungsheim geschickt worden. Lou Ford hintergeht Joyce Lakeland und schlägt sie vor dem Eintreffen von Elmar brutal zusammen, danach erschießt er Elmer, damit der Tod der beiden wie eine eskalierte Liebesaffäre wirkt. Als Alibi simuliert er eine Reifenpanne. Joyce Lakeland überlebt den Angriff schwer verletzt und wird ins Krankenhaus gebracht, liegt allerdings im Koma. Chester Conway versucht seinen Ruf und den seines Sohnes zu retten und bringt Lakeland in eine Spezialklinik, wohin auch Lou Ford und der Sheriff Bob Maples, Lous Mentor, sie begleiten. Ford bleibt auf Anweisung von Conway im Hotel und kurz darauf berichtet ihm Maples, dass Lakeland nach kurzem Koma gestorben sei.
Der von Conway bezahlte Bezirksstaatsanwalt Howard Hendricks zweifelt an Lou Fords Darstellung und seinem Alibi und vermutet eine dritte beteiligte Person, die beide ermordet haben soll. Er hat Ford im Verdacht und versucht, ihn durch Tricks zu einem Fehler zu bringen. Kurz darauf fällt der Verdacht jedoch auf den jungen Kleinkriminellen Johnnie Pappas, den Lou protegiert hat. Lou besucht Johnnie allein in der Zelle, um ihn zu einem Geständnis zu bringen, erwürgt ihn und arrangiert es als Suizid, womit der Fall offiziell als gelöst gilt. Dennoch wachsen jedoch weitere Zweifel an Ford: Der Deputy Jeff Plummer und auch Lous Freundin Amy misstrauen Ford, zumal letztere ebenfalls von ihm misshandelt wurde. Ein Gelegenheitsarbeiter und Obdachloser hat Ford zudem in der Tatnacht beobachtet und will ihn erpressen. Ford hatte bereits den Entschluss gefasst, auch Amy zu töten. Er sagt dem Erpresser Geld zu und verabredet gleichzeitig eine Flucht mit ihr mit dem Versprechen, sie zu heiraten. In der betreffenden Nacht lässt er Amy zu sich kommen und erschlägt sie brutal, den Mord will er dem Erpresser anhängen. Als dieser flieht, verfolgt er ihn und der vermeintliche Täter wird von Jeff Plummer erschossen. In der Nacht tötet sich auch Sheriff Maples, der bereits wusste, dass Ford der Mörder war.
Plummer und Hendricks konfrontieren Ford kurz darauf in seinem Haus mit ihrem Verdacht, dass er der Täter sei. Sie lassen Ford verhaften und bringen ihn in die Einzelzelle, in der er Johnnie Pappas getötet hatte. Nach einigen Tagen und dem Versuch, ihn durch das wiederholte Abspielen einer eingesprochen Grußbotschaft von Pappas zum Geständnis zu zwingen, wird er in eine Irrenanstalt gebracht. Hier werden ihm Bilder von Amy an die Wand projiziert und mit einem Brief von Amy, den sie in ihrer Handtasche hatte, versucht Hendricks weiter, Ford zu einem Geständnis zu bewegen. Ein durch Joseph Rothman engagierter Anwalt erreicht die Entlassung von Ford aus der Anstalt, kann ihm jedoch nicht zur Flucht verhelfen.
Lou reflektiert seine Vergangenheit und erkennt seinen Frauenhass als Folge des frühen Missbrauchs an ihm durch die Haushälterin seines Vaters. Er erkennt sein Verhalten selbst als eine psychopathische Schizophrenie und seine Opfer als Stellvertreterinnen für die Haushälterin. Er beschließt, sein Haus in Brand zu setzen und sich dabei umzubringen. Bevor das geschieht, treffen Plummer, Hendricks und weitere Beamte bei ihm ein und werden von der noch immer schwer verletzten, aber lebenden, Joyce Lakeland begleitet. Sie versichert ihm, ihn nicht verraten zu haben und Ford glaubt ihr, tötet sie jedoch mit einer versteckten Klinge. Daraufhin schießen die Polizisten Lou nieder, während das Haus durch eine verzögerte Brandreaktion und die Schüsse explodiert.
Verfilmung
Seit Mitte der 1950er Jahre haben mehrere Filmemacher versucht, Thompsons Roman zu verfilmen. 20th Century Fox sicherte sich ursprünglich um 1956 die Rechte an dem Projekt als mögliches Filmprojekt mit Marilyn Monroe, die die Rolle der Joyce Lakeland spielen sollte. Marlon Brando war für die Hauptrolle des Lou Ford vorgesehen und Elizabeth Taylor sollte die Rolle der Amy Stanton spielen. Nach Monroes unerwartetem Tod am 5. August 1962 wurde das Projekt allerdings auf Eis gelegt.[1]
1976 wurde der Roman unter dem gleichen Titel The Killer Inside Me zum ersten Mal tatsächlich verfilmt. Regisseur war Burt Kennedy und Stacy Keach als Lou Ford und Tisha Sterling als Amy Stanton spielten die Hauptrollen.[2][3]
Eine weitere Version erschien im Jahr 2010 nach einem Drehbuch von John Curran und unter der Regie von Michael Winterbottom. Hier übernahmen Casey Affleck und Jessica Alba die Hauptrollen.[4] Der Film wurde im Januar 2010 auf dem Sundance Film Festival vorgestellt und kam später im selben Jahr in die Kinos. Bei den Internationalen Filmfestspiele Berlin 2010 wurde er für den Goldenen Bären nominiert.[5]
Winterbottom sah sich in der Folge vor allem aufgrund der in dem Film dargestellten Gewalt gegen Frauen deutlicher Kritik ausgesetzt.[1]
Deutschsprachige Hörspielbearbeitung
Im Jahr 1993 schrieb Norbert Schaeffer eine knapp 60-minütige Hörspielfassung, die unter seiner Regie als Gemeinschaftsproduktion der Sender SWF/HR und NDR ebenfalls unter dem Titel Der Mörder in mir erstellt wurde. Die Erstsendung fand am 4. April 1993 statt. Die Hauptrollen sprachen Peter Dirschauer (Lou Ford, Deputy-Sheriff in Central City), Ellen Schulz (Joyce Lakeland, seine Geliebte) und Karin Pfammatter (Amy Stanton, seine Verlobte).[6]
Belege
- ↑ a b Steve Erickson: Darkness Visible. In: LAmag. 2. Juli 2010, abgerufen am 9. November 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ The Killer Inside Me (1976). imdb.com, abgerufen am 9. November 2025.
- ↑ Fine but discomfiting remake of ‘The Killer Inside Me’. In: Mainline Media News. 5. Juli 2010, abgerufen am 9. November 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ The Killer Inside Me (2010). imdb.com, abgerufen am 9. November 2025.
- ↑ The Killer Inside Me. In: Berlinale. Abgerufen am 9. November 2025.
- ↑ ARD-Hörspieldatenbank (Der Mörder in mir, SWF/HR/NDR 1993)